FlexKapG -- die neue flexible Kapitalgesellschaft
Seit Anfang 2024 gibt es in Österreich eine neue Rechtsform, die speziell für Startups und KMUs entwickelt wurde: die Flexible Kapitalgesellschaft, kurz FlexKapG. Sie kombiniert die Vorteile der GmbH mit mehr Flexibilität bei Beteiligungen und Kapitalstruktur. In diesem Beitrag erkläre ich dir alles, was du über die FlexKapG wissen musst.
Was ist die FlexKapG?
Die FlexKapG ist eine eigene Rechtsform im österreichischen Gesellschaftsrecht, eingeführt durch das Flexible Kapitalgesellschafts-Gesetz (FlexKapGG). Sie basiert auf der GmbH, bringt aber wesentliche Neuerungen:
- Niedrigeres Mindeststammkapital: Nur 10.000 EUR (statt 35.000 EUR bei der GmbH)
- Unternehmenswertanteile: Neue Anteilsklasse speziell für Mitarbeiterbeteiligung
- Flexiblere Kapitalstruktur: Einfachere Kapitalerhöhungen und -herabsetzungen
- Vereinfachte Anteilsübertragung: Kein Notariatsakt für Abtretungen nötig
FlexKapG vs GmbH -- die Unterschiede
Wenn du zwischen GmbH und FlexKapG schwankst, hilft dir dieser Vergleich:
| Kriterium | GmbH | FlexKapG |
|---|---|---|
| Mindeststammkapital | 35.000 EUR (10.000 EUR privilegiert) | 10.000 EUR |
| Mindesteinzahlung | 17.500 EUR (5.000 EUR privilegiert) | 5.000 EUR |
| Anteilsübertragung | Notariatsakt erforderlich | Schriftform genügt (mit Beglaubigung) |
| Unternehmenswertanteile | Nicht vorgesehen | Ja, möglich |
| Beschlussfassung | Klassisch (Gesellschafterversammlung) | Flexibler (auch digital möglich) |
| Firmenbuchzusatz | "GmbH" | "FlexKapG" |
Einen grundsätzlichen Vergleich der Rechtsformen findest du auch im Beitrag Einzelunternehmen vs GmbH.
Für wen ist die FlexKapG geeignet?
Die FlexKapG wurde mit klaren Zielgruppen im Kopf entwickelt:
Startups mit Investorenbeteiligung
Wenn du weisst, dass du Investoren aufnehmen willst, ist die FlexKapG ideal. Die vereinfachte Anteilsübertragung spart bei Finanzierungsrunden erhebliche Notarkosten. Bei einer typischen Finanzierungsrunde mit mehreren Investoren können das schnell 5.000 bis 10.000 EUR sein.
Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung
Die Unternehmenswertanteile sind das Highlight der FlexKapG. Damit kannst du Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen, ohne ihnen echte Gesellschafteranteile geben zu müssen. Das löst ein Problem, das österreichische Startups seit Jahren plagt.
Wachstumsorientierte KMUs
Wenn du planst, dein Unternehmen schnell zu skalieren und dabei die Kapitalstruktur flexibel anpassen willst, bietet die FlexKapG Vorteile gegenüber der klassischen GmbH.
Unternehmenswertanteile -- das Kernstück
Die Unternehmenswertanteile (UWA) sind die wichtigste Innovation der FlexKapG. Lass mich erklären, wie sie funktionieren.
Was sind Unternehmenswertanteile?
UWAs sind eine neue Anteilsklasse, die:
- Kein Stimmrecht gewähren
- Am Gewinn und Liquidationserlöss beteiligen
- Bis zu 24,99 Prozent des Stammkapitals ausmachen können
- An Mitarbeiter ausgegeben werden können, ohne dass diese volle Gesellschafterrechte erhalten
Vorteile für Startups
Bisher war Mitarbeiterbeteiligung in Österreich kompliziert und teuer. Mit UWAs ändert sich das:
- Einfache Ausgabe: Kein aufwendiger Notariatsakt nötig
- Steuerlich attraktiv: Die Besteuerung erfolgt erst bei Realisierung (Verkauf oder Ausschüttung)
- Kein Mitspracherecht: Mitarbeiter profitieren finanziell, haben aber kein Stimmrecht -- das erleichtert die Unternehmenssteuerung
- Flexibler Rückfall: Bei Austritt des Mitarbeiters können die UWAs zurückfallen (mit entsprechender Vereinbarung)
Steuerliche Behandlung von UWAs
Die steuerliche Behandlung der Unternehmenswertanteile ist ein wesentlicher Vorteil:
- Bei Zuteilung: Grundsätzlich kein steuerpflichtiger Vorgang, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind
- Bei Ausschüttung: Besteuerung mit 27,5 Prozent KESt
- Bei Verkauf: Besteuerung mit 27,5 Prozent KESt
Das ist deutlich attraktiver als frühere Modelle wie Phantom Shares oder Stock Options, die oft zum progressiven Einkommensteuertarif besteuert wurden.
Gründung einer FlexKapG -- Schritt für Schritt
Der Gründungsprozess ähnelt dem der GmbH, ist aber in einigen Punkten vereinfacht. Den GmbH-Prozess habe ich detailliert im Beitrag GmbH gründen in Österreich beschrieben.
Schritt 1: Gesellschaftsvertrag erstellen
Auch bei der FlexKapG muss der Gesellschaftsvertrag als Notariatsakt errichtet werden. Der Inhalt umfasst:
- Firma und Sitz (mit Zusatz "FlexKapG" oder "Flexible Kapitalgesellschaft")
- Unternehmensgegenstand
- Höhe des Stammkapitals (mindestens 10.000 EUR)
- Stammeinlagen der Gesellschafter
- Regelungen zu Unternehmenswertanteilen (falls gewünscht)
Tipps zum Gesellschaftsvertrag findest du im Beitrag Gesellschaftsvertrag aufsetzen.
Schritt 2: Stammkapital einzahlen
Bei der FlexKapG beträgt das Mindeststammkapital 10.000 EUR. Davon müssen mindestens 5.000 EUR bei Gründung eingezahlt werden. Eine Gründungsprivilegierung wie bei der GmbH gibt es nicht -- ist aber auch nicht nötig, da das Stammkapital ohnehin niedriger ist.
Mehr zum Thema Stammkapital erfährst du im Beitrag Stammkapital und Einlagen.
Schritt 3: Firmenbucheintragung
Die FlexKapG wird wie die GmbH ins Firmenbuch eingetragen. Die Details dazu findest du im Beitrag Firmenbuch-Eintragung richtig machen.
Schritt 4: Gewerbeanmeldung und steuerliche Registrierung
Identisch mit der GmbH-Gründung -- Gewerbeanmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft und steuerliche Registrierung beim Finanzamt.
Kosten der FlexKapG-Gründung
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Notar (Gesellschaftsvertrag) | 800 -- 2.000 EUR |
| Beglaubigungen | 100 -- 200 EUR |
| Firmenbuchgebühr | 300 -- 500 EUR |
| Gewerbeanmeldung | 50 -- 200 EUR |
| Steuerberater | 500 -- 1.500 EUR |
| Stammkapital | 10.000 EUR |
| Gesamtkosten (ohne Stammkapital) | ca. 1.750 -- 4.400 EUR |
Die Gründungskosten sind damit etwas niedriger als bei der GmbH, vor allem wegen des geringeren Stammkapitals.
Vereinfachte Anteilsübertragung
Ein weiterer grosser Vorteil der FlexKapG: Anteilsübertragungen erfordern keinen Notariatsakt mehr. Es genügt die Schriftform mit beglaubigten Unterschriften. Das spart:
- Kosten: Ein Notariatsakt für eine Anteilsübertragung kostet schnell 1.000 -- 3.000 EUR. Bei der FlexKapG reicht eine Beglaubigung für ca. 100 -- 200 EUR.
- Zeit: Kein Notartermin nötig, an dem alle Parteien gleichzeitig anwesend sein müssen
- Flexibilität: Änderungen in der Gesellschafterstruktur sind schneller umsetzbar
Praxisbeispiel: Finanzierungsrunde
Stell dir vor, du holst drei Investoren in dein Startup:
Bei der GmbH: Drei separate Notariatsakte für die Anteilsübertragungen -- Kosten ca. 3.000 -- 9.000 EUR, plus Koordinationsaufwand für die Termine.
Bei der FlexKapG: Drei Abtretungsverträge mit beglaubigten Unterschriften -- Kosten ca. 300 -- 600 EUR. Die Unterschriften können an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten geleistet werden.
Digitale Beschlussfassung
Die FlexKapG ermöglicht modernere Formen der Beschlussfassung:
- Umlaufbeschlüsse sind einfacher möglich
- Digitale Teilnahme an Gesellschafterversammlungen ist ausdrücklich vorgesehen
- Niedrigere Quoren für bestimmte Beschlüsse
Details zur Beschlussfassung findest du im Beitrag Gesellschafterversammlung und Beschlüsse.
Umwandlung GmbH in FlexKapG
Hast du bereits eine GmbH und möchtest in eine FlexKapG umwandeln? Das ist möglich und wird in der Praxis zunehmend gemacht. Der Prozess umfasst:
- Gesellschafterbeschluss zur Umwandlung (Dreiviertelmehrheit)
- Änderung des Gesellschaftsvertrags
- Eintragung der Änderung im Firmenbuch
Die Kosten für die Umwandlung liegen bei ca. 1.000 -- 3.000 EUR. Weitere Informationen zu Umgründungen findest du im Beitrag Umgründung und Rechtsformwechsel.
Nachteile der FlexKapG
Fairerweise muss ich auch die Nachteile erwähnen:
1. Neue Rechtsform -- wenig Rechtsprechung
Die FlexKapG gibt es erst seit 2024. Es gibt noch kaum Gerichtsentscheidungen zu Streitfragen. Bei der GmbH hingegen gibt es über 100 Jahre Rechtsprechung. Das bedeutet: Bei Konflikten ist die Rechtslage bei der FlexKapG weniger vorhersehbar.
2. Bekanntheit
Nicht jeder Geschäftspartner kennt die FlexKapG. Während "GmbH" jedem ein Begriff ist, musst du bei der FlexKapG manchmal erklaren, was das ist. Das ändert sich aber zunehmend.
3. Internationale Anerkennung
Im internationalen Geschäftsverkehr ist die GmbH (oder ihr englisches Pendant "Limited Liability Company") bekannter. Die FlexKapG muss sich ihren Ruf erst aufbauen.
4. Nicht für alle Branchen geeignet
Für bestimmte Branchen (z.B. Banken, Versicherungen) ist die FlexKapG nicht zulässig. Hier bleibt die AG oder GmbH Pflicht.
FlexKapG im Burgenland
Für Startups im Burgenland ist die FlexKapG besonders interessant, weil:
- Die Gründungskosten niedriger sind als bei der GmbH
- Das geringere Stammkapital die Gründung erleichtert
- Die Mitarbeiterbeteiligung über UWAs Fachkräfte anlocken kann -- gerade im Wettbewerb mit Wiener Startups
- Die Wirtschaftskammer Burgenland und Startup Burgenland Beratung zur FlexKapG anbieten
Praxistipp
Wenn du im Burgenland gründest und noch unsicher bist: Die Gründerberatung von Startup Burgenland hilft dir kostenlos bei der Rechtsformwahl. Nutze dieses Angebot, bevor du zum Notar gehst.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich eine FlexKapG alleine gründen?
Ja, eine Ein-Personen-FlexKapG ist möglich -- genau wie bei der GmbH.
Brauche ich einen Steuerberater?
Ja, dringend empfohlen. Die doppelte Buchführung ist auch bei der FlexKapG Pflicht.
Gilt die Mindestkörperschaftsteuer auch für die FlexKapG?
Ja, die Mindestkörperschaftsteuer von 500 EUR pro Jahr gilt auch für die FlexKapG.
Kann ich UWAs auch an externe Berater ausgeben?
Nein, Unternehmenswertanteile sind an ein Dienstverhältnis geknüpft. Für externe Berater musst du andere Beteiligungsmodelle wählen.
Was passiert mit den UWAs, wenn ein Mitarbeiter kündigt?
Das regelst du im UWA-Vertrag. Üblich sind Vesting-Klauseln und Rückfallregelungen. Ein erfahrener Anwalt sollte diese Verträge aufsetzen.
Kann ich eine FlexKapG später in eine GmbH zurückwandeln?
Ja, das ist möglich. Da beide Rechtsformen eng verwandt sind, ist die Rückwandlung vergleichsweise unkompliziert. Details zur Umgründung findest du im Beitrag Umgründung und Rechtsformwechsel.
Brauche ich für die FlexKapG einen speziellen Notar?
Nein, jeder österreichische Notar kann eine FlexKapG-Gründung durchführen. Allerdings empfehle ich dir einen Notar, der bereits Erfahrung mit der neuen Rechtsform hat. Im Burgenland sind die meisten Notare inzwischen mit der FlexKapG vertraut.
Praxistipps für die FlexKapG-Gründung
- Gesellschaftsvertrag sorgfältig gestalten: Gerade bei UWA-Regelungen ist Genauigkeit wichtig. Lies dazu auch den Beitrag Gesellschaftsvertrag aufsetzen.
- UWA-Programm früh planen: Wenn du Mitarbeiterbeteiligung anbieten willst, plane das Programm vor der Gründung. So kannst du die Regelungen direkt im Gesellschaftsvertrag verankern.
- Steuerberater mit FlexKapG-Erfahrung wählen: Die steuerliche Behandlung der UWAs ist noch relativ neu. Nicht jeder Steuerberater kennt sich damit aus.
- Investorenverträge anpassen: Wenn du bereits Investorengespräche führst, informiere potenzielle Investoren über die Vorteile der FlexKapG. Viele internationale Investoren kennen die Rechtsform noch nicht.
Fazit
Die FlexKapG ist ein grosser Schritt nach vorne für den Startup-Standort Österreich. Sie löst viele Probleme, die Gründer mit der klassischen GmbH hatten -- vor allem bei Mitarbeiterbeteiligung und Finanzierungsrunden.
Meine Empfehlung: Wenn du 2027 oder später gründest und dein Startup auf Wachstum und Investorenkapital ausgerichtet ist, sollte die FlexKapG deine erste Wahl sein. Für konservativere Geschäftsmodelle ist die GmbH nach wie vor eine solide Wahl.
Informiere dich auch über die Grundlagen der GmbH-Gründung und die Möglichkeiten bei Personengesellschaften, um alle Optionen zu kennen.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Rechtsformen und Gesellschaftsrecht" im Startup Burgenland Blog. Alle Beiträge der Serie findest du unter der Kategorie Gründung und Recht.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.