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Umgründung und Rechtsformwechsel -- dein Leitfaden

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Umgründung und Rechtsformwechsel -- dein Leitfaden

Dein Startup wächst, die Anforderungen ändern sich -- und plötzlich passt die Rechtsform nicht mehr. Vielleicht bist du als Einzelunternehmer gestartet und brauchst jetzt eine GmbH. Oder du willst deine GmbH in eine FlexKapG umwandeln. In diesem Beitrag erkläre ich dir die verschiedenen Möglichkeiten der Umgründung und worauf du achten musst.

Was ist eine Umgründung?

Umgründung ist der Oberbegriff für alle Massnahmen, mit denen die Rechtsform oder Struktur eines Unternehmens geändert wird. In Österreich regelt das Umgründungssteuergesetz (UmgrStG) die steuerlichen Aspekte.

Arten der Umgründung

Das UmgrStG kennt sechs Arten der Umgründung:

  1. Verschmelzung (Artikel I UmgrStG)
  2. Umwandlung (Artikel II UmgrStG)
  3. Einbringung (Artikel III UmgrStG)
  4. Zusammenschluss (Artikel IV UmgrStG)
  5. Realteilung (Artikel V UmgrStG)
  6. Spaltung (Artikel VI UmgrStG)

Für Startups sind vor allem Umwandlung, Einbringung und Verschmelzung relevant.

Die häufigsten Szenarien für Startups

Szenario 1: Einzelunternehmen wird GmbH

Das klassische Szenario: Du hast als Einzelunternehmer gestartet und willst jetzt eine GmbH (oder FlexKapG) gründen. Dafür gibt es zwei Wege:

Weg A: Einbringung (steuerneutral)

Du bringst dein Einzelunternehmen als Sacheinlage in eine neu gegründete GmbH ein. Das ist der häufigste und steuerlich günstigste Weg.

Vorteile:

  • Steuerneutral: Keine Aufdeckung stiller Reserven
  • Übernahme aller Verträge: Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter werden übernommen
  • Buchwertfortführung: Die Werte werden 1:1 übernommen

Voraussetzungen für die Steuerneutralität:

  • Es muss ein Betrieb oder Teilbetrieb eingebracht werden (nicht nur einzelne Vermögenswerte)
  • Der Einbringende erhält als Gegenleistung Anteile an der übernehmenden Gesellschaft
  • Ein Einbringungsvertrag muss erstellt werden
  • Der Einbringungsstichtag muss festgelegt werden (rückwirkend bis zu 9 Monate möglich)

Ablauf:

  1. GmbH/FlexKapG gründen (siehe GmbH gründen in Österreich)
  2. Einbringungsvertrag erstellen (Notariatsakt)
  3. Sacheinlageprüfung (Wirtschaftsprüfer)
  4. Firmenbucheintragung der Einbringung
  5. Steuerliche Meldung (Steuererklierung)

Kosten: 3.000 -- 10.000 EUR (Notar, Steuerberater, Sacheinlageprüfer)

Weg B: Neugründung und Übertragung (steuerpflichtig)

Du gründest eine GmbH und überträgst einzelne Vermögenswerte (Assets) vom Einzelunternehmen in die GmbH. Das ist einfacher, aber steuerlich nachteilig.

Nachteile:

  • Stille Reserven werden aufgedeckt und müssen versteuert werden
  • Verträge müssen neu abgeschlossen werden
  • Grunderwerbsteuer bei Immobilien

Dieser Weg ist nur sinnvoll, wenn du wenige oder keine stillen Reserven hast.

Szenario 2: OG/KG wird GmbH

Wenn deine Personengesellschaft in eine GmbH umgewandelt werden soll, stehen dir verschiedene Wege offen:

Umwandlung nach UmgrStG

Die direkte Umwandlung einer OG/KG in eine GmbH ist möglich und kann steuerneutral erfolgen.

Ablauf:

  1. Umwandlungsbeschluss der Gesellschafter
  2. Erstellung eines Umwandlungsplans
  3. Umwandlungsbericht
  4. Sacheinlageprüfung
  5. Notariatsakt für den neuen Gesellschaftsvertrag
  6. Firmenbucheintragung

Wichtig: Alle Gesellschafter der OG/KG werden automatisch Gesellschafter der GmbH. Die Anteile richten sich nach dem bisherigen Beteiligungsverhältnis (sofern nichts anderes vereinbart wird).

Einbringung

Alternativ kann das Vermögen der OG/KG in eine neu gegründete GmbH eingebracht werden. Der Ablauf ist ähnlich wie bei der Einbringung eines Einzelunternehmens.

Szenario 3: GmbH wird FlexKapG

Seit der Einführung der FlexKapG überlegen viele GmbH-Gesellschafter, ob sie auf die neue Rechtsform wechseln sollten. Details zur FlexKapG findest du im Beitrag FlexKapG -- die neue flexible Kapitalgesellschaft.

Ablauf:

  1. Gesellschafterbeschluss mit Dreiviertelmehrheit (Details im Beitrag Gesellschafterversammlung und Beschlüsse)
  2. Änderung des Gesellschaftsvertrags (Notariatsakt)
  3. Anpassung des Firmenbucheintrags

Kosten: 1.000 -- 3.000 EUR

Wichtig: Da die FlexKapG auf dem GmbH-Gesetz basiert, ist die Umwandlung vergleichsweise einfach. Es handelt sich eher um eine Änderung der Rechtsform als um eine vollständige Umgründung.

Szenario 4: Verschmelzung zweier Gesellschaften

Wenn du eine zweite Gesellschaft hast (z.B. eine Holding-GmbH und eine operative GmbH), können diese verschmolzen werden.

Arten der Verschmelzung:

  • Verschmelzung zur Aufnahme: Eine Gesellschaft (die übertragende) wird von einer anderen (der übernehmenden) aufgenommen. Die übertragende Gesellschaft hört auf zu existieren.
  • Verschmelzung zur Neugründung: Beide Gesellschaften hören auf zu existieren und eine neue Gesellschaft wird gegründet.

Ablauf:

  1. Verschmelzungsvertrag zwischen den Gesellschaften
  2. Verschmelzungsberichte der Geschäftsführer
  3. Verschmelzungsprüfung (Wirtschaftsprüfer)
  4. Gesellschafterbeschlüsse in beiden Gesellschaften
  5. Firmenbucheintragung

Szenario 5: Spaltung einer Gesellschaft

Die Spaltung ist das Gegenteil der Verschmelzung -- eine Gesellschaft wird in zwei oder mehr Gesellschaften aufgeteilt.

Gründe für eine Spaltung:

  • Trennung verschiedener Geschäftsbereiche
  • Vorbereitung auf einen Teilverkauf
  • Risikotrennung (z.B. operative Gesellschaft und Immobiliengesellschaft)
  • Auseinandergehen von Gesellschaftern

Arten der Spaltung:

  • Aufspaltung: Die ursprüngliche Gesellschaft hört auf zu existieren, ihr Vermögen wird auf neue oder bestehende Gesellschaften aufgeteilt
  • Abspaltung: Die ursprüngliche Gesellschaft bleibt bestehen, ein Teil des Vermögens wird auf eine neue oder bestehende Gesellschaft übertragen

Steuerliche Aspekte der Umgründung

Steuerneutralität nach dem UmgrStG

Das Umgründungssteuergesetz ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen eine steuerneutrale Umgründung. Das bedeutet:

  • Keine Aufdeckung stiller Reserven: Die Buchwerte werden fortgeführt
  • Keine Einkommensteuer/Körperschaftsteuer auf den Umgründungsvorgang
  • Keine Grunderwerbsteuer bei bestimmten Umgründungsformen (Ausnahmen beachten)
  • Keine Umsatzsteuer auf die Übertragung

Voraussetzungen für die Steuerneutralität

Die wichtigsten Voraussetzungen:

  1. Vermögensübergang: Es muss ein Betrieb, Teilbetrieb oder Mitunternehmeranteil übertragen werden
  2. Gegenleistung in Anteilen: Der Einbringende erhält Anteile an der übernehmenden Gesellschaft
  3. Stichtag: Der Umgründungsstichtag muss innerhalb der gesetzlichen Frist liegen (in der Regel 9 Monate Rückwirkung möglich)
  4. Positive Verkehrswerte: Die eingebrachten Vermögenswerte müssen einen positiven Verkehrswert haben
  5. Schriftlicher Umgründungsvertrag: Muss bestimmte formale Anforderungen erfüllen

Rückwirkung

Ein grosser Vorteil des UmgrStG: Umgründungen können steuerlich rückwirkend erfolgen. Der Umgründungsstichtag kann bis zu 9 Monate vor dem Abschluss des Umgründungsvertrags liegen.

Beispiel: Du schliesst den Einbringungsvertrag am 30. September 2027 ab. Der Umgründungsstichtag kann auf den 1. Januar 2027 zurückwirken. Ab diesem Stichtag wird das Ergebnis steuerlich der neuen Gesellschaft zugerechnet.

Sperrfristen

Nach einer steuerneutralen Umgründung gelten Sperrfristen. Wenn du die erhaltenen Anteile innerhalb der Sperrfrist veräusserst, werden die stillen Reserven nachversteuert.

Kosten einer Umgründung

Die Kosten variieren stark je nach Art und Komplexität:

Art der UmgründungTypische Kosten
Einbringung EU in GmbH3.000 -- 10.000 EUR
Umwandlung OG/KG in GmbH5.000 -- 15.000 EUR
GmbH in FlexKapG1.000 -- 3.000 EUR
Verschmelzung5.000 -- 20.000 EUR
Spaltung8.000 -- 25.000 EUR

Die Kosten setzen sich zusammen aus:

  • Steuerberater/Wirtschaftsprüfer
  • Notar
  • Firmenbuchgebühren
  • Sacheinlageprüfer
  • Rechtsanwalt (empfohlen)

Zeitlicher Ablauf einer Umgründung

Eine typische Umgründung (Einbringung) dauert 3 bis 6 Monate:

  1. Monat 1: Planung und steuerliche Beratung
  2. Monat 1-2: Erstellung des Umgründungsvertrags
  3. Monat 2-3: Sacheinlageprüfung (falls erforderlich)
  4. Monat 3-4: Notartermin und Firmenbuchantrag
  5. Monat 4-6: Firmenbucheintragung und steuerliche Meldung

Häufige Fehler bei Umgründungen

1. Steuerberater zu spät einbinden

Umgründungen sind steuerlich komplex. Ein Fehler kann teure Steuerfolgen haben. Binde deinen Steuerberater von Anfang an ein -- idealerweise bevor du irgendwelche Schritte setzt.

2. Stichtag falsch wählen

Der Umgründungsstichtag bestimmt, ab wann die steuerlichen Ergebnisse der neuen Gesellschaft zugerechnet werden. Ein falsch gewählter Stichtag kann unerwünschte steuerliche Konsequenzen haben.

3. Verträge nicht anpassen

Bei einer Umgründung müssen bestehende Verträge geprüft und gegebenenfalls angepasst werden:

  • Mietverträge
  • Arbeitsverträge
  • Kundenverträge
  • Versicherungsverträge
  • Lizenzverträge

4. Arbeitnehmer nicht informieren

Bei einer Umgründung gehen die Arbeitsverhältnisse in der Regel automatisch auf die neue Gesellschaft über (Betriebsübergang). Die Arbeitnehmer müssen aber informiert werden und haben unter Umständen ein Widerspruchsrecht.

5. Förderungen gefährden

Wenn du Förderungen erhalten hast, prüfe, ob eine Umgründung die Förderbedingungen beeinflusst. Manche Förderverträge enthalten Klauseln, die bei einem Rechtsformwechsel greifen.

6. Gesellschaftsvertrag nicht anpassen

Der neue Gesellschaftsvertrag muss zur veränderten Situation passen. Nutze die Gelegenheit, um den Gesellschaftsvertrag zu überarbeiten und an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen.

Wann lohnt sich eine Umgründung?

Steuerliche Gründe

Die häufigste Motivation: Als Einzelunternehmer zahlst du bei hohen Gewinnen bis zu 55 Prozent Einkommensteuer. Die GmbH zahlt nur 23 Prozent KöSt. Ab einem Gewinn von ca. 60.000 -- 80.000 EUR kann sich die Umgründung steuerlich lohnen. Mehr dazu im Beitrag Einzelunternehmen vs GmbH.

Haftungsgründe

Wenn dein Geschäft wächst und das Haftungsrisiko steigt (mehr Mitarbeiter, grössere Aufträge), ist die Haftungsbeschränkung einer GmbH ein starkes Argument.

Investorenaufnahme

Investoren beteiligen sich in der Regel nur an Kapitalgesellschaften. Wenn du eine Finanzierungsrunde planst, musst du vorher in eine GmbH oder FlexKapG umgründen.

Mitarbeiterbeteiligung

Die FlexKapG bietet mit den Unternehmenswertanteilen attraktive Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung. Wenn du das nutzen willst, lohnt sich die Umgründung in eine FlexKapG.

Umgründung im Burgenland -- Besonderheiten

Regionale Berater

Im Burgenland gibt es erfahrene Steuerberater und Notare, die Umgründungen regelmässig durchführen. Die Wirtschaftskammer Burgenland kann dir Kontakte vermitteln.

Förderungen prüfen

Prüfe vor der Umgründung, ob du bestehende Förderungen gefährdest und ob es für die neue Rechtsform spezifische Förderungen gibt. Das Wirtschaftsservice Burgenland (WiBuG) beratet dich dazu.

Firmenbuch beim LG Eisenstadt

Die Firmenbucheintragung der Umgründung erfolgt beim Landesgericht Eisenstadt -- mit den bekannten kurzen Bearbeitungszeiten.

Checkliste: Umgründung vorbereiten

  • Steuerberater konsultieren und steuerliche Auswirkungen berechnen
  • Rechtsform der Zielgesellschaft wählen
  • Umgründungsstichtag festlegen
  • Notar beauftragen
  • Sacheinlageprüfer bestellen (falls nötig)
  • Gesellschaftsvertrag der neuen Gesellschaft erstellen
  • Bestehende Verträge prüfen
  • Arbeitnehmer informieren
  • Förderungen prüfen
  • Banken und Versicherungen informieren
  • Firmenbucheintragung beantragen
  • Steuerliche Meldung beim Finanzamt
  • Gewerbeanmeldung für neue Gesellschaft
  • SVS/OEGK-Anmeldung anpassen

Fazit

Eine Umgründung ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung deines Startups. Sie kann steuerliche Vorteile bringen, die Haftung beschränken und neue Möglichkeiten eröffnen -- etwa für Investorenbeteiligungen oder Mitarbeiterbeteiligung.

Aber: Umgründungen sind komplex und erfordern professionelle Beratung. Spar nicht an Steuerberater und Anwalt -- ein Fehler bei der Umgründung kann teurer werden als die gesamte Beratung.

Mein Rat: Wenn du merkst, dass deine aktuelle Rechtsform nicht mehr passt, handle früh. Je länger du wartest, desto komplexer und teurer wird die Umgründung.

Lies auch die Grundlagenbeiträge zur GmbH, zur FlexKapG und zu Personengesellschaften, um die verschiedenen Rechtsformen zu vergleichen.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Rechtsformen und Gesellschaftsrecht" im Startup Burgenland Blog. Alle Beiträge der Serie findest du unter der Kategorie Gründung und Recht.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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