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Einzelunternehmen vs GmbH -- der grosse Vergleich

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Einzelunternehmen vs GmbH -- der grosse Vergleich

Die Frage "Einzelunternehmen oder GmbH?" gehört zu den häufigsten, die mir Gründer im Burgenland stellen. Beide Rechtsformen haben ihre Berechtigung -- aber welche ist für dein Startup die richtige? In diesem ausführlichen Vergleich zeige ich dir alle Vor- und Nachteile, damit du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.

Die Kurzfassung

Bevor wir ins Detail gehen, hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:

KriteriumEinzelunternehmenGmbH
HaftungUnbeschränkt mit PrivatvermögenBeschränkt auf Einlage
GründungskostenMinimal (Gewerbeanmeldung)2.000 -- 5.000 EUR
StammkapitalKeines erforderlichMin. 35.000 EUR (10.000 EUR mit Privilegierung)
SteuernEinkommensteuer (bis 55%)KöSt 23% + KESt auf Ausschüttungen
BuchführungEinnahmen-Ausgaben-Rechnung möglichDoppelte Buchführung Pflicht
SozialversicherungSVSSVS (bei >25% Beteiligung) oder OEGK
ImageWeniger formellProfessioneller

Haftung -- der grösste Unterschied

Einzelunternehmen: Volle Haftung

Als Einzelunternehmer haftest du mit deinem gesamten Privatvermögen. Das heisst: Wenn dein Business schiefgeht, können Gläubiger auf dein Haus, dein Auto und dein Sparkonto zugreifen. Das ist ein erhebliches Risiko, besonders wenn du:

  • Mitarbeiter beschäftigst
  • Grössere Aufträge abwickelst
  • In einer haftungsintensiven Branche arbeitest
  • Investitionen tätigst

GmbH: Beschränkte Haftung

Bei der GmbH ist deine Haftung grundsätzlich auf deine Stammeinlage beschränkt. Dein Privatvermögen bleibt geschützt. Es gibt allerdings Ausnahmen:

  • Persönliche Bürgschaften: Banken verlangen oft persönliche Haftungen
  • Geschäftsführerhaftung: Bei Pflichtverletzungen haftest du persönlich -- mehr dazu im Beitrag Geschäftsführer-Pflichten und Haftung
  • Sozialversicherungsbeiträge und Steuern: Bei vorsätzlicher Nichtabführung haftest du persönlich
  • Insolvenzverzögerung: Wenn du die Insolvenz verschleppst

Trotzdem: Die Haftungsbeschränkung der GmbH ist ein enormer Vorteil, den du nicht unterschätzen solltest.

Gründungsaufwand und Kosten

Einzelunternehmen gründen

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist denkbar einfach:

  1. Gewerbeanmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat
  2. Anmeldung bei der SVS (erfolgt teilweise automatisch)
  3. Steuernummer beantragen (oder warten, bis sich das Finanzamt meldet)

Kosten: 50 bis 200 EUR für die Gewerbeanmeldung -- das war's.

GmbH gründen

Die GmbH-Gründung ist deutlich aufwendiger. Den kompletten Prozess habe ich im Beitrag GmbH gründen in Österreich beschrieben. Zusammengefasst:

  1. Gesellschaftsvertrag beim Notar errichten
  2. Bankkonto eröffnen und Stammkapital einzahlen
  3. Firmenbucheintragung beantragen
  4. Gewerbeanmeldung
  5. Steuerliche Registrierung

Kosten: 2.000 bis 5.000 EUR plus Stammkapital.

Steuern -- wo liegt der Vorteil?

Hier wird es spannend, denn die steuerliche Belastung ist oft der entscheidende Faktor.

Einzelunternehmen: Einkommensteuer

Als Einzelunternehmer zahlst du Einkommensteuer nach dem progressiven Tarif:

EinkommenSteuersatz
Bis 12.816 EUR0%
12.816 -- 20.818 EUR20%
20.818 -- 34.513 EUR30%
34.513 -- 66.612 EUR40%
66.612 -- 99.266 EUR48%
99.266 -- 1.000.000 EUR50%
Über 1.000.000 EUR55%

Dazu kommen Sozialversicherungsbeiträge von rund 26-27 Prozent.

GmbH: Körperschaftsteuer + Kapitalertragsteuer

Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn 23 Prozent Körperschaftsteuer. Wenn du den Gewinn ausschüttest, fallen zusätzlich 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer (KESt) auf die Ausschüttung an.

Die Gesamtbelastung bei voller Ausschüttung: ca. 44,2 Prozent.

Der Break-even-Point

Ab welchem Gewinn lohnt sich die GmbH steuerlich? Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab, aber als Faustregel gilt:

  • Unter 40.000 EUR Gewinn: Einzelunternehmen ist meist günstiger
  • 40.000 -- 80.000 EUR Gewinn: Kommt auf die individuelle Situation an
  • Über 80.000 EUR Gewinn: GmbH wird zunehmend attraktiver

Wichtig: Wenn du nicht den gesamten Gewinn ausschüttest, sondern im Unternehmen belässt (thesaurierst), ist die GmbH schon früher vorteilhaft. Denn dann zahlst du nur die 23 Prozent KöSt.

Geschäftsführergehalt als Steuerhebel

Ein grosser Vorteil der GmbH: Du kannst dir als Geschäftsführer ein Gehalt zahlen. Dieses ist für die GmbH eine Betriebsausgabe und reduziert den körperschaftsteuerpflichtigen Gewinn. Du zahlst darauf zwar Einkommensteuer, aber bei geschickter Gestaltung ergibt sich eine optimale Gesamtsteuerbelastung.

Rechenbeispiel: 100.000 EUR Gewinn

Um den steuerlichen Unterschied zu verdeutlichen, hier ein vereinfachtes Beispiel mit 100.000 EUR Gewinn:

Einzelunternehmen: Ca. 36.000 EUR Einkommensteuer + ca. 26.000 EUR SVS = ca. 62.000 EUR Gesamtbelastung.

GmbH (mit Geschäftsführergehalt von 50.000 EUR): Ca. 11.500 EUR KöSt auf den GmbH-Gewinn + ca. 15.000 EUR Einkommensteuer auf das Gehalt + ca. 13.000 EUR SVS = ca. 39.500 EUR Gesamtbelastung.

Die Ersparnis beträgt in diesem Beispiel rund 22.500 EUR pro Jahr. Natürlich ist jede Situation anders -- lass dir das von deinem Steuerberater individuell durchrechnen.

Sozialversicherung

Einzelunternehmen

Du bist pflichtversichert bei der SVS (Sozialversicherung der Selbständigen). Die Beiträge betragen ca. 26-27 Prozent deines Gewinns. In den ersten beiden Jahren gelten reduzierte Mindestbeiträge -- die böse Überraschung kommt oft im dritten Jahr, wenn die Nachzahlungen fällig werden.

GmbH

Hältst du mehr als 25 Prozent an der GmbH und bist Geschäftsführer, bist du ebenfalls bei der SVS versichert. Hältst du 25 Prozent oder weniger, bist du über die OEGK als Dienstnehmer versichert.

Tipp: Die OEGK-Versicherung ist für dich als Gründer oft günstiger und bietet bessere Leistungen (z.B. Krankengeld ab dem 4. Tag).

Buchführung und Verwaltung

Einzelunternehmen

  • Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bis zu einem Umsatz von 700.000 EUR möglich
  • Keine Pflicht zur Erstellung eines Jahresabschlusses (unter der Grenze)
  • Weniger Formalitäten bei Entscheidungen
  • Geringere Steuerberaterkosten (ca. 1.500 -- 3.000 EUR pro Jahr)

GmbH

  • Doppelte Buchführung ist immer Pflicht
  • Jahresabschluss muss erstellt und beim Firmenbuch eingereicht werden
  • Formalere Entscheidungsprozesse (Gesellschafterbeschlüsse)
  • Höhere Steuerberaterkosten (ca. 3.000 -- 6.000 EUR pro Jahr)
  • Jährliche Mindestkörperschaftsteuer von 500 EUR

Mehr zu den formalen Anforderungen erfährst du im Beitrag Gesellschafterversammlung und Beschlüsse.

Image und Geschäftsbeziehungen

Seien wir ehrlich: Eine GmbH wirkt professioneller als ein Einzelunternehmen. Das kann in folgenden Situationen relevant sein:

  • B2B-Geschäft: Grössere Unternehmen arbeiten lieber mit einer GmbH zusammen
  • Bankkredite: Die Kreditwürdigkeit einer GmbH wird oft höher eingeschätzt
  • Investoren: Beteiligungen an einem Einzelunternehmen sind praktisch unmöglich
  • Internationale Geschäfte: Eine GmbH wird auch im Ausland als solide Rechtsform anerkannt

Flexibilität bei Beteiligungen

Einzelunternehmen

  • Keine Möglichkeit, Anteile an Investoren abzugeben
  • Kein einfacher Einstieg von Co-Foundern
  • Bei Erweiterung um Partner: Umwandlung in eine andere Rechtsform nötig

GmbH

  • Anteile können verkauft oder abgetreten werden
  • Investoren können einfach beteiligt werden
  • Verschiedene Anteilsklassen möglich
  • Employee Stock Option Plans (ESOPs) umsetzbar

Wenn du planst, Investoren an Bord zu holen, führt kein Weg an der GmbH vorbei. Die FlexKapG bietet hier sogar noch mehr Möglichkeiten.

Entscheidungshilfe: Welche Rechtsform passt zu dir?

Wähle das Einzelunternehmen, wenn...

  • Du alleine gründest und kein hohes Haftungsrisiko hast
  • Dein erwarteter Gewinn unter 40.000 EUR liegt
  • Du möglichst schnell und günstig starten willst
  • Du eine Dienstleistung anbietest (geringes Haftungsrisiko)
  • Du keine Investoren brauchst
  • Du flexibel bleiben willst und wenig Verwaltung möchtest

Wähle die GmbH, wenn...

  • Du ein hohes Haftungsrisiko hast (Produkte, Mitarbeiter)
  • Dein erwarteter Gewinn über 60.000 EUR liegt
  • Du Investoren einbinden möchtest
  • Du mit grösseren Unternehmen zusammenarbeiten willst
  • Du Gewinne im Unternehmen thesaurieren möchtest
  • Du Co-Founder hast oder planst

Der smarte Weg: Stufenplan

Viele erfolgreiche Gründer im Burgenland starten mit einem Einzelunternehmen und wandeln später in eine GmbH um. Das ist ein valider Ansatz:

  1. Phase 1: Einzelunternehmen -- schnell starten, Markt testen
  2. Phase 2: Wenn das Business wächst -- Umwandlung in eine GmbH

Wie so eine Umwandlung funktioniert, erfährst du im Beitrag Umgründung und Rechtsformwechsel.

Aber Achtung: Eine spätere Umwandlung kann steuerliche Konsequenzen haben. Wenn du von Anfang an weisst, dass du gross denken willst, kann es günstiger sein, gleich mit der GmbH zu starten.

Steuerberatung -- unverzichtbar

Egal für welche Rechtsform du dich entscheidest: Hol dir einen guten Steuerberater. Die Investition lohnt sich fast immer, weil:

  • Er oder sie die optimale Rechtsform für deine spezifische Situation berechnen kann
  • Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten genutzt werden können
  • Fehler bei der Steuererklärung vermieden werden
  • Du dich auf dein Kerngeschäft konzentrieren kannst

Im Burgenland gibt es Steuerberater, die sich auf Startups spezialisiert haben. Die Wirtschaftskammer Burgenland kann dir Empfehlungen geben.

Sonderfall: Neue Personengesellschaften

Neben Einzelunternehmen und GmbH gibt es natürlich noch weitere Rechtsformen. Die OG und KG sind besonders dann interessant, wenn du mit Partnern gründen willst, aber die Formalitäten einer GmbH scheust.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich als Einzelunternehmer eine GmbH gründen und beide parallel führen?

Ja, das ist möglich und kommt in der Praxis häufig vor. Manche Gründer betreiben ihre bestehende Tätigkeit als Einzelunternehmer weiter und gründen für ein neues Projekt eine GmbH. Achte aber auf mögliche Interessenskonflikte und steuerliche Verflechtungen.

Wie schnell kann ich vom Einzelunternehmen in eine GmbH wechseln?

Eine Umgründung dauert typischerweise 3 bis 6 Monate. Details dazu findest du im Beitrag Umgründung und Rechtsformwechsel. Plane genügend Vorlaufzeit ein und beginne mit der steuerlichen Beratung, bevor du den Prozess startest.

Muss ich mein Einzelunternehmen auflösen, wenn ich eine GmbH gründe?

Nicht unbedingt. Du kannst das Einzelunternehmen in die GmbH einbringen (steuerneutral möglich) oder es parallel weiterführen. Welcher Weg der richtige ist, hängt von deiner individuellen Situation ab.

Was ist mit der neuen FlexKapG -- sollte ich die statt der GmbH wählen?

Die FlexKapG ist besonders für wachstumsorientierte Startups interessant. Sie bietet ein niedrigeres Mindeststammkapital und vereinfachte Anteilsübertragungen. Schau dir den ausführlichen Beitrag zur FlexKapG an, um zu entscheiden, ob sie für dich passt.

Fazit

Es gibt keine pauschal "bessere" Rechtsform. Die Entscheidung hängt von deiner individuellen Situation ab -- Haftungsrisiko, erwarteter Gewinn, Wachstumspläne und persönliche Präferenzen spielen alle eine Rolle.

Mein persönlicher Rat: Wenn du ein ernsthaftes Startup gründest, das skalieren soll, starte mit der GmbH (oder der FlexKapG). Die höheren Gründungskosten sind eine Investition, die sich schnell auszahlt. Für ein Nebenprojekt oder einen vorsichtigen Marktest tut es das Einzelunternehmen.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Rechtsformen und Gesellschaftsrecht" im Startup Burgenland Blog. Alle Beiträge der Serie findest du unter der Kategorie Gründung und Recht.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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