Stammkapital und Einlagen -- was du wissen musst
Das Stammkapital ist eines der zentralen Elemente jeder Kapitalgesellschaft. Wie viel musst du aufbringen? Wann muss es eingezahlt werden? Und was sind eigentlich Sacheinlagen? In diesem Beitrag kläre ich alle Fragen rund um Stammkapital und Einlagen bei GmbH und FlexKapG.
Was ist das Stammkapital?
Das Stammkapital (auch: Stammkapital oder Nennkapital) ist der im Gesellschaftsvertrag festgelegte Kapitalbetrag, den die Gesellschafter bei der Gründung aufbringen müssen. Es dient als Haftungsfonds für die Gläubiger der Gesellschaft.
Wichtig: Das Stammkapital ist nicht das Vermögen der Gesellschaft. Es ist ein fixer Betrag im Gesellschaftsvertrag, der sich nicht ändert, wenn das Unternehmen Gewinne oder Verluste macht. Das tatsächliche Vermögen kann höher oder niedriger sein.
Mindeststammkapital nach Rechtsform
| Rechtsform | Mindeststammkapital | Mindesteinzahlung bei Gründung |
|---|---|---|
| GmbH (regulär) | 35.000 EUR | 17.500 EUR (50%) |
| GmbH (privilegiert) | 10.000 EUR | 5.000 EUR (50%) |
| FlexKapG | 10.000 EUR | 5.000 EUR (50%) |
Details zur GmbH-Gründung findest du im Beitrag GmbH gründen in Österreich, zur FlexKapG im Beitrag FlexKapG -- die neue flexible Kapitalgesellschaft.
Gründungsprivilegierung bei der GmbH
Die Gründungsprivilegierung ist für viele Startups der Schlüssel zur GmbH-Gründung. Sie ermöglicht es, mit deutlich weniger Kapital zu starten.
Wie funktioniert die Gründungsprivilegierung?
- Das Stammkapital wird auf 10.000 EUR reduziert
- Davon müssen nur 5.000 EUR bei Gründung eingezahlt werden
- Die Privilegierung gilt für maximal 10 Jahre
- Nach Ablauf muss das Stammkapital auf 35.000 EUR aufgestockt werden
Voraussetzungen
- Die Gründungsprivilegierung muss im Gesellschaftsvertrag verankert sein
- Sie wird im Firmenbuch eingetragen
- Sie gilt ab dem Tag der Firmenbucheintragung
Was passiert nach 10 Jahren?
Nach Ablauf der Privilegierungsfrist musst du:
- Das Stammkapital auf mindestens 35.000 EUR erhöhen
- Die ausstehenden Einlagen einzahlen
- Den Gesellschaftsvertrag entsprechend ändern
Tipp: Plane diese Aufstockung frühzeitig ein. Wenn dein Startup erfolgreich ist, wirst du die 35.000 EUR nach 10 Jahren locker aufbringen können. Wenn nicht, solltest du überlegen, ob die GmbH noch die richtige Rechtsform ist.
Gründungsprivilegierung vs FlexKapG
Seit der Einführung der FlexKapG stellt sich die Frage: Lohnt sich die Gründungsprivilegierung der GmbH noch? Die FlexKapG hat dauerhaft ein Mindeststammkapital von 10.000 EUR -- ohne zeitliche Befristung.
Meine Einschätzung: Für neue Gründungen ist die FlexKapG oft die bessere Wahl. Die Gründungsprivilegierung der GmbH macht vor allem Sinn, wenn du bewusst die etablierte GmbH-Rechtsform wählen willst.
Bareinlagen
Bareinlagen sind die häufigste Form der Stammkapitaleinlage. Du überweist einfach Geld auf das Geschäftskonto der Gesellschaft in Gründung.
Ablauf der Bareinlage
- Geschäftskonto eröffnen (auf die GmbH/FlexKapG in Gründung lautend)
- Stammkapital überweisen (mindestens die Hälfte bei Gründung)
- Bankbestätigung einholen -- diese bestätigt, dass das Geld auf dem Konto eingegangen ist und zur freien Verfügung der Geschäftsführer steht
- Bankbestätigung dem Notar vorlegen -- sie wird für die Firmenbucheintragung benötigt
Wichtige Regeln bei Bareinlagen
- Die Einzahlung muss vor der Firmenbucheintragung erfolgen
- Die Bankbestätigung darf nicht älter als 3 Monate sein
- Das eingezahlte Stammkapital darf nach der Einzahlung verwendet werden (z.B. für Investitionen, Miete, etc.) -- es muss nicht auf dem Konto liegenbleiben
- Die ausstehende Hälfte muss eingezahlt werden, wenn die Gesellschafter es beschliessen oder wenn es die finanzielle Lage der Gesellschaft erfordert
Kann ich das Stammkapital sofort wieder ausgeben?
Ja, das ist erlaubt und auch üblich. Das Stammkapital ist Betriebsvermögen und kann für geschäftliche Zwecke verwendet werden. Allerdings darfst du das Stammkapital nicht als verdeckte Ausschüttung an die Gesellschafter zurückfliessen lassen. Das wäre eine sogenannte Einlagenrückgewähr, die verboten ist.
Sacheinlagen
Statt Bargeld kannst du auch Sachwerte in die Gesellschaft einbringen. Das können sein:
- Maschinen und Geräte
- Fahrzeuge
- Immobilien
- Patente und Markenrechte
- Software (unter bestimmten Voraussetzungen)
- Bestehende Unternehmen oder Unternehmensteile
Voraussetzungen für Sacheinlagen
Sacheinlagen müssen drei Kriterien erfüllen:
- Wirtschaftlicher Wert: Die Sache muss einen feststellbaren wirtschaftlichen Wert haben
- Übertragbarkeit: Die Sache muss auf die Gesellschaft übertragen werden können
- Sacheinlageprüfer: Bei GmbH und FlexKapG muss ein Sacheinlageprüfer (in der Regel ein Wirtschaftsprüfer) den Wert der Sacheinlage bestätigen
Der Sacheinlageprüfer
Der Sacheinlageprüfer wird vom Firmenbuchgericht bestellt und erstellt ein Gutachten über den Wert der Sacheinlage. Das Gutachten muss bestätigen, dass der Wert der Sacheinlage mindestens der übernommenen Stammeinlage entspricht.
Kosten des Sacheinlageprüfergutachtens: 2.000 -- 8.000 EUR, je nach Komplexität.
Wann sind Sacheinlagen sinnvoll?
Sacheinlagen machen Sinn, wenn:
- Du wertvolle Vermögenswerte hast, die du ins Unternehmen einbringen willst
- Du kein Bargeld für die Einlage aufbringen kannst
- Du ein bestehendes Einzelunternehmen in eine GmbH umwandeln willst (dann bringst du das gesamte Unternehmen als Sacheinlage ein)
Risiken bei Sacheinlagen
- Differenzhaftung: Wenn sich herausstellt, dass die Sacheinlage weniger wert ist als angegeben, haftest du als Gesellschafter für die Differenz in bar
- Kosten: Die Sacheinlageprüfung ist teuer
- Zeitaufwand: Der Prozess dauert länger als eine Bareinlage
Nachschusspflicht
Die Nachschusspflicht ist ein Instrument, mit dem die Gesellschaft von ihren Gesellschaftern zusätzliches Kapital einfordern kann -- über die ursprüngliche Stammeinlage hinaus.
Muss ich eine Nachschusspflicht akzeptieren?
Nur wenn sie im Gesellschaftsvertrag vorgesehen ist. Ohne entsprechende Klausel kann kein Gesellschafter zu Nachschüssen gezwungen werden.
Tipp für Gründer: Überlege gut, ob du eine Nachschusspflicht in den Gesellschaftsvertrag aufnimmst. Sie gibt der Gesellschaft Flexibilität, kann aber auch zur Belastung für Gesellschafter werden.
Beschränkte vs unbeschränkte Nachschusspflicht
- Beschränkte Nachschusspflicht: Der Höchstbetrag der Nachschüsse ist im Gesellschaftsvertrag festgelegt
- Unbeschränkte Nachschusspflicht: Kein Höchstbetrag -- die Gesellschaft kann beliebig viel fordern (in der Praxis selten und nicht empfehlenswert)
Kapitalerhöhung
Wenn das Stammkapital später erhöht werden soll (z.B. bei einer Finanzierungsrunde), ist ein bestimmter Prozess einzuhalten.
Gründe für eine Kapitalerhöhung
- Investorenaufnahme: Neue Gesellschafter bringen Kapital ein und erhalten dafür Anteile
- Stärkung der Eigenkapitalbasis: Bessere Bonität gegenüber Banken und Geschäftspartnern
- Pflichterfüllung: Nach Ablauf der Gründungsprivilegierung
Ablauf einer Kapitalerhöhung
- Gesellschafterbeschluss mit Dreiviertelmehrheit (Details im Beitrag Gesellschafterversammlung und Beschlüsse)
- Änderung des Gesellschaftsvertrags (Notariatsakt)
- Einzahlung der neuen Einlagen
- Firmenbucheintragung der Kapitalerhöhung
Kapitalerhöhung mit Agio
Bei der Aufnahme von Investoren wird häufig ein Agio (Aufgeld) vereinbart. Das bedeutet: Der Investor zahlt mehr als den Nennwert seines Anteils. Die Differenz fliesst in die Kapitalrücklagen.
Beispiel:
- Stammkapital: 35.000 EUR
- Investor erhält 10 Prozent der Anteile
- Unternehmensbewertung: 1.000.000 EUR
- Investor zahlt: 100.000 EUR (davon 3.500 EUR Stammeinlage + 96.500 EUR Agio)
Kapitalherabsetzung
Eine Kapitalherabsetzung ist das Gegenteil der Kapitalerhöhung -- das Stammkapital wird reduziert. Das ist ein komplexer Vorgang mit Gläubigeschutzvorschriften.
Gründe für eine Kapitalherabsetzung
- Bilanzverluste ausgleichen
- Überschüssiges Kapital an Gesellschafter zurückzahlen
- Anteilsverhältnisse ändern
Schutz der Gläubiger
Bei einer Kapitalherabsetzung müssen die Gläubiger geschützt werden:
- Die Herabsetzung muss dreimal im Firmenbuch kundgemacht werden
- Gläubiger können innerhalb von 3 Monaten Sicherstellung verlangen
- Erst danach kann die Herabsetzung durchgeführt werden
Einlagenrückgewähr -- das absolute No-Go
Die Einlagenrückgewähr ist das Zurückfliessen von Stammkapital an die Gesellschafter -- und sie ist streng verboten. Das betrifft nicht nur direkte Rückzahlungen, sondern auch:
- Unangemessen hohe Gehälter an Gesellschafter-Geschäftsführer
- Darlehen der GmbH an Gesellschafter zu nicht marktüblichen Konditionen
- Verträge zwischen GmbH und Gesellschaftern zu nicht fremdüblichen Bedingungen
- Übernahme privater Ausgaben der Gesellschafter durch die GmbH
Konsequenzen
Wird eine Einlagenrückgewähr festgestellt:
- Der Gesellschafter muss den Betrag zurückzahlen
- Der Geschäftsführer haftet persönlich (Sorgfaltspflicht -- siehe Geschäftsführer-Pflichten und Haftung)
- Steuerliche Konsequenzen (verdeckte Ausschüttung)
Stammkapital in der Praxis: Wie viel ist sinnvoll?
Viele Gründer fragen: Soll ich nur das Minimum einzahlen oder mehr?
Argumente für das Minimum
- Weniger Kapital gebunden
- Niedrigere Gründungskosten
- Flexibilität bei der Kapitalallokation
- Gesellschafterdarlehen als Alternative
Argumente für mehr Stammkapital
- Bessere Bonität bei Banken und Geschäftspartnern
- Mehr finanzieller Puffer für die Startphase
- Höhere Glaubwürdigkeit bei Kunden
- Vermeidung einer frühen Kapitalerhöhung
Meine Empfehlung
Für die meisten Startups im Burgenland empfehle ich:
- FlexKapG: 10.000 EUR Stammkapital (Minimum)
- GmbH mit Gründungsprivilegierung: 10.000 EUR Stammkapital
- GmbH regulär: 35.000 EUR Stammkapital
Darüber hinaus kannst du der Gesellschaft zusätzliches Kapital als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Das ist flexibler als Stammkapital, weil du es bei Bedarf zurückfordern kannst (solange die Gesellschaft solvent ist).
Gesellschafterdarlehen als Alternative
Ein Gesellschafterdarlehen ist eine Alternative oder Ergänzung zum Stammkapital. Es bietet Vorteile:
- Flexibilität: Das Darlehen kann bei Bedarf zurückgezahlt werden
- Steuerlich absetzbar: Die Zinsen sind für die Gesellschaft Betriebsausgaben
- Kein Notariatsakt: Ein einfacher Darlehensvertrag genügt
Aber Achtung: Gesellschafterdarlehen werden im Insolvenzfall nachrangig behandelt. Das heisst: Erst wenn alle anderen Gläubiger bezahlt sind, bekommst du dein Darlehen zurück. Ausserdem muss das Darlehen zu fremdüblichen Konditionen (Zinssatz, Rückzahlung) gewährt werden, sonst droht eine verdeckte Ausschüttung.
Häufige Fehler beim Stammkapital
- Stammkapital zu früh ausgeben: Behalte genügend Liquidität für die ersten Monate
- Private Ausgaben über die GmbH bezahlen: Das ist Einlagenrückgewähr
- Sacheinlagen überbewerten: Die Differenzhaftung trifft dich persönlich
- Gründungsprivilegierung vergessen: Prüfe, ob du sie nutzen kannst
- Agio nicht sauber dokumentieren: Bei Investorenaufnahme muss das Agio klar getrennt vom Stammkapital ausgewiesen werden
Fazit
Das Stammkapital ist mehr als nur eine Zahl im Gesellschaftsvertrag -- es ist der finanzielle Grundstein deines Startups. Mach dir Gedanken über die richtige Höhe und Form deiner Einlagen und lass dich von einem Steuerberater beraten.
Für die meisten Startups im Burgenland ist die Gründungsprivilegierung oder die FlexKapG der richtige Weg. Nutze die Möglichkeiten, die dir das österreichische Gesellschaftsrecht bietet, und starte mit einer soliden finanziellen Basis.
Lies auch die Beiträge zur GmbH-Gründung und zum Gesellschaftsvertrag, um das Gesamtbild zu vervollständigen.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Rechtsformen und Gesellschaftsrecht" im Startup Burgenland Blog. Alle Beiträge der Serie findest du unter der Kategorie Gründung und Recht.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.