Der teuerste Steuerberater ist der falsche
Einen Steuerberater zu finden klingt einfach. Google aufmachen, "Steuerberater Wien" eintippen, den ersten anrufen. Aber der Steuerberater, der seit 30 Jahren den Installateurbetrieb deines Onkels betreut, ist nicht automatisch der richtige für dein Tech-Startup.
Bei Startup Burgenland empfehlen wir fast jedem Gründerteam, einen Steuerberater zu engagieren -- aber den richtigen. Den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Steuerberater merkst du nicht an der Rechnung, sondern an dem, was du nicht zahlst: vermiedene Fehler, genutzte Freibeträge, korrekte SVS-Meldungen.
Steuerberater vs. Bilanzbuchhalter: Was brauchst du?
Bevor du suchst, kläre, was du brauchst:
| Leistung | Bilanzbuchhalter:in | Steuerberater:in |
|---|---|---|
| Laufende Buchhaltung | Ja | Ja |
| UVA erstellen | Ja | Ja |
| Jahresabschluss (E/A) | Ja | Ja |
| Jahresabschluss (Bilanz) | Nein | Ja |
| Steuererklärungen | Eingeschränkt | Ja |
| Steuerliche Beratung | Nein | Ja |
| Vertretung vor dem Finanzamt | Nein | Ja |
| Gründungsberatung | Nein | Ja |
| Rechtsformberatung | Nein | Ja |
Für ein Einzelunternehmen mit E/A-Rechnung kann ein:e Bilanzbuchhalter:in ausreichen -- und ist günstiger (ca. EUR 60-100/Stunde vs. EUR 100-250/Stunde für Steuerberater:innen).
Für eine GmbH oder bei komplexeren Fragen brauchst du eine:n Steuerberater:in. Die Bilanzierungspflicht, die KöSt-Erklärung und die Gründungsberatung erfordern die Expertise.
Was ein guter Startup-Steuerberater können sollte
Nicht jeder Steuerberater versteht Startups. Hier die Kriterien, die bei Startup Burgenland immer wieder den Unterschied machen:
1. Erfahrung mit Startups und Neugründungen
Frag direkt: "Wie viele Neugründungen betreuen Sie aktuell?" Wenn die Antwort "keine" oder "selten" ist, bist du beim Falschen. Ein:e Steuerberater:in, der/die regelmäßig Startups betreut, kennt NeuFöG, Gründungsprivilegierung, SVS-Gründerprivileg und Förderungen im Schlaf.
2. Digitale Arbeitsweise
Dein Steuerberater sollte mit digitalen Belegen arbeiten, nicht auf Papierordner bestehen. Frag nach:
- Welche Buchhaltungssoftware wird genutzt?
- Gibt es ein Portal für Belegupload?
- Wie läuft die Kommunikation -- E-Mail, Chat, Telefon?
3. Proaktive Beratung
Ein guter Steuerberater meldet sich bei dir, wenn er Optimierungspotenzial sieht. Ein schlechter bucht nur deine Belege und schickt die Rechnung. Frag: "Wie informieren Sie mich über steuerliche Änderungen oder Gestaltungsmöglichkeiten?"
4. Transparente Preisgestaltung
Besteh auf einem klaren Angebot. Was kostet die laufende Buchhaltung? Was der Jahresabschluss? Was eine Stunde Beratung? Pauschalpreise sind oft besser als Stundenabrechnung, weil du die Kosten planen kannst.
5. Erreichbarkeit
In der Gründungsphase hast du viele Fragen -- und die tauchen nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr auf. Frag: "Wie schnell antworten Sie auf Anfragen?" Eine Antwort innerhalb von 24 Stunden sollte Standard sein.
Was ein Steuerberater kostet
Die Kosten variieren stark nach Umfang und Komplexität:
Einzelunternehmen (E/A-Rechnung)
| Leistung | Kosten pro Monat/Jahr |
|---|---|
| Laufende Buchhaltung (bis 50 Belege/Monat) | EUR 100-200/Monat |
| Steuererklärung | EUR 300-500/Jahr |
| Beratung (bei Bedarf) | EUR 100-250/Stunde |
| Jährliche Gesamtkosten | EUR 1.500-3.100 |
GmbH (doppelte Buchführung)
| Leistung | Kosten pro Monat/Jahr |
|---|---|
| Laufende Buchhaltung | EUR 300-600/Monat |
| Jahresabschluss (Bilanz, GuV, Anhang) | EUR 1.500-3.000/Jahr |
| KöSt-Erklärung + USt-Erklärung | EUR 500-800/Jahr |
| Beratung | EUR 100-250/Stunde |
| Jährliche Gesamtkosten | EUR 5.600-10.800 |
Gründungsberatung (einmalig)
| Leistung | Kosten |
|---|---|
| Rechtsformberatung | EUR 200-500 |
| Unterstützung bei der GmbH-Gründung | EUR 500-1.500 |
| Steuerliche Erstberatung | EUR 150-300 |
| Fragebogen für das Finanzamt (Verf 24) | EUR 100-200 |
Spartipp: Viele Steuerberater:innen bieten ein kostenloses Erstgespräch an. Nutze das, um die Chemie zu testen und ein Gefühl für die Kosten zu bekommen.
Wo du einen guten Steuerberater findest
1. Empfehlungen aus dem Gründer-Netzwerk
Die beste Quelle sind andere Gründer:innen. Frag in deinem Netzwerk, bei Startup Burgenland, in Coworking-Spaces oder in Gründer-Communities. Persönliche Empfehlungen sind Gold wert.
2. WKO Gründerservice
Das Gründerservice der WKO kann dir Steuerberater:innen empfehlen, die Erfahrung mit Neugründungen haben. Nutze die kostenlose Erstberatung beim WKO Gründerservice -- dort bekommst du oft auch konkrete Empfehlungen.
3. Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer
Die Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bietet ein Steuerberaterverzeichnis mit Suchfunktion nach Fachgebiet und Region.
4. Online-Plattformen
Plattformen wie herold.at oder firmen.wko.at listen Steuerberater:innen mit Bewertungen. Aber Vorsicht: Online-Bewertungen sagen wenig über die Qualität der steuerlichen Beratung aus.
Die richtigen Fragen im Erstgespräch
Geh mit einer Checkliste ins Erstgespräch:
- "Wie viele Startups / Neugründungen betreuen Sie?"
- "Welche Buchhaltungssoftware nutzen Sie?"
- "Wie sieht Ihr Onboarding-Prozess aus?"
- "Was kostet die laufende Betreuung pauschal?"
- "Kennen Sie sich mit [deiner Branche] aus?"
- "Wie informieren Sie mich über Fristen und Änderungen?"
- "Wie schnell antworten Sie auf Anfragen?"
- "Können Sie auch bei Förderanträgen unterstützen?"
Red Flags: Wann du wechseln solltest
- Antworten dauern regelmäßig länger als 48 Stunden
- Fristen werden versäumt (UVA, Steuererklärung)
- Keine proaktive Information über Gestaltungsmöglichkeiten
- Unklare oder stark schwankende Rechnungen
- Besteht auf Papierbelegen
- Kennt NeuFöG oder Gründungsprivilegierung nicht
- Kein Interesse an deinem Geschäftsmodell
Wann du (noch) keinen Steuerberater brauchst
In der allerersten Phase -- wenn du noch validierst und noch kein Unternehmen gegründet hast -- brauchst du keinen Steuerberater. Auch als nebenberufliche:r Einzelunternehmer:in mit wenigen Belegen pro Monat kannst du die Buchhaltung mit einer guten Software selbst machen.
Aber: Spätestens bei der Gründung einer GmbH, bei der ersten Steuererklärung oder wenn du Mitarbeiter:innen einstellst, lohnt sich professionelle Hilfe. Der Steuerberater spart dir mehr, als er kostet -- durch vermiedene Fehler und genutzte Optimierungen.
Jetzt loslegen
Frag in deinem Netzwerk nach Empfehlungen. Vereinbare zwei bis drei Erstgespräche und vergleiche. Achte nicht nur auf den Preis, sondern auf Startup-Erfahrung, digitale Arbeitsweise und Erreichbarkeit. Der richtige Steuerberater ist ein Partner für Jahre -- investiere die Zeit in die Auswahl.
Und wenn du die Buchhaltung erstmal selbst machen willst: Belege richtig sammeln und digitalisieren und Buchhaltungssoftware für Startups im Vergleich.
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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.