Die SVS kommt -- ob du bereit bist oder nicht
Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) ist für viele Gründer:innen der unangenehmste Teil der Selbständigkeit. Nicht weil die Versicherung schlecht wäre, sondern weil die Nachbemessung -- die SVS-Nachzahlung ein bis zwei Jahre später -- viele kalt erwischt.
Bei Startup Burgenland ist das eines der häufigsten Themen im Coaching: "Ich habe eine SVS-Nachzahlung von EUR 5.000 bekommen. Womit soll ich das bezahlen?" Die Antwort ist immer die gleiche: Du hättest es von Anfang an einplanen müssen. Dieser Post erklärt dir, wie die SVS funktioniert, was sie kostet und wie du Überraschungen vermeidest. Wichtiger Hinweis: SVS-Beiträge und Beitragsgrundlagen werden regelmäßig angepasst. Die hier genannten Zahlen basieren auf dem Stand 2025/2026.
Wer ist bei der SVS pflichtversichert?
Sobald du ein Gewerbe anmeldest, bist du bei der SVS pflichtversichert. Das gilt für:
- Gewerbetreibende (mit Gewerbeschein)
- Gesellschafter:innen einer OG oder KG (Komplementäre)
- Geschäftsführende Gesellschafter:innen einer GmbH (mit mehr als 25% Beteiligung)
- Neue Selbständige (ohne Gewerbeschein, z.B. Freelancer, Vortragende)
Nicht bei der SVS versichert sind:
- Angestellte Geschäftsführer:innen einer GmbH (ohne Beteiligung) -- die sind bei der ÖGK
- GmbH-Gesellschafter:innen ohne Geschäftsführung
Was die SVS kostet: Die Beitragsstruktur
Die SVS besteht aus mehreren Versicherungszweigen:
| Versicherung | Beitragssatz |
|---|---|
| Krankenversicherung | 6,80% |
| Pensionsversicherung | 18,50% |
| Unfallversicherung | EUR 11,35/Monat (Fixbetrag) |
| Selbständigenvorsorge | 1,53% |
| Gesamt (ohne UV) | ca. 26,83% |
Die Beiträge werden auf Basis deiner Beitragsgrundlage berechnet -- das ist im Wesentlichen dein Gewinn.
Die Mindestbeitragsgrundlage
Auch wenn du keinen Gewinn machst, zahlst du Mindestbeiträge. Die Mindestbeitragsgrundlage beträgt ca. EUR 574/Monat (Stand 2025). Das ergibt Mindestbeiträge von:
| Position | Monatlich | Jährlich |
|---|---|---|
| Krankenversicherung | EUR 39,03 | EUR 468,36 |
| Pensionsversicherung | EUR 106,19 | EUR 1.274,28 |
| Unfallversicherung | EUR 11,35 | EUR 136,20 |
| Gesamt Mindestbeiträge | EUR 156,57 | EUR 1.878,84 |
Das sind die Beiträge, die du in den ersten beiden Jahren zahlst -- solange dein tatsächlicher Gewinn noch nicht feststeht.
Das Gründerprivileg: Reduzierte Beiträge am Anfang
In den ersten beiden Kalenderjahren deiner Selbständigkeit (nicht Geschäftsjahren!) gelten reduzierte Beitragsgrundlagen. Das ist das sogenannte Gründerprivileg:
- Die Mindestbeitragsgrundlage ist niedriger als die reguläre
- Du zahlst vorerst nur die Mindestbeiträge
- Die tatsächliche Nachbemessung kommt erst, wenn dein Steuerbescheid vorliegt
Achtung: Das Gründerprivileg ist keine Ermäßigung -- es ist eine Stundung. Wenn dein Gewinn höher ist als die Mindestbeitragsgrundlage, zahlst du die Differenz nach. Dazu gleich mehr.
Die Nachbemessung: Der SVS-Schock
Hier liegt die größte Falle. So funktioniert die Nachbemessung:
- Jahr 1 (2026): Du zahlst die Mindestbeiträge (ca. EUR 157/Monat)
- Jahr 2 (2027): Du zahlst weiter Mindestbeiträge
- Steuerbescheid 2026 kommt (typischerweise Mitte bis Ende 2027): Dein tatsächlicher Gewinn 2026 wird festgestellt
- Nachbemessung: Die SVS berechnet die Differenz zwischen den bezahlten Mindestbeiträgen und den tatsächlich geschuldeten Beiträgen -- und fordert die Differenz nach
Rechenbeispiel
Du machst 2026 einen Gewinn von EUR 30.000:
| Position | Berechnung | Betrag |
|---|---|---|
| Tatsächliche Beitragsgrundlage | EUR 30.000/Jahr = EUR 2.500/Monat | |
| Tatsächliche KV (6,80%) | EUR 2.500 × 6,80% × 12 | EUR 2.040 |
| Tatsächliche PV (18,50%) | EUR 2.500 × 18,50% × 12 | EUR 5.550 |
| UV (Fixbetrag) | EUR 11,35 × 12 | EUR 136 |
| Tatsächliche Beiträge gesamt | EUR 7.726 | |
| Bereits bezahlte Mindestbeiträge | EUR 1.879 | |
| Nachzahlung | EUR 5.847 |
Fast EUR 6.000 Nachzahlung. Wenn du das nicht einplanst, wird es eng.
Wie du die Nachzahlung vermeidest
Du kannst bei der SVS eine höhere Beitragsgrundlage beantragen. Wenn du weißt, dass dein Gewinn deutlich über der Mindestbeitragsgrundlage liegen wird, lass deine vorläufige Beitragsgrundlage erhöhen. Dann zahlst du monatlich mehr, aber die Nachzahlung fällt weg oder ist klein.
Unsere Empfehlung bei Startup Burgenland: Leg von Anfang an 30% deines Gewinns für Steuern und SVS zur Seite -- auf ein separates Konto. Lieber zu viel als zu wenig.
Opting-In: Zusatzversicherung bei der SVS
Die SVS bietet einige Opting-In-Möglichkeiten:
Krankengeld (Opting-In Krankenversicherung)
Standardmäßig hast du als Selbständige:r kein Krankengeld. Du kannst dich aber freiwillig dafür versichern:
- Zusätzlicher Beitrag: 2,5% der Beitragsgrundlage
- Krankengeld ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit (mit Opting-In ab dem 4. Tag)
- Antrag innerhalb von sechs Monaten nach Versicherungsbeginn
Lohnt sich das? Für Solo-Gründer:innen ja -- denn wenn du krank wirst, verdienst du nichts. Die Kosten sind überschaubar (ca. EUR 60-70/Monat bei einem Gewinn von EUR 30.000).
Selbständigenvorsorge
Seit 2008 gibt es die Selbständigenvorsorge (analog zur Abfertigung Neu). Der Beitrag von 1,53% der Beitragsgrundlage wird automatisch an eine Vorsorgekasse überwiesen. Du kannst die Kasse wählen.
SVS und Anstellung: Doppelversicherung
Wenn du neben deiner Selbständigkeit auch angestellt bist, bist du doppelt versichert:
- Als Angestellte:r: Bei der ÖGK (ASVG)
- Als Selbständige:r: Bei der SVS (GSVG)
Die Beiträge werden auf beide Einkommen berechnet. Es gibt aber eine Höchstbeitragsgrundlage -- die Summe beider Beitragsgrundlagen ist nach oben gedeckelt (ca. EUR 6.060/Monat, Stand 2025). Wenn du als Angestellte:r bereits nahe an der Höchstbeitragsgrundlage liegst, zahlst du als Selbständige:r weniger SVS.
Mehr dazu in Nebenberuflich gründen: Was du steuerlich beachten musst.
SVS-Beiträge als Betriebsausgabe
Die SVS-Beiträge sind Betriebsausgaben -- sie reduzieren deinen steuerpflichtigen Gewinn. Bei einem Grenzsteuersatz von 42% sparst du also ca. 42% der SVS-Beiträge an Einkommensteuer. Die tatsächliche Belastung durch die SVS ist damit niedriger als der Beitragssatz vermuten lässt.
Die effektive SVS-Belastung
| Grenzsteuersatz | SVS-Beiträge (26,83%) | Steuerersparnis | Effektive Belastung |
|---|---|---|---|
| 20% | 26,83% | 5,37% | 21,46% |
| 30% | 26,83% | 8,05% | 18,78% |
| 42% | 26,83% | 11,27% | 15,56% |
| 48% | 26,83% | 12,88% | 13,95% |
Häufige SVS-Fehler
1. Nachbemessung nicht einplanen
Der Klassiker. Siehe oben.
2. Versicherungsbeginn nicht prüfen
Die SVS-Pflicht beginnt mit der Gewerbeanmeldung -- nicht mit dem ersten Umsatz. Auch wenn du noch nichts verdienst, zahlst du.
3. Opting-In-Frist versäumen
Die Frist für das Krankengeld-Opting-In ist sechs Monate nach Versicherungsbeginn. Danach geht es nur noch unter bestimmten Bedingungen.
4. SVS-Vorauszahlungen nicht anpassen
Wenn du merkst, dass dein Gewinn deutlich steigt, lass die vorläufige Beitragsgrundlage erhöhen. Das vermeidet eine große Nachzahlung.
Von der Theorie in die Praxis
Richte dir ein Steuerkonto ein und überweise monatlich 30% deines Gewinns dorthin. Prüfe, ob das Opting-In für Krankengeld für dich sinnvoll ist (in den meisten Fällen ja). Und lass deine vorläufige Beitragsgrundlage anpassen, wenn dein Gewinn über der Mindestbeitragsgrundlage liegt.
Für den großen Steuerüberblick: Welche Steuern dich als Gründer:in in Österreich erwarten. Und für die Besonderheiten der nebenberuflichen Gründung: Nebenberuflich gründen: Was du steuerlich beachten musst.
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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.