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PR-Grundlagen für Startups -- So machst du dein Startup sichtbar

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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PR-Grundlagen für Startups -- So machst du dein Startup sichtbar

Du hast ein grossartiges Produkt, ein motiviertes Team und einen soliden Businessplan. Aber niemand weiss davon. Genau hier kommt Public Relations ins Spiel -- und zwar nicht als nettes Extra, sondern als strategisches Werkzeug, das den Unterschied zwischen Scheitern und Durchbruch machen kann.

In diesem Beitrag legen wir das Fundament für deine PR-Arbeit. Egal ob du in Eisenstadt, Oberwart oder Neusiedl am See gründest -- die Prinzipien gelten überall. Und gerade im Burgenland, wo die Startup-Szene wächst und die Medienlandschaft überschaubar ist, hast du einen echten Vorteil.

Was ist PR eigentlich -- und was nicht?

Viele Gründer verwechseln PR mit Werbung. Das ist ein fundamentaler Fehler. Lass uns das gleich klären:

PR ist:

  • Der strategische Aufbau von Beziehungen zu Medien und Öffentlichkeit
  • Earned Media -- also Berichterstattung, die du dir verdienst
  • Langfristige Reputation und Vertrauen
  • Storytelling mit echtem Nachrichtenwert

PR ist nicht:

  • Bezahlte Werbung (das ist Advertising)
  • Social-Media-Marketing (das ist ein eigener Kanal)
  • Einfach eine Pressemitteilung rausschicken und hoffen

Der grosse Vorteil von PR gegenüber Werbung: Glaubwürdigkeit. Wenn der ORF Burgenland über dein Startup berichtet, hat das eine völlig andere Wirkung als eine bezahlte Anzeige in der gleichen Sendung.

Warum PR gerade für Startups so wichtig ist

Als Startup hast du in der Regel ein begrenztes Marketingbudget. PR kann hier ein unglaublicher Hebel sein:

1. Kosteneffizienz

Ein gut platzierter Artikel in der Wirtschaftszeit oder im Kurier erreicht tausende potenzielle Kunden -- und kostet dich keinen Cent an Mediabudget. Natürlich investierst du Zeit, aber der Return on Investment ist oft unschlagbar.

2. Vertrauensaufbau

Gerade als unbekanntes Startup musst du erst Vertrauen aufbauen. Eine Erwähnung in einem redaktionellen Beitrag wird von Lesern völlig anders wahrgenommen als eine Werbeanzeige. Studien zeigen, dass redaktionelle Inhalte bis zu siebenmal glaubwürdiger wirken.

3. Investor-Relations

Investoren lesen Medien. Wenn dein Startup regelmässig in Fachmedien erwähnt wird, baut das Vertrauen auf -- noch bevor du das erste Pitch Deck verschickst. Das gilt besonders für die österreichische Startup-Szene, wo Investoren wie aws, FFG oder auch der Wirtschaftsservice Burgenland aktiv nach vielversprechenden Projekten suchen.

4. Recruiting

Gute Leute wollen für sichtbare Unternehmen arbeiten. PR hilft dir, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden -- ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn du im Burgenland mit grösseren Unternehmen in Wien um Talente konkurrierst.

Die 5 Säulen deiner Startup-PR

Bevor du loslegst, brauchst du ein solides Fundament. Hier sind die fünf Bereiche, die du abdecken solltest:

Säule 1: Deine Kernbotschaft

Was macht dein Startup besonders? Und zwar nicht in Startup-Jargon, sondern so, dass es deine Oma in Oberpullendorf versteht. Arbeite an einem klaren, einfachen Satz, der erklärt:

  • Was du machst
  • Für wen du es machst
  • Warum es wichtig ist

Beispiel schlecht: "Wir sind ein AI-driven SaaS-Platform für B2B-Customer-Engagement-Optimization."

Beispiel gut: "Wir helfen kleinen Betrieben im Burgenland, ihre Stammkunden besser zu betreuen -- mit einer einfachen App, die automatisch an den richtigen Moment für den nächsten Kontakt erinnert."

Säule 2: Dein Presseverteiler

Du brauchst eine Liste von Journalisten und Medien, die für dein Thema relevant sind. Für österreichische Startups sind das typischerweise:

  • Regionale Medien: BVZ, ORF Burgenland, Kurier Burgenland
  • Nationale Wirtschaftsmedien: Der Standard (Wirtschaft), Die Presse, Trend, Format
  • Startup-Medien: Brutkasten, Trending Topics, StartingUp
  • Fachmedien: Abhängig von deiner Branche
  • Podcasts und Online-Medien: Nicht vergessen -- hier passiert immer mehr

Mehr dazu, wie du konkret Journalisten-Kontakte aufbaust, findest du in unserem Beitrag zu Journalisten-Kontakten in Österreich.

Säule 3: Dein Pressematerial

Bevor du den ersten Journalisten kontaktierst, brauchst du:

  • Pressemappe: Eine Seite auf deiner Website mit allen relevanten Infos
  • Boilerplate: Ein Standardtext über dein Unternehmen (3-4 Sätze)
  • Fotos: Professionelle Teamfotos und Produktbilder in druckfähiger Qualität
  • Factsheet: Die wichtigsten Zahlen und Fakten auf einen Blick
  • Gründergeschichte: Deine persönliche Story -- warum du dieses Problem löst

Investiere hier ein paar hundert EUR in professionelle Fotos. Nichts schreckt Journalisten mehr ab als Handyfotos mit schlechter Beleuchtung.

Säule 4: Dein Timing

PR ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Aber es gibt strategisch günstige Zeitpunkte:

  • Gründung: Der Launch ist deine erste grosse PR-Chance
  • Meilensteine: Erste Kunden, Umsatzziele, Teamwachstum
  • Finanzierungsrunden: Investoren-News sind immer medienwirksam
  • Events: Messen, Konferenzen, Award-Teilnahmen
  • Saisonale Aufhänger: Branchenspezifische Themen, die gerade aktuell sind

Mehr zum Thema Launch-PR findest du in unserem Beitrag zur Medienplatzierung beim Startup-Launch.

Säule 5: Deine Beziehungen

PR ist Beziehungsarbeit. Das bedeutet:

  • Journalisten sind keine Werbefläche, sondern Partner
  • Liefere echten Mehrwert, nicht nur Eigenwerbung
  • Sei zuverlässig und erreichbar
  • Biete exklusive Informationen, wenn möglich
  • Bedanke dich für Berichterstattung -- aber nicht übertrieben

Dein PR-Fahrplan für die ersten 90 Tage

Hier ist ein konkreter Plan, den du sofort umsetzen kannst:

Woche 1-2: Fundament legen

  • Kernbotschaft formulieren und mit 10 Personen testen
  • Pressemappe erstellen (Website-Seite)
  • Professionelle Fotos machen lassen
  • Boilerplate und Factsheet schreiben

Woche 3-4: Recherche

  • Relevante Medien und Journalisten identifizieren
  • Presseverteiler aufbauen (mindestens 20 Kontakte)
  • Aktuelle Berichterstattung in deiner Branche analysieren
  • LinkedIn-Profile relevanter Journalisten folgen

Woche 5-8: Erste Kontakte

  • Erste Pressemitteilung verfassen (Tipps dazu in unserem Pressemitteilungs-Guide)
  • Persönliche Anschreiben an 5-10 ausgewählte Journalisten
  • Auf Journalisten-Beiträge reagieren (Kommentare, Shares)
  • Ersten Gastbeitrag anbieten

Woche 9-12: Auswerten und anpassen

  • Medienresonanz analysieren
  • Was hat funktioniert, was nicht?
  • Follow-up mit Journalisten, die reagiert haben
  • PR-Kalender für die nächsten Monate erstellen

Häufige PR-Fehler von Startups

Aus meiner Erfahrung machen die meisten Gründer die gleichen Fehler. Hier die Top 5:

Fehler 1: Zu früher Massenkontakt

Du schickst eine generische Pressemitteilung an 200 Journalisten gleichzeitig. Ergebnis: 200 Journalisten ignorieren dich -- oder schlimmer, merken sich dich als Spammer. Besser: Wenige, gezielte, persönliche Kontakte.

Fehler 2: Kein Nachrichtenwert

"Wir haben eine neue Website" ist keine Nachricht. "Burgenländisches Startup verdreifacht Umsatz in drei Monaten" schon. Frag dich immer: Würde ich das als Leser interessant finden?

Fehler 3: Zu viel Jargon

Journalisten sind keine Experten in deiner Nische. Erkläre alles so einfach wie möglich. Wenn du "Disruption", "Synergien" oder "Paradigmenwechsel" verwendest, hast du schon verloren.

Fehler 4: Keine Geduld

PR braucht Zeit. Es kann Wochen oder Monate dauern, bis der erste Artikel erscheint. Gib nicht nach der ersten Absage auf.

Fehler 5: Kein Tracking

Wenn du nicht misst, was funktioniert, kannst du nicht optimieren. Tracke jede Aussendung, jeden Kontakt und jedes Ergebnis.

PR-Budget: Was kostet das Ganze?

Die gute Nachricht: PR kann sehr kostengünstig sein. Hier eine realistische Aufstellung für ein Startup im ersten Jahr:

PostenKosten
Professionelle Fotos300-800 EUR
Pressemappen-Design200-500 EUR
PR-Tool (z.B. APA OTS Basiszugang)ab 150 EUR pro Aussendung
Eventuell PR-Beratung (stundenweise)100-200 EUR pro Stunde
Deine eigene Zeitunbezahlbar

Insgesamt kannst du mit einem Budget von 1.000-3.000 EUR im ersten Jahr solide PR-Grundlagen schaffen. Ob du eine PR-Agentur brauchst oder alles selbst machen kannst, besprechen wir in unserem Beitrag zu PR-Agentur vs. DIY.

Österreich-spezifische Besonderheiten

Die PR-Landschaft in Österreich -- und speziell im Burgenland -- hat einige Besonderheiten:

Kleinere Medienlandschaft

Österreich hat weniger Medien als etwa Deutschland. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber ein Vorteil: Du erreichst schneller die relevanten Ansprechpartner und kannst persönlichere Beziehungen aufbauen.

Regionalmedien als Sprungbrett

Im Burgenland sind Medien wie die BVZ oder der ORF Burgenland exzellente Startpunkte. Ein Bericht dort kann als Referenz für nationale Medien dienen.

APA als Multiplikator

Die Austria Presse Agentur (APA) ist zentral in der österreichischen Medienlandschaft. Eine APA-OTS-Aussendung erreicht praktisch alle relevanten Redaktionen im Land.

Förderlandschaft nutzen

Organisationen wie die Wirtschaftsagentur Burgenland oder die aws bieten teilweise auch PR-Unterstützung oder Förderungen für Marketingmassnahmen. Es lohnt sich, hier nachzufragen.

Tools und Ressourcen für den Start

Hier eine Liste nützlicher Tools für deine PR-Arbeit:

  • APA OTS: Österreichs führender Presseverteiler
  • Google Alerts: Kostenlose Medienüberwachung für dein Thema
  • HARO/Qwoted: Plattformen, auf denen Journalisten nach Experten suchen
  • Canva: Für einfache Pressegrafikken
  • Notion/Trello: Für dein PR-Management und die Kontaktverwaltung
  • LinkedIn: Für Journalisten-Recherche und Kontaktaufnahme

Fazit: PR ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit

Für Startups im Burgenland und ganz Österreich ist PR eines der kosteneffizientesten Werkzeuge, um Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit aufzubauen. Du brauchst kein riesiges Budget -- du brauchst eine klare Botschaft, die richtigen Kontakte und die Bereitschaft, langfristig daran zu arbeiten.

Fang heute an. Formuliere deine Kernbotschaft. Identifiziere fünf Journalisten, die über dein Thema schreiben. Und dann mach den ersten Schritt.

In den nächsten Beiträgen dieser Serie gehen wir ins Detail: Wie du Pressemitteilungen schreibst, die gelesen werden, wie du Journalisten-Kontakte aufbaust und wie du Krisensituationen kommunikativ meisterst.


Du möchtest dein Startup im Burgenland aufs nächste Level bringen? Bei Startup Burgenland unterstützen wir Gründerinnen und Gründer mit Know-how, Netzwerk und individueller Beratung. Melde dich jetzt für unser kostenloses Erstgespräch an und erfahre, wie wir dich auf deinem Weg begleiten können.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie PR und Öffentlichkeitsarbeit im Startup Burgenland Blog. Die Serie bietet dir praxisnahe Tipps und Strategien, um dein Startup in den Medien sichtbar zu machen.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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