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Startup-Launch in den Medien platzieren -- Der ultimative PR-Plan

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Startup-Launch in den Medien platzieren -- Der ultimative PR-Plan

Dein Startup steht vor dem Launch. Monate -- vielleicht Jahre -- harter Arbeit stecken in deinem Produkt. Jetzt willst du, dass die Welt davon erfährt. Der Launch ist dein grösster PR-Moment, und wenn du ihn richtig spielst, kann er dir einen Schub geben, der Monate an organischem Wachstum ersetzt.

Aber Achtung: Du bekommst nur eine Chance für den ersten Eindruck. Deshalb ist Vorbereitung alles. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen Launch medial orchestrierst -- von der Planung acht Wochen vorher bis zum Follow-up nach dem grossen Tag.

Warum der Launch so wichtig ist

Der Launch ist einer der wenigen Momente im Leben eines Startups, der per se Nachrichtenwert hat. "Neues Unternehmen" ist eine Story, die Journalisten interessiert -- vorausgesetzt, du verpackst sie richtig.

Nach dem Launch wird es schwieriger. Dann brauchst du konkrete Meilensteine, um in die Medien zu kommen: Finanzierungsrunden, beeindruckende Wachstumszahlen, prominente Kunden. All das hat ein frisch gelaunchtes Startup noch nicht. Nutze also diesen Moment maximal aus.

Der 8-Wochen-Plan für deinen Launch

Wochen 8-7: Strategie und Vorbereitung

Die Kernfrage beantworten: Was ist die Story?

Dein Startup zu launchen ist für dich die grösste Sache der Welt. Für einen Journalisten ist es erstmal eine von vielen Meldungen. Du brauchst einen Angle -- einen Blickwinkel, der deine Geschichte besonders macht:

  • Der Problem-Angle: "Jeder dritte Winzer im Burgenland verliert 20 Prozent seiner Ernte. Dieses Startup will das ändern."
  • Der Persönliche-Geschichte-Angle: "Nach 15 Jahren in der Konzernwelt kündigt Maria Huber, um das grösste Problem ihrer Branche zu lösen."
  • Der Zahlen-Angle: "500.000 EUR Förderung für ein Drei-Personen-Startup aus Oberwart."
  • Der Trend-Angle: "Warum immer mehr Tech-Gründer das Burgenland statt Wien wählen."

Wähle den Angle, der am stärksten ist -- und bleibe dabei. Mehr zum Thema Storytelling findest du in unserem Beitrag zu Storytelling für Medien.

Pressematerial vorbereiten:

Alles, was du brauchst, muss fertig sein, bevor die Medienarbeit beginnt:

  • Pressemitteilung (siehe unseren Guide)
  • Pressefotos in hoher Auflösung (mindestens 300 dpi)
  • Kurzfilm oder Erklärvideo (optional, aber stark)
  • Factsheet mit allen wichtigen Zahlen und Daten
  • Gründer-Biografien mit professionellen Portraits
  • Pressemappe als PDF und auf der Website

Budget einplanen:

PostenGeschätzte Kosten
Professionelle Fotos400-800 EUR
APA OTS Aussendung150-400 EUR
Launch-Event (optional)500-3.000 EUR
PR-Beratung (optional)500-2.000 EUR
Gesamt1.550-6.200 EUR

Wochen 6-5: Kontakte aufbauen und Exklusivität vergeben

Die Exklusiv-Strategie:

Einer der effektivsten PR-Tricks beim Launch: Biete einem Medium die Geschichte exklusiv an. Das bedeutet, dieses Medium darf als erstes berichten -- und hat damit einen Anreiz, die Geschichte gross zu bringen.

So gehst du vor:

  1. Wähle das Medium, das am meisten Wirkung hat (z.B. Brutkasten für die Startup-Szene, BVZ für regionale Wirkung, Trend für Wirtschaftsentscheider)
  2. Kontaktiere den passenden Journalisten persönlich
  3. Biete die Geschichte exklusiv an -- mit einem klaren Zeitrahmen
  4. Vereinbare den Veröffentlichungstermin
  5. Alle anderen Medien kontaktierst du erst danach

Achtung: Exklusivität bedeutet, dass du die Geschichte wirklich nur diesem einen Medium gibst. Wenn du gleichzeitig woanders pitchst, zerstörst du Vertrauen nachhaltig.

Pre-Briefings organisieren:

Neben der Exklusiv-Story kannst du 2-3 weitere Journalisten vorab briefen -- unter der Bedingung, dass sie erst nach dem Exklusiv-Medium veröffentlichen. Das nennt sich "Sperrfrist" und ist in der Branche üblich.

Wochen 4-3: Content-Vorbereitung

Blog-Posts und Owned Media:

Bereite Inhalte vor, die du am Launch-Tag auf deinen eigenen Kanälen veröffentlichst:

  • Gründerstory auf dem eigenen Blog
  • LinkedIn-Post des Gründers/der Gründerin
  • Social-Media-Beiträge für Launch-Woche (vorplanen!)
  • Newsletter an bestehende Kontakte

Landing Page optimieren:

Wenn die Medien berichten, werden Leser auf deine Website kommen. Stelle sicher:

  • Die Website ist schnell und funktioniert auf allen Geräten
  • Es gibt eine klare Call-to-Action (Newsletter, Demo, Kontakt)
  • Die Presseseite ist leicht zu finden
  • Analytics sind eingerichtet, damit du den Traffic messen kannst

Wochen 2-1: Letzte Vorbereitungen

Pressemitteilung finalisieren:

  • Letzte Korrekturrunde
  • Alle Fakten nochmals prüfen
  • Zitate freigeben lassen
  • Versandliste nochmals überprüfen

Launch-Event planen (optional):

Ein Launch-Event kann ein starker PR-Hebel sein, muss aber nicht sein. Wenn du eines machst:

  • Halte es klein und fokussiert (20-40 Gäste)
  • Lade gezielt Journalisten ein (nicht mehr als 5-10)
  • Biete einen echten Erlebnis-Moment (Live-Demo, Enthüllung)
  • Sorge für gutes Catering -- österreichische Journalisten schätzen das
  • Halte einen ruhigen Bereich für Interviews bereit
  • Plane eine Foto-Opportunity ein

Alternativ: Ein virtueller Launch per Livestream oder ein exklusives Medienfrühstück kann genauso effektiv sein -- und kostet deutlich weniger.

Launch-Woche: Ausführung

Tag -1 (Vortag):

  • Exklusiv-Artikel sollte am nächsten Tag online gehen (bestätigen!)
  • APA-OTS-Aussendung für den nächsten Morgen planen
  • Social-Media-Beiträge vorplanen
  • Team briefen: Jeder muss wissen, was passiert und wie er reagieren soll

Tag 0 (Launch-Tag):

Morgens (8:00-9:00):

  • Exklusiv-Artikel geht online
  • APA-OTS-Aussendung rausschicken
  • Pressemitteilung per E-Mail an den restlichen Verteiler

Vormittags (9:00-12:00):

  • Social-Media-Beiträge veröffentlichen
  • LinkedIn-Artikel/Post des Gründers
  • Gründer muss erreichbar sein für Rückfragen
  • Medienresonanz beobachten

Nachmittags (12:00-18:00):

  • Follow-up bei Journalisten, die nicht reagiert haben
  • Medienresonanz dokumentieren
  • Auf Social-Media-Kommentare reagieren
  • Eventuell Launch-Event am Abend

Tag +1 bis +3:

  • Weitere Medienberichte erscheinen (Sperrfrist-Partner)
  • Dankes-E-Mails an Journalisten, die berichtet haben
  • Medienberichte auf eigenen Kanälen teilen (mit Quellenangabe)
  • Interne Auswertung starten

Wochen +1 bis +4: Nachbereitung

Medienresonanz auswerten:

  • Wie viele Berichte sind erschienen?
  • In welchen Medien?
  • Welche Reichweite haben sie erzielt?
  • Welcher Angle wurde aufgegriffen?
  • Wie hat sich der Website-Traffic entwickelt?
  • Gab es Anfragen von Kunden, Investoren oder weiteren Medien?

Follow-up-Stories anbieten:

Der Launch ist vorbei, aber die Story geht weiter. Biete Journalisten, die berichtet haben, Follow-up-Stories an:

  • "Erste 100 Kunden in zwei Wochen -- so lief der Launch"
  • "Was wir aus den ersten Wochen gelernt haben"
  • Gastbeitrag über die Gründerreise

Strategien für verschiedene Medientypen

Für Print und Online-Medien

  • Fokus auf starke Texte und gute Bilder
  • Vorlaufzeit einplanen (Print braucht mehr Zeit als Online)
  • Exklusive Inhalte anbieten (Interview, Hintergrundgespräch)

Für Radio und Podcast

  • Bereite 2-3 Soundbites vor (kurze, präenante Aussagen)
  • Biete einen O-Ton an (vorproduziert oder live)
  • Sei bereit für spontane Telefoninterviews

Für TV

  • Biete einen visuellen Moment (Produkt-Demo, Teamarbeit)
  • Bereite einen 30-Sekunden-Elevator-Pitch vor
  • Professionelles Auftreten: Kleidung, Hintergrund, Beleuchtung

Für Social Media und Influencer

  • Bereite shareable Content vor (Infografiken, kurze Videos)
  • Identifiziere relevante Influencer in deiner Nische
  • Biete Produkt-Samples oder exklusiven Zugang an

Häufige Launch-PR-Fehler

Fehler 1: Zu viele Angles gleichzeitig

Du versuchst, alles zu erzählen: die Technologie, die Gründergeschichte, den Markt, die Vision. Ergebnis: Journalisten verstehen nichts. Wähle einen Angle und bleib dabei.

Fehler 2: Kein konkreter Nachrichtenwert

"Wir launchen ein Startup" reicht nicht. Du brauchst etwas Konkretes: Eine Zahl, einen Kontrast, ein Problem, eine Überraschung.

Fehler 3: Schlechtes Timing

Du launchst am Freitagnachmittag oder während eines Grossereignisses (Wahl, Naturkatastrophe, grosses Sportevent). Recherchiere den Nachrichtenkalender vorab.

Fehler 4: Keine Nachbereitung

Du investierst alles in den Launch-Tag und vergisst das Follow-up. Aber die meisten Artikel erscheinen erst in den Tagen danach.

Fehler 5: Unrealistische Erwartungen

Nicht jeder Launch landet auf der Titelseite des Standard. Sei realistisch: Zwei bis drei solide Berichte in relevanten Medien sind ein Erfolg.

Fallbeispiel: Erfolgreicher Launch eines burgenländischen Startups

Nehmen wir ein fiktives Beispiel -- das Startup "WeinWise" aus Rust, das eine App für Weinbauern entwickelt hat:

8 Wochen vorher: Kernbotschaft definiert: "Rüster Startup digitalisiert den burgenländischen Weinbau -- erste App, die KI-gestützt den optimalen Erntezeitpunkt bestimmt"

6 Wochen vorher: Exklusiv-Angebot an den Brutkasten -- der Journalist nimmt an

4 Wochen vorher: Content erstellt, Website finalisiert, drei Winzer als Referenzkunden gewonnen

2 Wochen vorher: Pre-Briefing für BVZ und ORF Burgenland, Sperrfrist bis zum Launch-Tag

Launch-Tag:

  • Brutkasten-Artikel geht um 8:00 Uhr online
  • APA-OTS-Aussendung um 9:00 Uhr
  • BVZ und ORF berichten ab 10:00 Uhr
  • LinkedIn-Post des Gründers sammelt 500+ Likes

Ergebnis nach einer Woche:

  • 7 Medienberichte
  • 2.000 Website-Besucher
  • 150 Newsletter-Anmeldungen
  • 3 Investor-Anfragen
  • 1 Interview-Anfrage von einem Podcast

Das ist realistisch und erreichbar -- wenn du die Vorbereitung ernst nimmst.

Checkliste: Launch-PR

  • Kernbotschaft und Angle definiert
  • Pressemitteilung geschrieben und geprüft
  • Pressefotos und -material bereit
  • Website und Landing Page optimiert
  • Exklusiv-Medium gewählt und kontaktiert
  • Presseverteiler aktualisiert
  • Social-Media-Beiträge vorbereitet
  • Team gebrieft
  • APA-OTS-Aussendung geplant
  • Follow-up-Plan erstellt
  • Tracking und Analytics eingerichtet

Fazit: Vorbereitung ist alles

Ein erfolgreicher Startup-Launch in den Medien passiert nicht zufällig. Er ist das Ergebnis wochen- oder monatelanger Vorbereitung, gezielter Kontakte und einer klaren Story. Nimm dir die Zeit, es richtig zu machen -- denn diesen Moment bekommst du nur einmal.

Und vergiss nicht: Der Launch ist nur der Anfang. Danach beginnt die eigentliche PR-Arbeit -- die Pflege deiner Medienkontakte, die regelmässige Kommunikation und der Aufbau deiner Reputation als Thought Leader in deiner Branche.

Falls es doch einmal schiefläuft, findest du in unserem Beitrag zur Krisenkommunikation die richtigen Strategien.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie PR und Öffentlichkeitsarbeit im Startup Burgenland Blog. Die Serie bietet dir praxisnahe Tipps und Strategien, um dein Startup in den Medien sichtbar zu machen.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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