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Lohnverrechnung für Startups -- So behältst du den Überblick

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Lohnverrechnung für Startups -- So behältst du den Überblick

Du hast deine ersten Mitarbeiter eingestellt -- herzlichen Glückwunsch! Aber jetzt kommt die weniger glamouröse Seite des Unternehmertums: die Lohnverrechnung. In Österreich ist sie komplex, fehleranfällig und an strenge Fristen gebunden. Aber keine Sorge -- in diesem Beitrag zeige ich dir, wie du sie meisterst.

Was ist Lohnverrechnung?

Die Lohnverrechnung (auch Personalverrechnung oder Payroll) umfasst alle Berechnungen und Meldungen, die mit der Vergütung deiner Mitarbeiter zusammenhängen:

  • Bruttogehalt berechnen (inkl. Zulagen, Überstunden, Sachbezüge)
  • Abzüge berechnen (Lohnsteuer, Sozialversicherung, Gewerkschaftsbeitrag)
  • Nettogehalt ermitteln
  • Dienstgeberabgaben berechnen (SV-Anteil, DB, DZ, KommSt)
  • Meldungen an ÖGK, Finanzamt und Gemeinde
  • Lohnzettel ausstellen (monatlich und jährlich)

Der Gehaltszettel erklärt

Hier ein typischer Gehaltszettel für einen Startup-Mitarbeiter:

Brutto-Netto-Berechnung (Beispiel)

PositionBetrag
Bruttogehalt3.500,00 EUR
Abzüge Dienstnehmer:
Sozialversicherung DN (18,12%)-634,20 EUR
Lohnsteuer (nach Tarif)-ca. 485,00 EUR
Gewerkschaftsbeitrag (falls Mitglied)-35,00 EUR
Nettogehaltca. 2.345,80 EUR
Kosten Dienstgeber:
Bruttogehalt3.500,00 EUR
SV-Beitrag DG (21,23%)743,05 EUR
Dienstgeberbeitrag (3,7%)129,50 EUR
Zuschlag zum DB (ca. 0,36%)12,60 EUR
Kommunalsteuer (3%)105,00 EUR
BV-Beitrag (1,53%)53,55 EUR
Gesamtkosten Dienstgeberca. 4.543,70 EUR

Lohnsteuer-Berechnung

Die Lohnsteuer wird nach dem progressiven Einkommensteuertarif berechnet:

Einkommen (jährlich)Steuersatz
Bis 12.816 EUR0%
12.816-20.818 EUR20%
20.818-34.513 EUR30%
34.513-66.612 EUR40%
66.612-99.266 EUR48%
99.266-1.000.000 EUR50%
Über 1.000.000 EUR55%

Hinweis: Die Werte werden regelmäßig angepasst. Prüfe immer die aktuellen Grenzen.

Sozialversicherungsbeiträge

BeitragsartDienstnehmerDienstgeber
Krankenversicherung3,87%3,78%
Pensionsversicherung10,25%12,55%
Arbeitslosenversicherung3,00%3,00%
Unfallversicherung--1,1%
IESG-Zuschlag--0,2%
Wohnbauförderung0,5%0,5%
AK-Umlage0,5%--
Gesamt18,12%21,13%

Sonderzahlungen abrechnen

Das 13. und 14. Gehalt werden steuerlich begünstigt behandelt -- mit einem festen Steuersatz von 6% (bis zum Jahressechstel).

Jahressechstel-Berechnung

Das Jahressechstel ist ein Sechstel der laufenden Bezüge der letzten 12 Monate. Sonderzahlungen bis zu dieser Grenze werden mit 6% besteuert. Darüber hinaus gelten die normalen Steuersätze.

Rechenbeispiel

PositionBetrag
Monatliches Bruttogehalt3.500 EUR
Laufende Bezüge (12 Monate)42.000 EUR
Jahressechstel7.000 EUR
Urlaubsgeld (13. Gehalt)3.500 EUR
Weihnachtsgeld (14. Gehalt)3.500 EUR
Summe Sonderzahlungen7.000 EUR
Freibetrag-620 EUR
Steuer (6% auf 6.380 EUR)382,80 EUR

Im Vergleich: Würden die 7.000 EUR als laufender Bezug versteuert, würden ca. 2.800 EUR Lohnsteuer anfallen. Die Ersparnis beträgt also rund 2.417 EUR pro Jahr!

Details zu den Kollektivvertraglichen Regelungen für Sonderzahlungen findest du im entsprechenden Beitrag.

Monatliche Pflichten

Zeitplan

FristAufgabe
Bis zum 15. des FolgemonatsBeitragsgrundlagenmeldung an ÖGK
Bis zum 15. des FolgemonatsLohnsteuer an das Finanzamt
Bis zum 15. des FolgemonatsDB und DZ an das Finanzamt
Bis zum 15. des FolgemonatsKommunalsteuer an die Gemeinde
MonatlichBV-Beitrag an die Mitarbeitervorsorgekasse
MonatlichGehaltszettel an den Mitarbeiter

Jährliche Pflichten

FristAufgabe
Bis Ende FebruarLohnzettel (L16) an das Finanzamt
Bis Ende FebruarJahreslohnkonto abschließen
Bis Ende FebruarBeitragsgrundlagennachweis an ÖGK
JährlichDeckungsprüfung bei All-in-Verträgen
JährlichKV-Erhöhungen umsetzen

Intern oder extern abrechnen?

Die große Frage für jedes Startup: Machst du die Lohnverrechnung selbst oder lagerst du sie aus?

Option 1: Steuerberater / Lohnverrechnungsbüro

VorteilNachteil
ExpertenwissenKosten pro Mitarbeiter (ca. 40-80 EUR/Monat)
Haftung liegt beim BeraterWeniger Kontrolle
Immer aktuell bei GesetzesänderungenKommunikationsaufwand
Keine eigene Software nötigAbhängigkeit

Kosten: Rechne mit ca. 40-80 EUR pro Mitarbeiter und Monat für die laufende Lohnverrechnung. Dazu kommen Einmalkosten für die Einrichtung (ca. 100-200 EUR pro Mitarbeiter).

Option 2: Interne Lohnverrechnung mit Software

VorteilNachteil
Volle KontrolleEigenes Know-how nötig
Langfristig günstiger (ab ca. 15 MA)Haftung liegt bei dir
Schnelle AuskünfteSoftware-Kosten
Direkter Zugriff auf DatenLaufende Weiterbildung nötig

Kosten: Software ab ca. 30-100 EUR/Monat plus Personalkosten für die Sachbearbeitung.

Option 3: Hybrid

Viele Startups starten mit einem Steuerberater und holen die Lohnverrechnung ab einer bestimmten Größe (ca. 20-30 Mitarbeiter) ins Haus -- oft mithilfe einer HR- und Payroll-Software.

Meine Empfehlung

UnternehmensgrößeEmpfehlung
1-5 MitarbeiterSteuerberater / Lohnbüro
5-15 MitarbeiterSteuerberater + HR-Software für Self-Service
15-30 MitarbeiterHybrid (grundlegende Prozesse intern, Abrechnung extern)
30+ MitarbeiterInterne Lohnverrechnung mit professioneller Software

Typische Abrechnungsfälle im Startup

Fall 1: Überstundenpauschale

Der Mitarbeiter hat eine Überstundenpauschale von 500 EUR im Monat. Die tatsächlichen Überstunden im März betragen 15 Stunden.

PositionBetrag
Grundgehalt3.000 EUR
Überstundenpauschale500 EUR
Tatsächliche Überstunden (15h x 25,97 EUR x 1,5)584,33 EUR
Differenz-84,33 EUR

Die Pauschale deckt die Überstunden nicht -- du musst die Differenz nachzahlen!

Fall 2: Sachbezug Dienstwagen

Auch wenn Startups selten Dienstwagen haben -- der Sachbezug muss korrekt abgerechnet werden:

CO2-EmissionSachbezug
0 g/km (E-Auto)0% des Anschaffungspreises
Bis 129 g/km1,5% (max. 720 EUR)
Über 129 g/km2% (max. 960 EUR)

Fall 3: Geringfügige Beschäftigung

Die Abrechnung einer geringfügigen Beschäftigung ist einfacher, da keine Lohnsteuer und keine vollen SV-Beiträge anfallen:

PositionBetrag
Bruttogehalt500 EUR
Lohnsteuer0 EUR
SV (nur UV 1,1%)5,50 EUR
Netto494,50 EUR
BV-Beitrag (DG)7,65 EUR

Fall 4: Krankenstand

Bei Krankenstand muss der Arbeitgeber das Entgelt weiterzahlen:

DienstzeitVolle EntgeltfortzahlungHalbe Entgeltfortzahlung
Bis 1 Jahr6 Wochen4 Wochen
1-15 Jahre8 Wochen4 Wochen
15-25 Jahre10 Wochen4 Wochen
Über 25 Jahre12 Wochen4 Wochen

Danach übernimmt die ÖGK (Krankengeld).

Elektronische Meldungen

ELDA -- Elektronischer Datenaustausch

Alle Meldungen an die Sozialversicherung erfolgen über ELDA:

  • Anmeldung: Vor Arbeitsbeginn
  • Abmeldung: Innerhalb von 7 Tagen nach Ende
  • Änderungsmeldungen: Bei Gehaltsänderungen, Namensänderungen etc.
  • Beitragsgrundlagenmeldung: Monatlich bis zum 15.

FinanzOnline

Lohnsteuer, DB und DZ werden über FinanzOnline gemeldet und abgeführt.

Kommunalsteuer

Die Kommunalsteuer (3%) wird direkt an die Gemeinde abgeführt -- in den meisten Gemeinden monatlich.

Besonderheiten bei All-in-Verträgen

All-in-Verträge sind bei Startups beliebt (siehe Arbeitsvertrag-Grundlagen), erfordern aber eine sorgfältige Abrechnung:

Jährliche Deckungsprüfung

Du musst jährlich prüfen, ob die Überzahlung die tatsächlich geleisteten Überstunden abdeckt:

  1. Überstunden dokumentieren -- Arbeitszeitaufzeichnung ist Pflicht
  2. Überstundenwert berechnen -- inklusive Zuschläge (50% bzw. 100%)
  3. Mit Überzahlung vergleichen -- Überzahlung = Ist-Gehalt minus KV-Minimum
  4. Differenz nachzahlen -- wenn Überstunden die Überzahlung übersteigen

Rechenbeispiel Deckungsprüfung

PositionBetrag
All-in-Gehalt (monatlich)4.200 EUR
KV-Minimum3.180 EUR
Überzahlung (monatlich)1.020 EUR
Überzahlung (jährlich, 12 Monate)12.240 EUR
Tatsächliche Überstunden (200h x 24,78 EUR x 1,5)7.434 EUR
ErgebnisDeckung gegeben (Puffer: 4.806 EUR)

Häufige Fehler in der Lohnverrechnung

Fehler 1: Fristen versäumen

Verspätete Meldungen an die ÖGK oder das Finanzamt führen zu Säumniszuschlägen. Setze dir Erinnerungen für den 15. jedes Monats.

Fehler 2: KV-Erhöhungen nicht umsetzen

Jedes Jahr werden die Kollektivverträge neu verhandelt. Vergisst du die Erhöhung, entsteht eine Nachzahlungspflicht -- manchmal über Jahre.

Fehler 3: Sonderzahlungen falsch berechnen

Die aliquote Berechnung bei unterjährigem Ein- oder Austritt wird oft falsch gemacht. Lass es im Zweifel vom Steuerberater prüfen.

Fehler 4: Sachbezüge vergessen

Diensthandy zur Privatnutzung, Firmen-Kreditkarte, Essensgutscheine -- all das kann einen Sachbezug auslösen, der in der Lohnverrechnung berücksichtigt werden muss.

Fehler 5: Reisekostenabrechnung vernachlässigen

Dienstreisen müssen korrekt abgerechnet werden -- Tages- und Nächtigungsgelder, Kilometergelder, Fahrtkosten. Die Grenzen ändern sich regelmäßig.

Fehler 6: Urlaubs-Rückstellung nicht bilden

In der Bilanz musst du eine Rückstellung für nicht konsumierten Urlaub bilden. Das wird bei GPLA-Prüfungen (Gemeinsame Prüfung Lohnabhängiger Abgaben) genau geprüft.

Die GPLA-Prüfung

Alle paar Jahre kommt die GPLA-Prüfung -- eine gemeinsame Prüfung von Finanzamt und ÖGK. Dabei werden alle Lohnkonten der letzten Jahre geprüft.

Was geprüft wird

  • Korrekte Einstufung (Dienstnehmer vs. freier Dienstnehmer)
  • Richtige Berechnung der Bemessungsgrundlage
  • Korrekte Abführung von Lohnsteuer und SV-Beiträgen
  • Sachbezüge und Reisekosten
  • Sonderzahlungen
  • All-in-Deckungsprüfung

Vorbereitung

  • Alle Lohnkonten und Belege ordentlich ablegen
  • Arbeitszeitaufzeichnungen vorhalten
  • Arbeitsverträge und KV-Einstufungen griffbereit haben
  • Dienstnehmer-Einstufungen dokumentieren

Digitalisierung der Lohnverrechnung

Gehaltszettel digital versenden

Seit einiger Zeit darfst du Gehaltszettel auch elektronisch versenden -- per E-Mail oder über ein Self-Service-Portal. Der Mitarbeiter muss zustimmen.

Arbeitszeiterfassung digital

Nutze eine App oder ein Web-Tool für die Zeiterfassung. Das spart Papier und macht die Daten direkt für die Lohnverrechnung verfügbar. Empfehlungen findest du unter HR-Tools und Payroll-Software.

Cloud-basierte Lohnverrechnung

Moderne Payroll-Software läuft in der Cloud und bietet:

  • Automatische Berechnung aller Abzüge
  • Elektronische Meldungen an ÖGK und Finanzamt
  • Digitale Gehaltszettel
  • Schnittstellen zur Buchhaltung
  • Echtzeit-Auswertungen

Budget-Planung: Personalkosten richtig kalkulieren

Jahreskosten pro Mitarbeiter

PositionBetrag (Beispiel)
Bruttogehalt x 1242.000 EUR
13. Gehalt3.500 EUR
14. Gehalt3.500 EUR
Lohnnebenkosten (ca. 30% auf Bruttogehalt)14.700 EUR
Lohnnebenkosten auf Sonderzahlungen2.100 EUR
Gesamte Jahreskostenca. 65.800 EUR

Faustregel: Multipliziere das monatliche Bruttogehalt mit 18,8 um die jährlichen Gesamtkosten zu erhalten.

Beispiel: 3.500 EUR x 18,8 = 65.800 EUR/Jahr

Fazit

Die Lohnverrechnung ist kein Hexenwerk, aber sie erfordert Sorgfalt und Regelmäßigkeit. Als Startup-Gründer solltest du die Grundlagen verstehen, auch wenn du die Abrechnung an einen Steuerberater auslagerst. Denn am Ende bist du als Arbeitgeber für die korrekte Abrechnung verantwortlich.

Starte mit einem guten Steuerberater, investiere in ordentliche Zeiterfassung und plane deine Personalkosten realistisch. Dann wird die Lohnverrechnung vom notwendigen Übel zum verlässlichen Prozess.

Von der Theorie in die Praxis

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Auswahl des richtigen Lohnverrechnungspartners und der Einrichtung effizienter Payroll-Prozesse. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach deine Lohnverrechnung zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Arbeitsrecht und HR in Österreich" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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