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Due Diligence vorbereiten: Was Investoren prüfen werden

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Die Prüfung, die über dein Investment entscheidet

Du hast gepitcht, der Investor ist interessiert, und ein Term Sheet liegt auf dem Tisch (oder ist in Sicht). Jetzt kommt die Due Diligence -- die systematische Prüfung deines Startups durch den Investor. Und hier scheitern überraschend viele Deals, die eigentlich schon sicher schienen.

Due Diligence (DD) ist kein bürokratischer Formalismus. Es ist der Moment, in dem der Investor prüft, ob das, was du im Pitch erzählt hast, auch stimmt. Jede Unstimmigkeit, jedes fehlende Dokument, jede unerwartete Leiche im Keller kann den Deal platzen lassen -- oder zu deutlich schlechteren Konditionen führen.

Bei Startup Burgenland rate ich jedem Startup, sich auf die Due Diligence vorzubereiten, noch bevor das erste Investorengespräch stattfindet. Denn die Vorbereitung ist gleichzeitig ein Gesundheitscheck für dein Unternehmen. Und je früher du Probleme findest, desto günstiger und einfacher kannst du sie lösen.

Die vier Säulen der Due Diligence

Investoren prüfen dein Startup typischerweise in vier Bereichen. Die Tiefe der Prüfung hängt von der Investitionshöhe und der Phase ab -- ein Angel, der EUR 50.000 investiert, wird weniger gründlich prüfen als ein VC, der EUR 2 Millionen investiert. Aber die Bereiche sind dieselben.

BereichWas geprüft wirdRisiko bei Mängeln
Legal DDGesellschaftsrecht, IP, VerträgeDealbreaker
Financial DDZahlen, Steuern, BuchhaltungDealbreaker oder Abwertung
Commercial DDMarkt, Kunden, WettbewerbAbwertung oder Dealbreaker
Technical DDTechnologie, Produkt, TeamAbwertung

Je besser du vorbereitet bist, desto schneller geht die DD und desto weniger Überraschungen gibt es. Eine gut vorbereitete DD signalisiert dem Investor auch Professionalität und Transparenz -- zwei Eigenschaften, die für die Zusammenarbeit nach dem Investment essenziell sind.

Die Legal DD ist der Bereich, in dem die meisten Frühphasen-Startups Schwächen haben. Hier die vollständige Checkliste.

Gesellschaftsrechtliche Dokumente:

  • Gesellschaftsvertrag (Satzung) der GmbH
  • Firmenbuchauszug (aktuell)
  • Gesellschafterbeschlüsse und Protokolle
  • Nachweis der Stammkapitaleinzahlung
  • Aktuelle Gesellschafterliste mit Anteilsverteilung

Geistiges Eigentum (IP):

  • Patente, Marken, Domains -- Registrierungsnachweise
  • IP-Übertragungsverträge von Gründern ans Unternehmen
  • IP-Übertragungsverträge von externen Entwicklern und Freelancern
  • Open-Source-Compliance (welche Lizenzen verwendest du?)
  • Nachweis, dass alle IP-Rechte beim Unternehmen liegen

Das IP-Thema ist in Österreich besonders heikel. Wenn ein Gründer den Code vor der Firmengründung geschrieben hat, gehört die IP standardmässig dem Gründer als Privatperson -- nicht dem Unternehmen. Das muss durch einen formalen Übertragungsvertrag geregelt werden. Fehlt dieser Vertrag, ist das ein potenzieller Dealbreaker.

Arbeitsverträge und Berater:

  • Dienstverträge aller Mitarbeiter
  • Beraterverträge
  • Geheimhaltungsvereinbarungen (NDAs)
  • Wettbewerbsklauseln
  • ESOP/VSOP-Vereinbarungen (Mitarbeiterbeteiligungen)

Sonstige Verträge:

  • Kundenverträge (insbesondere die grössten)
  • Lieferantenverträge
  • Mietverträge
  • Lizenzverträge
  • AGB und Datenschutzerklärung

Financial Due Diligence: Zahlen, die standhalten

Die Financial DD prüft, ob deine Zahlen korrekt sind und ob dein Finanzmanagement professionell ist.

Buchhaltung und Jahresabschlüsse:

  • Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre (wenn vorhanden)
  • Aktuelle BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) bzw. Saldenliste
  • Kontoauszüge der letzten sechs bis zwölf Monate
  • Offene-Posten-Liste (Forderungen und Verbindlichkeiten)

Steuern:

  • Steuererklärungen der letzten Jahre
  • Aktuelle Steuerbescheide
  • Umsatzsteuervoranmeldungen
  • Nachweis über termingerechte Steuerzahlungen
  • Bestätigung, dass keine Steuerprüfung läuft oder ansteht

Finanzplanung:

  • Detaillierter Finanzplan für die nächsten drei bis fünf Jahre
  • Annahmen hinter den Prognosen (dokumentiert und nachvollziehbar)
  • Cash-Flow-Planung für die nächsten zwölf bis 18 Monate
  • Burn Rate und Runway-Berechnung
  • Use of Funds für das geplante Investment

Bestehende Finanzierungen:

  • Übersicht über bisherige Investments und Gesellschafter
  • Cap Table mit allen Anteilseignern (Details in Post 215)
  • Bestehende Darlehen, Wandeldarlehen oder SAFEs (siehe Post 214)
  • Förderzusagen und deren Bedingungen
  • Bürgschaften oder sonstige Verpflichtungen

In Österreich ist es besonders wichtig, die Förderhistorie sauber zu dokumentieren. Wenn du aws-Förderungen, FFG-Projekte oder den Gründungszuschuss von Startup Burgenland erhalten hast, müssen die Bedingungen und eventuelle Rückzahlungsverpflichtungen klar sein.

Commercial Due Diligence: Markt und Kunden

Die Commercial DD prüft deine Marktpositionierung und die Qualität deiner Kundenbeziehungen.

Kundenanalyse:

  • Liste der Top-10- bis Top-20-Kunden mit Umsatzanteil
  • Kundenkonzentration (Abhängigkeit von einzelnen Grosskunden)
  • Churn-Rate und Gründe für Kundenabgänge
  • Net Promoter Score oder andere Zufriedenheitskennzahlen
  • Referenzkunden, die der Investor kontaktieren darf

Marktanalyse:

  • Marktgrösse und Wachstumsrate (dokumentiert, mit Quellen)
  • Wettbewerbsanalyse (wer sind die relevanten Player?)
  • Deine Differenzierung und Wettbewerbsvorteile
  • Regulatorische Rahmenbedingungen

Pipeline und Vertrieb:

  • Aktuelle Sales-Pipeline
  • Conversion Rates über den Funnel
  • Durchschnittliche Verkaufszykluslänge
  • Vertriebskanäle und deren Performance
  • Marketingausgaben und ROI

Investoren werden oft direkt mit deinen Kunden sprechen wollen. Bereite drei bis fünf Referenzkunden vor, die bereit sind, positiv über die Zusammenarbeit zu berichten. Informiere diese Kunden im Voraus und bitte um ihre Zustimmung.

Technical Due Diligence: Produkt und Technologie

Bei technologielastigen Startups wird auch die technische Seite geprüft. Das kann durch den Investor selbst oder durch externe technische Berater geschehen.

Code und Architektur:

  • Technologie-Stack und Architekturübersicht
  • Code-Qualität (automatisierte Tests, Code Reviews, CI/CD)
  • Technische Schulden und bekannte Probleme
  • Skalierbarkeit der Infrastruktur
  • Security-Audit oder zumindest Security-Konzept

Produkt:

  • Produkt-Roadmap für die nächsten zwölf bis 18 Monate
  • Feature-Priorisierung und Methodik
  • User-Metriken (DAU, MAU, Engagement, Retention)
  • Produkt-Feedback und Feature-Requests

Team:

  • Technische Kompetenz des Teams
  • Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern (Bus Factor)
  • Hiring-Plan für technische Positionen
  • Entwicklungsprozesse und -methodik

Tipp: Wenn du weisst, dass eine technische DD kommt, räume deinen Code auf. Das heisst nicht, alles neu schreiben -- aber dokumentiere die Architektur, behebe offensichtliche Probleme und stelle sicher, dass ein externer Reviewer deinen Code verstehen kann.

Der Data Room: Dein Vorbereitung-Hub

Ein Data Room ist ein sicherer, organisierter Ort, an dem du alle DD-relevanten Dokumente bereitstellst. Früher waren das physische Räume voller Aktenordner -- heute sind es Cloud-basierte Lösungen.

Kostenlose oder günstige Optionen:

  • Google Drive mit strukturierten Ordnern und Zugriffsrechten
  • Notion mit einer DD-Datenbank
  • Dropbox Business

Professionelle Data-Room-Lösungen:

  • Ansarada
  • Datasite
  • DealRoom

Für eine Angel-Runde in Österreich reicht ein gut organisierter Google-Drive-Ordner völlig aus. Für eine VC-Runde solltest du eine professionellere Lösung in Betracht ziehen.

Strukturiere deinen Data Room so:

/1-Gesellschaftsrecht
  /Gesellschaftsvertrag
  /Firmenbuchauszug
  /Gesellschafterbeschlüsse
/2-Finanzen
  /Jahresabschlüsse
  /Steuern
  /Finanzplanung
  /Cap-Table
/3-IP-und-Technologie
  /Patente-und-Marken
  /IP-Übertragungsverträge
  /Technische-Dokumentation
/4-Verträge
  /Arbeitsverträge
  /Kundenverträge
  /Lieferantenverträge
/5-Markt-und-Kunden
  /Marktanalyse
  /Kundenliste
  /Referenzen

Häufige Probleme und wie du sie löst

Hier die Probleme, die ich in der DD-Vorbereitung am häufigsten sehe, und wie du sie vor dem Fundraising behebst.

Problem 1: IP nicht beim Unternehmen. Der Gründer hat den Code vor der GmbH-Gründung geschrieben, und es gibt keinen Übertragungsvertrag. Lösung: Erstelle nachträglich einen IP-Assignment-Vertrag. Das kostet bei einem Notar in Österreich EUR 500 bis EUR 1.500 und ist in einer Woche erledigt.

Problem 2: Fehlende Gründervereinbarung. Zwei Gründer, aber keine schriftliche Vereinbarung über Rollen, Vesting, Austritt und IP. Lösung: Setze eine Gründervereinbarung auf -- idealerweise mit einem Startup-erfahrenen Anwalt. Über das Netzwerk von Startup Burgenland bekommst du Zugang zu spezialisierten Rechtsanwälten.

Problem 3: Buchhaltung im Chaos. Belege fehlen, Buchungen sind unklar, die BWA ist veraltet. Lösung: Engagiere einen Steuerberater, der deine Buchhaltung aufräumt. Das kostet Zeit und Geld, ist aber nicht verhandelbar -- kein Investor investiert in ein Unternehmen, dessen Zahlen nicht stimmen.

Problem 4: Freiberufler ohne Vertrag. Ein Entwickler hat drei Monate am Produkt gearbeitet, aber es gibt keinen Vertrag mit IP-Übertragung. Lösung: Hole den Vertrag nach. In den meisten Fällen ist der Freelancer kooperativ, besonders wenn du bereit bist, eine angemessene Vergütung nachzuzahlen.

Problem 5: Ungeklärte Förderbedingungen. Du hast eine Förderung erhalten, bist dir aber nicht sicher, welche Bedingungen an das Geld geknüpft sind. Lösung: Lies den Fördervertrag komplett durch und kläre offene Fragen mit der Förderstelle. Manche Förderungen haben Rückzahlungsklauseln bei Gesellschafterwechsel -- das muss der Investor wissen.

Der Zeitfaktor: Wann du anfangen solltest

Die DD-Vorbereitung ist kein Projekt, das du in einer Woche erledigst. Plane mindestens vier bis acht Wochen ein, um alle Dokumente zusammenzutragen, fehlende Verträge aufzusetzen und deine Buchhaltung auf Vordermann zu bringen.

Meine Empfehlung: Beginne mit der DD-Vorbereitung, sobald du die Entscheidung triffst, Kapital aufzunehmen -- nicht erst, wenn ein Investor danach fragt. Das hat drei Vorteile.

Erstens: Du findest Probleme früh und kannst sie beheben, bevor sie den Deal gefährden. Zweitens: Du signalisierst Professionalität, wenn du innerhalb von 24 Stunden einen vollständigen Data Room bereitstellen kannst. Drittens: Du beschleunigst den Prozess, was dein Momentum im Fundraising erhält.

Eine hilfreiche Übung: Stelle dir vor, du wärst der Investor. Was würdest du wissen wollen? Welche Dokumente würdest du sehen wollen? Welche Fragen würdest du stellen? Gehe dein Unternehmen mit dieser Brille durch und dokumentiere alles, was einem kritischen Prüfer auffallen würde.

DD-Checkliste zum Abhaken

Hier die kompakte Checkliste für deine DD-Vorbereitung:

  • Gesellschaftsvertrag aktuell und vollständig
  • Firmenbuchauszug aktuell
  • Cap Table korrekt und dokumentiert
  • Alle IP-Rechte beim Unternehmen (mit Verträgen belegt)
  • Arbeitsverträge für alle Mitarbeiter vorhanden
  • Beraterverträge mit IP- und NDA-Klauseln
  • Buchhaltung aktuell und korrekt
  • Steuern bezahlt, Bescheide vorhanden
  • Finanzplan für drei bis fünf Jahre erstellt
  • Use of Funds definiert
  • Kundenverträge gesichtet und organisiert
  • Referenzkunden vorbereitet
  • Technische Dokumentation erstellt
  • Data Room eingerichtet und strukturiert
  • Förderverträge geprüft und dokumentiert

So gehst du jetzt weiter

Gehe diese Checkliste durch und identifiziere deine Lücken. Priorisiere: Legal-Themen zuerst, dann Financial, dann den Rest. Beginne mit den Punkten, die am längsten dauern -- IP-Verträge und Buchhaltungsaufräumung brauchen typischerweise die meiste Zeit.

Bei Startup Burgenland helfen wir dir, die DD-Vorbereitung zu strukturieren. Über unser Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten bekommst du professionelle Unterstützung zu fairen Konditionen. Und im 1:1 Coaching gehen wir deine spezifische Situation durch und identifizieren genau die Punkte, die du vor dem Fundraising klären musst.

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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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