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Kundenverträge für SaaS und Dienstleistungen richtig gestalten

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Dein erster Kunde unterschreibt -- und du hast keinen Vertrag

Die ersten Kunden zu gewinnen ist aufregend. So aufregend, dass viele Gründer:innen vergessen, die Zusammenarbeit vertraglich abzusichern. "Wir vertrauen uns, das regeln wir später." Sechs Monate später: Der Kunde zahlt nicht, will Features, die nie vereinbart waren, oder behauptet, die Leistung sei mangelhaft. Und du hast nichts Schriftliches.

Bei Startup Burgenland sehen wir das regelmäßig. Ein guter Kundenvertrag schützt nicht nur dich -- er schützt auch deinen Kunden und schafft Klarheit für beide Seiten. Hier ist, was drinstehen muss.

SaaS-Verträge: Terms of Service

Wenn du ein SaaS-Produkt anbietest, brauchst du Terms of Service (ToS) -- die Nutzungsbedingungen für dein Produkt. Sie gelten für alle Kunden gleich und werden typischerweise online bei der Registrierung akzeptiert.

Die Kernelemente eines SaaS-Vertrags

ElementWas es regelt
LeistungsbeschreibungWas dein Produkt kann (und was nicht)
Service Level Agreement (SLA)Garantierte Verfügbarkeit, Support-Zeiten
NutzungsrechteWas der Kunde mit dem Produkt tun darf
NutzungsbeschränkungenWas verboten ist (Reverse Engineering, Missbrauch)
Preise und ZahlungAbomodelle, Zahlungsbedingungen, Preisänderungen
Laufzeit und KündigungMindestlaufzeit, Kündigungsfristen, automatische Verlängerung
Datenschutz und DatensicherheitVerweis auf DPA/AVV, Datenhaltung
GewährleistungWas du garantierst (und was nicht)
HaftungsbegrenzungMaximale Haftung, Ausschluss von Folgeschäden
IP-RechteWem gehört was?
Beendigung und DatenportabilitätWas passiert mit den Daten bei Vertragsende?

SLA: Was du versprechen solltest

Ein SLA definiert deine Leistungsversprechen. Sei realistisch:

SLA-LevelVerfügbarkeitDowntime pro JahrFür wen geeignet
99,0%87,6 StundenFrühphase-Startups
99,5%43,8 StundenStandard für die meisten SaaS
99,9%8,8 StundenEnterprise-Kunden
99,99%52,6 MinutenKritische Infrastruktur

Tipp: Starte mit 99,5% und verbessere dein SLA, wenn deine Infrastruktur stabiler wird. Versprich nicht 99,9%, wenn du auf einem EUR 20/Monat-Server läufst.

Haftungsbegrenzung: Schütze dein Startup

Die Haftung ist der kritischste Teil. Ohne Begrenzung haftest du theoretisch unbeschränkt -- das kann dein Startup ruinieren.

Typische Regelungen:

  • Haftung beschränkt auf den Jahresbeitrag des Kunden (oder das 12-fache der Monatsgebühr)
  • Ausschluss von Folgeschäden und entgangenem Gewinn (im B2B zulässig)
  • Keine Beschränkung bei Vorsatz, grober Fahrlässigkeit und Personenschäden (gesetzlich vorgeschrieben)

Kündigung und Lock-In

B2C-Kunden haben ein 14-Tage-Widerrufsrecht bei Online-Abschluss. Darüber hinaus:

  • Monatliche Kündigung ist kundenfreundlich und reduziert die Hemmschwelle
  • Jährliche Verträge verbessern deinen Cashflow (oft mit Rabatt)
  • Datenexport bei Kündigung: Biete ihn aktiv an -- es schafft Vertrauen

Dienstleistungsverträge: Projekte und Retainer

Wenn du Beratung, Entwicklung oder andere Dienstleistungen anbietest, brauchst du einen Dienstleistungsvertrag.

Werkvertrag vs. Dienstvertrag

Die Frage ist: Schuldest du ein Ergebnis (Werkvertrag) oder eine Tätigkeit (Dienstvertrag)?

TypDu schuldestRisikoBeispiele
WerkvertragEin konkretes ErgebnisGewährleistung bei MängelnWebsite, App, Design
DienstvertragDeine Zeit und ExpertiseKein ErfolgsversprechenBeratung, Coaching, Support

Die meisten Startups bieten eine Mischung an. Kläre im Vertrag, welche Teile Werkcharakter haben und welche Dienstcharakter.

Leistungsbeschreibung: So genau wie nötig

Die Leistungsbeschreibung ist der häufigste Streitpunkt. "Website erstellen" ist zu vage. Besser:

  • Anzahl der Seiten / Screens
  • Funktionsumfang (Features)
  • Design: Anzahl der Entwürfe, Revisionsrunden
  • Technische Anforderungen (Responsive, Performance)
  • Was nicht inkludiert ist (Content-Erstellung, SEO, Hosting)
  • Abnahmekriterien

Change Requests: Wenn der Kunde mehr will

Definiere im Vertrag, wie Änderungswünsche (Change Requests) behandelt werden:

  1. Kunde beschreibt den Änderungswunsch schriftlich
  2. Du schätzt Aufwand und Kosten
  3. Kunde genehmigt (schriftlich)
  4. Umsetzung und Abrechnung

Ohne diese Regelung landest du im "Scope Creep" -- der Kunde will immer mehr, du traust dich nicht, nein zu sagen, und am Ende hast du doppelt so viel gearbeitet wie vereinbart.

Zahlungsbedingungen

ModellVorteileNachteile
Vorauszahlung (100%)Kein ZahlungsrisikoKunde hat keine Sicherheit
Anzahlung + Restzahlung (50/50)Fair für beide SeitenRisiko bei der Restzahlung
Meilenstein-basiert (z.B. 30/30/30/10)Guter KompromissAdministrativer Aufwand
Nachträgliche ZahlungKundenfreundlichHohes Zahlungsrisiko
Retainer (monatlich)Planbare EinnahmenKann ineffizient sein

Unsere Empfehlung bei Startup Burgenland: Starte mit Anzahlung + Restzahlung (50/50) oder Meilenstein-basiert. Verzichte nie auf eine Anzahlung -- sie filtert unseriöse Kunden.

Zahlungsfristen

Standard in Österreich: 14 Tage netto oder 30 Tage netto. Schreib die Frist in den Vertrag und auf jede Rechnung. Und definiere Verzugszinsen: Gesetzlicher Zinssatz im B2B ist 9,2 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz (§ 456 UGB).

IP-Rechte: Wem gehört das Ergebnis?

Das ist besonders wichtig bei Entwicklungs- und Design-Aufträgen:

  • Standardmäßig (ohne Regelung): Der/die Urheber:in (also du) behält die Rechte
  • Typische Vereinbarung: Du überträgst die Nutzungsrechte an den Kunden nach vollständiger Bezahlung
  • Lizenz vs. Übertragung: Lizenzierst du das Werk (du behältst die Rechte, der Kunde darf es nutzen) oder überträgst du es vollständig?

Tipp: Behalte dir das Recht vor, das Werk als Referenz zu nutzen (Portfolio, Website). Und kläre, wer die Rechte an wiederverwendbaren Komponenten hat (Libraries, Templates, Code-Snippets).

Der Vertrag auf einer Seite: Minimale Absicherung

Wenn du keinen ausführlichen Vertrag schreiben willst, sicher dich zumindest mit einem kurzen Projektvertrag ab:

  1. Wer sind die Vertragsparteien?
  2. Was wird geliefert? (3-5 Bullet Points)
  3. Bis wann?
  4. Was kostet es?
  5. Wie wird bezahlt? (Anzahlung + Rest)
  6. Wie viele Revisionsrunden sind inkludiert?
  7. Wem gehören die Rechte am Ergebnis?
  8. Unterschriften

Das ist besser als nichts -- und reicht für kleine Projekte oft aus.

Von der Theorie in die Praxis

Erstelle eine Vertragsvorlage für dein häufigstes Leistungsangebot. Nutze sie ab dem nächsten Kunden. Und wenn du ein SaaS-Produkt baust: Investiere in gute Terms of Service -- sie sind die Grundlage jeder Kundenbeziehung.

Weiter geht's: Der Beteiligungsvertrag: Was du vor dem Investment verstehen musst und AGB erstellen: Was dein Startup regeln muss.

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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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