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Wie du in 30 Tagen herausfindest, ob du gründen solltest

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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30 Tage, eine Entscheidung

Du überlegst, ob du gründen sollst. Vielleicht seit Wochen. Vielleicht seit Monaten. Vielleicht seit Jahren.

Und du kommst nicht weiter. Nicht weil dir Information fehlt -- sondern weil keine Information dir die Entscheidung abnimmt. Du kannst noch zehn Bücher lesen, noch fünf Podcasts hören, noch drei Freunde fragen. Am Ende bleibt die Unsicherheit.

Dieser Post gibt dir etwas anderes: einen konkreten 30-Tage-Plan. Vier Wochen mit klaren Aufgaben, die dir nicht sagen, ob du gründen sollst -- aber die dir die Daten geben, auf deren Basis du selbst entscheiden kannst.

Kein Persönlichkeitstest. Keine Motivations-Sprüche. Nur Praxis.

Bevor du startest: Die Voraussetzungen

Du brauchst:

  • 5-10 Stunden pro Woche (Abende, Wochenende -- kein Urlaub nötig)
  • Ein Problem oder eine Idee (muss nicht perfekt sein, nur ein Ausgangspunkt)
  • Ein Notizbuch oder digitales Dokument zum Dokumentieren
  • Bereitschaft, unbequeme Dinge zu tun (Fremde ansprechen, Ablehnung riskieren)

Du brauchst NICHT:

  • Geld (der Plan kostet dich null Euro)
  • Vorkenntnisse
  • Eine fertige Geschäftsidee
  • Einen Co-Founder

Woche 1: Problemerkennung

Ziel: Finde heraus, ob du ein echtes Problem siehst, das andere auch haben.

Tag 1-3: Das Ärgernisse-Tagebuch

Schreib jeden Tag drei Dinge auf, die dich genervt, Zeit gekostet oder frustriert haben. Beruflich und privat. Nicht filtern. Am Ende von Tag 3 hast du 9+ Einträge.

Tag 4-5: Muster suchen

Geh deine Liste durch. Welche Einträge hängen zusammen? Welche betreffen wahrscheinlich nicht nur dich? Markiere die drei vielversprechendsten.

Tag 6-7: Drei Gespräche

Sprich mit drei Menschen -- keine Freunde, keine Familie -- über dein stärkstes Problem. Nicht: "Ich habe eine Idee." Sondern: "Kennst du das Problem, dass...?"

Dokumentiere:

  • Haben andere das Problem auch?
  • Wie gehen sie heute damit um?
  • Wie viel kostet sie das Problem (Zeit, Geld, Nerven)?

Wochencheck: Hat sich ein Problem herauskristallisiert, das real und verbreitet ist? Wenn ja, weiter. Wenn nein, wähle ein anderes Problem von deiner Liste und wiederhole Tag 6-7.

Woche 2: Lösung skizzieren

Ziel: Entwickle eine erste, grobe Lösungsidee und teste sie verbal.

Tag 8-10: Lösungsskizze

Beschreibe deine Lösung in maximal drei Sätzen. Was tust du? Für wen? Warum ist es besser als das, was heute existiert?

Du brauchst kein Produkt. Keine App. Keine Website. Nur eine klare Beschreibung. Wenn du sie nicht in drei Sätzen formulieren kannst, ist die Idee noch nicht klar genug.

Tag 11-12: Der Zwei-Minuten-Pitch

Erkläre deine Lösung drei Menschen in je zwei Minuten. Beobachte ihre Reaktion:

  • Stellen sie Fragen? (Gutes Zeichen)
  • Sagen sie: "Das gibt es doch schon"? (Recherchiere, ob sie recht haben -- und was du anders machst)
  • Sagen sie: "Für wen ist das?" (Deine Zielgruppe ist noch nicht klar genug)

Tag 13-14: Wettbewerb recherchieren

Gibt es bereits Lösungen für das Problem? Wenn ja: Warum funktionieren sie nicht gut genug? Was würdest du anders machen? Wenn nein: Warum nicht? (Manchmal ist der Grund, dass es keinen Markt gibt.)

Nutze Google, die WKO-Gründerberatung in deinem Bundesland oder das Firmenverzeichnis. Such auch international -- oft gibt es Lösungen in anderen Ländern, die es in Österreich noch nicht gibt.

Wochencheck: Hast du eine Lösung, die du in drei Sätzen erklären kannst und die auf echtes Interesse stößt? Wenn ja, weiter.

Woche 3: Zahlungsbereitschaft testen

Ziel: Finde heraus, ob jemand für deine Lösung bezahlen würde.

Tag 15-17: Fünf Tiefengespräche

Führe fünf Gespräche mit potenziellen Kunden. Nicht mit Freunden. Mit Menschen, die das Problem tatsächlich haben.

Die wichtigste Frage: "Wie viel kostet dich dieses Problem heute -- in Geld, Zeit oder verpassten Chancen?" Wenn der Schmerz konkret ist und beziffert werden kann, ist die Zahlungsbereitschaft real.

Die zweitwichtigste Frage: "Was hast du schon versucht, um das Problem zu lösen?" Wenn die Antwort "Nichts" ist, ist der Schmerz vielleicht doch nicht groß genug. Wenn die Antwort "Ich habe drei Dinge probiert, nichts funktioniert" ist, hast du einen echten Markt.

Tag 18-19: Die Pre-Sell-Frage

In mindestens zwei Gesprächen stellst du die härteste Frage: "Wenn ich diese Lösung hätte -- würdest du sie kaufen? Und was wärst du bereit zu zahlen?"

Diese Frage ist unbequem. Genau deshalb ist sie so wertvoll. Die Antwort gibt dir mehr Information als jede Marktanalyse.

Tag 20-21: Auswertung

Schreib die Ergebnisse der Woche zusammen:

  • Wie viele Menschen haben das Problem bestätigt?
  • Wie viele haben Zahlungsbereitschaft signalisiert?
  • Welcher Preisrahmen hat sich ergeben?

Wochencheck: Haben mindestens drei von fünf Menschen das Problem bestätigt UND Zahlungsbereitschaft signalisiert? Dann hast du einen Markt. Wenn nicht, überdenke dein Problem oder deine Lösung.

Woche 4: Entscheidung treffen

Ziel: Sammle die Daten, triff die Entscheidung.

Tag 22-24: Die ehrliche Bestandsaufnahme

Beantworte schriftlich:

Über den Markt:

  1. Gibt es ein echtes Problem, das genug Menschen betrifft?
  2. Gibt es Zahlungsbereitschaft?
  3. Kannst du die Zielgruppe erreichen?

Über dich: 4. Hat dir der Prozess der letzten drei Wochen Energie gegeben oder genommen? 5. Bist du bereit, das noch ein Jahr zu machen -- Kundengespräche, Ablehnung, Unsicherheit? 6. Hast du die finanziellen Voraussetzungen für einen Start (nebenberuflich oder mit Puffer)?

Tag 25-27: Drei Szenarien durchspielen

Schreib für jedes Szenario auf, was es konkret bedeutet:

Szenario A: Du gründest nebenberuflich. Was sind die ersten drei Schritte? Wie viel Zeit pro Woche? Was sind die Kosten? Was ist dein erster Meilenstein?

Szenario B: Du parkst die Idee. Was tust du stattdessen? Behältst du sie im Hinterkopf? Validierst du in sechs Monaten erneut? Oder legst du sie endgültig ab?

Szenario C: Du tust nichts. Was kostet dich das? Wie fühlst du dich in einem Jahr, wenn sich nichts geändert hat?

Tag 28-30: Entscheidung und erster Schritt

Triff deine Entscheidung. Nicht auf Basis eines Gefühls, sondern auf Basis der Daten, die du in vier Wochen gesammelt hast.

Wenn du gründest: Definiere deinen ersten konkreten Schritt für nächste Woche. Gewerbeanmeldung? Prototyp bauen? Weiteres Kundengespräch? Erstgespräch bei Startup Burgenland?

Wenn du nicht gründest: Auch das ist ein gutes Ergebnis. Du hast in 30 Tagen mehr über dich und dein Potenzial gelernt als in Monaten des Grübelns. Und du hast es auf Basis von Daten entschieden, nicht auf Basis von Angst.

Was nach den 30 Tagen kommt

Wenn du dich für die Gründung entscheidest, hast du nach diesem Plan:

  • Ein validiertes Problem
  • Eine erste Lösungsskizze
  • Gespräche mit echten potenziellen Kunden
  • Eine realistische Einschätzung der Zahlungsbereitschaft
  • Daten über dich selbst als Gründerpersönlichkeit

Das ist mehr als 90% der Gründer haben, wenn sie starten. Du hast einen Vorsprung.

Der nächste Schritt wäre ein Erstgespräch bei uns. Das dauert etwa 20 Minuten, ist formlos und kostenlos. Wir schauen uns gemeinsam an, wo du stehst, und definieren den nächsten sinnvollen Schritt -- ob das eine Gründung ist, mehr Validierung oder etwas ganz anderes.

So gehst du jetzt weiter

Starte morgen mit Tag 1. Schreib drei Ärgernisse auf. Mehr nicht. Der Plan baut aufeinander auf -- du musst nicht alles auf einmal verstehen. Du musst nur den ersten Tag machen.

Wenn du noch unsicher bist, ob du grundsätzlich das Zeug zum Gründer hast, lies zuerst Wie du testest, ob du das Zeug zum Gründer hast. Und wenn du die Kosten und Förderungen in Österreich verstehen willst, findest du alles in Die ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung einer Gründung in Österreich.

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Startup Burgenland begleitet Gründerinnen und Gründer mit individuellem 1:1 Coaching -- vom ersten Gedanken bis zum Scale-up. Wenn du die 30 Tage hinter dir hast und den nächsten Schritt planen willst, schreib uns ein formloses E-Mail. Wir freuen uns auf dein Erstgespräch.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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