Zum Inhalt springen

Wie du testest, ob du das Zeug zum Gründer hast

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
Zurück zum Blog

Kann ein Test dir sagen, ob du gründen sollst?

Im Internet findest du Hunderte von "Gründer-Persönlichkeitstests". Zwanzig Fragen, ein Score, ein Ergebnis: "Du bist ein geborener Gründer!" oder "Vielleicht lieber nicht."

Diese Tests sind wertlos.

Nicht weil sie schlecht gemacht wären, sondern weil sie die falsche Frage beantworten. Sie messen Persönlichkeitseigenschaften -- Risikobereitschaft, Kreativität, Durchhaltevermögen. Aber Gründen ist keine Frage der Persönlichkeit. Es ist eine Frage der Fähigkeit und der Bereitschaft, bestimmte Dinge zu tun.

Wir haben bei Startup Burgenland introvertierte Gründer gesehen, die brillante Verkäufer wurden. Risikoscheue Gründer, die kalkuliert mutig wurden. Und "geborene Unternehmer" laut jedem Test, die nach sechs Monaten aufgegeben haben.

Dieser Post gibt dir keine Persönlichkeitsanalyse. Er gibt dir sieben praktische Tests, die du in den nächsten zwei Wochen durchführen kannst -- und die dir mehr über dein Gründerpotenzial sagen als jedes Quiz.

Warum praktische Tests besser sind als Fragebögen

Der Grund ist einfach: Fragebögen messen, was du über dich denkst. Praktische Tests messen, was du tust. Und beim Gründen zählt nur, was du tust.

Du kannst glauben, dass du gut mit Ablehnung umgehen kannst. Aber das weißt du erst, wenn du fünf potenzielle Kunden anrufst und drei davon Nein sagen. Du kannst glauben, dass du kreativ bist. Aber das weißt du erst, wenn du in 48 Stunden einen Prototyp bauen musst.

Die Tests unten sind so konzipiert, dass sie echte Gründer-Situationen simulieren. Nicht perfekt -- aber nah genug, um dir echte Daten über dich selbst zu liefern.

Die sieben Gründer-Tests

Test 1: Das Kundengespräch (Tag 1-2)

Was du tust: Identifiziere ein Problem, das dich nervt. Dann sprich mit drei Fremden darüber -- nicht mit Freunden oder Familie.

Geh in ein Café, auf eine Veranstaltung, in einen Co-Working-Space in Wien, Graz oder Eisenstadt. Sprich Menschen an und frag: "Ich überlege, ob das Problem X wirklich so verbreitet ist. Hast du damit auch Erfahrung?"

Was du lernst: Kannst du fremde Menschen ansprechen? Kannst du ein Problem artikulieren? Hörst du zu, was andere sagen, oder redest du nur über deine Lösung?

Grünes Signal: Du findest es unbequem, aber machbar. Du lernst etwas Überraschendes. Du willst weitere Gespräche führen.

Rotes Signal: Du verschiebst es dreimal und machst es nie. Nicht weil du keine Zeit hast, sondern weil dir der Gedanke unerträglich ist.

Test 2: Der 48-Stunden-Prototyp (Tag 3-4)

Was du tust: Nimm eine Idee -- sie muss nicht perfekt sein -- und bau in 48 Stunden etwas Vorzeigbares. Das kann eine Landing Page sein, ein Papier-Mockup, eine Skizze, ein einfaches Dokument, das beschreibt, was du anbieten willst und warum.

Was du lernst: Kannst du unter Zeitdruck etwas Konkretes schaffen? Akzeptierst du "gut genug" oder verlierst du dich in Details?

Grünes Signal: Nach 48 Stunden hast du etwas, das du jemandem zeigen kannst. Es ist nicht perfekt, aber es existiert.

Rotes Signal: Nach 48 Stunden hast du drei Notizen und zehn offene Browser-Tabs mit Recherche. Du hast viel gedacht und nichts gebaut.

Test 3: Die Ablehnung (Tag 5-6)

Was du tust: Bitte jemanden um etwas, bei dem die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung hoch ist. Frag einen Ladenbesitzer, ob du einen Flyer aufhängen darfst. Bitte einen Experten um ein 15-Minuten-Gespräch. Schlag deinem Chef eine neue Idee vor.

Was du lernst: Wie reagierst du auf Nein? Nimmst du es persönlich? Oder behandelst du es als Information und machst weiter?

Grünes Signal: Es fühlt sich unangenehm an, aber du tust es. Und nach dem Nein denkst du: "Okay, nächster Versuch."

Rotes Signal: Das Nein fühlt sich an wie ein Urteil über dich als Person. Du brauchst Tage, um darüber hinwegzukommen.

Test 4: Die Erklärung (Tag 7)

Was du tust: Erkläre einer Person, die nichts mit deiner Branche zu tun hat, deine Geschäftsidee. In maximal zwei Minuten. Ohne Fachbegriffe.

Was du lernst: Verstehst du deine eigene Idee gut genug, um sie einfach zu erklären? Reagiert dein Gegenüber mit Interesse oder mit einem höflichen Nicken?

Grünes Signal: Die Person stellt Fragen. Nicht aus Höflichkeit, sondern aus echtem Interesse.

Rotes Signal: Die Person nickt und sagt: "Klingt interessant." Und wechselt das Thema.

Test 5: Die Wochenend-Challenge (Tag 8-9)

Was du tust: Verwende ein ganzes Wochenende auf deine Gründungsidee. Nicht auf Planung und Recherche -- auf Aktion. Sprich mit Kunden, baue etwas, teste etwas.

Was du lernst: Wie fühlt es sich an, ein ganzes Wochenende in etwas zu investieren, das kein Geld bringt? Energetisiert es dich oder erschöpft es dich?

Grünes Signal: Am Sonntagabend bist du müde, aber motiviert. Du willst am Montag weitermachen.

Rotes Signal: Am Sonntagabend bist du erleichtert, dass es vorbei ist. Du freust dich auf den normalen Montag.

Test 6: Die Unsicherheits-Entscheidung (Tag 10-11)

Was du tust: Triff eine Entscheidung zu deiner Idee, für die du nicht genug Informationen hast. Zum Beispiel: Welche Zielgruppe sprichst du zuerst an? Welchen Preis setzt du an? Welchen Namen gibst du deinem Projekt?

Setz dir eine Zeitlimit: 30 Minuten. Dann entscheide.

Was du lernst: Kannst du handeln, ohne alles zu wissen? Oder blockiert dich die Unsicherheit?

Grünes Signal: Du triffst die Entscheidung und fühlst dich okay damit, obwohl du weißt, dass du sie vielleicht ändern wirst.

Rotes Signal: Du kannst nicht entscheiden. Die 30 Minuten werden zu drei Stunden, und am Ende bist du genauso unentschlossen wie vorher.

Test 7: Die Reflexion (Tag 12-14)

Was du tust: Schreib auf, was du in den letzten elf Tagen gelernt hast. Nicht über deine Idee -- über dich.

Drei Fragen:

  1. Was fiel mir leicht?
  2. Was fiel mir schwer?
  3. Will ich das weitermachen?

Was du lernst: Selbstreflexion ist eine der wichtigsten Gründer-Fähigkeiten. Dieser Test zeigt dir, ob du ehrlich mit dir selbst sein kannst.

Wie interpretierst du die Ergebnisse?

Die Tests sind kein Pass/Fail-System. Es gibt kein "Du hast 5 von 7 bestanden, also darfst du gründen." So funktioniert es nicht.

Stattdessen geben sie dir Daten über dich selbst:

Wenn die meisten Tests grüne Signale zeigen: Du hast Gründer-Potenzial. Nicht weil du perfekt bist, sondern weil du bereit bist, unbequeme Dinge zu tun. Der nächste Schritt: deine Idee systematisch validieren.

Wenn du bei einigen Tests rote Signale siehst: Das ist kein Ausschlusskriterium. Es zeigt dir, woran du arbeiten musst. Angst vor Ablehnung? Trainierbar. Perfektionismus? Trainierbar. Entscheidungsschwäche? Trainierbar. Die Frage ist nur: Bist du bereit, daran zu arbeiten?

Wenn fast alle Tests rote Signale zeigen: Dann ist jetzt vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt. Das heißt nicht "nie". Es heißt "noch nicht". Vielleicht brauchst du erst andere Erfahrungen, mehr Sicherheit oder ein anderes Umfeld.

Was wir bei Startup Burgenland dazu sagen

In unserer Coaching-Praxis nutzen wir ähnliche Übungen im 1:1 Coaching. Nicht als Gatekeeping -- wir wollen niemanden abschrecken. Sondern als ehrliches Feedback-Tool. Wir sagen unseren Gründern regelmäßig: "Du musst nicht alles können. Aber du musst wissen, wo du stehst."

Ein Erstgespräch bei uns dauert etwa 20 Minuten. Kein Bewerbungsprozess, kein Formular, kein Pitch. Ein ehrliches Gespräch darüber, wo du stehst und was der nächste sinnvolle Schritt ist. Manchmal ist der nächste Schritt eine Gründung. Manchmal ist es ein nebenberuflicher Test. Manchmal ist es etwas ganz anderes.

Jetzt loslegen

Starte mit Test 1 -- dem Kundengespräch. Morgen. Nicht nächste Woche. Die Übungen bauen aufeinander auf, aber jede einzelne ist auch für sich wertvoll.

Wenn du lieber einen strukturierten 30-Tage-Plan willst, lies Wie du in 30 Tagen herausfindest, ob du gründen solltest. Und wenn du verstehen willst, welche Eigenschaften erfolgreiche Gründer wirklich ausmachen, lies Die fünf Eigenschaften, die erfolgreiche Gründer gemeinsam haben.

Weiterführende Artikel


Startup Burgenland begleitet Gründerinnen und Gründer mit individuellem 1:1 Coaching -- von der ersten Idee bis zum Scale-up. Bei uns bekommst du keine Persönlichkeitstests, sondern ehrliches Feedback und praktische Begleitung. Schreib uns ein formloses E-Mail und wir reden über deinen nächsten Schritt.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

Erstgespräch vereinbaren

Du überlegst zu gründen oder bist schon mittendrin? Schreib uns ein formloses E-Mail -- wir melden uns innerhalb weniger Tage.

E-Mail schreiben