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Soll ich gründen? 7 Fragen, die dir Klarheit geben

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Woher weißt du, ob Gründen das Richtige für dich ist?

"Soll ich gründen?" -- diese Frage hören wir bei Startup Burgenland öfter als jede andere. Und unsere ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an.

Nicht auf dein Alter, nicht auf dein Bankkonto und nicht darauf, ob du eine "geniale Idee" hast. Es kommt auf eine Handvoll Faktoren an, die du jetzt schon einschätzen kannst -- wenn du ehrlich zu dir bist.

Wir haben über 300 Bewerbungen gescreent und über 40 Startups durch unser Programm begleitet. Dabei haben wir gelernt: Die Frage "Soll ich gründen?" lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Aber sie lässt sich in sieben Teilfragen zerlegen, die dir echte Klarheit geben.

Nimm dir eine halbe Stunde. Beantworte jede Frage ehrlich. Und am Ende hast du ein deutlich klareres Bild.


Frage 1: Löst du ein echtes Problem -- oder bist du in eine Lösung verliebt?

Das ist die wichtigste Frage, und die meisten Gründer beantworten sie falsch. Nicht absichtlich -- aber weil wir Menschen dazu neigen, uns in unsere eigenen Ideen zu verlieben.

Der Test: Kannst du das Problem, das du löst, in einem Satz beschreiben -- ohne dein Produkt zu erwähnen? Kannst du drei Menschen benennen, die dieses Problem tatsächlich haben? Hast du mit ihnen gesprochen?

Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst, bist du auf einem guten Weg. Wenn nicht, hast du noch Hausaufgaben.

Wir sehen bei unseren Startups immer wieder: Die stärksten Gründungen starten nicht mit einer Technologie oder einem Feature, sondern mit einer Beobachtung. Jemand hat bemerkt, dass etwas nicht funktioniert, dass Zeit oder Geld verschwendet wird, dass ein Bedürfnis nicht bedient wird.

Frage 2: Bist du bereit, drei bis fünf Jahre dranzubleiben?

Gründen ist kein Sprint. Die meisten erfolgreichen Startups brauchen drei bis fünf Jahre, um wirklich Fahrt aufzunehmen. Das bedeutet: drei bis fünf Jahre, in denen du weniger verdienst, härter arbeitest und mehr Unsicherheit aushaltst als in einem Angestelltenverhältnis.

Der Test: Stell dir vor, du arbeitest zwei Jahre an deiner Idee und bist immer noch nicht profitabel. Wie fühlt sich das an? Wenn die Antwort "Dann gebe ich auf" ist, überleg dir, ob Selbstständigkeit oder ein Side Business der bessere Einstieg wäre.

Das heißt nicht, dass du blind durchhalten sollst. Es gibt gute Gründe, ein Startup zu beenden. Aber die Bereitschaft, auch schwierige Phasen durchzustehen, ist eine Grundvoraussetzung.

Frage 3: Hast du ein finanzielles Polster -- oder einen Plan, um eins zu schaffen?

Gründen in Österreich ist nicht so teuer, wie viele denken. Eine Einzelunternehmen-Anmeldung kostet wenig, und die Kleinunternehmerregelung (bis EUR 55.000 Umsatz) erspart dir anfangs die Umsatzsteuer. Aber du brauchst ein Polster, das dich über die ersten Monate trägt.

Der Test: Hast du genug Ersparnisse für sechs bis zwölf Monate Lebenshaltungskosten? Oder eine Möglichkeit, nebenberuflich zu gründen, während du noch ein Einkommen hast?

In Österreich gibt es dafür gute Optionen. Die SVS (Sozialversicherung der Selbständigen) bietet eine Beitragsreduktion in den ersten Jahren. Das AMS hat ein Gründungsprogramm (UGP), das Arbeitslose beim Einstieg in die Selbstständigkeit unterstützt. Und Landesförderungen -- wie im Burgenland -- können den Start deutlich erleichtern.

Frage 4: Kannst du mit Unsicherheit umgehen?

Das klingt nach einer Soft-Skill-Frage, ist aber eine der härtesten. Als Gründer hast du keinen Chef, der dir sagt, was du als Nächstes tun sollst. Keine Gehaltsabrechnung am Monatsende. Keine Garantie, dass dein Plan aufgeht.

Der Test: Denk an die letzte große Entscheidung, die du unter Unsicherheit getroffen hast. Wie hast du dich dabei gefühlt? Hast du gehandelt oder gewartet, bis jemand anderes die Entscheidung getroffen hat?

Wir sagen nicht, dass du dich bei Unsicherheit gut fühlen musst. Aber du musst trotzdem handeln können. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, auch wenn du nicht alle Informationen hast, ist eine der wichtigsten Gründer-Kompetenzen. Und die gute Nachricht: Sie lässt sich trainieren.

Frage 5: Bist du bereit, dir Hilfe zu holen?

Klingt paradox bei einer Frage übers Gründen, oder? Aber die Daten sind eindeutig: Gründer, die sich früh Unterstützung suchen, haben bessere Chancen.

Der Test: Wie reagierst du, wenn du etwas nicht weißt? Googlest du drei Stunden, oder fragst du jemanden, der es weiß?

In Österreich gibt es ein dichtes Netz an Unterstützung: Das WKO-Gründerservice in jedem Bundesland, Programme wie unser 1:1 Coaching bei Startup Burgenland, Accelerator-Programme in Wien und Graz, die FFG und das AWS für Förderungen. Aber all das nützt dir nichts, wenn du nicht bereit bist, die Hand zu heben und zu sagen: "Ich brauche Hilfe bei X."

95% unserer Alumni-Startups empfehlen das Programm weiter. Nicht weil wir perfekt sind, sondern weil es einen messbaren Unterschied macht, wenn du nicht alleine vor dich hin arbeitest.

Frage 6: Hast du Zugang zu deiner Zielgruppe?

Eine Idee ist nur so gut wie dein Zugang zu den Menschen, die dafür bezahlen sollen. Und "die ganze Welt" ist keine Zielgruppe.

Der Test: Kannst du innerhalb von zwei Wochen zehn Gespräche mit potenziellen Kunden führen? Nicht mit Freunden oder Familie -- mit echten, potenziellen Zahlern?

Wenn ja: Du hast einen Startvorteil, den viele unterschätzen. Wenn nein: Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es zeigt dir, wo du als Erstes investieren musst -- nämlich in den Aufbau von Kontakten zu deiner Zielgruppe.

Besonders in Österreich, wo Märkte überschaubarer sind als in den USA oder Deutschland, ist persönlicher Zugang Gold wert. Eine Gründerin aus unserem Programm hat ihre ersten zehn Kunden über LinkedIn und lokale Branchenevents in Eisenstadt gewonnen. Kein Werbebudget, nur Gespräche.

Frage 7: Warum willst du gründen?

Die ehrlichste Frage zum Schluss. Und hier gibt es keine richtige Antwort -- aber es gibt Warnsignale.

Gute Gründe:

  • Du hast ein Problem identifiziert und willst es lösen
  • Du willst etwas aufbauen, das größer ist als du
  • Du suchst Gestaltungsfreiheit und bist bereit, den Preis dafür zu zahlen
  • Du willst finanziell unabhängig werden und verstehst, dass das Zeit braucht

Warnsignale:

  • "Ich will mein eigener Chef sein" (Spoiler: Deine Kunden werden deine Chefs)
  • "Ich will schnell reich werden" (Startups sind einer der langsamsten Wege zu Geld)
  • "Mein Job nervt mich" (Frustration ist kein Geschäftsmodell)
  • "Alle gründen gerade" (FOMO ist kein Business Case)

Der Test: Würdest du diese Idee auch verfolgen, wenn niemand davon wüsste? Wenn es keinen Social-Media-Post gäbe, kein LinkedIn-Update, keinen Pitch auf einer Bühne?

Wie wertest du deine Antworten aus?

Das hier ist kein Scoring-System mit Punkten. Aber hier ist eine ehrliche Einschätzung:

  • 5-7 Fragen mit einem klaren "Ja": Du bist in einer guten Ausgangslage. Das heißt nicht, dass du sofort kündigen sollst -- aber du hast die Grundlagen für eine Gründung.
  • 3-4 Fragen mit "Ja": Du bist auf dem Weg, aber es gibt Lücken. Arbeite gezielt an den Bereichen, wo du noch unsicher bist.
  • Weniger als 3: Das bedeutet nicht, dass du nie gründen solltest. Es bedeutet, dass du noch Vorarbeit leisten solltest -- und dass ein nebenberuflicher Start oder ein individuelles Coaching-Programm ein guter erster Schritt wäre.

Dein Aktionsplan

Du hast die sieben Fragen durchgearbeitet. Jetzt stehst du an einem Punkt, an dem sich Wege teilen:

Die Antwort auf "Soll ich gründen?" findest du nicht in einem Blogpost -- aber die richtigen Fragen helfen dir, sie selbst zu finden.

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Bei Startup Burgenland begleiten wir Gründerinnen und Gründer mit individuellem 1:1 Coaching -- von der Idee bis zum Scale-up. Was früher unser Incubator und Accelerator war, ist seit 2026 ein maßgeschneidertes Programm. Schreib uns ein formloses E-Mail -- wir melden uns innerhalb weniger Tage.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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