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Die fünf Eigenschaften, die erfolgreiche Gründer gemeinsam haben

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Was haben erfolgreiche Gründer gemeinsam?

Wenn du bei Startup Burgenland über fünf Jahre hinweg über 40 Startups begleitest, erkennst du Muster. Nicht jedes erfolgreiche Startup sieht gleich aus. Nicht jeder erfolgreiche Gründer hat dieselbe Geschichte. Aber bestimmte Eigenschaften tauchen immer wieder auf -- bei den Gründern, deren Startups wachsen, Kunden gewinnen und überleben.

Dieser Post fasst diese Muster zusammen. Nicht als Checkliste, die du abhaken musst. Sondern als Orientierung: Wo stehst du? Und was kannst du gezielt entwickeln?

Wichtig vorab: Keine dieser Eigenschaften ist angeboren. Jede lässt sich aufbauen. Das ist keine Theorie -- das sehen wir in unseren Coaching-Sessions, wenn Gründer innerhalb weniger Monate eine spürbare Veränderung in ihrem Denken und Handeln durchlaufen.

Eigenschaft #1: Lerngeschwindigkeit

Die erfolgreichsten Gründer in unserem Programm sind nicht die Schlauesten. Sie sind die, die am schnellsten lernen.

Was heißt das konkret? Sie machen etwas, beobachten das Ergebnis, passen an und machen es wieder -- schneller als andere. Ob es darum geht, ein Produkt zu verbessern, einen Pitch zu schärfen oder eine Marketingstrategie anzupassen: Die Geschwindigkeit, mit der sie aus Feedback lernen, ist ihr größter Vorteil.

Das Gegenteil sehen wir auch: Gründer, die an einer Strategie festhalten, obwohl die Daten dagegen sprechen. Die ihr Produkt monatelang im stillen Kämmerchen entwickeln, ohne es zu testen. Die Kritik als Angriff empfinden statt als Information.

Wie du Lerngeschwindigkeit aufbaust:

  • Verkürze deine Feedback-Schleifen. Statt drei Monate an einem Prototyp zu arbeiten, teste nach drei Wochen.
  • Such dir aktiv Feedback. Nicht von Freunden (die sind höflich), sondern von potenziellen Kunden (die sind ehrlich).
  • Schreib nach jedem Kundengespräch, jedem Test, jedem Pitch auf: Was habe ich gelernt? Was mache ich nächstes Mal anders?

Ein konkretes Muster aus unserem Programm: Die Startups, die monatlich Pivot-Entscheidungen bewusst durchdenken -- weitermachen oder Kurs korrigieren --, schneiden deutlich besser ab als die, die einfach weiterarbeiten, ohne innezuhalten.

Eigenschaft #2: Handlungsfähigkeit bei Unsicherheit

Wir haben es schon mehrfach gesagt, aber es ist so zentral, dass es hier nochmal steht: Die Fähigkeit, zu handeln, ohne alles zu wissen, ist die wichtigste Gründer-Eigenschaft.

In der Praxis sieht das so aus: Ein Gründer steht vor einer Entscheidung -- soll er einen neuen Markt ansprechen oder den bestehenden vertiefen? Er hat nicht genug Daten für eine sichere Antwort. Was macht er?

Die erfolgreichen Gründer treffen eine Entscheidung, setzen sie um und messen das Ergebnis. Die weniger erfolgreichen sammeln weitere Daten, befragen weitere Leute, erstellen weitere Analysen -- und entscheiden nie.

Wie du Handlungsfähigkeit aufbaust:

  • Unterscheide zwischen reversiblen und irreversiblen Entscheidungen. Bei reversiblen Entscheidungen (die meisten Alltagsentscheidungen): schnell entscheiden, schnell korrigieren. Bei irreversiblen (Rechtsformwahl, große Investitionen): gründlich nachdenken.
  • Setz dir Entscheidungsdeadlines. Wenn du nach drei Tagen keine neue Information gewonnen hast, entscheide mit dem, was du hast.
  • Akzeptiere, dass 70% der Entscheidungen rückblickend "falsch" sein werden. Das ist normal. Korrekturgeschwindigkeit schlägt Trefferquote.

Eigenschaft #3: Kundenorientierung

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Gründer sind in ihre Lösung verliebt, nicht in das Problem ihres Kunden. Sie bauen, was sie cool finden, nicht was der Markt braucht.

Die erfolgreichsten Startups in unserem Portfolio -- ob im Burgenland, in Wien oder in der Steiermark -- haben eines gemeinsam: Sie sprechen regelmäßig mit ihren Kunden. Nicht als Pflichtübung, sondern als zentralen Teil ihres Geschäfts.

Ein Startup aus unserem Programm hat in den ersten sechs Monaten über 60 Kundengespräche geführt. Nicht Verkaufsgespräche -- Lernungsgespräche. "Was ist dein größtes Problem bei X? Was hast du schon probiert? Was hat nicht funktioniert?" Diese 60 Gespräche haben mehr zum Geschäftserfolg beigetragen als die gesamte technische Entwicklung.

Wie du Kundenorientierung aufbaust:

  • Sprich jede Woche mit mindestens einem Kunden oder potenziellen Kunden. Nicht über dein Produkt -- über sein Problem.
  • Frag nie: "Würdest du das kaufen?" (Die Antwort ist wertlos.) Frag: "Was tust du heute, um dieses Problem zu lösen, und was kostet dich das?"
  • Beobachte, was Kunden tun -- nicht was sie sagen. Verhalten schlägt Meinung.

Eigenschaft #4: Ressourceneffizienz

Die besten Gründer sind nicht die, die am meisten Geld haben. Es sind die, die mit wenig am meisten bewegen.

Wir sehen das in unserem Programm immer wieder: Startups mit kleinem Budget, die durch kluge Priorisierung, manuelle Prozesse und gezielte Partnerschaften mehr erreichen als Konkurrenten mit dem Zehnfachen an Kapital.

Ressourceneffizienz ist keine Knauserei. Es ist die Fähigkeit, zu entscheiden, worauf du deine begrenzten Ressourcen (Zeit, Geld, Energie) konzentrierst. Und -- genauso wichtig -- worauf nicht.

Wie du Ressourceneffizienz aufbaust:

  • Bevor du Geld ausgibst, frag: "Kann ich dasselbe Ergebnis erreichen, ohne Geld auszugeben?" Oft ja. Eine manuelle Lösung für die ersten zehn Kunden ist besser als eine automatisierte Lösung für null Kunden.
  • Investiere in das, was direkt zum nächsten Meilenstein führt. Alles andere ist Ablenkung. Brauchst du ein Logo, bevor du deinen ersten Kunden hast? Nein. Brauchst du eine Website, bevor du weißt, ob jemand dein Produkt will? Nein.
  • Nutze Förderungen gezielt. In Österreich gibt es einen EUR 10.000 nicht-rückzahlbaren Gründungszuschuss bei uns im Programm, FFG-Innovationschecks, AWS-PreSeed-Förderungen. Das ist Geld, für das du keine Anteile abgibst. Aber auch Förderungen sind Ressourcen -- setz sie für das ein, was den größten Hebel hat.

Eigenschaft #5: Resilienz -- aber die richtige Art

Resilienz wird oft als "Durchhaltevermögen" beschrieben. Das stimmt -- aber nur halb. Wir sehen in unserem Coaching eine wichtige Unterscheidung:

Blindes Durchhalten ist gefährlich. Ein Gründer, der zwei Jahre an einer Idee festhält, obwohl alle Daten dagegen sprechen, ist nicht resilient. Er ist stur.

Kluge Resilienz bedeutet: den Kurs korrigieren, ohne das Ziel aufzugeben. Es bedeutet, einen schlechten Tag zu haben und trotzdem am nächsten Morgen weiterzumachen -- aber mit einer besseren Strategie als gestern. Es bedeutet, Scheitern als Information zu behandeln, nicht als Identität.

Die erfolgreichsten Gründer, die wir kennen, haben alle schwierige Phasen durchlebt. Kunden, die abgesprungen sind. Förderungen, die abgelehnt wurden. Co-Founder, die ausgestiegen sind. Was sie unterscheidet: Sie haben diese Rückschläge als Datenpunkte behandelt und daraus gelernt -- nicht als Beweis dafür, dass sie nicht gut genug sind.

Wie du kluge Resilienz aufbaust:

  • Trenne Ergebnis von Identität. Wenn ein Kundengespräch schlecht läuft, heißt das nicht, dass du ein schlechter Gründer bist. Es heißt, dass du deinen Ansatz anpassen musst.
  • Bau dir ein Unterstützungssystem auf. Mentoren, Co-Founder, Gründer-Communities, Coaching. Du brauchst Menschen, die dich auffangen, wenn es hart wird -- und die dir ehrlich sagen, wann es Zeit ist, den Kurs zu ändern.
  • Achte auf deine Energie. Resilienz ist kein Held-sein. Es ist nachhaltiges Arbeiten. Schlaf, Bewegung und Auszeiten sind nicht optional -- sie sind die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.

Was diese fünf Eigenschaften verbindet

Alle fünf haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Fähigkeiten, keine Persönlichkeitsmerkmale. Du kannst Lerngeschwindigkeit trainieren. Du kannst Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit aufbauen. Du kannst Kundenorientierung zur Gewohnheit machen. Du kannst ressourceneffizient werden. Und du kannst Resilienz entwickeln.

Das ist die wichtigste Erkenntnis aus fünf Jahren Startup Burgenland: Die Startups, die es schaffen, haben Gründer, die an sich arbeiten. Nicht die, die alles von Anfang an können.

Wo stehst du?

Eine ehrliche Selbsteinschätzung:

EigenschaftStarkOkayEntwicklungspotenzial
Lerngeschwindigkeit
Handlungsfähigkeit
Kundenorientierung
Ressourceneffizienz
Resilienz

Du musst nicht in allen fünf Bereichen stark sein. Aber du solltest wissen, wo dein größtes Potenzial liegt -- und dort gezielt investieren.

So gehst du jetzt weiter

Wähl die Eigenschaft, bei der du das meiste Entwicklungspotenzial siehst. Nimm dir eine der Übungen vor und setze sie diese Woche um.

  • Lerngeschwindigkeit: Teste eine Hypothese und dokumentiere, was du lernst.
  • Handlungsfähigkeit: Triff eine Entscheidung, die du seit Tagen aufschiebst.
  • Kundenorientierung: Führe ein echtes Kundengespräch -- über das Problem, nicht über dein Produkt.
  • Ressourceneffizienz: Streich eine Ausgabe oder Aufgabe, die nicht direkt zum nächsten Meilenstein führt.
  • Resilienz: Identifiziere einen Rückschlag und schreib auf, was du daraus lernst.

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Startup Burgenland begleitet Gründerinnen und Gründer mit individuellem 1:1 Coaching -- von der Idee bis zum Scale-up. Ursprünglich als Incubator und Accelerator gestartet, bieten wir seit 2026 maßgeschneiderte Begleitung ohne fixen Zeitrahmen. Wenn du an einer dieser fünf Eigenschaften arbeiten willst -- bei uns bekommst du die Begleitung dazu. Ein formloses E-Mail genügt.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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