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Steuern sparen als Startup -- legal und effektiv in Österreich

Felix Lenhard 13 min Lesezeit
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Steuern sparen als Startup -- legal und effektiv in Österreich

Steuern sind ein Thema, das die meisten Gründer am liebsten ignorieren würden. Aber genau das ist ein Fehler -- denn mit der richtigen Strategie kannst du als Startup in Österreich legal erheblich Steuern sparen. In diesem Beitrag zeige ich dir die wichtigsten Hebel, die du kennen und nutzen solltest. Keine grauen Tricks, keine Steueroasen -- nur solide, legale Steueroptimierung.

Das österreichische Steuersystem im Überblick

Bevor wir zu den Spartipps kommen, musst du verstehen, welche Steuern dich als Startup betreffen:

Die wichtigsten Steuerarten

SteuerartSteuersatzBetrifft
Einkommensteuer (ESt)0-55% (progressiv)Einzelunternehmen, Personengesellschaften
Körperschaftsteuer (KöSt)23% (seit 2024)GmbH, AG
Umsatzsteuer (USt)20% (10% oder 13% ermässigt)Alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen
LohnnebenkostenCa. 30%Arbeitgeber mit Angestellten
Kommunalsteuer3% der BruttolohnsummeArbeitgeber mit Angestellten
Kapitalertragsteuer (KESt)27,5%Gewinnausschüttungen der GmbH

Einkommensteuer-Tarif 2027

EinkommenSteuersatz
Bis 12.816 EUR0%
12.816 - 20.818 EUR20%
20.818 - 34.513 EUR30%
34.513 - 66.612 EUR40%
66.612 - 99.266 EUR48%
99.266 - 1.000.000 EUR50%
Über 1.000.000 EUR55%

Tipp 1: Die richtige Rechtsform wählen

Die Rechtsform hat einen massiven Einfluss auf deine Steuerlast:

Einzelunternehmen vs. GmbH

AspektEinzelunternehmenGmbH
Steuersatz auf Gewinn0-55% (progressiv)23% KöSt
GewinnentnahmeSteuerfrei (bereits versteuert)27,5% KESt auf Ausschüttung
Gesamtbelastung bei 100.000 EUR GewinnCa. 33.000 EURCa. 23.000 EUR KöSt + KESt bei Ausschüttung
SozialversicherungSVS (ca. 27% auf Gewinn)ASVG als Geschäftsführer + SVS
GründungskostenMinimalCa. 2.000-4.000 EUR (Notar, Gericht)

Faustregel: Ab ca. 40.000-50.000 EUR Jahresgewinn lohnt sich steuerlich der Wechsel zur GmbH. Aber Achtung: Die Gesamtbetrachtung (Sozialversicherung, Gründungskosten, laufende Kosten) ist entscheidend.

Der GmbH-Trick für Startups

Wenn du als GmbH-Geschäftsführer Gewinne im Unternehmen belässt (thesaurierst), zahlst du nur 23% KöSt -- deutlich weniger als die bis zu 55% ESt im Einzelunternehmen. Das lohnt sich besonders, wenn du die Gewinne reinvestierst.

Tipp 2: Investitionen optimal abschreiben

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG)

Wirtschaftsgüter bis 1.000 EUR (netto) kannst du sofort im Jahr der Anschaffung abschreiben. Das senkt deinen Gewinn und damit deine Steuerlast sofort.

Beispiel: Du kaufst 5 Laptops für je 999 EUR netto = 4.995 EUR sofortige Betriebsausgabe.

Degressive Abschreibung

Seit 2020 gibt es in Österreich die Möglichkeit der degressiven Abschreibung (30% vom Buchwert). Das bringt dir in den ersten Jahren höhere Abschreibungen und damit niedrigere Steuern.

Vergleich bei einem Server für 10.000 EUR:

JahrLinear (5 Jahre)Degressiv (30%)
12.000 EUR3.000 EUR
22.000 EUR2.100 EUR
32.000 EUR1.470 EUR
42.000 EUR1.470 EUR
52.000 EUR1.960 EUR

Die degressive Abschreibung bringt dir in den ersten beiden Jahren 1.100 EUR mehr Abschreibung -- bei einem Steuersatz von 40% sparst du 440 EUR Steuern früher.

Forschungsprämie

Für Forschung und Entwicklung (F&E) kannst du in Österreich eine Forschungsprämie von 14% der F&E-Aufwendungen beantragen. Das ist eine direkte Gutschrift, keine blosse Abschreibung!

Beispiel:

  • F&E-Aufwendungen: 100.000 EUR
  • Forschungsprämie: 14.000 EUR
  • Das Geld wird dir direkt auf dein Abgabenkonto gutgeschrieben

Tipp 3: Betriebsausgaben maximieren

Alles, was eine Betriebsausgabe ist, senkt deinen steuerpflichtigen Gewinn. Hier die wichtigsten Positionen:

Homeoffice-Pauschale

Wenn du von zu Hause arbeitest, kannst du bis zu 300 EUR pro Jahr als Homeoffice-Pauschale geltend machen (bis zu 100 Tage a 3 EUR). Hast du ein separates Arbeitszimmer, kannst du die anteiligen Miet- und Betriebskosten absetzen.

Reisekosten

  • Kilometergeld: 0,42 EUR pro Kilometer (PKW)
  • Tagesgelder: 26,40 EUR pro Tag bei Inlandsreisen (wenn du mehr als 3 Stunden unterwegs bist, anteilig)
  • Nächtigungskosten: Tatsächliche Kosten oder Pauschale von 15 EUR

Fortbildungskosten

Seminare, Kurse, Fachliteratur, Konferenzen -- alles, was mit deiner beruflichen Tätigkeit zusammenhängt, ist absetzbar. Auch die Teilnahme an Startup-Events wie ViennaUP oder dem Startup Burgenland Summit.

Bewirtungskosten

Geschäftsessen sind zu 50% als Betriebsausgabe absetzbar, wenn ein konkreter beruflicher Anlass vorliegt. Dokumentiere Datum, Teilnehmer und Anlass auf der Rechnung.

Telefon und Internet

Wenn du dein Privathandy geschäftlich nutzt, kannst du den geschäftlichen Anteil (nachweisbar!) als Betriebsausgabe absetzen.

Tipp 4: Kleinunternehmerregelung nutzen

Wenn dein Jahresumsatz unter 35.000 EUR (netto) liegt, kannst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen:

Vorteile

  • Keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen
  • Keine UVA-Meldung nötig
  • Weniger Bürokratie

Nachteile

  • Kein Vorsteuerabzug (du kannst die USt deiner Einkauefe nicht abziehen)
  • Bei vielen Investitionen nachteilig

Empfehlung: Wenn du hohe Anfangsinvestitionen hast, verzichte auf die Kleinunternehmerregelung und nutze den Vorsteuerabzug. Wenn du hauptsächlich Dienstleistungen ohne grosse Einkauefe erbringst, kann die Regelung sinnvoll sein.

Tipp 5: Förderungen als Steuersparinstrument

Förderungen sind in Österreich nicht steuerpflichtig, wenn sie als Zuschuss (nicht als Darlehen) gewährt werden. Das bedeutet: Du bekommst Geld, das du nicht versteuern musst.

Wichtige Förderungen für Startups

FörderungHöheBesonderheit
AWS GründungsfondsBis 50.000 EURZuschuss, nicht rückzahlbar
AWS PreseedBis 200.000 EURBedingt rückzahlbar
FFG BasisprogrammBis 500.000 EURF&E-Projekte
Forschungsprämie14% der F&E-KostenDirekte Gutschrift
Bildungsprämie12% der BildungskostenDirekte Gutschrift
LehrlingsförderungVariabelBei Lehrlingsausbildung

Wie du Förderungen in deine Finanzplanung einbaust, zeigen wir in Finanzplan erstellen für Startups.

Tipp 6: Personalkosten optimieren

Personal ist oft der grösste Kostenblock -- und bietet Optimierungspotenzial:

Mitarbeiterbeteiligung

Seit dem Startup-Förderungsgesetz 2023 gibt es in Österreich die Möglichkeit der "dry income"-freien Mitarbeiterbeteiligung. Mitarbeiter müssen erst dann Steuern auf ihre Anteile zahlen, wenn sie diese tatsächlich verkaufen -- nicht schon bei der Zuteilung.

Sachbezüge statt Gehalterhöhung

Manche Benefits sind steuerbegünstigt oder steuerfreit:

SachbezugFreibetrag/Monat
Essenszuschüsse (Gutscheine)8 EUR/Arbeitstag (Mahlzeiten)
OEffi-JobticketVoller Betrag steuerfrei
Betriebliche GesundheitsförderungBis 300 EUR/Jahr
Zukunftssicherung (z.B. Pensionskasse)300 EUR/Jahr
MitarbeiterrabatteBis 1.000 EUR/Jahr

Werkverträge und freie Dienstnehmer

In manchen Fällen kann es steuerlich günstiger sein, mit Freelancern statt Angestellten zu arbeiten. Aber Vorsicht: Die österreichische Sozialversicherung prüft genau, ob ein echtes Dienstverhaltnis vorliegt (Scheinselbständigkeit). Die Grenzen sind streng definiert.

Tipp 7: Verlustvorträge nutzen

Wie funktioniert der Verlustvortrag?

Wenn dein Startup in den ersten Jahren Verluste macht (was völlig normal ist), kannst du diese Verluste in zukünftige Jahre vortragen und mit späterenn Gewinnen verrechnen.

Beispiel:

JahrGewinn/VerlustVerlustvortragSteuerpflichtiger Gewinn
1-30.000 EUR30.000 EUR0 EUR
2-20.000 EUR50.000 EUR0 EUR
3+40.000 EUR10.000 EUR0 EUR
4+60.000 EUR0 EUR50.000 EUR

Du zahlst also erst im vierten Jahr Steuern -- und auch dann weniger, weil du den restlichen Verlustvortrag von 10.000 EUR gegenrechnen kannst.

Einschränkungen

  • Bei Einzelunternehmen: Verlustvortrag nur bei doppelter Buchführung oder freiwilliger Bilanzierung
  • Bei GmbH: Verlustvortrag grundsätzlich zeitlich unbegrenzt möglich
  • Verrechnung mit maximal 75% des Jahresgewinns (Mindestkörperschaftsteuer bei GmbH beachten)

Tipp 8: Umsatzsteuer-Optimierung

Ist-Versteuerung beantragen

Bei der Ist-Versteuerung musst du die USt erst dann ans Finanzamt abführen, wenn dein Kunde tatsächlich bezahlt hat -- nicht schon bei Rechnungsstellung. Das verbessert deinen Cashflow erheblich. Mehr dazu in Cashflow-Management im Startup.

Voraussetzung: Umsatz unter 2 Mio. EUR (gilt für die meisten Startups).

Vorsteuerabzug nicht vergessen

Du kannst die Umsatzsteuer, die du an deine Lieferanten zahlst, als Vorsteuer abziehen. Achte darauf, dass auf allen Eingangsrechnungen die USt korrekt ausgewiesen ist.

Dreiecksgeschäfte und Reverse Charge

Wenn du mit Kunden oder Lieferanten in der EU arbeitest, kannst du die Reverse-Charge-Regelung nutzen. Das vereinfacht die Abrechnung und verbessert deinen Cashflow.

Tipp 9: Timing von Einnahmen und Ausgaben

Gewinnverschiebung zum Jahresende

  • Investitionen vorziehen: Wenn du im November eine grössere Anschaffung planst, kaufe sie noch im Dezember -- so nutzt du die Abschreibung schon im laufenden Jahr
  • Einnahmen verschieben: Wenn möglich, stelle Rechnungen am Jahresende erst im Jänner (bei E/A-Rechnung zählt der Zahlungseingang)
  • Vorauszahlungen leisten: Zahle Versicherungen, Mitgliedschaften oder Abos noch im alten Jahr voraus

Gewinnfreibetrag

Als Einzelunternehmer oder Personengesellschafter steht dir ein Gewinnfreibetrag zu:

  • Grundfreibetrag: 15% des Gewinns bis 33.000 EUR (max. 4.950 EUR)
  • Investitionsbedingter Freibetrag: Weitere 13% für Gewinne über 33.000 EUR, wenn du in bestimmte Wirtschaftsgüter oder Wertpapiere investierst

Tipp 10: SVS-Beiträge optimieren

Opting-Out in den ersten zwei Jahren

In den ersten beiden Jahren deiner Selbständigkeit zahlst du nur die Mindestbeiträge an die SVS. Aber Achtung: Die Nachzahlung im dritten Jahr, wenn die endgültige Beitragsgrundlage feststeht, kann heftig werden. Lege dafür Geld zurück!

Freiwillige Höherversicherung

In manchen Fällen kann eine freiwillige Höherversicherung sinnvoll sein -- die Beiträge sind Betriebsausgaben und senken deinen steuerpflichtigen Gewinn.

Nebenberufliche Gründung

Wenn du neben deinem Angestelltenverhältnis gründest, bist du über deinen Arbeitgeber sozialversichert. Die SVS-Beiträge für deine selbständige Tätigkeit fallen dann niedriger aus.

Steuerkalender für Startups in Österreich

MonatAufgabe
JännerSVS-Vorauszahlung Q1
FebruarUVA Dezember (bei monatlicher Meldung)
MärzKöSt-Vorauszahlung Q1
AprilSVS-Vorauszahlung Q2
MaiUVA März / Q1
JuniEinkommensteuererklärung (ohne Berater)
JuliSVS-Vorauszahlung Q3
AugustUVA Juni / Q2
SeptemberKöSt-Vorauszahlung Q3
OktoberSVS-Vorauszahlung Q4
NovemberUVA September / Q3
DezemberKöSt-Vorauszahlung Q4

Tipp: Wenn du einen Steuerberater hast, verlängert sich die Frist für die Steuererklärung auf ca. März des Folgejahres. Ob das für dich sinnvoll ist, erfährst du in Buchhaltung selber machen oder auslagern.

Häufige Steuerfehler von Startups

  1. Keine Rücklagen für Steuern: Lege 25-30% deines Gewinns zurück
  2. Belege nicht aufbewahren: 7 Jahre Aufbewahrungspflicht!
  3. Privat und Geschäftlich vermischen: Separates Geschäftskonto führen
  4. Fristen versäumen: Säumniszuschläge sind teuer und vermeidbar
  5. Förderungen nicht nutzen: Österreich hat eines der besten Fördersysteme Europas
  6. Falsche Rechtsform: Die Rechtsform hat massiven Einfluss auf die Steuerlast

Fazit

Steuern sparen als Startup ist kein Hexenwerk -- aber es erfordert Planung und Wissen. Die wichtigsten Hebel sind:

  1. Die richtige Rechtsform -- prüfe regelmässig, ob ein Wechsel sinnvoll ist
  2. Investitionen optimal abschreiben -- GWG und degressive Abschreibung nutzen
  3. Förderungen ausschöpfen -- Forschungsprämie, AWS, FFG
  4. Verlustvorträge nutzen -- Anfangsverluste später gegenrechnen
  5. Professionelle Beratung -- ein guter Steuerberater spart dir mehr, als er kostet

Denk daran: Steueroptimierung ist legal und erwünscht. Das österreichische Steuersystem bietet viele Möglichkeiten -- du musst sie nur kennen und nutzen.

Dein Aktionsplan

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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Finanzplanung und Kennzahlen" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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