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Cashflow-Management im Startup -- so bleibt dein Konto immer im Plus

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Cashflow-Management im Startup -- so bleibt dein Konto immer im Plus

"Umsatz ist Eitelkeit, Gewinn ist Vernunft, aber Cash ist König." Dieses alte Sprichwort trifft auf Startups besonders zu. Denn egal wie gut dein Produkt ist und wie schnell du wächst -- wenn dir das Geld ausgeht, ist Schluss. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du deinen Cashflow aktiv managst und dein Startup finanziell auf Kurs hältst.

Was ist Cashflow -- und warum ist er so wichtig?

Der Cashflow (zu Deutsch: Geldfluss) zeigt dir, wie viel Geld tatsächlich in dein Unternehmen hereinfliesst und wie viel wieder hinausgeht. Das klingt simpel, aber der Unterschied zum Gewinn ist entscheidend:

Gewinn vs. Cashflow

AspektGewinnCashflow
Was wird gemessen?Erlöse minus AufwendungenEinzahlungen minus Auszahlungen
Wann wird erfasst?Bei RechnungsstellungBei tatsächlicher Zahlung
AbschreibungenWerden berücksichtigtNicht relevant
KreditaufnahmeNicht enthaltenErhöhung des Cashflows
TilgungNicht enthaltenVerringerung des Cashflows

Praxisbeispiel: Du stellst im Jänner eine Rechnung über 10.000 EUR. In deiner GuV taucht der Umsatz im Jänner auf. Aber dein Kunde zahlt erst im März. Dein Cashflow im Jänner ist also null -- obwohl du buchhalterisch Umsatz gemacht hast.

Die drei Arten des Cashflows

1. Operativer Cashflow

Das ist der Cashflow aus deinem Tagesgeschäft -- Einnahmen aus Verkäufen minus laufende Ausgaben. Er zeigt, ob dein Kerngeschäft Geld generiert oder verbrennt.

2. Investitions-Cashflow

Geldströme aus Investitionen -- zum Beispiel der Kauf von Hardware, Software-Lizenzen oder Büroausstattung. Dieser Cashflow ist meistens negativ, weil du Geld ausgibst.

3. Finanzierungs-Cashflow

Geldströme aus Finanzierungsaktivitäten -- Kapitaleinlagen, Kredite, Förderungen oder Tilgungen. Bei Startups ist dieser Cashflow am Anfang oft positiv (Kapitalzufuhr), später negativ (Rückzahlungen).

Cashflow berechnen -- zwei Methoden

Direkte Methode

  Einzahlungen aus Umsaetzen
+ Einzahlungen aus Foerderungen
+ Sonstige Einzahlungen
- Auszahlungen fuer Material
- Auszahlungen fuer Personal
- Auszahlungen fuer Miete
- Auszahlungen fuer sonstige Kosten
- Steuerzahlungen
= Operativer Cashflow

Indirekte Methode

  Jahresueberschuss
+ Abschreibungen
+/- Veraenderung der Rueckstellungen
+/- Veraenderung des Working Capital
= Operativer Cashflow

Die direkte Methode ist für Startups praktischer, weil du direkt siehst, wohin dein Geld fliesst. Einen detaillierten Finanzplan, der den Cashflow beinhaltet, erstellst du wie im Beitrag Finanzplan erstellen für Startups beschrieben.

Die 7 grössten Cashflow-Killer für Startups

1. Lange Zahlungsziele

Wenn deine Kunden 60 oder 90 Tage zum Bezahlen haben, musst du die Zwischenfinanzierung selbst stemmen. Gerade bei B2B-Geschäften in Österreich sind 30 Tage Standard -- aber viele Grosskunden nehmen sich länger.

2. Vorleistungen

Du musst Material einkaufen, bevor du produzieren kannst. Du musst Gehälter zahlen, bevor der erste Euro Umsatz kommt. Diese Vorleistungen fressen deinen Cashflow.

3. Saisonale Schwankungen

Wenn dein Geschäft saisonabhängig ist (z.B. Tourismus im Burgenland), hast du Monate mit hohem Cashflow und Monate, in denen du von Reserven lebst.

4. Übermässige Investitionen

Zu früh zu viel investieren -- das schöne neue Büro, die neueste Hardware, die teuerste Software -- killt deinen Cashflow schneller als du denkst.

5. Steuernachzahlungen

Die Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuer-Nachzahlung nach dem ersten profitablen Jahr kann ein böses Erwachen sein. In Österreich musst du ab dem zweiten Jahr auch Steuervorauszahlungen leisten.

6. Wachstumsschmerzen

Paradoxerweise kann schnelles Wachstum deinen Cashflow ruinieren. Du brauchst mehr Personal, mehr Material, mehr Infrastruktur -- bevor die zusätzlichen Einnahmen fliessen.

7. Schlechtes Forderungsmanagement

Unbezahlte Rechnungen sind keine Umsätze. Wenn du deine Forderungen nicht konsequent eintreibst, wird dein Cashflow schnell negativ.

10 Strategien für besseres Cashflow-Management

Strategie 1: Zahlungsziele verkürzen

Stelle deine Rechnungen auf 14 Tage Zahlungsziel um. Biete Skonto an (z.B. 2% bei Zahlung innerhalb von 7 Tagen). Das kostet dich wenig, bringt aber schneller Geld auf dein Konto.

Strategie 2: Sofort fakturieren

Stelle Rechnungen sofort nach Leistungserbringung. Jeder Tag Verzögerung bei der Rechnungsstellung kostet dich Liquidität.

Strategie 3: Anzahlungen verlangen

Gerade bei grösseren Projekten: Verlange 30-50% Anzahlung vor Projektstart. Das ist in Österreich völlig üblich und reduziert dein Risiko.

Strategie 4: Zahlungsziele bei Lieferanten nutzen

Während du bei deinen Kunden auf schnelle Zahlung drängst, solltest du bei deinen Lieferanten die Zahlungsziele voll ausschöpfen -- natürlich ohne die Fristen zu überziehen.

Strategie 5: Abo-Modelle einführen

Recurring Revenue ist der beste Freund deines Cashflows. Monatliche oder jährliche Abonnements geben dir planbare Einnahmen. Wie du diese Modelle durchrechnest, zeigen wir im Beitrag Unit Economics berechnen.

Strategie 6: Cash-Reserve aufbauen

Halte immer mindestens 3 Monate Fixkosten als Reserve auf deinem Konto. Das gibt dir Puffer für unerwartete Situationen.

Strategie 7: Leasing statt Kauf

Grosse Anschaffungen müssen nicht sofort in voller Höhe bezahlt werden. Leasing verteilt die Kosten über die Nutzungsdauer und schont deinen Cashflow.

Strategie 8: Förderungen rechtzeitig beantragen

Österreichische Förderungen (AWS, FFG, Landesförderungen) können deinen Cashflow erheblich verbessern. Aber: Plane die Bearbeitungszeit ein -- zwischen Antrag und Auszahlung können Wochen bis Monate vergehen.

Strategie 9: Working Capital optimieren

Dein Working Capital (Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten) sollte positiv sein. Reduziere Lagerbestände, beschleunige den Forderungseinzug und nutze Lieferantenkredite.

Strategie 10: Cashflow-Forecast führen

Erstelle einen rollierenden 13-Wochen-Cashflow-Forecast. So siehst du frühzeitig, ob ein Engpass droht, und kannst rechtzeitig gegensteuern. Mehr dazu in Liquiditätsplanung und Runway.

Cashflow-Tracking in der Praxis

Wöchentliches Cashflow-Dashboard

Führe ein einfaches Dashboard mit diesen Kennzahlen:

KennzahlAktuellVorwocheTrend
Kontostand45.000 EUR42.000 EURSteigend
Offene Forderungen12.000 EUR15.000 EURSinkend
Offene Verbindlichkeiten8.000 EUR7.000 EURSteigend
Erwarteter Cashflow (4 Wochen)+5.000 EUR+3.000 EURSteigend
Runway4,5 Monate4,2 MonateSteigend

Tools für das Cashflow-Tracking

ToolKostenBesonderheit
ProSaldo MoneyManagerAb 10 EUR/MonatÖsterreichisch, E/A-Rechnung
sevDeskAb 8,90 EUR/MonatDACH-Raum, gute Automatisierung
FreeFinanceAb 9 EUR/MonatSpeziell für Österreich
BMD NTCSAuf AnfrageProfessionell, österreichischer Standard

Cashflow und Steuern in Österreich

Ein Aspekt, den viele Gründer unterschätzen: Steuern haben einen massiven Einfluss auf deinen Cashflow.

Umsatzsteuer (USt)

  • Du kassierst 20% USt von deinen Kunden
  • Du zahlst USt an deine Lieferanten
  • Die Differenz führst du ans Finanzamt ab
  • Bei Ist-Versteuerung (unter 2 Mio. EUR Umsatz): USt wird erst fällig, wenn der Kunde zahlt
  • Bei Soll-Versteuerung: USt wird schon bei Rechnungsstellung fällig

Tipp: Beantrage als Startup die Ist-Versteuerung -- sie schont deinen Cashflow erheblich. Weitere Steuertipps findest du in Steuern sparen als Startup -- legal.

Einkommensteuer / Körperschaftsteuer

  • Wird auf den Gewinn berechnet
  • Ab dem zweiten Jahr: Vorauszahlungen vierteljährlich
  • Die Nachzahlung nach dem ersten profitablen Jahr kann überraschend hoch ausfallen

SVS-Beiträge (Sozialversicherung der Selbständigen)

  • Vierteljährliche Zahlungen
  • In den ersten drei Jahren: Mindestbeitragsgrundlage
  • Ab dem vierten Jahr: Nachzahlungen basierend auf dem tatsächlichen Einkommen möglich

Notfallplan: Was tun bei Cashflow-Krise?

Wenn der Cashflow knapp wird, handel sofort:

  1. Bestandsaufnahme: Welche Zahlungen sind zwingend, welche können verschoben werden?
  2. Forderungen eintreiben: Rufe überfällige Kunden an -- nicht nur mailen
  3. Zahlungsvereinbarungen: Sprich mit Lieferanten über Stundungen
  4. Finanzamt informieren: In Österreich kannst du Stundungen oder Ratenzahlungen beantragen
  5. Kurzfristige Finanzierung: Kontokorrentkredit, Factoring oder überbrückungskredit
  6. Kosten sofort reduzieren: Nicht lebensnotwendige Ausgaben streichen

Cashflow-Kennzahlen die du kennen musst

KennzahlFormelZielwert
Cashflow-MargeOperativer Cashflow / Umsatz> 10%
Cash Conversion CycleDSO + DIO - DPOMöglichst niedrig
Current RatioUmlaufvermögen / kurzfr. Verbindlichkeiten> 1,5
Quick Ratio(Umlaufvermögen - Vorräte) / kurzfr. Verbindlichkeiten> 1,0
Burn RateMonatlicher negativer CashflowSinkend
RunwayKassenbestand / Burn Rate> 6 Monate

Welche KPIs du darüber hinaus tracken solltest, erfährst du im Beitrag KPIs die jedes Startup tracken sollte.

Fazit

Cashflow-Management ist keine Raketenwissenschaft -- aber es erfordert Disziplin und Aufmerksamkeit. Die wichtigsten Regeln:

  1. Kenne deinen Cashflow -- zu jeder Zeit
  2. Plane voraus -- mindestens 13 Wochen im Voraus
  3. Handle proaktiv -- nicht erst, wenn das Konto leer ist
  4. Optimiere kontinuierlich -- Zahlungsziele, Working Capital, Kosten

Dein Startup kann nur wachsen, wenn es liquide bleibt. Behalte deinen Cashflow im Griff, und du legst den Grundstein für nachhaltigen Erfolg.

Der nächste Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Optimierung deines Cashflow-Managements -- von der Analyse bis zur Umsetzung konkreter Massnahmen. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach dein Cashflow-Management zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Finanzplanung und Kennzahlen" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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