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Finanzplan erstellen für Startups -- so legst du den Grundstein für deinen Erfolg

Felix Lenhard 12 min Lesezeit
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Finanzplan erstellen für Startups -- so legst du den Grundstein für deinen Erfolg

Du hast eine grossartige Geschäftsidee, ein motiviertes Team und jede Menge Tatendrang. Aber hast du auch einen Finanzplan? Ohne solide Finanzplanung ist selbst die beste Idee zum Scheitern verurteilt. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du als Startup-Gründerin oder -Gründer in Österreich einen belastbaren Finanzplan erstellst -- Schritt für Schritt, praxisnah und mit konkreten Beispielen.

Warum ein Finanzplan unverzichtbar ist

Ein Finanzplan ist mehr als eine Pflichtaufgabe für die Bank oder den Förderantrag. Er ist dein Navigationsinstrument. Ohne ihn fliegst du blind -- und das kann gerade in der Frühphase eines Startups fatale Folgen haben.

Was ein guter Finanzplan leistet

  • Klarheit: Du weisst, wann du wie viel Geld brauchst
  • Steuerung: Du erkennst Engpässe, bevor sie entstehen
  • Glaubwürdigkeit: Investoren und Fördergeber nehmen dich ernst
  • Entscheidungsgrundlage: Du triffst bessere unternehmerische Entscheidungen

In Österreich ist der Finanzplan auch für den Gründungszuschuss des AMS und diverse Förderungen der AWS (Austria Wirtschaftsservice) ein zentrales Dokument.

Die Bestandteile eines Startup-Finanzplans

Ein vollständiger Finanzplan besteht aus mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen. Hier ein Überblick:

BausteinZeithorizontZweck
Umsatzprognose3-5 JahreEinnahmenplanung
Kostenplanung3-5 JahreAusgabenplanung
LiquiditätsplanMonatlich, 12-24 MonateZahlungsfähigkeit sichern
InvestitionsplanEinmalig + laufendAnschaffungen planen
FinanzierungsplanGesamtlaufzeitKapitalquellen definieren
Plan-GuVJährlich, 3-5 JahreGewinn/Verlust darstellen
Plan-BilanzJährlich, 3-5 JahreVermögen und Schulden

Schritt 1: Umsatzprognose erstellen

Die Umsatzprognose ist das Herzstück deines Finanzplans -- und gleichzeitig der schwierigste Teil. Denn du musst in die Zukunft blicken, ohne eine Kristallkugel zu haben.

Bottom-Up vs. Top-Down

Es gibt zwei grundlegende Ansätze:

Bottom-Up (empfohlen für Startups): Du rechnest von deinen konkreten Aktivitäten hoch. Wie viele Kunden kannst du realistisch gewinnen? Wie hoch ist der durchschnittliche Umsatz pro Kunde?

Top-Down: Du gehst vom Gesamtmarkt aus und schätzt deinen Marktanteil. Das klingt einfach, führt aber oft zu unrealistischen Zahlen.

Beispiel: SaaS-Startup aus dem Burgenland

Stell dir vor, du gründest ein SaaS-Startup in Eisenstadt. Deine Bottom-Up-Rechnung könnte so aussehen:

MonatNeukundenGesamtkundenMRR (Monthly Recurring Revenue)
155250 EUR
2813650 EUR
310221.100 EUR
615653.250 EUR
12201608.000 EUR

Dabei gehst du von einem durchschnittlichen Preis von 50 EUR pro Monat und einer Churn-Rate von 5% aus. Mehr dazu, wie du solche Kennzahlen berechnest, findest du in unserem Beitrag zu Unit Economics.

Schritt 2: Kostenplanung aufstellen

Deine Kosten lassen sich in zwei Kategorien einteilen:

Fixkosten (fallen unabhängig vom Umsatz an)

  • Miete für Büro oder Coworking Space
  • Gehälter und Lohnnebenkosten (in Österreich ca. 30% Lohnnebenkosten)
  • Software-Lizenzen und Abonnements
  • Versicherungen (Betriebshaftpflicht, etc.)
  • Steuerberater und Buchhaltung
  • Telefon und Internet

Variable Kosten (steigen mit dem Umsatz)

  • Materialkosten / Wareneinsatz
  • Provisionen und Verkaufskosten
  • Serverkosten (bei SaaS-Modellen)
  • Versandkosten
  • Payment-Gebühren (Stripe, Klarna, etc.)

Typische monatliche Fixkosten für ein Startup in Österreich

KostenartEinzelunternehmenGmbH
Büro/Coworking200-500 EUR300-800 EUR
Steuerberater150-300 EUR300-600 EUR
Versicherungen50-100 EUR100-200 EUR
Software & Tools100-300 EUR200-500 EUR
Telefon & Internet50-80 EUR80-150 EUR
WKO-Beitrag50-100 EUR100-300 EUR
Gesamt600-1.380 EUR1.080-2.550 EUR

Ob du die Buchhaltung selbst machen oder auslagern solltest, erfährst du in unserem Beitrag Buchhaltung selber machen oder auslagern.

Schritt 3: Investitionsplan

Welche Anschaffungen brauchst du zum Start und in den ersten Jahren?

Typische Investitionen

  • Hardware: Laptops, Monitore, Drucker -- rechne mit 1.000-2.000 EUR pro Arbeitsplatz
  • Software: Lizenzen für Entwicklungstools, Design-Software
  • Büroausstattung: Möbel, Küche, Meetingraum
  • Fahrzeuge: Falls für dein Geschäftsmodell nötig
  • Maschinen: Für produzierende Startups

Beachte: In Österreich kannst du geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) bis 1.000 EUR sofort abschreiben. Grössere Investitionen werden über die Nutzungsdauer abgeschrieben. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Thema Steuern sparen als Startup.

Schritt 4: Finanzierungsplan

Woher kommt das Geld? In Österreich stehen dir verschiedene Finanzierungsquellen zur Verfügung:

Eigenkapital

  • Eigene Ersparnisse
  • Family & Friends
  • Business Angels (z.B. über die Austrian Angel Investors Association)
  • Venture Capital

Fremdkapital

  • Bankkredit (z.B. über die AWS-Garantie)
  • Förderdarlehen
  • Crowdfunding / Crowdinvesting

Förderungen in Österreich

  • AWS Gründungsfonds: Bis zu 50.000 EUR für innovative Startups
  • AWS Preseed: Bis zu 200.000 EUR für technologieorientierte Gründungen
  • Gründungszuschuss (AMS): Für Gründer aus der Arbeitslosigkeit
  • Burgenländische Landesförderungen: Diverse regionale Förderprogramme
  • FFG Basisprogramm: Für Forschung und Entwicklung

Schritt 5: Liquiditätsplan erstellen

Der Liquiditätsplan ist dein Frühwarnsystem. Er zeigt dir Monat für Monat, ob du genügend Geld auf dem Konto hast, um deine Rechnungen zu bezahlen.

Grundstruktur

Anfangsbestand Konto
+ Einzahlungen (Umsaetze, Foerderungen, Kredite)
- Auszahlungen (Kosten, Investitionen, Tilgungen, Steuern)
= Endbestand Konto

Wichtig: Umsatz ist nicht gleich Einzahlung! Wenn du Rechnungen mit 30 Tagen Zahlungsziel stellst, kommt das Geld erst einen Monat später. Das kann gerade am Anfang kritisch werden.

Eine detaillierte Anleitung zur Liquiditätsplanung findest du in unserem Beitrag Liquiditätsplanung und Runway.

Schritt 6: Plan-GuV (Gewinn- und Verlustrechnung)

Die Plan-GuV zeigt, ob dein Startup profitabel sein wird. Sie stellt Erlöse und Aufwendungen gegenüber:

PositionJahr 1Jahr 2Jahr 3
Umsatzerlöse50.000 EUR150.000 EUR350.000 EUR
- Materialaufwand-10.000 EUR-30.000 EUR-70.000 EUR
= Rohertrag40.000 EUR120.000 EUR280.000 EUR
- Personalaufwand-24.000 EUR-72.000 EUR-168.000 EUR
- Sachaufwand-18.000 EUR-25.000 EUR-35.000 EUR
- Abschreibungen-3.000 EUR-3.000 EUR-3.000 EUR
= EBIT-5.000 EUR20.000 EUR74.000 EUR
- Zinsen-1.000 EUR-800 EUR-600 EUR
= EBT-6.000 EUR19.200 EUR73.400 EUR
- Steuern (25% KöSt)0 EUR-4.800 EUR-18.350 EUR
= Jahresüberschuss-6.000 EUR14.400 EUR55.050 EUR

Wann genau du die Gewinnschwelle erreichst, zeigt dir die Break-Even-Analyse.

Häufige Fehler bei der Finanzplanung

1. Zu optimistische Umsatzprognosen

Der Klassiker. Die meisten Gründer überschätzen ihren Umsatz im ersten Jahr massiv. Faustregel: Nimm deine erste Schätzung und halbiere sie. Dann bist du näher an der Realität.

2. Vergessene Kosten

Lohnnebenkosten, Sozialversicherung, Kammerumlage, Steuervorauszahlungen -- all das wird gerne vergessen. In Österreich sind die Lohnnebenkosten besonders hoch (ca. 30% auf das Bruttogehalt).

3. Keine Reserven

Plane immer einen Puffer ein. Mindestens 20% auf deine Kostenplanung und 3-6 Monate Runway als Reserve. Wie du deinen Runway berechnest, zeigen wir dir im Beitrag Liquiditätsplanung und Runway.

4. Einmaleffekte nicht berücksichtigt

Gründungskosten, Notarkosten für die GmbH-Gründung (ca. 2.000-3.000 EUR), Gewerbeanmeldung -- diese einmaligen Kosten gehören in den Plan.

5. Steuern vergessen

Die Körperschaftsteuer (KöSt) in Österreich beträgt 23% (seit 2024). Dazu kommt die Umsatzsteuer, die du zwar durchleitest, die aber deine Liquidität beeinflusst.

Tools für die Finanzplanung

Du musst das Rad nicht neu erfinden. Diese Tools helfen dir:

ToolKostenGeeignet für
Excel / Google SheetsKostenlosEinfache Finanzpläne
i2b Businessplan-ToolKostenlosÖsterreichische Gründer
SmartplanAb 29 EUR/MonatDetaillierte Planung
LivePlanAb 15 USD/MonatInternationale Startups
BMD NTCSAuf AnfrageProfessionelle Buchhaltung

Das i2b-Tool (initiative für business pläne) ist besonders empfehlenswert, weil es speziell auf den österreichischen Markt zugeschnitten ist und kostenlos zur Verfügung steht.

Praxistipp: Die Drei-Szenarien-Methode

Erstelle nicht nur einen Finanzplan, sondern drei:

  1. Best Case: Alles läuft optimal -- 20% über deiner realistischen Schätzung
  2. Base Case: Deine realistische Einschätzung
  3. Worst Case: Es läuft deutlich schlechter -- 30-40% unter deiner realistischen Schätzung

So bist du auf verschiedene Situationen vorbereitet und kannst im Worst Case frühzeitig gegensteuern.

Finanzplan für den Gründungszuschuss

Wenn du den AMS-Gründungszuschuss beantragst, braucht dein Finanzplan folgende Elemente:

  • Kapitalbedarfsplan
  • Finanzierungsplan
  • Umsatz- und Kostenplanung für mindestens 3 Jahre
  • Liquiditätsplan für die ersten 12 Monate
  • Rentabilitätsvorschau

Bei Startup Burgenland helfen wir dir, genau diese Unterlagen professionell aufzubereiten.

Checkliste: Dein Finanzplan in 10 Schritten

  1. Geschäftsmodell klar definieren
  2. Umsatzprognose erstellen (Bottom-Up!)
  3. Fixkosten auflisten
  4. Variable Kosten kalkulieren
  5. Investitionen planen
  6. Finanzierungsquellen identifizieren
  7. Liquiditätsplan monatlich aufstellen
  8. Plan-GuV erstellen
  9. Drei Szenarien durchrechnen
  10. Regelmässig überprüfen und anpassen

Fazit

Ein Finanzplan ist kein starres Dokument, das du einmal erstellst und dann in die Schublade legst. Er ist ein lebendiges Werkzeug, das du regelmässig aktualisieren solltest -- idealerweise monatlich. So behältst du den Überblick über deine Finanzen und kannst rechtzeitig gegensteuern, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Welche Kennzahlen du dabei unbedingt im Blick behalten solltest, erfährst du im nächsten Beitrag unserer Serie: KPIs die jedes Startup tracken sollte.

Jetzt loslegen

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Erstellung deines Finanzplans -- von der ersten Skizze bis zum fertigen Dokument für Bank und Fördergeber. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach dein Finanzplanung zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Finanzplanung und Kennzahlen" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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