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Förderungen für Startups in Österreich: Der große Überblick

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Österreichs Förderlandschaft: Mehr Möglichkeiten als du denkst

Wenn du in Österreich ein Startup gründest, stehst du vor einer guten Nachricht und einer schlechten. Die gute: Es gibt ein dichtes Netz an Förderungen, das europaweit seinesgleichen sucht. Die schlechte: Genau diese Vielfalt macht es schwer, den Überblick zu behalten. Bundesförderungen, Landesförderungen, EU-Programme -- wer soll da noch durchblicken?

Genau dafür ist dieser Artikel da. Wir bei Startup Burgenland begleiten Gründer:innen täglich durch den Förderdschungel und wissen aus erster Hand, welche Programme wirklich relevant sind. Dieser Überblick zeigt dir die wichtigsten Förderstellen, ihre Programme und wie du systematisch die passende Förderung findest.

Ob du eine technische Innovation entwickelst, ein Social Enterprise aufbaust oder ein klassisches Dienstleistungsunternehmen gründest -- es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Förderung, die zu deinem Vorhaben passt. Lass uns gemeinsam Licht ins Dunkel bringen.

Die Förderlandschaft auf Bundesebene

Österreich verfügt über mehrere zentrale Förderinstitutionen auf Bundesebene, die für Startups relevant sind. Diese Institutionen decken unterschiedliche Bereiche ab -- von der Frühphasenfinanzierung bis zur Forschungsförderung.

Die wichtigsten Bundesförderstellen im Überblick:

FörderstelleSchwerpunktTypische Programme
AWS (Austria Wirtschaftsservice)Gründung, Wachstum, InnovationGründungsfonds, Pre-Seed, Garantien
FFG (Forschungsförderungsgesellschaft)Forschung und EntwicklungBasisprogramm, BRIDGE, Impact Innovation
ÖADBildung und WissenschaftSpin-off Fellowships
KPC (Kommunalkredit Public Consulting)Umwelt und EnergieKlima- und Energiefonds-Programme
ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank)TourismusInvestitionsförderungen

Die AWS ist dabei die erste Anlaufstelle für die meisten Startups. Sie bietet Programme von der Idee bis zur Wachstumsphase und vergibt sowohl Zuschüsse als auch Garantien und Beteiligungen. Details dazu findest du in unserem Artikel AWS Gründungsfonds und Pre-Seed im Detail.

Die FFG hingegen ist dein Partner, wenn dein Startup einen starken Forschungs- und Entwicklungsanteil hat. Auch hier gibt es Programme, die speziell auf junge Unternehmen zugeschnitten sind -- mehr dazu in FFG Basisprogramm für Startups.

AWS -- Das Schweizer Taschenmesser der Startup-Förderung

Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) ist die zentrale Förderbank der Republik Österreich. Für Startups bietet sie ein breites Portfolio, das verschiedene Unternehmensphasen abdeckt.

Gründungsrelevante Programme:

  • AWS Gründungsfonds: Beteiligung bis EUR 800.000 für innovative Startups in der Frühphase. Kein klassischer Kredit, sondern eine Beteiligung, die unter bestimmten Bedingungen zurückgekauft werden kann.
  • AWS Pre-Seed: Zuschuss bis EUR 200.000 für die Validierung innovativer Geschäftsideen. Besonders attraktiv, weil nicht rückzahlbar.
  • AWS Seedfinancing: Bedingt rückzahlbares Darlehen bis EUR 800.000 für technologieorientierte Startups.
  • AWS Garantien: Übernahme von Haftungen für Bankkredite -- besonders wertvoll, wenn du noch keine Sicherheiten vorweisen kannst.
  • AWS Erfinderförderung: Unterstützung bei der Patentierung und Verwertung von Erfindungen.

Was die AWS besonders macht: Sie agiert nicht nur als Förderstelle, sondern auch als Beratungsinstanz. Über die AWS-Hotline bekommst du eine Ersteinschätzung, welches Programm zu deinem Vorhaben passt. Nutze dieses Angebot unbedingt, bevor du einen Antrag stellst.

Ein wichtiger Hinweis: Die AWS-Programme haben oft spezifische Innovationsanforderungen. Nicht jede Geschäftsidee qualifiziert sich. Wenn dein Startup eher im Dienstleistungsbereich liegt, sind Landesförderungen möglicherweise die bessere Wahl.

FFG -- Wenn Forschung und Entwicklung im Mittelpunkt stehen

Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist Österreichs zentrale Institution für die Förderung von Forschung und Entwicklung. Auch wenn viele FFG-Programme auf etablierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen ausgerichtet sind, gibt es durchaus relevante Angebote für Startups.

Die wichtigsten FFG-Programme für Startups:

  • Basisprogramm: Förderung von F&E-Projekten mit Zuschüssen und Darlehen. Offen für alle Branchen und Unternehmensgrößen -- auch für Startups.
  • BRIDGE: Brücke zwischen Grundlagenforschung und marktnaher Entwicklung. Ideal, wenn du aus dem universitären Umfeld kommst.
  • Impact Innovation: Förderung von Innovationen mit gesellschaftlichem Mehrwert.
  • Spin-off Fellowships: Unterstützung für Ausgründungen aus der Wissenschaft.

Besonderheit der FFG-Förderung: Die FFG fördert Projekte, nicht Unternehmen. Das bedeutet, du brauchst ein klar definiertes F&E-Projekt mit technischem Risiko und Innovationsgehalt. Ein reines Geschäftsmodell ohne technische Entwicklungskomponente wird hier nicht gefördert.

Die Förderquoten beim Basisprogramm liegen je nach Projektart und Unternehmensgröße zwischen 35 und 80 Prozent der förderbaren Kosten. Für kleine Unternehmen -- und dazu zählen die meisten Startups -- gibt es einen KMU-Zuschlag. Alle Details findest du in unserem Artikel FFG Basisprogramm für Startups.

Praxis-Tipp: Die FFG bietet kostenlose Erstberatungen an. Nutze diese, um herauszufinden, ob dein Projekt förderfähig ist, bevor du den Aufwand eines Antrags auf dich nimmst.

Landesförderungen -- Die oft unterschätzten Möglichkeiten

Neben den Bundesförderungen bieten alle neun Bundesländer eigene Förderprogramme für Gründer:innen und Startups an. Diese sind oft weniger bekannt, aber nicht weniger attraktiv.

Übersicht der Landesförderstellen:

BundeslandFörderstelleBesonderheit
BurgenlandWIBAG / WiBuGGründungszuschüsse, Betriebsansiedlung
KärntenKWFStartup-Förderung, Innovationsförderung
NiederösterreichecoplusTechnologieförderung, Gründerland NÖ
OberösterreichBusiness Upper Austriatech2b, Innovationsförderung
SalzburgITG SalzburgStartup Salzburg, Innovationsförderung
SteiermarkSFGZukunftsfonds, Gründungsförderung
TirolStandortagentur TirolStartup.Tirol, Innovationsförderung
VorarlbergWISTOInnovationsförderung, Gründerberatung
WienWirtschaftsagentur WienBreitestes Förderspektrum für Startups

Warum Landesförderungen so wichtig sind:

Erstens sind die Hürden oft niedriger als bei Bundesförderungen. Nicht jedes Startup braucht eine disruptive Innovation -- auch solide Geschäftsmodelle werden auf Landesebene gefördert. Zweitens lassen sich Landesförderungen häufig mit Bundesförderungen kombinieren. Und drittens bieten viele Landesförderstellen persönliche Beratung, die bei der Antragstellung enorm hilft.

Besonders hervorzuheben sind die Programme im Burgenland. Mehr dazu erfährst du in WIBAG und Förderungen im Burgenland. Auch die Wirtschaftsagentur Wien hat ein beeindruckendes Portfolio -- Details dazu in Förderungen der Wirtschaftsagentur Wien.

EU-Förderungen -- Der Blick über die Grenze

Die Europäische Union bietet über verschiedene Programme erhebliche Fördermittel für innovative Startups. Der Zugang ist anspruchsvoller, dafür sind die Fördervolumina deutlich höher.

Die wichtigsten EU-Programme für Startups:

  • EIC Accelerator: Bis zu EUR 2,5 Millionen Zuschuss plus bis zu EUR 15 Millionen Equity-Investment. Das Flaggschiff-Programm für europäische Startups mit Skalierungspotenzial.
  • Horizon Europe: Europas größtes Forschungsrahmenprogramm mit verschiedenen Förderinstrumenten.
  • EIT (European Institute of Innovation and Technology): Fördert über Knowledge and Innovation Communities (KICs) themenspezifische Innovationen.
  • COSME / Single Market Programme: Unterstützung für KMU bei Internationalisierung und Marktzugang.
  • Interreg: Grenzüberschreitende Kooperationsprojekte -- besonders relevant für das Burgenland mit seiner Grenzlage zu Ungarn.

Was du wissen musst: EU-Förderungen sind kompetitiv. Die Erfolgsquoten beim EIC Accelerator liegen bei etwa 5 bis 8 Prozent. Das bedeutet: Nur mit einem exzellent aufbereiteten Antrag und einem wirklich überzeugenden Projekt hast du eine Chance. Detaillierte Informationen findest du in EU-Förderungen: EIC Accelerator und Horizon Europe.

Praxis-Tipp: Viele österreichische Förderstellen bieten Unterstützung bei der Beantragung von EU-Förderungen an. Die FFG fungiert als National Contact Point für Horizon Europe und berät kostenlos. Nutze diese Anlaufstellen, bevor du dich allein an einen EU-Antrag wagst.

Indirekte Förderungen -- Die versteckten Vorteile

Neben direkten Zuschüssen und Darlehen gibt es in Österreich eine Reihe indirekter Förderungen, die Startups bares Geld sparen können.

Steuerliche Förderungen:

  • Forschungsprämie: 14 Prozent der Forschungsausgaben werden als Prämie gutgeschrieben. Das gilt auch für Startups -- selbst wenn du noch keinen Gewinn machst, bekommst du die Prämie als Negativsteuer ausbezahlt.
  • NeuFöG (Neugründungsförderungsgesetz): Befreiung von verschiedenen Gebühren und Abgaben bei der Unternehmensgründung. Details dazu in Gründer:innen-Bonus und NeuFöG.
  • Lohnnebenkosten-Förderung: Für bestimmte Mitarbeiter:innen können Lohnnebenkosten-Zuschüsse beantragt werden.

Garantien und Bürgschaften:

  • AWS-Garantien: Übernahme von bis zu 80 Prozent der Haftung für Bankkredite.
  • Bürges-Förderungen: Für Kleinunternehmen und Gründer:innen.

Beratungsförderungen:

  • Unternehmensberatungsförderung des BMAW: Bis zu 50 Prozent der Beratungskosten werden übernommen.
  • Gründungsprogramme: Programme wie Startup Burgenland bieten kostenlose Beratung und Coaching -- das ist im Grunde auch eine Form der Förderung.

Wichtig: Indirekte Förderungen werden oft vergessen, können aber in Summe mehrere tausend Euro ausmachen. Besonders das NeuFöG sollte jede:r Gründer:in kennen und nutzen.

So findest du die richtige Förderung systematisch

Bei der Fülle an Programmen ist ein systematischer Ansatz entscheidend. Hier ist ein bewährter Prozess, den wir bei Startup Burgenland mit unseren Gründer:innen durchgehen:

Schritt 1: Standortbestimmung Wo stehst du? Ideenphase, Prototyp, erste Kund:innen, Skalierung? Die meisten Förderprogramme sind auf bestimmte Phasen zugeschnitten.

Schritt 2: Innovationsgrad einschätzen Hast du eine technische Innovation? Ein innovatives Geschäftsmodell? Oder ein solides, aber nicht disruptives Unternehmen? Diese Einschätzung bestimmt, welche Förderstellen in Frage kommen.

Schritt 3: Förderlandkarte erstellen Erstelle eine Matrix mit allen potentiell passenden Programmen:

KriteriumDein StatusPassende Programme
Phasez.B. Pre-SeedAWS Pre-Seed, Landesförderungen
Innovationz.B. technischFFG Basisprogramm, AWS Seedfinancing
Standortz.B. BurgenlandWIBAG, Startup Burgenland
Branchez.B. GreenTechKPC, EIT Climate-KIC

Schritt 4: Kombinierbarkeit prüfen Viele Förderungen lassen sich kombinieren -- aber nicht alle. Achte auf die De-Minimis-Regelung, die eine Obergrenze für staatliche Beihilfen festlegt.

Schritt 5: Zeitplan erstellen Manche Programme haben fixe Einreichfristen (Calls), andere sind laufend offen. Plane deine Anträge strategisch und beginne mit dem Programm, das den längsten Vorlauf braucht.

Schritt 6: Professionelle Beratung nutzen Hole dir Unterstützung. Bei Startup Burgenland bekommst du 1:1 Coaching, das auch die Förderstrategie umfasst. Auch die Förderstellen selbst bieten kostenlose Erstberatungen an.

Häufige Fehler bei der Fördersuche

In unserer Arbeit mit Hunderten von Gründer:innen sehen wir immer wieder dieselben Fehler bei der Fördersuche. Hier die wichtigsten -- und wie du sie vermeidest:

Fehler 1: Zu spät anfangen Viele Gründer:innen denken erst an Förderungen, wenn das Geld knapp wird. Die meisten Programme haben aber Vorlaufzeiten von mehreren Monaten. Beginne mit der Förderplanung idealerweise parallel zur Geschäftsplanung.

Fehler 2: Nur auf eine Förderung setzen Setze nie alles auf eine Karte. Selbst gute Anträge werden abgelehnt. Plane immer alternative Finanzierungswege mit ein.

Fehler 3: Den Aufwand unterschätzen Ein guter Förderantrag braucht Zeit -- je nach Programm zwischen 40 und 200 Arbeitsstunden. Kalkuliere diesen Aufwand realistisch ein. Tipps dazu findest du in Den perfekten Förderantrag schreiben.

Fehler 4: Förderung als Geschäftsmodell Förderungen sind Starthilfe, kein Geschäftsmodell. Wenn dein Unternehmen nur mit Förderungen funktioniert, stimmt etwas Grundlegendes nicht. Förderstellen erkennen das und lehnen solche Anträge ab.

Fehler 5: Die Abrechnung vergessen Eine Förderzusage ist erst der Anfang. Danach kommt die Abrechnung, und die hat es in sich. Plane von Anfang an ein sauberes Reporting ein -- mehr dazu in Förderung abrechnen und Reporting.

Fehler 6: Auf kostenlose Beratung verzichten Fast alle Förderstellen bieten kostenlose Erstgespräche an. Nutze sie. Ein 30-minütiges Telefonat kann dir Wochen an Arbeit ersparen, weil du sofort weißt, ob dein Projekt überhaupt förderfähig ist.

Dein Aktionsplan

Die österreichische Förderlandschaft ist komplex, aber sie bietet echte Chancen für dein Startup. Beginne mit einer ehrlichen Standortbestimmung, identifiziere die passenden Programme und hole dir professionelle Unterstützung bei der Antragstellung.

Bei Startup Burgenland helfen wir dir, die richtigen Förderungen zu finden und erfolgreich zu beantragen. Unser Coaching umfasst auch eine individuelle Förderstrategie -- damit du kein Geld auf dem Tisch liegen lässt. Schreib uns einfach ein formloses E-Mail und wir besprechen deine Möglichkeiten.


Startup Burgenland macht Gründung leistbar: EUR 10.000 Gründungszuschuss (nicht rückzahlbar, keine Eigenkapitalabgabe), 1:1 Coaching und ein Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten. Flexibler Einstieg jederzeit. Schreib uns ein formloses E-Mail.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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