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FFG Basisprogramm: Forschungsförderung auch für junge Unternehmen

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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FFG-Förderung: Forschung ist nicht nur für Konzerne

Wenn du an Forschungsförderung denkst, hast du vermutlich große Konzerne mit eigenen Labors im Kopf. Doch die Forschungsförderungsgesellschaft -- kurz FFG -- hat Programme, die auch für Startups zugänglich sind. Mehr noch: Kleine Unternehmen bekommen sogar höhere Förderquoten als Großunternehmen.

Das FFG Basisprogramm ist das Arbeitspferd der österreichischen Forschungsförderung. Es steht allen Branchen und Unternehmensgrößen offen, hat keine thematischen Einschränkungen und ist laufend einreichbar. Wenn dein Startup eine technische Entwicklungskomponente hat, solltest du dieses Programm unbedingt auf dem Radar haben.

Wir bei Startup Burgenland sehen regelmäßig, dass Gründer:innen die FFG-Förderung übersehen, weil sie denken, ihr Projekt sei "nicht forschungsintensiv genug". Dabei reicht oft schon eine systematische Entwicklungsarbeit, um die Kriterien zu erfüllen. Lass uns gemeinsam prüfen, ob die FFG für dich in Frage kommt.

Was die FFG ist und wie sie arbeitet

Die FFG ist die zentrale österreichische Förderorganisation für unternehmensnahe Forschung und Entwicklung. Sie wurde 2004 gegründet und verwaltet im Auftrag des Bundes verschiedene Förderprogramme mit einem jährlichen Budget von über EUR 700 Millionen.

Die FFG fördert Projekte, nicht Unternehmen. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu vielen anderen Förderstellen. Du beantragst nicht eine allgemeine Unternehmensförderung, sondern die Förderung eines konkreten Forschungs- und Entwicklungsprojekts.

Programmstruktur der FFG:

ProgrammZielgruppeBesonderheit
BasisprogrammAlle UnternehmenThemenoffen, laufend einreichbar
BRIDGEForschung-Wirtschaft-KooperationBrücke zur Grundlagenforschung
COINKooperationsprojekteNetzwerkförderung
Impact InnovationGesellschaftliche InnovationenSoziale und ökologische Wirkung
Spin-off FellowshipsAusgründungenAus Universitäten und FHs
TalenteHumanressourcenPraktika, Karriereprogramme

Für Startups ist das Basisprogramm das relevanteste, weil es die wenigsten Einschränkungen hat und die größte Flexibilität bietet. Auf dieses Programm konzentrieren wir uns in diesem Artikel.

Das Basisprogramm im Detail

Das FFG Basisprogramm fördert experimentelle Entwicklung und industrielle Forschung in allen Technologie- und Anwendungsbereichen. Es ist das älteste und meistgenutzte Programm der FFG.

Die Eckdaten:

  • Fördervolumen: Keine fixe Obergrenze, typisch EUR 100.000 bis EUR 2 Millionen
  • Förderform: Kombination aus Zuschuss und zinsgünstigem Darlehen
  • Förderquote für KMU: Bis zu 60 Prozent (experimentelle Entwicklung) bzw. 80 Prozent (industrielle Forschung)
  • Laufzeit: 6 bis 36 Monate
  • Einreichung: Laufend möglich (kein Call, keine Deadline)

Was bedeutet "experimentelle Entwicklung"?

Die FFG unterscheidet zwischen industrieller Forschung und experimenteller Entwicklung. Für Startups ist meistens die experimentelle Entwicklung relevant. Darunter fallen:

  • Entwicklung neuer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen
  • Wesentliche Verbesserung bestehender Produkte oder Verfahren
  • Erstellung von Prototypen und Demonstratoren
  • Pilotprojekte und Testläufe

Was nicht gefördert wird:

  • Routinemäßige Softwareentwicklung ohne technisches Risiko
  • Reine Marktforschung oder Markteinführung
  • Standardmäßige Anpassung bestehender Produkte
  • Projekte ohne technisches Risiko oder Unsicherheit

Der Schlüssel: Dein Projekt muss ein technisches Risiko beinhalten. Das heißt, es darf nicht von vornherein klar sein, dass die geplante Lösung funktioniert. Genau dieses Risiko macht die Entwicklung förderwürdig.

Förderquoten und Kostenarten: Was du bekommst

Die Förderquoten beim FFG Basisprogramm sind für KMU -- und damit für die meisten Startups -- besonders attraktiv.

Förderquoten nach Unternehmensgrößen und Forschungskategorie:

KategorieKleinstunternehmenKleine UnternehmenMittlere UnternehmenGroßunternehmen
Industrielle Forschung80%80%75%65%
Experimentelle Entwicklung60%60%50%40%

Als Startup zählst du in der Regel als Kleinstunternehmen (weniger als 10 Mitarbeiter:innen und unter EUR 2 Millionen Jahresumsatz) oder kleines Unternehmen (weniger als 50 Mitarbeiter:innen und unter EUR 10 Millionen Jahresumsatz). Das bedeutet die höchsten Förderquoten.

Die Förderung setzt sich zusammen aus:

  • Zuschuss: Nicht rückzahlbar, typischerweise 30-45 Prozent
  • Zinsgünstiges Darlehen: Rückzahlbar, aber zu sehr günstigen Konditionen

Förderbare Kostenarten:

KostenartBeschreibungTypischer Anteil
PersonalkostenEigene Mitarbeiter:innen im Projekt50-70%
SachkostenMaterial, Lizenzen, Reisekosten10-20%
F&E-InfrastrukturNutzung von Geräten und Anlagen5-15%
DrittkostenExterne Dienstleister, Forschungspartner10-30%
GemeinkostenPauschal 20% auf Personalkostenautomatisch

Praxis-Tipp: Personalkosten sind der größte Posten. Die FFG akzeptiert sowohl Gehälter von Angestellten als auch kalkulatorische Kosten für Gesellschafter-Geschäftsführer:innen, die im Projekt mitarbeiten. Das ist für Startups besonders wichtig, weil oft die Gründer:innen selbst die Hauptentwicklungsarbeit leisten.

So stellst du fest, ob dein Projekt FFG-fähig ist

Nicht jedes Startup-Projekt ist FFG-fähig. Hier ein einfacher Selbsttest, den wir bei Startup Burgenland mit unseren Gründer:innen durchgehen:

Frage 1: Gibt es ein technisches Risiko? Ist unklar, ob deine technische Lösung funktionieren wird? Gibt es Herausforderungen, die nicht mit Standardmethoden gelöst werden können? Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen.

Frage 2: Gehst du über den Stand der Technik hinaus? Kannst du zeigen, dass dein Ansatz sich von bestehenden Lösungen unterscheidet? Nicht im Sinne von "besser" oder "billiger", sondern im Sinne von "technisch anders"?

Frage 3: Ist systematische Forschungsarbeit nötig? Musst du experimentieren, testen, iterieren? Oder ist die Umsetzung eine reine Fleißarbeit? Die FFG fördert die Unsicherheit, nicht die Routine.

Frage 4: Kannst du das Projekt in Arbeitspakete gliedern? Ein FFG-Projekt braucht eine klare Struktur mit Arbeitspaketen, Meilensteinen und Deliverables. Wenn du dein Vorhaben so strukturieren kannst, bist du auf dem richtigen Weg.

Frage 5: Haben die handelnden Personen F&E-Kompetenz? Die FFG prüft, ob dein Team die nötige Qualifikation hat. Das muss kein Doktortitel sein, aber technische Ausbildung und Erfahrung im relevanten Bereich sollten vorhanden sein.

Ergebnis: Wenn du mindestens vier der fünf Fragen mit Ja beantwortest, lohnt sich ein FFG-Erstgespräch. Dieses ist kostenlos und unverbindlich. Die FFG-Berater:innen geben dir eine ehrliche Einschätzung, ob ein Antrag Sinn macht.

Der Antragsprozess: Von der Idee bis zur Zusage

Der FFG-Antragsprozess ist strukturierter als bei vielen anderen Förderstellen. Hier der Ablauf im Detail:

Schritt 1: Erstgespräch mit der FFG (optional, aber empfohlen) Kontaktiere die FFG und schildere dein Vorhaben in groben Zügen. Die Berater:innen sagen dir, ob ein Antrag aussichtsreich ist und in welche Forschungskategorie dein Projekt fällt.

Schritt 2: Projektbeschreibung verfassen Die Projektbeschreibung ist das Herzstück deines Antrags. Sie umfasst typischerweise 15 bis 25 Seiten und beinhaltet:

  • Stand der Technik und Abgrenzung
  • Innovationsgehalt und technische Ziele
  • Lösungsansatz und Methodik
  • Arbeitsplan mit Arbeitspaketen und Meilensteinen
  • Verwertungsperspektive (wie willst du die Ergebnisse vermarkten?)
  • Risikoanalyse

Schritt 3: Kostenkalkulation erstellen Die Kostenkalkulation muss detailliert und nachvollziehbar sein. Jedes Arbeitspaket braucht eine eigene Kostenaufstellung. Die FFG prüft die Angemessenheit der Kosten genau.

Schritt 4: Online-Einreichung über eCall Die FFG nutzt das Portal "eCall" für die Einreichung. Dort lädst du alle Dokumente hoch und füllst die Online-Formulare aus.

Schritt 5: Begutachtung (6-12 Wochen) Dein Antrag wird von externen Gutachter:innen bewertet. Bei Bedarf gibt es ein Klärungsgespräch, in dem du Fragen der Gutachter:innen beantworten kannst.

Schritt 6: Förderentscheidung und Vertrag Bei positiver Bewertung erhältst du einen Fördervertrag. Die Laufzeit beginnt mit dem im Vertrag festgelegten Startdatum. Tipps zur Abrechnung findest du in Förderung abrechnen und Reporting.

Praxis-Tipps für den FFG-Antrag

Die FFG-Gutachter:innen bewerten deinen Antrag nach definierten Kriterien. Hier unsere Tipps, wie du bei jedem Kriterium punktest:

Tipp 1: Den Stand der Technik ernst nehmen Recherchiere gründlich, was es bereits gibt. Nutze wissenschaftliche Datenbanken, Patentdatenbanken und Marktanalysen. Zeige, dass du den Markt und die Technik verstehst -- und begründe, warum dein Ansatz trotzdem nötig ist.

Tipp 2: Technisches Risiko explizit benennen Viele Antragsteller:innen scheuen sich, Risiken zu benennen -- sie wollen ihr Projekt ja positiv darstellen. Bei der FFG ist das Gegenteil der Fall: Ohne technisches Risiko keine Förderung. Benenne die Risiken klar und beschreibe deine Strategie, damit umzugehen.

Tipp 3: Arbeitspakete sauber strukturieren Jedes Arbeitspaket sollte ein klares Ziel, definierte Aufgaben, messbare Ergebnisse und einen realistischen Zeitplan haben. Abhängigkeiten zwischen Arbeitspaketen sollten dargestellt werden.

Tipp 4: Verwertung konkret beschreiben Die FFG will wissen, was du mit den Ergebnissen machst. "Wir entwickeln ein Produkt und verkaufen es" reicht nicht. Beschreibe den Weg vom Forschungsergebnis zum Markt -- inklusive Zeitplan, Zielkund:innen und Vertriebsstrategie.

Tipp 5: Kooperationen nutzen Projekte mit Kooperationspartnern (Universitäten, Fachhochschulen, andere Unternehmen) werden tendenziell besser bewertet. Wenn du eine Kooperation mit einer Forschungseinrichtung aufbauen kannst, stärkt das deinen Antrag erheblich.

Tipp 6: Hilfe holen Der FFG-Antrag ist aufwändig. Rechne mit 60 bis 120 Arbeitsstunden für die Erstellung. Professionelle Unterstützung beim Antragschreiben kann sich lohnen -- die Kosten dafür sind unter Umständen selbst förderbar. Auch bei Startup Burgenland helfen wir dir, deinen Antrag zu strukturieren.

FFG und andere Förderungen kombinieren

Die FFG-Förderung lässt sich mit anderen Programmen kombinieren -- unter Beachtung bestimmter Regeln.

Kombinationsmöglichkeiten:

  • FFG + AWS: Möglich, wenn unterschiedliche Kosten gefördert werden. Die FFG fördert F&E-Kosten, die AWS kann Wachstumsfinanzierung bereitstellen.
  • FFG + Landesförderung: Viele Bundesländer haben eigene Innovationsförderungen, die sich mit der FFG kombinieren lassen. Im Burgenland bietet die WIBAG ergänzende Programme.
  • FFG + Forschungsprämie: Die steuerliche Forschungsprämie (14 Prozent der F&E-Ausgaben) kann zusätzlich zur FFG-Förderung in Anspruch genommen werden -- allerdings nur für den nicht geförderten Anteil der Kosten.
  • FFG + EU-Förderung: Grundsätzlich möglich, aber die Gesamtförderquote darf die EU-Beihilfenobergrenzen nicht übersteigen.

Wichtige Regel: Keine Doppelförderung Dieselben Kosten dürfen nicht von zwei Förderprogrammen abgedeckt werden. Wenn dein Entwicklungsprojekt EUR 300.000 kostet und die FFG EUR 180.000 übernimmt, dürfen die verbleibenden EUR 120.000 durch andere Förderungen finanziert werden -- aber nicht nochmal die gesamten EUR 300.000.

Beihilfenrechtliche Obergrenzen: Die FFG-Förderung fällt in der Regel unter die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) und nicht unter De-Minimis. Das bedeutet, dass sie den De-Minimis-Rahmen nicht belastet -- ein wichtiger Vorteil für Startups, die auch andere Förderungen nutzen.

Häufige Ablehnungsgründe und wie du sie vermeidest

Die Erfolgsquote beim FFG Basisprogramm liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent. Das ist vergleichsweise hoch, aber es bedeutet auch, dass ein Drittel der Anträge abgelehnt wird. Hier die häufigsten Gründe:

Grund 1: Mangelnder Innovationsgehalt Das Projekt geht nicht ausreichend über den Stand der Technik hinaus. Lösung: Gründlichere Recherche und klarere Abgrenzung.

Grund 2: Kein ausreichendes technisches Risiko Das Vorhaben ist eher eine Umsetzung als eine Entwicklung. Lösung: Identifiziere die technischen Herausforderungen und beschreibe sie explizit.

Grund 3: Unzureichende Qualifikation des Teams Das Team hat nicht die nötigen Kompetenzen für das geplante F&E-Projekt. Lösung: Kooperationspartner:innen einbinden oder gezielt Personal mit F&E-Erfahrung aufbauen.

Grund 4: Unrealistische Planung Zu ambitionierter Zeitplan, zu hohe oder zu niedrige Kosten, unklare Meilensteine. Lösung: Realistisch planen und mit Personen besprechen, die Erfahrung mit FFG-Projekten haben.

Grund 5: Fehlende Verwertungsperspektive Es ist unklar, wie die Forschungsergebnisse in ein marktfähiges Produkt umgesetzt werden sollen. Lösung: Einen konkreten Verwertungsplan mit Zeitschiene erstellen.

Weitere Tipps zum Antragschreiben findest du in unserem Artikel Den perfekten Förderantrag schreiben.

Jetzt loslegen

Wenn dein Startup eine technische Entwicklungskomponente hat, solltest du die FFG-Förderung ernsthaft prüfen. Die Förderquoten von bis zu 60 Prozent bei experimenteller Entwicklung und die Möglichkeit, laufend einzureichen, machen das Basisprogramm besonders attraktiv für Startups.

Beginne mit einem kostenlosen Erstgespräch bei der FFG. Parallel dazu unterstützen wir dich bei Startup Burgenland mit unserem Coaching -- von der Einschätzung der Förderfähigkeit bis zur Antragsstruktur. Schreib uns ein formloses E-Mail und wir schauen uns dein Vorhaben gemeinsam an.


Startup Burgenland macht Gründung leistbar: EUR 10.000 Gründungszuschuss (nicht rückzahlbar, keine Eigenkapitalabgabe), 1:1 Coaching und ein Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten. Flexibler Einstieg jederzeit. Schreib uns ein formloses E-Mail.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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