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Biotech und Synthetic Biology -- Chancen für Startups

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Biotech ist nicht nur für Konzerne

Biotechnologie und Synthetic Biology gehören zu den spannendsten Innovationsfeldern unserer Zeit. Von personalisierten Medikamenten über nachhaltige Materialien bis hin zu neuartigen Lebensmitteln -- die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm. Und du musst kein Pharma-Konzern sein, um mitzumischen.

In Österreich und speziell im Raum Wien hat sich ein starkes Biotech-Cluster entwickelt. Der Vienna BioCenter, die BOKU Wien und verschiedene Forschungseinrichtungen bieten ein Ökosystem, das auch Startups aus dem Burgenland nutzen können. Bei Startup Burgenland sehen wir wachsendes Interesse an Bio-Innovation -- vom AgriTech-Startup bis zum MedTech-Gründer.

Was ist Synthetic Biology?

Synthetic Biology -- oder synthetische Biologie -- ist die Anwendung von Engineering-Prinzipien auf biologische Systeme. Statt Organismen nur zu beobachten, designst du sie für bestimmte Zwecke:

  • Mikroorganismen produzieren Materialien, Chemikalien oder Medikamente
  • Gene Editing mit CRISPR ermöglicht präzise Veränderungen
  • Zellfreie Systeme nutzen biologische Maschinen ohne lebende Zellen
  • Computational Biology simuliert biologische Prozesse am Computer

Der Unterschied zur klassischen Biotechnologie: Synthetic Biology denkt in Bausteinen und Modulen -- ähnlich wie Software-Entwicklung, nur mit DNA statt Code.

Geschäftsmodelle im Biotech-Bereich

ModellBeschreibungKapitalbedarfTime-to-Market
Platform-BiotechTechnologie-Plattform für verschiedene AnwendungenHoch (EUR 1-5 Mio+)3-5 Jahre
Application-BiotechSpezifisches Produkt für einen MarktMittel (EUR 500k-2 Mio)2-4 Jahre
Service-BiotechLabor-Dienstleistungen und AuftragsforschungNiedrig (EUR 100k-500k)6-12 Monate
Bio-InformatikSoftware und Datenanalyse für Bio-ForschungNiedrig (EUR 50k-300k)6-18 Monate
Bio-ManufacturingProduktion biologischer MaterialienHoch (EUR 2-10 Mio)2-5 Jahre

Für Bootstrapper ist der Service-Ansatz oft der beste Einstieg: Du bietest Forschungsdienstleistungen an und finanzierst damit die Entwicklung eigener Produkte.

Regulierung und Zulassung

Biotech-Startups müssen je nach Anwendungsbereich verschiedene regulatorische Hürdeln nehmen:

Medizinprodukte und Pharma

  • EMA-Zulassung für Medikamente (European Medicines Agency)
  • MDR-Konformität für Medizinprodukte (siehe Post 617)
  • Klinische Studien nach GCP-Standards (siehe Post 620)
  • AGES als nationale Zulassungsbehörde in Österreich

Lebensmittel und Agrar

  • Novel Food Verordnung der EU für neuartige Lebensmittel
  • Gentechnikgesetz in Österreich -- strenger als in vielen anderen Ländern
  • Bio-Zertifizierung wenn relevant (siehe Post 644)

Chemie und Materialien

  • REACH-Verordnung für chemische Stoffe
  • CLP-Verordnung für Kennzeichnung
  • Umweltverträglichkeitsprüfung bei industrieller Produktion

Plane für die regulatorische Arbeit mindestens 20-30 Prozent deines Budgets ein. Unterschätze diesen Posten nicht -- er ist einer der häufigsten Gründe, warum Biotech-Startups scheitern.

Finanzierung von Biotech-Startups

Biotech braucht typischerweise mehr Kapital als Software-Startups. Deine Optionen in Österreich:

Öffentliche Förderungen

  • FFG Basisprogramm -- bis zu EUR 500.000 für F&E-Projekte
  • aws Preseed und Seedfinancing -- Früephasenfinanzierung
  • Horizon Europe -- EU-Forschungsförderung mit hohen Summen
  • Klima- und Energiefonds -- für Green-Biotech (siehe Post 464)
  • Forschungsprämie -- 14 Prozent deiner F&E-Ausgaben zurück (siehe Post 670)

Private Investoren

  • Spezialisierte Biotech-VCs wie Apex Ventures oder IST Cube
  • Corporate VCs von Pharma- und Chemieunternehmen
  • Business Angels mit Biotech-Hintergrund -- in Österreich über AAIA vernetzt
  • EIC Accelerator -- EU-Programm mit bis zu EUR 2,5 Mio Equity

Alternative Wege

  • Auftragsforschung als Revenue-Quelle von Tag 1
  • Partnerschaften mit Universitäten für Zugang zu Labors und Equipment
  • Lizenzmodelle -- entwickle IP und lizenziere an grössere Player

Von der Forschung zum Startup

Der Weg vom Labor zum Markt folgt typischerweise diesen Phasen:

Phase 1: Discovery (6-18 Monate)

  • Proof of Concept im Labor
  • Erste Patentanmeldung
  • Marktrecherche und Problem-Validation
  • Teamaufbau -- mindestens ein Scientist und ein Business-Profil

Phase 2: Development (12-36 Monate)

  • Skalierung vom Labor auf Pilotmassstab
  • Regulatorische Vorabklärungen
  • Erste Kundengespräche und LOIs
  • Seed-Finanzierung sichern

Phase 3: Scale-up (24-48 Monate)

  • Pilotproduktion und erste Kunden
  • Zulassungsverfahren starten
  • Series A vorbereiten
  • Produktionspartner evaluieren

Phase 4: Commercialization

  • Markteintritt und Vertrieb aufbauen
  • Produktion skalieren
  • Internationale Expansion planen

Standortvorteile in Österreich

Österreich bietet Biotech-Startups einige handfeste Vorteile:

  • Vienna BioCenter und Science Park Graz als etablierte Cluster
  • Starke Universitäten -- MedUni Wien, BOKU, TU Graz
  • Forschungsprämie von 14 Prozent -- eine der höchsten in Europa
  • Zentrale Lage mit Zugang zu DACH- und CEE-Märkten
  • Hohe Lebensqualität für internationales Talent-Recruiting

Auch das Burgenland hat Potenzial -- besonders im Bereich AgriTech und Wein-Innovation. Die FH Burgenland forscht an Lebensmitteltechnologie, und die Nähe zu Wien macht den Zugang zu Labors und Investoren einfach.

Tipps für den Einstieg

  1. Starte mit einem klaren Problem -- nicht mit einer Technologie auf der Suche nach einem Markt
  2. Baue ein diverses Team -- du brauchst sowohl Wissenschaftler als auch Business-Expertise
  3. Schütze dein IP früh -- Patente sind in Biotech essenziell (siehe Post 168)
  4. Nutze Förderungen aggressiv -- die F&E-Förderlandschaft in Österreich ist exzellent
  5. Suche dir einen erfahrenen Mentor -- jemand der den Weg vom Labor zum Markt kennt
  6. Plane langfristig -- Biotech braucht Geduld, aber die Payoffs können enorm sein

Der nächste Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Gründung deines Biotech-Startups -- von der Förderberatung bis zum Investoren-Netzwerk. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach deine Forschung zum Business.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Zukunftstrends und Technologien" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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