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Forschungsprämie und F&E-Förderung -- So profitiert dein Startup

Felix Lenhard 13 min
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Forschungsprämie und F&E-Förderung -- So profitiert dein Startup

Österreich gehört zu den Ländern mit den grosszügigsten steuerlichen Förderungen für Forschung und Entwicklung (F&E) in Europa. Die Forschungsprämie von 14% ist ein echtes Highlight für innovative Startups. Wenn du ein Tech-Startup im Burgenland gründest oder betreibst, solltest du diese Förderung unbedingt kennen und nutzen.

In diesem Beitrag erkläre ich dir alles rund um die Forschungsprämie, die Voraussetzungen und den Antragsprozess. Ausserdem zeige ich dir weitere F&E-Förderungen, die für dein Startup relevant sein könnten.

Was ist die Forschungsprämie?

Die Forschungsprämie ist eine steuerliche Begünstigung für Unternehmen, die in Österreich Forschung und Entwicklung betreiben. Sie beträgt 14% der F&E-Aufwendungen und wird direkt auf dein Steuerkonto gutgeschrieben.

Warum ist die Forschungsprämie so attraktiv?

  • Direkte Gutschrift: Du bekommst die Prämie als Gutschrift auf dein Finanzamtskonto -- auch wenn du noch keinen Gewinn machst
  • Kein Steuerpflichtiger Gewinn nötig: Im Gegensatz zu vielen anderen Steuervorteilen funktioniert die Forschungsprämie auch bei Verlusten
  • 14% der Aufwendungen: Das ist einer der höchsten Sätze in Europa
  • Keine Obergrenze: Es gibt keine maximale Förderhöhe
  • Kombination mit anderen Förderungen: Die Forschungsprämie kann mit anderen Förderungen kombiniert werden (mit Einschränkungen)

Beispielrechnung

Dein Startup gibt jährlich 200.000 EUR für F&E aus (Personalkosten, Materialien, externe Entwicklung).

Forschungsprämie: 200.000 EUR x 14% = 28.000 EUR als Gutschrift auf deinem Steuerkonto.

Das ist bares Geld, das du für weiteres Wachstum nutzen kannst.

Voraussetzungen für die Forschungsprämie

Was zählt als Forschung und Entwicklung?

Die Forschungsprämie wird für Aufwendungen im Bereich eigenbetrieblicher Forschung und experimenteller Entwicklung gewährt. Die Definition orientiert sich am Frascati-Handbuch der OECD:

Grundlagenforschung

Experimentelle oder theoretische Arbeit zur Gewinnung neuer Erkenntnisse ohne unmittelbare praktische Anwendung.

Angewandte Forschung

Forschung mit einem bestimmten praktischen Ziel oder einer konkreten Anwendung.

Experimentelle Entwicklung

Systematische Arbeit unter Nutzung vorhandener Erkenntnisse zur Herstellung neuer Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen -- oder zur wesentlichen Verbesserung bestehender.

Was zählt NICHT als F&E?

  • Reine Marktforschung
  • Qualitätskontrolle im laufenden Betrieb
  • Routinemässige Softwareanpassungen
  • Schulungen und Weiterbildung
  • Design ohne technische Neuerung
  • Standardmässige IT-Dienstleistungen

Die Abgrenzung bei Software-Startups

Für Software-Startups ist die Abgrenzung besonders wichtig. Nicht jede Softwareentwicklung ist automatisch F&E. Es muss ein technologisches Risiko oder eine technische Unsicherheit vorliegen:

Zählt als F&E:

  • Entwicklung eines neuen Machine-Learning-Algorithmus
  • Erforschung neuer Datenbank-Architekturen
  • Prototyp einer innovativen IoT-Lösung
  • Entwicklung neuer Verschlüsselungsmethoden

Zählt NICHT als F&E:

  • Standard-Webentwicklung mit bekannten Frameworks
  • Anpassung bestehender Software an Kundenwünsche
  • Behebung von Bugs
  • Migration auf eine neue Plattform

Welche Kosten sind förderfähig?

Personalkosten

Der grösste Posten bei den meisten Startups:

  • Bruttolöhne und -gehälter der F&E-Mitarbeiter
  • Arbeitgeberbeiträge (SV, DB, DZ, KommSt)
  • Zulagen und Prämien (soweit F&E-bezogen)
  • Anteilige Personalkosten (wenn Mitarbeiter nur teilweise in F&E tätig sind)

Wichtig: Du musst den F&E-Anteil sauber dokumentieren. Wenn ein Entwickler 60% seiner Zeit für F&E und 40% für Support arbeitet, kannst du nur 60% seiner Kosten ansetzen.

Materialkosten

  • Verbrauchsmaterialien für Forschung
  • Prototypen-Material
  • Laborbedarf

Abschreibungen

  • AfA für Geräte und Maschinen, die für F&E genutzt werden
  • Anteilige AfA bei gemischter Nutzung

Fremdleistungen

  • Auftragsforschung an Universitäten oder Forschungsinstitute
  • Externe Entwicklungsleistungen
  • Achtung: Für Auftragsforschung gelten besondere Regelungen und eine Obergrenze von 1.000.000 EUR

Gemeinkosten

  • Anteilige Miete für F&E-Räume
  • Anteilige Energiekosten
  • Anteilige IT-Infrastrukturkosten

Der Antragsprozess -- Schritt für Schritt

Schritt 1: F&E-Projekt dokumentieren

Bevor du die Prämie beantragst, musst du dein F&E-Projekt sauber dokumentieren:

  • Projektbeschreibung (Ziele, Methoden, erwartete Ergebnisse)
  • Zeitplan
  • Beteiligte Mitarbeiter und deren F&E-Anteil
  • Budget und tatsächliche Kosten
  • Technologische Unsicherheiten und Risiken

Schritt 2: FFG-Gutachten einholen

Für die Forschungsprämie brauchst du ein positives Gutachten der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Die FFG prüft, ob deine Tätigkeit tatsächlich als F&E im Sinne des Frascati-Handbuchs gilt.

So beantragst du das FFG-Gutachten:

  1. Registriere dich im FFG-Fördermanager (eCall)
  2. Erstelle einen Antrag auf Forschungsbestätigung
  3. Beschreibe dein F&E-Projekt detailliert
  4. Reiche den Antrag ein

Frist: Der FFG-Antrag muss vor Abgabe der Steuererklärung gestellt werden.

Kosten: Die FFG-Bestätigung ist kostenlos.

Schritt 3: Forschungsprämie in der Steuererklärung beantragen

In der Körperschaftsteuer-Erklärung (K1) bzw. Einkommensteuer-Erklärung (E1) beantragst du die Forschungsprämie:

  • Gib die F&E-Aufwendungen an
  • Verweise auf das FFG-Gutachten
  • Berechne die Prämie (14% der Aufwendungen)

Schritt 4: Gutschrift erhalten

Nach positiver Prüfung durch das Finanzamt wird die Forschungsprämie auf deinem Steuerkonto gutgeschrieben. Du kannst sie gegen Steuerschulden verrechnen oder dir auszahlen lassen.

Häufige Fehler beim Antrag

Fehler 1: Unzureichende Dokumentation

Die FFG prüft die Projektbeschreibung genau. Eine vage Beschreibung wie "Wir entwickeln eine App" reicht nicht. Beschreibe konkret die technologischen Herausforderungen und Neuerungen.

Fehler 2: F&E-Anteil nicht sauber getrennt

Wenn du F&E-Kosten und operative Kosten vermischst, riskierst du eine Kürzung. Führe separate Zeitaufzeichnungen und Kostenstellenrechnungen.

Fehler 3: FFG-Antrag zu spät stellen

Der FFG-Antrag muss vor der Steuererklärung eingereicht werden. Plane genügend Vorlaufzeit ein -- die FFG-Prüfung kann einige Wochen dauern.

Fehler 4: Routinetätigkeiten als F&E deklarieren

Nicht jede Softwareentwicklung ist F&E. Sei ehrlich und realistisch bei der Abgrenzung. Eine Ablehnung durch die FFG kann zukünftige Anträge erschweren.

Fehler 5: Auftragsforschung falsch behandeln

Bei Auftragsforschung gilt: Entweder der Auftraggeber oder der Auftragnehmer kann die Prämie beantragen -- aber nicht beide. Regle das vertraglich.

Weitere F&E-Förderungen für Startups

FFG-Basisprogramme

Die FFG bietet neben der Forschungsprämie auch direkte Förderungen:

  • Basisprogramm: Zuschüsse und Darlehen für F&E-Projekte
  • Startup-Förderung: Speziell für junge Unternehmen
  • COMET: Förderung von Kompetenzzentren
  • BRIDGE: Brücke zwischen Grundlagenforschung und Anwendung

AWS (Austria Wirtschaftsservice)

  • PreSeed und Seedfinancing: Frühphasenförderung für innovative Startups
  • aws Gründerfonds: Beteiligungsfinanzierung
  • aws Digitalisierung: Förderung digitaler Innovationen

EU-Förderungen

  • Horizon Europe: Das grösste Forschungsförderprogramm der EU
  • EIC Accelerator: Speziell für innovative Startups und KMU
  • Eurostars: Förderung für internationale F&E-Kooperationen

Regionale Förderungen im Burgenland

  • Wirtschaftsagentur Burgenland: Innovationsförderung für regionale Unternehmen
  • Technologieoffensive Burgenland: Unterstützung für technologieorientierte Projekte
  • Gründungsprogramme: Spezielle Programme für Startups im Burgenland

Kombination von Förderungen

Du kannst die Forschungsprämie grundsätzlich mit anderen Förderungen kombinieren. Allerdings gibt es Einschränkungen:

Was du beachten musst

  • Keine Doppelförderung: Die gleichen Kosten dürfen nicht doppelt gefördert werden
  • Kürzung bei anderen Förderungen: Wenn du z.B. einen FFG-Zuschuss für ein Projekt erhältst, musst du die geförderten Kosten von der Bemessungsgrundlage der Forschungsprämie abziehen
  • De-minimis-Regelung: Bestimmte Förderungen unterliegen der EU-Beihilfengrenze von 300.000 EUR in 3 Jahren

Beispiel: Kombination

Dein F&E-Projekt kostet 500.000 EUR. Du erhältst einen FFG-Zuschuss von 200.000 EUR.

  • Forschungsprämie: (500.000 EUR -- 200.000 EUR) x 14% = 42.000 EUR
  • FFG-Zuschuss: 200.000 EUR
  • Gesamtförderung: 242.000 EUR (48,4% der Projektkosten)

Praktische Tipps für Startups

Tipp 1: Von Anfang an dokumentieren

Beginne mit der F&E-Dokumentation vom ersten Tag an. Führe Projekttagebücher, Zeitaufzeichnungen und Kostennachweise. Das erleichtert den Antrag enorm.

Tipp 2: Steuerberater mit F&E-Erfahrung wählen

Nicht jeder Steuerberater kennt sich mit der Forschungsprämie aus. Suche einen, der Erfahrung mit innovativen Unternehmen hat.

Tipp 3: FFG-Beratung nutzen

Die FFG bietet kostenlose Erstberatungen an. Nutze dieses Angebot, bevor du deinen Antrag stellst.

Tipp 4: Internationale F&E-Kooperationen prüfen

Wenn du mit Partnern in anderen EU-Ländern zusammenarbeitest, gibt es zusätzliche Fördermöglichkeiten (z.B. Eurostars, Horizon Europe).

Tipp 5: Patente und IP schützen

Wenn aus deiner F&E verwertbare Ergebnisse entstehen, sichere dir die geistigen Eigentumsrechte. Das Österreichische Patentamt bietet für Startups reduzierte Gebühren an.

Zahlen und Fakten zur Forschungsprämie in Österreich

  • Österreich gibt etwa 3,2% des BIP für F&E aus -- einer der höchsten Werte in der EU
  • Die Forschungsprämie wird von über 3.500 Unternehmen jährlich beantragt
  • Das Gesamtvolumen der Forschungsprämie beträgt über 1 Milliarde EUR pro Jahr
  • Rund 30% der Anträge kommen von KMU und Startups

Fazit

Die Forschungsprämie ist eine der attraktivsten Steuerförderungen für innovative Startups in Österreich. Mit 14% der F&E-Aufwendungen als direkte Gutschrift -- auch bei Verlusten -- ist sie ein echtes Geschenk für junge Unternehmen, die in Innovation investieren.

Wenn dein Startup im Burgenland Forschung und Entwicklung betreibt, solltest du die Forschungsprämie unbedingt nutzen. Kombiniert mit weiteren Förderungen der FFG, AWS und regionalen Programmen kannst du einen erheblichen Teil deiner F&E-Kosten refinanzieren.

Der Schlüssel liegt in der sauberen Dokumentation und einem frühzeitigen FFG-Antrag. Starte damit am besten heute.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Buchhaltung und Steuern für Fortgeschrittene" auf dem Startup Burgenland Blog. In dieser Serie behandeln wir alle wichtigen Finanz- und Steuerthemen, die für österreichische Startups relevant sind. Schau dir auch die anderen Beiträge der Serie an, um dein Wissen zu vertiefen.


Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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