Vermögensaufbau als Unternehmer
Ein Gründer aus unserem Accelerator-Programm hat mich kürzlich gefragt: "Felix, ich zahle mir seit zwei Jahren ein Minimalgehalt. Meine Freunde kaufen Wohnungen und legen in ETFs an. Baue ich gerade Vermögen auf -- oder nur mein Startup?" Die Antwort ist komplizierter, als sie klingt. Und sie ist der Grund für diesen Beitrag.
Die Wahrheit ist: Dein Startup kann dein grösster Vermögensposten werden -- oder dein grösster Verlust. Kluger Vermögensaufbau als Gründer bedeutet, beides gleichzeitig zu managen: das Unternehmen als Investment und dein persönliches Vermögen daneben.
Das Klumpenrisiko verstehen
Die meisten Gründer haben 80-100 Prozent ihres Nettovermögens im eigenen Startup. Das ist in der Anfangsphase unvermeidlich, aber langfristig gefährlich.
Vermögensverteilung typischer Gründer vs. Empfehlung
| Vermögensklasse | Typischer Gründer | Empfehlung ab Jahr 3 | Empfehlung ab Jahr 5 |
|---|---|---|---|
| Startup-Anteile | 90% | 60-70% | 40-50% |
| Bargeld/Notgroschen | 5% | 10-15% | 10% |
| ETFs/Aktien | 0% | 10-15% | 15-20% |
| Immobilien | 0% | 0-10% | 15-25% |
| Pension/Vorsorge | 5% | 10% | 10-15% |
| Alternative Assets | 0% | 0-5% | 5-10% |
Dein persönliches Gehalt richtig setzen
Viele Gründer zahlen sich so wenig wie möglich aus. Das kann in der Frühphase sinnvoll sein -- aber es sollte nicht zum Dauerzustand werden.
Wie viel Gehalt ist angemessen?
| Startup-Phase | Empfohlenes Nettogehalt | Begründung |
|---|---|---|
| Pre-Seed / Bootstrapping | EUR 1.500-2.500 | Minimum für Lebenshaltung |
| Seed-Phase (mit Funding) | EUR 2.500-3.500 | Lebenshaltung + kleiner Sparanteil |
| Series A | EUR 3.500-5.000 | Marktüblich für kleine Unternehmen |
| Profitabel / Series B+ | EUR 5.000-8.000 | Marktüblich für den Verantwortungsbereich |
Steuerlicher Hinweis: Als GmbH-Geschäftsführer zahlst du auf dein Gehalt Lohnsteuer und Sozialversicherung (GSVG über die SVS). Ein zu niedriges Gehalt kann dazu führen, dass du bei der SVS-Mindestbeitragsgrundlage landest -- was deine Pensionsansprüche reduziert.
Den Notgroschen aufbauen
Bevor du in ETFs, Immobilien oder Krypto investierst, steht der Notgroschen. Mehr dazu findest du im Detail in unserem Beitrag zur Finanziellen Notfallplanung. Die Kurzversion: 6-12 Monatsgehälter auf einem separaten Konto, sofort verfügbar.
Sparquote etablieren
Sobald dein Gehalt es hergibt, richte einen automatischen Dauerauftrag ein. Am besten am Tag nach dem Gehaltseingang.
Empfohlene Sparquoten:
| Nettogehalt | Sparquote | Monatlicher Betrag |
|---|---|---|
| EUR 2.500 | 10% | EUR 250 |
| EUR 3.500 | 15% | EUR 525 |
| EUR 5.000 | 20% | EUR 1.000 |
| EUR 8.000 | 25-30% | EUR 2.000-2.400 |
Diese Beträge klingen klein, aber die Kraft des Zinseszinses ist enorm. EUR 500/Monat in einen breit gestreuten ETF mit 7 Prozent durchschnittlicher Rendite ergeben nach 20 Jahren ca. EUR 260.000.
Die Anlagestrategie wählen
Als Gründer hast du bereits ein hochriskantes Investment (dein Startup). Dein restliches Vermögen sollte daher eher konservativ bis ausgewogen angelegt sein.
ETFs -- der Kern deines Portfolios
| ETF-Typ | Beispiel | Risiko | Erwartete Rendite p.a. | Für Gründer geeignet? |
|---|---|---|---|---|
| Welt-Aktien | MSCI World / FTSE All-World | Mittel-Hoch | 6-8% | Ja -- Kerninvestment |
| Europa-Aktien | MSCI Europe | Mittel | 5-7% | Ja -- als Ergänzung |
| Anleihen Global | Bloomberg Aggregate Bond | Niedrig | 2-4% | Ja -- zur Stabilisierung |
| Schwellenländer | MSCI Emerging Markets | Hoch | 7-10% | Bedingt -- nur als Beimischung |
| Immobilien-REITs | FTSE EPRA/NAREIT | Mittel-Hoch | 5-8% | Ja -- als Immobilien-Proxy |
Österreich-Spezifikum: Steuereinfache Broker. Nutze einen steuereinfachen Broker (z.B. Flatex AT, DADAT oder deine Hausbank), der die KESt automatisch abführt. Bei ausländischen Brokern musst du die Steuern selbst in der Einkommensteuererklärung angeben.
KESt auf Kapitalerträge: 27,5 Prozent auf Dividenden und realisierte Kursgewinne.
Pensionsvorsorge -- das vergessene Thema
Als Gründer zahlst du über die SVS in die gesetzliche Pension ein. Aber die Beitragsgrundlage ist oft niedrig. Das Ergebnis: Eine magere gesetzliche Pension.
Optionen zur privaten Vorsorge:
- Höherversicherung in der SVS: Freiwillig höhere Beiträge zahlen
- Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge: Staatliche Prämie auf Einzahlungen. Max. ca. EUR 3.100/Jahr
- Betriebliche Vorsorge über die GmbH: Die GmbH kann in eine Pensionskasse einzahlen. Betriebsausgabe für die GmbH.
- Private Rentenversicherung: Fondsgebundene Rentenversicherung. Vorteil: Steuerstundung. Nachteil: Oft hohe Kosten.
Gewinnausschüttung vs. Gehaltserhöhung
Wenn dein Startup profitabel ist, stellt sich die Frage: Mehr Gehalt oder Gewinnausschüttung?
| Kriterium | Gehaltserhöhung | Gewinnausschüttung |
|---|---|---|
| Steuerbelastung | Bis 55% ESt + ca. 18% SV | 23% KöSt + 27,5% KESt = ca. 44% gesamt |
| Sozialversicherung | Ja, erhöhte Beiträge | Keine SV-Beiträge |
| Pensionsanspruch | Steigt | Kein Effekt |
| Flexibilität | Fixe monatliche Kosten | Kann variabel gestaltet werden |
Faustregel: Bis zur Höchstbeitragsgrundlage der SVS (ca. EUR 86.000 brutto/Jahr) ist Gehalt sinnvoll, um Pensionsansprüche aufzubauen. Darüber hinaus ist die Gewinnausschüttung steuerlich günstiger.
Dein Startup als Vermögenswert bewerten
Dein Startup-Anteil ist ein Vermögenswert -- auch wenn er illiquide ist.
Einfache Bewertungsmethoden
- Letzte Finanzierungsrunde: Wenn du EUR 500.000 für 10 Prozent aufgenommen hast, ist dein Startup EUR 5 Mio. wert (Post-Money). Aber Vorsicht: Das ist der optimistische Wert.
- Umsatz-Multiple: Typisch für SaaS: 5-15x ARR. Andere Branchen: 1-5x Umsatz.
- Discount für Illiquidität: Ziehe 30-50 Prozent vom theoretischen Wert ab.
Realistisch rechnen: Für deine persönliche Vermögensplanung setze den Wert deiner Startup-Anteile bei 50 Prozent des theoretischen Werts an.
Diversifikation planen
Irgendwann solltest du beginnen, Vermögen aus dem Startup herauszulösen:
- Gewinnausschüttungen -- Regelmässig, sobald das Startup profitabel ist
- Secondary Sales -- Bei späteren Finanzierungsrunden einen Teil deiner Anteile verkaufen
- Teilverkauf -- Einen strategischen Investor hereinnehmen und teilweise auscashen
- Exit -- Gesamtverkauf oder IPO (langfristig)
Die Zehn-Jahres-Roadmap für Gründer-Vermögen
| Jahr | Fokus | Ziel |
|---|---|---|
| 1-2 | Notgroschen aufbauen | 6 Monatsgehälter Puffer |
| 2-3 | Sparplan starten | EUR 250-500/Monat in ETF-Sparplan |
| 3-4 | Versicherungen optimieren | BU, Rechtsschutz, private Vorsorge |
| 4-5 | Diversifikation beginnen | Erste Gewinnausschüttungen investieren |
| 5-7 | Immobilie prüfen | Eigennutzung oder Anlage (siehe Immobilien und Startup) |
| 7-10 | Portfolio ausbauen | Breit diversifiziertes Vermögen neben dem Startup |
| 10+ | Exit oder Dividenden | Startup-Anteil reduzieren, Vermögen sichern |
Steuertipps für den Vermögensaufbau
- Verlustausgleich nutzen: Verluste aus Kapitalerträgen können mit Gewinnen verrechnet werden.
- Spekulationsfristen beachten: Kryptowährungen nach dem 1. März 2022: 27,5 Prozent KESt.
- Betriebsausgaben optimieren: Weiterbildung und Beratungskosten können absetzbar sein.
- Familienförderungen mitnehmen: Familienbonus Plus und andere Förderungen erhöhen dein verfügbares Einkommen. Details in unserem Beitrag zur Familiengründung und Startup.
Zusammenfassung
Vermögensaufbau als Gründer ist ein Marathon, kein Sprint. Dein Startup ist dein wichtigstes Investment -- aber es sollte nicht dein einziges sein. Starte mit dem Notgroschen, etabliere eine Sparquote, investiere breit gestreut und baue parallel deine Pensionsvorsorge auf. Sobald dein Startup profitabel ist, beginne mit der Diversifikation. Und vergiss nie: Das Ziel ist nicht, reich zu sterben -- sondern frei leben zu können.
Dieser Beitrag ist Teil der Serie "personal-finance-für-gründer" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.