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Exit-Optionen für Startups -- Ein umfassender Überblick

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Exit-Optionen für Startups -- Ein umfassender Überblick

Du hast dein Startup aufgebaut, es wächst, und irgendwann stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich am Ende? Oder besser gesagt -- was passiert, wenn du bereit bist, den nächsten Schritt zu gehen? Der Exit ist kein Scheitern. Er ist oft der logische Höhepunkt einer unternehmerischen Reise.

In diesem Artikel gebe ich dir einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Exit-Optionen, die dir als Startup-Gründer in Österreich zur Verfügung stehen. Denn eines ist klar: Je früher du dich damit beschäftigst, desto besser kannst du dich vorbereiten.

Warum du dich früh mit dem Exit beschäftigen solltest

Viele Gründer schieben das Thema Exit auf die lange Bank. Das ist verständlich -- schliesslich bist du gerade mitten im Aufbau. Aber genau das ist der Fehler. Ein Exit ist keine spontane Entscheidung, sondern ein Prozess, der Monate oder sogar Jahre dauern kann.

Die wichtigsten Gründe für eine frühe Planung

  • Strategische Ausrichtung: Wenn du weisst, wohin die Reise gehen soll, kannst du dein Unternehmen entsprechend positionieren
  • Investoren-Erwartungen: Deine Investoren wollen wissen, wie sie ihr Geld zurückbekommen
  • Persönliche Planung: Ein Exit betrifft nicht nur das Unternehmen, sondern auch dein Leben
  • Verhandlungsposition: Wer vorbereitet ist, verhandelt besser
  • Rechtliche Strukturen: Manche Weichenstellungen müssen Jahre im Voraus getroffen werden

Die fünf wichtigsten Exit-Optionen im Überblick

1. Trade Sale -- Verkauf an ein anderes Unternehmen

Der Trade Sale ist die häufigste Exit-Form für Startups. Dabei verkaufst du dein Unternehmen an ein anderes Unternehmen -- typischerweise an einen strategischen Käufer, der Synergien sieht.

Vorteile:

  • Oft die höchsten Bewertungen, weil strategische Käufer Synergien einpreisen
  • Relativ schneller Prozess (3-12 Monate)
  • Klarer Schnitt möglich

Nachteile:

  • Du verlierst die Kontrolle über dein Unternehmen
  • Kulturelle Integration kann schwierig sein
  • Abhängigkeit von einem einzigen Käufer in der Verhandlung

Mehr dazu erfährst du in meinem ausführlichen Artikel zum Trade Sale vorbereiten.

2. Management Buyout (MBO)

Beim MBO übernimmt das bestehende Management-Team das Unternehmen. Das kann eine grossartige Option sein, wenn du ein starkes Führungsteam aufgebaut hast.

Vorteile:

  • Kontinuität für das Unternehmen
  • Das Team kennt das Business bereits
  • Weniger Risiko für Mitarbeiter und Kunden

Nachteile:

  • Oft niedrigere Bewertungen als beim Trade Sale
  • Finanzierung kann herausfordernd sein
  • Mögliche Interessenkonflikte

Details findest du im Beitrag Management Buyout als Exit-Option.

3. IPO -- Der Börsengang

Der Börsengang ist der Traum vieler Gründer, aber in der Realität für die wenigsten Startups geeignet. Trotzdem solltest du diese Option kennen.

Vorteile:

  • Höchste potenzielle Bewertung
  • Prestige und Sichtbarkeit
  • Teilweiser Exit möglich -- du kannst Anteile behalten

Nachteile:

  • Extrem hohe Anforderungen und Kosten
  • Regulatorische Pflichten
  • Öffentliche Transparenz

Ob ein IPO für dein Startup realistisch ist, klären wir in einem eigenen Artikel.

4. Secondary Sale -- Anteile an andere Investoren verkaufen

Beim Secondary Sale verkaufst du deine Anteile nicht an das Unternehmen zurück, sondern an andere Investoren. Das kann ein Private-Equity-Fonds sein, ein Family Office oder ein anderer strategischer Investor.

Vorteile:

  • Das Unternehmen bleibt unabhängig
  • Du kannst teilweise aussteigen
  • Flexible Gestaltung

Nachteile:

  • Käufersuche kann aufwendig sein
  • Bewertungsabschläge möglich
  • Vertragsrechtliche Hürden (Vorkaufsrechte, Tag-Along, Drag-Along)

5. Liquidation

Die Liquidation ist die letzte Option -- wenn das Unternehmen geschlossen wird und die Vermögenswerte verteilt werden. Das ist nicht unbedingt ein Scheitern. Manchmal ist es die sinnvollste Lösung.

Vorteile:

  • Sauberer Abschluss
  • Keine laufenden Verpflichtungen
  • Schnelle Umsetzung möglich

Nachteile:

  • Meist der niedrigste Ertrag
  • Verlust von Arbeitsplätzen
  • Reputationsrisiko

Exit-Optionen im österreichischen Kontext

In Österreich gibt es einige Besonderheiten, die du bei deiner Exit-Planung berücksichtigen solltest.

Die österreichische Startup-Landschaft

Der österreichische Markt ist kleiner als der deutsche oder amerikanische. Das bedeutet:

  • Weniger potenzielle Käufer: Die Anzahl der strategischen Käufer in Österreich ist begrenzt. Oft musst du international denken.
  • Starke Netzwerke: Dafür sind die Netzwerke enger. Im Burgenland und in Wien kennt man sich -- das kann beim Exit helfen.
  • Förderungslandschaft: Die AWS, die WiBuG und andere Förderinstitutionen können auch beim Exit eine Rolle spielen.
  • Steuerliche Rahmenbedingungen: Österreich hat spezifische steuerliche Regelungen für Unternehmensverkäufe, die du kennen solltest.

Typische Bewertungsspannen in Österreich

Als Richtwert -- die Zahlen variieren stark je nach Branche, Wachstum und Profitabilität:

Exit-ArtTypische Bewertung (Umsatz-Multiple)
Trade Sale (strategisch)3-8x Umsatz
Trade Sale (finanziell)2-5x Umsatz
MBO2-4x Umsatz
IPO5-15x Umsatz
Secondary Sale2-6x Umsatz

Diese Zahlen sind Orientierungswerte. Deine tatsächliche Bewertung hängt von vielen Faktoren ab -- mehr dazu im Artikel zur Unternehmensbewertung für den Exit.

Der Exit-Prozess -- Von der Idee bis zum Abschluss

Ein Exit läuft typischerweise in folgenden Phasen ab:

Phase 1: Strategische Vorbereitung (12-24 Monate vorher)

  • Exit-Strategie definieren
  • Unternehmen "exit-ready" machen
  • Berater auswählen (M&A-Berater, Rechtsanwalt, Steuerberater)
  • Dokumentation aufbereiten

Phase 2: Marktansprache (3-6 Monate)

  • Potenzielle Käufer identifizieren
  • Teaser und Information Memorandum erstellen
  • Erste Gespräche führen
  • NDAs abschliessen

Phase 3: Verhandlung und Due Diligence (2-4 Monate)

Phase 4: Abschluss und Übergang (1-3 Monate)

  • Signing und Closing
  • Übergabe planen
  • Mitarbeiter informieren
  • Steueroptimierung sicherstellen

Welche Exit-Option passt zu dir?

Die richtige Exit-Option hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Deine persönlichen Ziele

  • Maximaler Erlös: Trade Sale oder IPO
  • Schneller Exit: Trade Sale oder Secondary Sale
  • Team schützen: MBO
  • Im Unternehmen bleiben: Secondary Sale oder IPO
  • Sauberer Schnitt: Trade Sale oder Liquidation

Die Situation deines Unternehmens

  • Hohes Wachstum, noch nicht profitabel: Trade Sale oder IPO
  • Profitabel, stabiles Geschäft: MBO oder Trade Sale
  • Nischenplayer: Trade Sale (strategisch)
  • Grosse Marktposition: IPO oder Trade Sale

Der Markt

  • Heisser M&A-Markt: Trade Sale
  • Starker Börsenmarkt: IPO
  • Viel Private-Equity-Kapital: MBO oder Secondary Sale

Häufige Fehler bei der Exit-Planung

Aus meiner Erfahrung machen Gründer immer wieder die gleichen Fehler:

  1. Zu spät anfangen: Ein Exit braucht Vorlaufzeit. Mindestens 12-18 Monate Vorbereitung sind realistisch.
  2. Emotionale Entscheidungen: Dein Unternehmen ist dein "Baby" -- aber beim Exit musst du rational denken.
  3. Nur eine Option verfolgen: Halte dir mehrere Türen offen. Ein kompetitiver Prozess führt zu besseren Ergebnissen.
  4. Falsche Berater: Spare nicht an den Beratern. Ein guter M&A-Berater macht sich mehrfach bezahlt.
  5. Team vergessen: Deine Mitarbeiter sind oft der grösste Wert. Binde sie früh ein und schaffe Anreize.
  6. Steuerliche Planung vergessen: Die steuerlichen Konsequenzen eines Exits können erheblich sein. Plane früh.

Die Rolle der Investoren beim Exit

Wenn du Investoren an Bord hast, spielen sie beim Exit eine zentrale Rolle.

Typische Investoren-Erwartungen

  • Business Angels: Erwarten typischerweise einen Exit nach 5-7 Jahren mit 5-10x Return
  • VCs: Erwarten einen Exit nach 5-10 Jahren, oft mit höheren Return-Erwartungen
  • Strategische Investoren: Haben möglicherweise eigene Exit-Pläne (z.B. spätere Übernahme)

Wichtige vertragliche Regelungen

Prüfe deine Gesellschaftsverträge und Investorenvereinbarungen auf:

  • Drag-Along-Klauseln: Können dich zum Verkauf zwingen
  • Tag-Along-Klauseln: Geben Minderheitsgesellschaftern das Recht, mitzuverkaufen
  • Vorkaufsrechte: Bestehende Gesellschafter haben oft ein Vorkaufsrecht
  • Liquidation Preferences: Bestimmen, wer beim Exit zuerst bezahlt wird
  • Anti-Dilution: Schutz vor Verwässerung

Fazit: Der Exit als strategisches Ziel

Ein Exit ist kein Ende -- es ist ein Übergang. Und wie bei jedem Übergang kommt es auf die Vorbereitung an. Die wichtigsten Takeaways:

  • Beschäftige dich früh mit dem Thema
  • Kenne alle Optionen und ihre Vor- und Nachteile
  • Wähle die Option, die zu deinen persönlichen Zielen und der Situation deines Unternehmens passt
  • Hole dir professionelle Unterstützung
  • Plane ausreichend Vorlaufzeit ein

In den nächsten Artikeln dieser Serie gehen wir tiefer in die einzelnen Exit-Optionen ein -- vom Trade Sale über den MBO bis hin zur Nachfolgeplanung.


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Dieser Artikel ist Teil der Serie "Exit und Nachfolge" auf dem Startup Burgenland Blog. Die Serie behandelt alle Aspekte rund um den erfolgreichen Ausstieg aus deinem Startup -- von der Vorbereitung über die Verhandlung bis hin zu den Schritten nach dem Exit.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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