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Due Diligence beim Exit meistern -- Worauf du vorbereitet sein musst

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Due Diligence beim Exit meistern -- Worauf du vorbereitet sein musst

Die Due Diligence ist der Moment der Wahrheit bei jedem Exit. Hier prüft der potenzielle Käufer dein Unternehmen bis ins kleinste Detail. Jede Schwäche wird aufgedeckt, jedes Risiko bewertet, jede Zahl hinterfragt. Und genau hier scheitern viele Deals -- nicht weil das Unternehmen schlecht ist, sondern weil die Vorbereitung mangelhaft war.

In diesem Artikel zeige ich dir, was dich bei der Due Diligence erwartet und wie du sie souverän meisterst.

Was ist eine Due Diligence?

Due Diligence (DD) bedeutet wörtlich "sorgfältige Prüfung". Der Käufer -- oder dessen Berater -- untersucht dein Unternehmen systematisch, um:

  • Den wahren Wert deines Unternehmens zu ermitteln
  • Risiken zu identifizieren und zu bewerten
  • Die vom Verkäufer gemachten Angaben zu verifizieren
  • Eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen
  • Den Kaufpreis und die Vertragskonditionen zu bestimmen

Wer führt die Due Diligence durch?

Typischerweise beauftragt der Käufer spezialisierte Berater:

  • Wirtschaftsprüfer: Financial Due Diligence
  • Rechtsanwälte: Legal Due Diligence
  • Steuerberater: Tax Due Diligence
  • Technische Experten: Technical/IT Due Diligence
  • Strategieberater: Commercial Due Diligence

Die verschiedenen Bereiche der Due Diligence

1. Financial Due Diligence

Die finanzielle Prüfung ist das Herzstuck der Due Diligence. Hier werden deine Zahlen unter die Lupe genommen.

Was geprüft wird:

  • Umsatzentwicklung: Sind die Umsätze nachhaltig? Gibt es Einmaleffekte?
  • Profitabilität: Wie sehen die Margen wirklich aus, wenn man Sondereffekte bereinigt?
  • Working Capital: Wie viel Kapital braucht das Unternehmen für den laufenden Betrieb?
  • Cashflow: Generiert das Unternehmen wirklich Cash oder nur Buchgewinne?
  • Nettoverschuldung: Wie hoch sind die tatsächlichen Verbindlichkeiten?
  • Finanzplanung: Ist der Businessplan realistisch und nachvollziehbar?
  • Qualität der Erträge: Sind die Erträge wiederkehrend oder einmalig?

Typische Stolperfallen:

  • Nicht bereinigte Gründergehälter (zu niedrig oder zu hoch)
  • Vermischung von privaten und geschäftlichen Ausgaben
  • Nicht bilanzierte Verbindlichkeiten
  • Übertriebene Umsatzprognosen
  • Fehlende oder inkonsistente Finanzberichte

Die rechtliche Prüfung untersucht alle rechtlichen Aspekte deines Unternehmens.

Was geprüft wird:

  • Gesellschaftsrecht: Gesellschaftsvertrag, Gesellschafterbeschlüsse, Beteiligungsstruktur
  • Verträge: Kundenverträge, Lieferantenverträge, Mietverträge, Lizenzverträge
  • Arbeitsrecht: Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen, offene Ansprüche
  • IP-Rechte: Patente, Marken, Urheberrechte, Lizenzvereinbarungen
  • Rechtsstreitigkeiten: Laufende oder drohende Verfahren
  • Compliance: Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
  • Genehmigungen: Behördliche Bewilligungen und Zulassungen

Typische Stolperfallen:

  • Fehlende IP-Abtretungsvereinbarungen mit Mitarbeitern oder Freelancern
  • Change-of-Control-Klauseln in wichtigen Verträgen
  • Unklare Softwarelizenzen oder Open-Source-Nutzung
  • Fehlende oder unvollständige Arbeitsverträge
  • Nicht eingehaltene Förderungsbedingungen

3. Tax Due Diligence

Die steuerliche Prüfung bewertet die steuerliche Situation deines Unternehmens.

Was geprüft wird:

  • Steuererklärungen: Sind alle Erklärungen eingereicht und korrekt?
  • Betriebsprüfungen: Gab es Beanstandungen bei früheren Prüfungen?
  • Umsatzsteuer: Korrekte Behandlung von Vorsteuerabzug und Umsatzsteuer
  • Lohnsteuer: Korrekte Abrechnung aller Mitarbeiter
  • Steuerliche Risiken: Gibt es potenzielle Nachzahlungen?
  • Verlustvortrage: Können diese genutzt werden?
  • Verrechnungspreise: Bei Konzernstrukturen besonders relevant

Typische Stolperfallen in Österreich:

  • Fehlende oder verspätete Steuererklärungen
  • Unkorrekte Umsatzsteuerbehandlung bei grenzüberschreitenden Leistungen
  • Nicht marktgerechte Gehälter für Gesellschafter-Geschäftsführer
  • Fehlende Dokumentation bei Verrechnungspreisen
  • Nicht gemeldete Förderungen als Betriebseinnahmen

4. Technical Due Diligence

Bei Tech-Startups ist die technische Prüfung besonders wichtig.

Was geprüft wird:

  • Code-Qualität: Ist der Code sauber, wartbar und gut dokumentiert?
  • Architektur: Ist die technische Architektur skalierbar?
  • Technische Schulden: Wie viel technische Schulden gibt es?
  • Sicherheit: Gibt es Sicherheitslücken oder Datenschutzprobleme?
  • Infrastruktur: Hosting, Deployment, Monitoring
  • Team: Technische Kompetenz und Abhängigkeiten
  • Lizenzen: Nutzung von Open-Source-Software und Drittanbieter-Lizenzen

Typische Stolperfallen:

  • Legacy-Code ohne Dokumentation
  • Fehlende Tests und CI/CD-Pipelines
  • Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern
  • GPL-lizenzierter Code in proprietärer Software
  • Fehlende DSGVO-Compliance

5. Commercial Due Diligence

Die kommerzielle Prüfung bewertet die Marktposition und das Geschäftsmodell.

Was geprüft wird:

  • Markt: Marktgrösse, Wachstum, Trends
  • Wettbewerb: Wettbewerbsposition und -vorteile
  • Kunden: Kundenstruktur, Konzentration, Zufriedenheit
  • Produkt: Produktqualität und Marktfit
  • Vertrieb: Vertriebskanäle und -effizienz
  • Pipeline: Aktuelle Vertriebspipeline und Forecasts

Vendor Due Diligence -- Proaktiv handeln

Eine Vendor Due Diligence (VDD) ist eine Due Diligence, die du als Verkäufer selbst in Auftrag gibst -- bevor der Käufer seine eigene DD startet.

Vorteile der VDD

  • Probleme früh erkennen: Du findest Schwachstellen, bevor der Käufer sie findet
  • Beheben statt erklären: Du kannst Probleme beheben, statt sie in der Verhandlung verteidigen zu müssen
  • Professioneller Eindruck: Eine VDD zeigt dem Käufer, dass du professionell und transparent bist
  • Beschleunigung: Die DD des Käufers geht schneller, weil vieles bereits geprüft ist
  • Bessere Bewertung: Weniger Überraschungen führen zu weniger Kaufpreisabzügen

Kosten der VDD

Eine Vendor Due Diligence kostet typischerweise 30.000 -- 80.000 EUR, je nach Umfang und Komplexität. Das klingt nach viel -- aber die Investition lohnt sich fast immer.

Der Datenraum -- Dein wichtigstes Werkzeug

Der virtuelle Datenraum (VDR) ist die zentrale Plattform, über die alle Dokumente geteilt werden. Ein gut organisierter Datenraum beschleunigt die DD erheblich.

Empfohlene Struktur

1. Gesellschaftsrecht
   1.1 Gesellschaftsvertrag (aktuelle Fassung)
   1.2 Gesellschafterbeschluesse
   1.3 Handelsregisterauszug
   1.4 Beteiligungsstruktur (Cap Table)
   1.5 Investorenvereinbarungen

2. Finanzen
   2.1 Jahresabschluesse (letzte 3 Jahre)
   2.2 Monatsberichte (letzte 12 Monate)
   2.3 Budgets und Forecasts
   2.4 Bankvertraege und Kreditlinien
   2.5 Foerderungen und Zuwendungen

3. Steuern
   3.1 Steuererklaerungen (letzte 3 Jahre)
   3.2 Steuerbescheide
   3.3 Betriebspruefungsberichte
   3.4 Umsatzsteuervoranmeldungen

4. Vertraege
   4.1 Kundenvertraege (Top 20)
   4.2 Lieferantenvertraege
   4.3 Miet- und Leasingvertraege
   4.4 Lizenzvertraege
   4.5 Versicherungspolicen

5. Personal
   5.1 Organigramm
   5.2 Arbeitsvertraege (Muster und Abweichungen)
   5.3 Geschaeftsfuehrer-Vertraege
   5.4 Betriebsvereinbarungen
   5.5 Mitarbeiterbeteiligungen

6. Geistiges Eigentum
   6.1 Patente und Patentanmeldungen
   6.2 Markenregistrierungen
   6.3 Softwarelizenzen
   6.4 IP-Abtretungsvereinbarungen
   6.5 Open-Source-Policy

7. Technologie
   7.1 Technische Architektur
   7.2 Sicherheitsaudits
   7.3 DSGVO-Dokumentation
   7.4 SLAs und Verfuegbarkeitsberichte

8. Regulatorisches
   8.1 Behoerdliche Genehmigungen
   8.2 Branchenspezifische Zulassungen
   8.3 Datenschutz-Compliance

Beliebte VDR-Anbieter

  • Intralinks: Marktführer, aber teuer
  • Datasite (Merrill): Etablierter Anbieter
  • Ansarada: Benutzerfreundlich, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • iDeals: Günstig, gut für kleinere Transaktionen

Kosten: 3.000 -- 15.000 EUR für einen typischen Startup-Exit

Die DD in der Praxis -- Was dich erwartet

Zeitrahmen

Eine typische Due Diligence dauert 4-8 Wochen. Bei grösseren oder komplexeren Transaktionen kann es auch 3-4 Monate dauern.

Ablauf

Woche 1-2: Dokumentenreview

  • Die Berater des Käufers sichten die Dokumente im Datenraum
  • Erste Fragen werden gestellt (Q&A-Prozess)

Woche 2-4: Vertiefung

  • Management-Präsentationen und -Interviews
  • Detailfragen zu kritischen Themen
  • Standortbesichtigungen
  • Kunden- und Lieferantenreferenzen

Woche 4-6: Analyse und Bericht

  • Die DD-Berater erstellen ihre Berichte
  • Red Flags und Deal Breaker werden identifiziert
  • Kaufpreisanpassungen werden vorgeschlagen

Woche 6-8: Verhandlung

  • DD-Ergebnisse fliessen in die Kaufpreisverhandlung ein
  • Garantien und Gewährleistungen werden verhandelt
  • Risiken werden alloziert

Der Q&A-Prozess

Während der DD wirst du Hunderte von Fragen beantworten müssen. Das kann extrem zeitaufwendig sein. Tipps:

  • Dediziertes Team: Stelle ein internes Team zusammen, das die Fragen beantwortet
  • Schnelle Antworten: Antworte zeitnah -- Verzögerungen wecken Misstrauen
  • Präzise Antworten: Beantworte genau das, was gefragt wird -- nicht mehr und nicht weniger
  • Konsistenz: Stelle sicher, dass alle Antworten konsistent sind
  • Dokumentation: Halte alle Antworten schriftlich fest

Red Flags -- Was Käufer nervös macht

Bestimmte Dinge lassen bei Käufern die Alarmglocken lauten:

Finanzielle Red Flags

  • Stark schwankende Umsätze ohne plausible Erklärung
  • Hohe Abhängigkeit von einzelnen Kunden (über 20% des Umsatzes)
  • Signifikante Abweichungen zwischen Budget und Ist
  • Nicht nachvollziehbare Intercompany-Transaktionen
  • Fehlende oder verspätete Steuererklärungen

Rechtliche Red Flags

  • Laufende oder drohende Rechtsstreitigkeiten
  • Unklare IP-Verhältnisse
  • Change-of-Control-Klauseln bei Schlüsselverträgen
  • Fehlende Compliance mit Datenschutzregeln (DSGVO)
  • Nicht eingehaltene Förderungsbedingungen

Operative Red Flags

  • Hohe Mitarbeiterfluktuation
  • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen
  • Fehlende Dokumentation von Prozessen
  • Veraltete Technologie
  • Keine klare Wettbewerbsstrategie

Umgang mit DD-Ergebnissen

Die DD wird Findings produzieren -- das ist normal. Kein Unternehmen ist perfekt. Entscheidend ist, wie du damit umgehst.

Deal Breaker

Manche Findings können den Deal platzen lassen:

  • Betrug oder Straftaten
  • Gravierende Steuerrisiken
  • Fehlende Rechte am Kernprodukt
  • Massive versteckte Verbindlichkeiten

Kaufpreisreduktion

Häufig führen DD-Findings zu Kaufpreisanpassungen:

  • Identifizierte Risiken werden vom Kaufpreis abgezogen
  • Nicht nachhaltige Erträge werden herausgerechnet
  • Notwendige Investitionen werden berücksichtigt

Vertragliche Absicherung

Andere Findings werden über den Kaufvertrag adressiert:

  • Spezifische Garantien und Zusicherungen
  • Freistellungen für bekannte Risiken
  • Earn-Out-Klauseln zur Risikoteilung
  • Escrow-Konten für mögliche Nachforderungen

Praktische Tipps für die DD

  1. Starte früh mit der Vorbereitung -- idealerweise 12-18 Monate vor dem geplanten Exit
  2. Organisiere deinen Datenraum sorgfältig -- ein chaotischer Datenraum kostet dich Geld
  3. Führe eine Vendor DD durch -- finde Probleme, bevor der Käufer sie findet
  4. Sei transparent -- Verschwiegene Probleme kommen immer ans Licht und zerstören das Vertrauen
  5. Plane genügend Zeit ein -- die DD ist zeitintensiv für dein Team
  6. Hole dir Unterstützung -- dein M&A-Berater und dein Anwalt sind in dieser Phase unverzichtbar
  7. Bleib ruhig -- die DD ist ein normaler Prozess, kein Angriff

Fazit: Die DD als Chance begreifen

Die Due Diligence ist anstrengend, zeitraubend und manchmal nervenaufreibend. Aber sie ist auch eine Chance: Ein gut vorbereitetes Unternehmen beeindruckt den Käufer und stärkt deine Verhandlungsposition.

Der Schlüssel liegt in der Vorbereitung. Wenn du dein Unternehmen frühzeitig "exit-ready" machst -- wie im Artikel zum Trade Sale vorbereiten beschrieben -- wird die DD zum Kinderspiel. Und eine faire Unternehmensbewertung ist das Ergebnis einer sauberen DD.


Du willst dein Startup exit-ready machen? Bei Startup Burgenland helfen wir dir, dein Unternehmen optimal auf die Due Diligence und den gesamten Exit-Prozess vorzubereiten. Kontaktiere uns für ein unverbindliches Gespräch.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Exit und Nachfolge" auf dem Startup Burgenland Blog. Die Serie behandelt alle Aspekte rund um den erfolgreichen Ausstieg aus deinem Startup -- von der Vorbereitung über die Verhandlung bis hin zu den Schritten nach dem Exit.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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