Zum Inhalt springen

Nachhaltiges Gründen -- mehr als ein Trend

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
Zurück zum Blog

Nachhaltiges Gründen -- mehr als ein Trend

Du denkst darüber nach, ein Startup zu gründen, und überall hörst du das Wort "Nachhaltigkeit"? Kein Wunder -- das Thema ist allgegenwärtig. Aber lass dich nicht täuschen: Nachhaltiges Gründen ist kein vorübergehender Hype. Es ist eine fundamentale Verschiebung in der Art, wie wir Wirtschaft denken. Und gerade für dich als Gründerin oder Gründer in Österreich bietet das enorme Chancen.

In diesem Beitrag zeige ich dir, warum Nachhaltigkeit weit mehr ist als ein nettes Label -- und wie du sie von Anfang an in dein Startup einbaust.

Warum Nachhaltigkeit kein "Nice-to-have" mehr ist

Noch vor zehn Jahren war Nachhaltigkeit im Startup-Ökosystem ein Randthema. Heute ist sie ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Regulatorischer Druck wächst

Die EU hat mit dem European Green Deal und der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) klare Signale gesendet. Auch wenn diese Regulierungen zunächst grosse Unternehmen betreffen, wirken sie sich direkt auf Startups aus -- etwa über Anforderungen in der Lieferkette. Mehr dazu erfährst du in unserem Beitrag zu ESG-Kriterien für Startups.

Investoren schauen genauer hin

Immer mehr Investoren -- von Business Angels bis Venture Capital Fonds -- integrieren ESG-Kriterien in ihre Investmententscheidungen. Ein Startup ohne Nachhaltigkeitsstrategie hat es zunehmend schwerer, Funding zu bekommen. Das ist kein österreichisches Phänomen, sondern ein globaler Trend.

Konsumenten verlangen Transparenz

Gerade die jüngere Generation -- und damit deine künftigen Kundinnen und Kunden -- erwartet von Unternehmen klare Haltung. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftskammer Österreich achten über 70 Prozent der unter 35-Jährigen beim Kauf auf Nachhaltigkeitsaspekte.

Was "nachhaltiges Gründen" wirklich bedeutet

Nachhaltigkeit im Startup-Kontext ist mehrdimensional. Es geht nicht nur um Umweltschutz, sondern um drei Säulen:

1. Ökologische Nachhaltigkeit

Das ist der Bereich, an den die meisten zuerst denken. Es umfasst:

  • Ressourcenschonung -- Wie viel Material, Energie und Wasser verbraucht dein Produkt oder Service?
  • Emissionen -- Welchen CO2-Fussabdruck hat dein Unternehmen? Lies dazu auch unseren Artikel über CO2-Fussabdruck messen und reduzieren.
  • Kreislaufwirtschaft -- Kannst du Materialien wiederverwenden oder recyceln? Mehr dazu in unserem Beitrag zu Circular Economy Geschäftsmodellen.

2. Soziale Nachhaltigkeit

Dieser Aspekt wird oft unterschätzt, ist aber genauso wichtig:

  • Faire Arbeitsbedingungen -- Auch in einem Startup. Gerade am Anfang neigt man dazu, sich und sein Team auszubeuten.
  • Diversität und Inklusion -- Wie divers ist dein Gründungsteam? Wie inklusiv sind deine Produkte?
  • Gemeinwohlorientierung -- Trägt dein Startup positiv zur Gesellschaft bei?

3. Ökonomische Nachhaltigkeit

Ja, auch die wirtschaftliche Dimension gehört dazu:

  • Langfristiges Denken -- Nicht nur auf den nächsten Exit hinarbeiten, sondern ein tragfähiges Geschäftsmodell bauen.
  • Faire Preisgestaltung -- Wertschöpfung entlang der gesamten Kette.
  • Transparenz -- Offene Kommunikation über Geschäftspraktiken.

Der österreichische Kontext -- Chancen im Burgenland

Österreich und speziell das Burgenland bieten ein besonders fruchtbares Umfeld für nachhaltiges Gründen. Hier einige Gründe:

Starke Förderlandschaft

Österreich hat eines der dichtesten Fördernetze in Europa. Speziell für nachhaltige Gründungen gibt es Programme von:

  • AWS (Austria Wirtschaftsservice) -- Diverse Förderprogramme für grüne Innovation
  • FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft) -- Forschungsförderung für nachhaltige Technologien
  • Wirtschaftsagentur Burgenland -- Regionale Förderungen mit Nachhaltigkeitsfokus
  • ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank) -- Für nachhaltigen Tourismus

Detaillierte Informationen zu Fördermöglichkeiten findest du in unserem Beitrag zu Klimaförderungen und Green Finance.

Erneuerbare Energien als Vorreiter

Das Burgenland ist ein Vorreiter bei erneuerbaren Energien. Der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik schafft nicht nur saubere Energie, sondern auch ein Ökosystem für Cleantech-Startups. Wenn du in diesem Bereich gründest, findest du hier ideale Bedingungen.

Lebensqualität als Standortfaktor

Nachhaltiges Gründen heisst auch: nachhaltig mit dir selbst umgehen. Das Burgenland bietet eine Lebensqualität, die in Wien oder anderen Grossstädten kaum zu finden ist. Günstigere Mieten, Natur vor der Tür, kurze Wege -- das sind Faktoren, die gerade für Gründerinnen und Gründer relevant sind.

Praktischer Einstieg -- So baust du Nachhaltigkeit von Anfang an ein

Du bist überzeugt, dass Nachhaltigkeit wichtig ist? Gut. Hier sind konkrete Schritte, die du ab Tag eins umsetzen kannst:

Schritt 1: Purpose definieren

Bevor du über Produkte und Märkte nachdenkst, kläre für dich: Welchen positiven Beitrag soll mein Startup leisten? Das muss nicht die Welt retten -- aber es sollte über "Geld verdienen" hinausgehen.

Übung: Formuliere in einem Satz, welches Problem du löst und für wen. Dann füge hinzu: "Und dabei achten wir darauf, dass..."

Schritt 2: Stakeholder-Analyse mit Nachhaltigkeitsbrille

Wer sind deine Stakeholder? Nicht nur Kunden und Investoren, sondern auch:

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Lieferanten und Partner
  • Die lokale Community
  • Die Umwelt

Für jede Gruppe: Welche Auswirkungen hat dein Startup -- positiv und negativ?

Schritt 3: Nachhaltigkeitsziele setzen

Orientiere dich an den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der UN. Wähle 2-3 SDGs, zu denen dein Startup besonders beitragen kann. Diese werden zu deinen Leitsternen.

Schritt 4: Messen, was zählt

Was du nicht misst, kannst du nicht verbessern. Definiere früh Key Performance Indicators (KPIs) für deine Nachhaltigkeitsziele. Das müssen am Anfang keine komplexen Systeme sein -- eine einfache Tabelle reicht.

Wie du einen strukturierten Nachhaltigkeitsbericht erstellst, erklären wir in Nachhaltigkeitsbericht für Startups.

Schritt 5: Kommunizieren -- aber ehrlich

Nachhaltigkeit ist ein starkes Differenzierungsmerkmal. Aber Vorsicht vor übertriebenen Versprechen! Greenwashing schadet nicht nur deiner Reputation, sondern kann auch rechtliche Konsequenzen haben. Lies dazu unbedingt unseren Beitrag zu Green Claims und Greenwashing vermeiden.

Häufige Fehler beim nachhaltigen Gründen

Aus meiner Erfahrung in der Startup-Szene sehe ich immer wieder dieselben Stolpersteine:

Fehler 1: Nachhaltigkeit als Afterthought

"Das machen wir später, wenn wir gross genug sind." Falsch. Je später du Nachhaltigkeit integrierst, desto teurer und schwieriger wird es. Baue sie von Anfang an in deine DNA ein.

Fehler 2: Perfektionismus

Du musst nicht sofort alles richtig machen. Starte mit den Bereichen, in denen du den grössten Hebel hast, und verbessere dich kontinuierlich. Progress, not perfection.

Fehler 3: Nachhaltigkeit isolieren

Nachhaltigkeit ist keine eigene Abteilung. Sie muss in jede Entscheidung einfliessen -- von der Produktentwicklung über das Marketing bis zum Einkauf.

Fehler 4: Nur auf Umwelt fokussieren

Wie oben beschrieben, hat Nachhaltigkeit drei Säulen. Vernachlässige nicht die soziale und ökonomische Dimension.

Fehler 5: Nicht authentisch sein

Kunden und Investoren erkennen schnell, ob Nachhaltigkeit echt gelebt wird oder nur ein Marketing-Instrument ist. Sei ehrlich über deine Stärken und Schwächen.

Erfolgsbeispiele aus Österreich

Um dir zu zeigen, dass nachhaltiges Gründen funktioniert, hier einige inspirierende Beispiele:

Refurbed

Das Wiener Startup hat den Markt für refurbished Elektronik in Österreich revolutioniert. Ihr Geschäftsmodell verbindet Kreislaufwirtschaft mit wirtschaftlichem Erfolg -- und hat Millionen an Investitionen angezogen.

Gropyus

Ein Proptech-Startup, das nachhaltigen Wohnbau mit Technologie verbindet. Gegründet in Österreich, inzwischen international tätig. Zeigt, dass Nachhaltigkeit und Skalierung kein Widerspruch sind.

Too Good To Go

Zwar nicht in Österreich gegründet, aber hier sehr erfolgreich. Die App gegen Lebensmittelverschwendung zeigt, wie ein einfaches Konzept enormen Impact haben kann.

Die Rolle der Community

Nachhaltiges Gründen ist kein Solo-Trip. Du brauchst ein Netzwerk von Gleichgesinnten, Mentorinnen und Partnern. In Österreich gibt es dafür hervorragende Anlaufstellen:

  • Impact Hub Vienna -- Coworking und Community für Impact-Startups
  • Social Entrepreneurship Network Austria (SENA) -- Vernetzung und Wissensaustausch
  • Startup Burgenland -- Unser eigenes Netzwerk, das dich beim nachhaltigen Gründen unterstützt
  • respACT -- Österreichs führende Unternehmensplattform für Nachhaltigkeit

Dein nächster Schritt

Nachhaltiges Gründen ist kein Trend, der wieder verschwindet. Es ist die Art, wie erfolgreiche Unternehmen in Zukunft gebaut werden. Und du hast die Chance, von Anfang an dabei zu sein.

Starte heute:

  1. Definiere deinen Purpose
  2. Identifiziere deine grössten Nachhaltigkeitshebel
  3. Setze dir messbare Ziele
  4. Finde Gleichgesinnte in der Community
  5. Lies die weiteren Artikel in unserer Serie "Nachhaltigkeit und Impact"

Im nächsten Beitrag tauchen wir tiefer ein und schauen uns an, was ESG-Kriterien für Startups konkret bedeuten.


Über die Serie "Nachhaltigkeit und Impact"

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie "Nachhaltigkeit und Impact", in der wir alle relevanten Aspekte nachhaltigen Gründens beleuchten -- von ESG-Kriterien über Circular Economy bis hin zu Impact Investing. Alle Beiträge findest du in der Kategorie "Skalierung und Wachstum".


Starte deine nachhaltige Gründerreise mit Startup Burgenland

Du willst nachhaltig gründen und suchst Unterstützung? Bei Startup Burgenland begleiten wir dich auf deinem Weg -- mit Beratung, Vernetzung und Zugang zu Förderungen. Melde dich bei uns und werde Teil einer Community, die Wirtschaft neu denkt. Wir freuen uns auf dich!


Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

Erstgespräch vereinbaren

Du überlegst zu gründen oder bist schon mittendrin? Schreib uns ein formloses E-Mail -- wir melden uns innerhalb weniger Tage.

E-Mail schreiben