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NDAs für Startups: Wann sie sinnvoll sind und wann nicht

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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"Unterschreiben Sie bitte dieses NDA" -- und der Investor legt auf

Es gibt wenige Dinge, die Investoren schneller abschrecken als ein NDA-Request vor dem Erstgespräch. Bei Startup Burgenland sehen wir das immer wieder: Gründer:innen, die einen Investor um ein NDA bitten, bevor sie ihre Idee pitchen. Der Investor lehnt ab -- nicht weil er die Idee stehlen will, sondern weil er professionelle Gründe hat, keine NDAs zu unterschreiben.

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen ein NDA absolut notwendig ist. Dieser Post klärt auf: Wann ein NDA sinnvoll ist, wann nicht, und wie du ihn richtig gestaltest.

Was ist ein NDA?

Ein Non-Disclosure Agreement (NDA) -- auf Deutsch: Vertraulichkeitsvereinbarung oder Geheimhaltungsvereinbarung -- ist ein Vertrag, in dem eine oder beide Parteien zusichern, bestimmte Informationen vertraulich zu behandeln.

Einseitig vs. gegenseitig

TypBeschreibungTypischer Einsatz
Einseitiger NDANur eine Partei gibt vertrauliche Informationen preisMitarbeiter:innen, Freelancer
Gegenseitiger NDA (Mutual NDA)Beide Parteien teilen vertrauliche InformationenKooperationspartner, gemeinsame Projekte

Wann ein NDA sinnvoll ist

1. Mitarbeiter:innen und Freelancer

Wenn jemand Zugang zu deinen Geschäftsgeheimnissen hat -- Code, Kundendaten, Strategien, Finanzzahlen -- ist ein NDA (oder eine Vertraulichkeitsklausel im Arbeitsvertrag) Pflicht.

2. Potenzielle Geschäftspartner und Kooperationen

Wenn du mit einem Unternehmen über eine Zusammenarbeit sprichst und dabei Details deiner Technologie, deines Geschäftsmodells oder deiner Kundendaten teilen musst, schützt ein gegenseitiger NDA beide Seiten.

3. Due Diligence bei Investorenrunden

Wenn ein Investor nach dem Erstgespräch in die Due Diligence geht und detaillierte Finanzzahlen, Verträge und Strategiedokumente einsieht, ist ein NDA üblich und akzeptiert.

4. Lieferanten mit Zugang zu sensiblen Daten

Wenn ein IT-Dienstleister Zugang zu deiner Infrastruktur hat, sollte eine Vertraulichkeitsklausel im Vertrag stehen -- oder ein separater NDA.

Wann ein NDA NICHT sinnvoll ist

1. Vor dem Investoren-Erstgespräch

Investoren unterschreiben grundsätzlich keine NDAs vor dem Erstgespräch. Die Gründe:

  • Rechtliches Risiko: Ein Investor spricht mit Dutzenden Startups pro Monat. Wenn zwei ähnliche Ideen haben, könnte ein NDA den Investor in einen Konflikt bringen
  • Vertragliche Einschränkung: NDAs schränken die Handlungsfreiheit des Investors ein
  • Signal: Ein NDA-Request signalisiert Unerfahrenheit -- der Investor denkt: "Dieser Gründer versteht den Prozess nicht"

Was du stattdessen tun solltest: Teile im Erstgespräch nur so viel, wie du öffentlich vertreten kannst. Die wirklich vertraulichen Details (Finanzen, Verträge, Technologie-Details) kommen erst in der Due Diligence -- und dann mit NDA.

2. Für die reine Idee

Eine Idee allein ist nicht schützbar. Kein NDA der Welt kann verhindern, dass jemand eine ähnliche Idee umsetzt. Was zählt, ist die Umsetzung -- und die kann ein NDA nicht schützen. Wenn du Angst hast, dass jemand deine Idee stiehlt: Deine Idee ist nicht so einzigartig, wie du denkst. Die Umsetzung macht den Unterschied.

3. Bei Networking-Events

Auf Startup-Events, Meetups oder Konferenzen NDAs zu verteilen ist unangemessen und schreckt potenzielle Partner ab.

Was in einen guten NDA gehört

Pflichtinhalte

  1. Definition der vertraulichen Informationen

    • Was genau ist vertraulich? So präzise wie möglich
    • Ausnahmen: Öffentlich bekannte Informationen, unabhängig entwickelte Informationen, von Dritten ohne Vertraulichkeitspflicht erhaltene Informationen
  2. Zweck der Offenlegung

    • Warum werden die Informationen geteilt? (z.B. "Prüfung einer möglichen Kooperation")
  3. Pflichten der empfangenden Partei

    • Vertrauliche Behandlung
    • Nutzung nur für den vereinbarten Zweck
    • Beschränkung des Zugangs auf notwendige Personen
    • Keine Weitergabe an Dritte ohne Zustimmung
  4. Laufzeit

    • Wie lange gilt die Vertraulichkeitspflicht? (Typisch: 2-5 Jahre)
    • Gilt sie über das Vertragsende hinaus?
  5. Rückgabe/Vernichtung

    • Was passiert mit den Informationen, wenn die Zusammenarbeit endet?
  6. Rechtsfolgen bei Verstoß

    • Vertragsstrafe (konkret beziffert, z.B. EUR 10.000-50.000)
    • Schadenersatz
    • Unterlassungsanspruch
  7. Anwendbares Recht und Gerichtsstand

Was NICHT in einen NDA gehört

  • Zu breite Definition: "Alle Informationen sind vertraulich" ist unbrauchbar
  • Unbefristete Laufzeit: Ewige Vertraulichkeit ist unverhältnismäßig
  • Keine Ausnahmen: Es muss Ausnahmen geben (öffentliche Informationen, gesetzliche Pflichten)
  • Überhöhte Vertragsstrafen: Müssen verhältnismäßig sein, sonst sind sie unwirksam

NDA-Vorlage: Die Minimalversion

Eine NDA-Vorlage für den Alltag sollte auf zwei bis drei Seiten passen. Kernstruktur:

  1. Parteien
  2. Zweck der Offenlegung (ein Satz)
  3. Definition vertraulicher Informationen (ein Absatz mit Aufzählung)
  4. Ausnahmen (Standardausnahmen)
  5. Pflichten (Vertraulichkeit, Nutzungsbeschränkung, Zugangsbeschränkung)
  6. Laufzeit (z.B. 3 Jahre)
  7. Rückgabepflicht
  8. Vertragsstrafe (z.B. EUR 20.000)
  9. Recht und Gerichtsstand
  10. Unterschriften

Alternativen zum NDA

1. Gesetzlicher Schutz durch das Geschäftsgeheimnisgesetz

Seit der Umsetzung der EU-Richtlinie gibt es in Österreich einen gesetzlichen Schutz für Geschäftsgeheimnisse -- auch ohne NDA. Voraussetzung: Du musst "angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen" getroffen haben (z.B. Zugangskontrollen, Vertraulichkeitsklauseln in Arbeitsverträgen).

Mehr dazu in Geschäftsgeheimnisse schützen: Was das Gesetz vorsieht.

2. Stufenweise Offenlegung

Statt alle Informationen auf einmal zu teilen, gib sie stufenweise preis:

  • Stufe 1 (öffentlich): Elevator Pitch, Website, Präsentation
  • Stufe 2 (semi-vertraulich): Pitch Deck mit Details, Geschäftsmodell
  • Stufe 3 (vertraulich, mit NDA): Finanzzahlen, Kundenlisten, Code, Verträge

3. Vertraulichkeitsklauseln in anderen Verträgen

Statt eines separaten NDA kannst du Vertraulichkeitsklauseln in den Hauptvertrag aufnehmen -- in den Arbeitsvertrag, den Kooperationsvertrag oder den Freelancer-Vertrag.

Was tun bei NDA-Verletzung?

  1. Dokumentieren: Beweise sichern -- E-Mails, Screenshots, Zeugen
  2. Abmahnung: Schriftliche Aufforderung, die Vertraulichkeit einzuhalten
  3. Vertragsstrafe einfordern: Wenn eine vereinbart ist
  4. Einstweilige Verfügung: Bei akuter Gefahr, über das Gericht
  5. Schadenersatz: Nachweis des konkreten Schadens (oft schwierig)

Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Erstelle eine NDA-Vorlage für dein Startup -- eine Seite, klar und fair. Nutze sie für Freelancer, Kooperationspartner und Dienstleister. Und vergiss den NDA vor dem Investorengespräch -- er schadet mehr als er nutzt.

Weiter geht's mit: Kundenverträge für SaaS und Dienstleistungen und Der Beteiligungsvertrag: Was du vor dem Investment verstehen musst.


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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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