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Angebotsgestaltung: Wie du Pakete schnürst, die sich verkaufen

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Warum ein einzelner Preis dich Umsatz kostet

Du hast ein Produkt. Du hast einen Preis. Du bietest es an. Der Kunde sagt ja oder nein.

Das ist das einfachste Angebotsmodell -- und gleichzeitig das schlechteste. Denn mit einem einzigen Angebot zwingst du den Kunden in eine binäre Entscheidung: kaufen oder nicht kaufen. Und bei jeder binären Entscheidung verlierst du alle, die grundsätzlich interessiert sind, aber dein konkretes Angebot nicht ganz passt.

Zu teuer? Weg. Zu umfangreich? Weg. Zu wenig? Auch weg.

Bei Startup Burgenland haben wir in den vergangenen Jahren mit über 40 Startups an deren Angebotsstruktur gearbeitet. Und eines der wirksamsten Dinge, die wir im Coaching machen, ist: aus einem Angebot drei machen. Nicht drei verschiedene Produkte -- sondern drei verschiedene Wege, dasselbe Produkt zu verkaufen.

Der Unterschied klingt subtil. Er ist es nicht.

Was ist Offer Stacking?

Offer Stacking bedeutet, dass du dein Angebot in Schichten aufbaust. Statt einem Paket zum Festpreis bietest du eine gestaffelte Struktur an, bei der jede Stufe mehr Wert liefert -- und entsprechend mehr kostet.

Das Grundprinzip: Es geht nicht darum, mehr Produkte zu haben. Es geht darum, mehr Wege zu haben, dasselbe Produkt anzubieten.

Ein Personaltrainer verkauft nicht drei verschiedene Sportarten. Er verkauft eine Session pro Woche, zwei Sessions pro Woche oder vier Sessions pro Woche. Ein Produkt, drei Angebote. Drei verschiedene Preispunkte. Drei verschiedene Kundentypen, die alle bedient werden.

Das ist der Kern von Offer Stacking. Und es funktioniert in praktisch jeder Branche.

Wie funktioniert das Good-Better-Best-Modell?

Das bewährteste Stacking-Modell ist die Drei-Stufen-Struktur. Du bietest drei Pakete an: ein Basispaket, ein Standardpaket und ein Premiumpaket.

Paket 1: Good (Einstieg)

Das Basispaket löst das Kernproblem. Nichts mehr, nichts weniger. Es ist der günstigste Einstieg und richtet sich an Kunden, die preissensibel sind oder erstmal testen wollen.

Funktion: Senkt die Einstiegshürde. Bringt Kunden ins System. Schafft eine erste Beziehung.

Paket 2: Best (Standard)

Das mittlere Paket. Es enthält alles aus dem Basispaket plus zusätzliche Features, die den Wert deutlich erhöhen. Schnellere Lieferung, mehr Support, zusätzliche Tools, erweiterte Funktionen.

Funktion: Das ist das Paket, das du eigentlich verkaufen willst. Die Mehrheit deiner Kunden sollte hier landen.

Paket 3: Better (Premium)

Das Premiumpaket für Kunden, die das Maximum wollen. Alles aus dem Standardpaket plus exklusive Leistungen: 1:1 Betreuung, Priority-Support, individuelle Anpassungen, Zusatz-Services.

Funktion: Maximiert den Umsatz bei den Kunden, die bereit sind, mehr zu zahlen. Und -- mindestens genauso wichtig -- es lässt das Standardpaket wie ein gutes Geschäft aussehen.

Warum wählen die meisten das mittlere Paket?

Es gibt ein gut dokumentiertes Phänomen in der Kaufpsychologie: Wenn Menschen drei Optionen sehen, wählen sie überproportional häufig die mittlere. Das Basispaket fühlt sich "zu wenig" an. Das Premium fühlt sich "zu viel" an. Die Mitte fühlt sich "genau richtig" an.

Das ist kein Zufall. Das ist eine systematische Tendenz. Und du kannst sie nutzen: Platziere dein profitabelstes Angebot in der Mitte.

Was ist der Decoy-Effekt -- und wie nutzt du ihn?

Stell dir vor, du bietest zwei Optionen an:

  • Option A: Digitaler Zugang für EUR 59
  • Option B: Digitaler + persönlicher Zugang für EUR 125

Viele Kunden wählen Option A. EUR 125 ist ein großer Sprung.

Jetzt fügst du eine dritte Option hinzu:

  • Option A: Digitaler Zugang für EUR 59
  • Option C: Nur persönlicher Zugang für EUR 125
  • Option B: Digitaler + persönlicher Zugang für EUR 125

Option C kauft fast niemand. Warum sollte jemand EUR 125 für nur persönlichen Zugang zahlen, wenn er für denselben Preis beides bekommt? Aber die bloße Existenz von Option C verändert das Kaufverhalten dramatisch: Plötzlich wählen viel mehr Kunden Option B.

Das ist der Decoy-Effekt. Eine Option, die objektiv unterlegen ist, macht eine andere Option attraktiver. Du veränderst nicht den Preis, nicht das Produkt -- nur die Wahrnehmung.

Wir setzen dieses Prinzip regelmäßig ein, wenn wir bei Startup Burgenland mit Gründern an deren Angebotsstruktur arbeiten. Es ist eines der effektivsten Werkzeuge, um den durchschnittlichen Bestellwert zu steigern, ohne aggressiv verkaufen zu müssen.

Wie baust du Bonusstrukturen, die den Wert erhöhen?

Ein bewährter Ansatz, der bei unseren Startups hervorragend funktioniert: Statt eines einzelnen Angebots mit einem Preis baust du ein Kernangebot plus Boni.

Die Logik dahinter

Wenn du ein Produkt für EUR 500 anbietest, vergleicht der Kunde EUR 500 mit dem wahrgenommenen Wert des Produkts. Eine Abwägung.

Wenn du stattdessen dasselbe Produkt für EUR 500 anbietest und dazu drei Boni im Gesamtwert von EUR 800, dann vergleicht der Kunde EUR 500 mit dem wahrgenommenen Wert von EUR 1.300. Plötzlich fühlt sich der Preis wie ein Schnäppchen an -- obwohl das Kernprodukt identisch ist.

Regeln für wirksame Boni

Regel 1: Jeder Bonus löst ein konkretes Problem. Kein Bonus um des Bonus willen. Jeder Zusatz sollte eine reale Hürde adressieren, die den Kunden vom Erfolg abhält.

Regel 2: Tools schlagen Training. Ein Template, eine Checkliste, ein Rechner -- das sind bessere Boni als zusätzliche Informationen. Warum? Weil sie den Aufwand für den Kunden reduzieren. Und wie wir im Post über Value-Based Pricing besprochen haben: Weniger Aufwand = mehr wahrgenommener Wert.

Regel 3: Jeder Bonus hat einen konkreten Wert. Sag nicht "gratis dazu". Sag "Im Wert von EUR 200, für dich inklusive." Der spezifische Wert verankert die Wahrnehmung.

Regel 4: Der Gesamtwert der Boni sollte den Kernpreis übersteigen. Wenn der Kunde das Gefühl hat, dass allein die Boni mehr wert sind als der Preis, den er zahlt, fühlt sich die Entscheidung wie ein No-Brainer an.

Partnerschafts-Boni: Wert ohne Kosten

Einer der cleversten Ansätze, den wir bei einigen burgenländischen Startups umgesetzt haben: Kooperiere mit komplementären Anbietern. Ein SaaS-Startup gibt Zugang zu einem Buchhaltungstool als Bonus. Ein Coaching-Startup legt eine Steuerberatungsstunde eines Partners bei. Der Partner bekommt Sichtbarkeit, du bekommst einen wertvollen Bonus ohne eigene Kosten.

Wie strukturierst du dein Angebot für verschiedene Kundentypen?

Nicht jeder Kunde ist gleich. Manche haben mehr Budget als Zeit. Manche haben mehr Zeit als Budget. Manche wollen alles selbst machen, manche wollen nichts selbst machen. Deine Angebotsstruktur sollte das abbilden.

DIY (Do It Yourself) -- Der Selbermacher

Du gibst dem Kunden die Werkzeuge, Anleitungen und Ressourcen. Er macht es selbst. Niedrigster Preis, niedrigster Aufwand für dich, höchste Skalierbarkeit.

Beispiel: Ein Online-Kurs für EUR 497 zum Thema Businessplan-Erstellung.

DWY (Done With You) -- Der Begleiter

Du arbeitest gemeinsam mit dem Kunden. Du gibst Struktur, Feedback und Expertise. Der Kunde bringt seinen Input und seine Arbeit ein.

Beispiel: Ein 8-Wochen-Coaching-Programm für EUR 2.500, in dem du den Kunden durch die Businessplan-Erstellung begleitest.

DFY (Done For You) -- Der Rundumservice

Du machst alles. Der Kunde lehnt sich zurück und bekommt das fertige Ergebnis. Höchster Preis, höchster Aufwand für dich, geringste Skalierbarkeit -- aber maximale Zahlungsbereitschaft.

Beispiel: Du erstellst den kompletten Businessplan für EUR 8.000, inklusive Finanzplanung und FFG-Förderantrag.

Alle drei Angebote lösen dasselbe Problem. Aber sie sprechen völlig verschiedene Kunden an. Und sie ermöglichen dir, drei verschiedene Preispunkte anzubieten, ohne drei verschiedene Produkte zu entwickeln.

Wie sehen erfolgreiche Angebotsstrukturen in der Praxis aus?

Beispiel 1: Ein B2B-SaaS-Startup in Wien

  • Starter (EUR 49/Monat): Grundfunktionen, Self-Service, Community-Support
  • Professional (EUR 149/Monat): Alle Features, E-Mail-Support innerhalb 24h, monatlicher Check-in-Call
  • Enterprise (EUR 499/Monat): Alles aus Professional plus dedizierter Account Manager, individuelle Anpassungen, Priority-Support

70% der Kunden wählen Professional. Das war das Ziel.

Beispiel 2: Eine Beraterin im Burgenland

  • Quick Check (EUR 250): 90-Minuten-Workshop mit konkretem Ergebnis
  • Growth Package (EUR 1.500): 3-monatige Begleitung mit wöchentlichen Calls
  • All-In (EUR 4.500): 6-monatige intensive 1:1-Betreuung plus Implementierungssupport

Auch hier: Das mittlere Paket ist der Sweet Spot. Der Quick Check funktioniert als Einstieg (und als Verkaufstool für das Growth Package). Das All-In bedient die Premium-Kunden -- und lässt das Growth Package vernünftig aussehen.

Welche Fehler solltest du vermeiden?

Fehler 1: Zu viele Optionen

Drei ist ideal. Vier kann funktionieren. Fünf oder mehr führen zu Entscheidungsparalyse. Der Kunde fühlt sich überfordert, vergleicht endlos -- und kauft am Ende nichts.

Fehler 2: Pakete, die sich nicht klar unterscheiden

Wenn der Unterschied zwischen Basis und Standard unklar ist, wählt der Kunde das Billigere. Mach die Unterschiede deutlich sichtbar. Idealerweise adressiert jede Stufe ein klar benennbares zusätzliches Problem.

Fehler 3: Rabattieren statt strukturieren

Wenn ein Kunde sagt "Zu teuer", ist die Antwort nicht ein Rabatt auf dasselbe Paket. Die Antwort ist: "Kein Problem -- schau dir unser Basispaket an. Es löst dein Kernproblem, ohne die Extras." Weniger Geld = weniger Leistung. Das ist logisch und fair. Rabatt = weniger Geld für dieselbe Leistung. Das zerstört deine Preisintegrität.

Fehler 4: Die profitabelste Option ganz oben oder ganz unten platzieren

Psychologisch wählen Menschen die Mitte. Wenn dein profitabelstes Angebot ganz oben steht (als teuerstes), wird es selten gewählt. Platziere es in der Mitte -- als das "vernünftige" Paket zwischen dem Einstieg und dem Premium.

Was wir bei Startup Burgenland über Angebotsstruktur gelernt haben

Aus unserer Coaching-Erfahrung sind es drei Prinzipien, die den größten Unterschied machen:

Erstens: Einfach skaliert, kompliziert scheitert. Die besten Angebotsstrukturen haben drei klare Stufen, nicht sieben verschachtelte Optionen mit Zusatzmodulen und Aufpreislisten. Wenn du dein Angebot nicht in zwei Sätzen erklären kannst, ist es zu komplex.

Zweitens: Immer einen Einstieg anbieten. Wir sehen regelmäßig Gründer, die nur ein High-Ticket-Angebot haben. Das funktioniert -- aber es lässt alle Kunden außen vor, die noch nicht bereit für die große Investition sind. Ein niedrigschwelliger Einstieg bringt sie in dein System. Von dort kannst du sie weiterentwickeln.

Drittens: Die Angebotsstruktur ist kein einmaliges Projekt. Sie entwickelt sich mit deinen Kunden und deinem Markt. Was heute als Basispaket funktioniert, kann in einem Jahr dein Premium werden -- weil du neue, höherwertige Leistungen ergänzt hast.

Der nächste Schritt

Nimm dein aktuelles Hauptangebot und beantworte diese drei Fragen:

  1. Kannst du eine abgespeckte Version anbieten? Was ist das Minimum, das dein Kernproblem löst? Das wird dein Basispaket.
  2. Kannst du eine Premium-Version anbieten? Was wäre das Maximum -- mit 1:1-Betreuung, persönlichem Support, schnellerer Lieferung? Das wird dein Premium-Paket.
  3. Was liegt dazwischen? Das wird dein Standard-Paket -- und dein Bestseller.

Wenn du diese drei Pakete hast, zeig sie deinen nächsten fünf Interessenten und beobachte, was passiert. Du wirst überrascht sein, wie viele plötzlich das mittlere oder sogar das obere Paket wählen.

Im nächsten Post tauchen wir tief in die Psychologie des Preises ein -- warum EUR 97 besser funktioniert als EUR 100 und wie du Preise so kommunizierst, dass sie sich richtig anfühlen. Und wenn du nochmal den Grundlagen der Angebotsgestaltung auf den Grund gehen willst, lies unseren Post über die Grand-Slam-Methode.


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Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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