Warum Events für Gründer kein Nice-to-have sind
Du kannst ein Startup alleine am Schreibtisch aufbauen. Du kannst Kunden über LinkedIn finden, Investoren über E-Mail ansprechen und dein Netzwerk digital pflegen. Alles möglich.
Aber in der Praxis sehen wir bei Startup Burgenland immer wieder: Die Gründer, die regelmäßig auf Events gehen, kommen schneller voran. Nicht weil Events magisch wären, sondern weil sie drei Dinge bieten, die du online nur schwer bekommst:
- Ungefilterte Eindrücke. Du siehst andere Gründer pitchen -- und lernst mehr über Pitch-Qualität in einer Stunde als in zehn YouTube-Videos.
- Zufällige Kontakte. Die wertvollsten Verbindungen entstehen nicht in geplanten Meetings, sondern in Kaffeepausen und Flurgesprächen.
- Realitätscheck. Du siehst, wo du im Vergleich stehst. Das kann motivierend sein -- oder ernüchternd. Beides ist nützlich.
Dieser Post gibt dir einen Überblick über die wichtigsten Kategorien von Startup-Events in Österreich, zeigt dir, wie du dich vorbereitest, und erklärt, warum nicht jedes Event für jede Phase deiner Gründung sinnvoll ist.
Welche Arten von Events gibt es?
Pitch-Events und Startup-Wettbewerbe
Das sind Veranstaltungen, bei denen Startups ihre Ideen oder Produkte vor einer Jury präsentieren. Manche sind rein inspirierend, manche vergeben Preise oder Förderungen.
Was du dort bekommst: Bühnen-Erfahrung, Feedback von Experten, Sichtbarkeit bei Investoren und Medien, und -- wenn du gewinnst -- manchmal Preisgeld oder Sachleistungen.
Wo du sie findest: In Wien, Graz, Linz und Salzburg finden regelmäßig Pitch-Events statt, organisiert von Universitäten, Fachhochschulen, Gründerzentren und privaten Initiativen. Das WKO-Gründerservice veranstaltet den jährlichen Businessplan-Wettbewerb, der in allen Bundesländern stattfindet. Viele AplusB-Center und Accelerator-Programme haben eigene Demo Days.
Für wen geeignet: Gründer, die bereits eine klare Idee haben und Feedback wollen. Wenn du noch ganz am Anfang stehst, geh als Zuschauer hin -- du lernst enorm viel, ohne den Druck der Bühne.
Konferenzen und Summits
Größere Veranstaltungen mit Keynotes, Panels, Workshops und Networking-Bereichen. Die österreichische Startup-Szene hat in den letzten Jahren mehrere etablierte Formate hervorgebracht, vor allem in Wien und Graz.
Was du dort bekommst: Inspiration, Branchen-Trends, Zugang zu einer breiten Community. Und die Möglichkeit, in zwei Tagen mehr Kontakte zu knüpfen als in zwei Monaten am Schreibtisch.
Kosten und Aufwand im Vergleich:
| Event-Typ | Typische Kosten | Zeitaufwand | Networking-Qualität | Lerneffekt |
|---|---|---|---|---|
| Lokales Meetup | Kostenlos | 2-3 Stunden | Hoch (kleine Gruppe) | Mittel |
| Pitch-Event | Kostenlos bis EUR 50 | Halber Tag | Mittel | Hoch |
| Konferenz/Summit | EUR 100-500 | 1-2 Tage | Mittel (große Masse) | Hoch |
| Hackathon | Meist kostenlos | 24-48 Stunden | Sehr hoch (Teamarbeit) | Sehr hoch |
| Workshop/Seminar | EUR 0-200 | 3-8 Stunden | Niedrig | Sehr hoch |
| Branchenkonferenz | EUR 200-1.000 | 1-2 Tage | Hoch (Zielgruppe) | Hoch |
Networking-Meetups und Stammtische
Kleinere, regelmäßige Treffen -- monatlich oder wöchentlich -- bei denen Gründer zusammenkommen. Weniger formell, mehr Austausch.
Was du dort bekommst: Echte Gespräche auf Augenhöhe. Menschen, die ähnliche Probleme haben. Und oft konkrete Hilfe: "Ich kenne jemanden, der das kann" oder "Wir hatten das gleiche Problem, so haben wir es gelöst."
Wo du sie findest: Fast jede größere Stadt hat Startup-Meetups. In Wien gibt es dutzende, thematisch sortiert nach Branchen oder Funktionen. In Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck gibt es etablierte Formate. Auch im Burgenland und in kleineren Städten entstehen zunehmend lokale Gründer-Treffen -- oft organisiert von der WKO, von Coworking-Spaces oder von den Gründern selbst.
Für wen geeignet: Besonders wertvoll in der Frühphase, wenn du noch keine klare Richtung hast. Die informelle Atmosphäre macht es leichter, ehrlich über Unsicherheiten zu sprechen.
Hackathons und Build-Events
Veranstaltungen, bei denen Teams in 24 bis 48 Stunden an einem Prototyp oder einer Lösung arbeiten. Intensiv, zeitlich begrenzt, oft thematisch fokussiert.
Was du dort bekommst: Einen Realitätscheck für deine Umsetzungsgeschwindigkeit. Die Erfahrung, unter Druck zu arbeiten. Und manchmal ein Team, mit dem du weiter zusammenarbeiten willst.
Wo du sie findest: Universitäten und Fachhochschulen in Wien, Graz und Linz organisieren regelmäßig Hackathons. Auch Unternehmen veranstalten thematische Hackathons, zum Beispiel im Bereich Energy, Healthcare oder Mobilität.
Für wen geeignet: Gründer mit technischem Hintergrund oder Teams, die ihre Zusammenarbeit testen wollen. Auch als "Gründungs-Schnupperkurs" hervorragend geeignet.
Workshops und Weiterbildungsformate
Strukturierte Lernformate: Halbtags- oder Ganztags-Workshops zu spezifischen Themen wie Pitch-Training, Finanzplanung, Marketing, Recht oder Förderungen.
Was du dort bekommst: Konkretes Wissen und praktische Fähigkeiten. Weniger Netzwerk, mehr Kompetenz.
Wo du sie findest: Das WKO-Gründerservice bietet kostenlose Workshops in allen Bundesländern an. Die FFG und das AWS organisieren Informationsveranstaltungen zu Förderungen. Startup Burgenland veranstaltet eigene Formate für die Startups in unserem Programm -- und gelegentlich offene Events für die breitere Gründer-Community.
Für wen geeignet: Gründer mit konkreten Wissenslücken. Wenn du weißt, dass du bei Finanzen, Recht oder Marketing Nachholbedarf hast, ist ein Workshop effizienter als ein Buch.
Wie bereitest du dich auf ein Event vor?
Die meisten Gründer gehen auf Events, ohne sich vorzubereiten. Sie schauen sich das Programm an, besuchen ein paar Vorträge, tauschen Visitenkarten aus und fahren nach Hause. Das ist besser als nichts -- aber es ist nicht viel besser.
Vor dem Event
Definiere ein Ziel. Nicht "Netzwerken", das ist zu vage. Sondern: "Ich will drei Menschen treffen, die Erfahrung in [meiner Branche] haben" oder "Ich will zwei Investoren identifizieren, die in [meiner Phase] investieren" oder "Ich will einen Pitch beobachten und drei Dinge notieren, die ich für meinen eigenen Pitch übernehmen kann."
Recherchiere die Teilnehmer. Viele Events veröffentlichen Speaker-Listen, Ausstellerverzeichnisse oder Teilnehmerlisten. Schau nach, wer interessant sein könnte. Schreib vorab zwei bis drei Personen auf LinkedIn an: "Ich sehe, dass du auch bei [Event] bist. Hast du Lust, kurz auf einen Kaffee?"
Bereite deinen Elevator-Pitch vor. Nicht den formellen Bühnen-Pitch. Den 30-Sekunden-Satz, den du sagst, wenn dich jemand fragt: "Und was machst du?" -- Klar, kurz, interessant. Wie du das trainierst, beschreiben wir in Wie du testest, ob du das Zeug zum Gründer hast.
Während des Events
Verbring mehr Zeit im Networking-Bereich als im Vortragssaal. Klingt kontraintuitiv, ist aber der Rat, den ich fast jedem Gründer gebe. Vorträge kannst du oft nachschauen. Gespräche nicht.
Stell Fragen. Nicht um klug zu wirken, sondern um zu lernen. "Wie hast du deinen ersten Kunden gewonnen?" ist eine bessere Frage als "Was ist eure Bewertung?"
Nimm dir Zeit für Notizen. Nicht während des Vortrags -- danach. Schreib auf: Wen habe ich getroffen? Was habe ich gelernt? Was mache ich als Nächstes?
Nach dem Event
Follow-up innerhalb von 48 Stunden. Jeder Kontakt, der dich interessiert hat, bekommt eine kurze Nachricht. LinkedIn-Anfrage mit persönlicher Note: "War schön, dich bei [Event] kennenzulernen. Dein Punkt zu [Thema] hat mich zum Nachdenken gebracht."
Sortiere deine Notizen. Was war wertvoll, was war Zeitverschwendung? Diese Auswertung hilft dir, zukünftige Events besser auszuwählen.
Dein Event-Jahresplan: So planst du strategisch
Statt wahllos auf Events zu gehen, empfehlen wir einen strategischen Jahresplan. Hier ein Vorschlag für verschiedene Gründungsphasen:
Ideenphase (noch keine klare Geschäftsidee):
- 1x pro Monat: Lokales Gründer-Meetup oder Stammtisch
- 1x pro Quartal: Pitch-Event als Zuschauer
- 1x im Jahr: Große Startup-Konferenz für Inspiration
Validierungsphase (Idee steht, erste Kunden werden gesucht):
- 1x pro Monat: Branchen-spezifisches Meetup (dort sind deine Kunden)
- 1x pro Quartal: Workshop zu einem konkreten Thema (Pitch, Finanzen, Marketing)
- 2x im Jahr: Pitch-Event als Teilnehmer
- 1x im Jahr: Hackathon oder Build-Event
Wachstumsphase (Produkt am Markt, Skalierung):
- 1x pro Monat: Investoren-Netzwerk oder Business-Angel-Events
- 1x pro Quartal: Branchenkonferenz (Healthcare, Energy, Agrotech -- je nach Fokus)
- 2x im Jahr: Internationale Events oder Online-Konferenzen
Sind Events im Burgenland anders als in Wien?
Ja und nein.
Das Burgenland hat eine kleinere Startup-Szene als Wien oder Graz. Das bedeutet: weniger Events, aber intimere Formate. Bei einem Meetup in Eisenstadt triffst du vielleicht 15 Leute statt 150. Aber du redest mit jedem, und die Gespräche gehen tiefer.
Was wir bei Startup Burgenland beobachten: Unsere Gründer nutzen Events im Burgenland für den Einstieg und das lokale Netzwerk, und Events in Wien für Investoren-Kontakte und breitere Sichtbarkeit. Die Kombination funktioniert gut.
Das Burgenland hat außerdem den Vorteil der Nähe zu Wien -- in einer Stunde bist du dort. Und gleichzeitig gibt es ein wachsendes lokales Ökosystem: Coworking-Spaces, Forschungseinrichtungen, die Fachhochschule Burgenland, und natürlich das Netzwerk rund um die Wirtschaftsagentur Burgenland und unser Programm.
Welche Events solltest du meiden?
Nicht jedes Event ist deine Zeit wert. Hier sind drei Warnsignale:
-
Events, die nur verkaufen. Wenn das Programm hauptsächlich aus Pitches von Sponsoren besteht und das "Networking" eine Verkaufsveranstaltung ist -- spar dir die Zeit.
-
Events ohne klare Zielgruppe. "Innovation Summit für alle" klingt inklusiv, ist aber oft so breit, dass du niemanden triffst, der relevant für dich ist.
-
Events, bei denen du dich nur bestätigt fühlst. Wenn du nach einem Event denkst "Das war nett" statt "Das hat mich herausgefordert" -- hast du das falsche Event besucht.
Die besten Events fühlen sich ein bisschen unbequem an. Du triffst Menschen, die weiter sind als du. Du hörst Ideen, die dich zum Nachdenken bringen. Du gehst raus und denkst: "Ich muss besser werden."
Wie findest du die richtigen Events?
Schritt 1: Abonniere die Newsletter der großen Akteure. Das WKO-Gründerservice, die FFG, das AWS, die Austrian Startups -- alle verschicken regelmäßig Event-Hinweise.
Schritt 2: Folge lokalen Startup-Initiativen auf Social Media. In jedem Bundesland gibt es aktive Communities, die Events teilen und organisieren.
Schritt 3: Frag in deinem Netzwerk. Die beste Event-Empfehlung kommt von jemandem, der selbst dort war. Bei uns im Coaching geben wir unseren Startups regelmäßig Tipps, welche Events gerade relevant sind.
Schritt 4: Geh hin. Nicht perfekt vorbereitet, nicht mit dem perfekten Pitch, nicht mit der perfekten Visitenkarte. Einfach hingehen, zuhören, reden. Der Rest kommt.
Typische Fehler bei Startup-Events -- und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Nur mit Bekannten reden. Du gehst auf ein Event und verbringst die ganze Zeit mit den drei Leuten, die du schon kennst. Bequem, aber wertlos für dein Netzwerk. Zwing dich, mindestens drei neue Gespräche zu führen.
Fehler 2: Visitenkarten verteilen statt zuhören. Networking ist kein Vertrieb. Die besten Kontakte entstehen, wenn du echtes Interesse zeigst -- nicht wenn du deinen Flyer verteilst.
Fehler 3: Zu viele Events, zu wenig Nacharbeit. Drei Events pro Woche bringen nichts, wenn du die Kontakte nicht pflegst. Besser ein Event pro Monat mit sauberem Follow-up als fünf Events ohne Nachbereitung.
Fehler 4: Nur auf große Events gehen. Die wertvollsten Gespräche führst du oft bei kleinen, intimen Formaten. Ein Abendessen mit acht Gründern bringt mehr als eine Konferenz mit 800 Teilnehmern.
Dein nächster Schritt
Suche dir ein Event in den nächsten vier Wochen und melde dich an. Kein Webinar, kein Online-Kurs -- ein echtes Event, bei dem du Menschen triffst.
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Schreib uns bei Startup Burgenland. Wir kennen die österreichische Event-Landschaft gut und können dir sagen, welches Format zu deiner Phase passt. Oder schau bei der WKO in deinem Bundesland vorbei -- dort gibt es fast immer ein aktuelles Gründer-Event.
Der wichtigste Rat zum Schluss: Geh nicht auf Events, um zu nehmen. Geh, um zu geben. Stell Fragen. Biete Hilfe an. Teile deine Erfahrungen. Die wertvollsten Kontakte entstehen, wenn du großzügig bist -- nicht wenn du deine Visitenkarte verteilst. Mehr zum Thema Netzwerk findest du in Startup oder Selbstständigkeit -- die ehrliche Entscheidungshilfe.
Weiterführende Artikel
- Gründerinnen in Österreich: Chancen, Herausforderungen und Vorbilder
- Die besten Podcasts, Events und Ressourcen für österreichische Gründer
- Gründen über 40 -- warum das Alter kein Hindernis ist
- Der Mythos vom Übernacht-Erfolg: Warum jeder Erfolg eine Vorgeschichte hat
- Gründen im ländlichen Raum -- eine unterschätzte Chance
Startup Burgenland vernetzt Gründerinnen und Gründer mit dem österreichischen Startup-Ökosystem. Unser 1:1 Coaching umfasst nicht nur Strategie und Geschäftsmodell, sondern auch den Zugang zu Events, Mentoren und Investoren. Schreib uns ein E-Mail für dein Erstgespräch -- wir zeigen dir, wo die Türen sind.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.