Gründerinnen und Female Entrepreneurship in Österreich -- Chancen, Hürden und Unterstützung
Die österreichische Startup-Szene wächst -- aber sie wächst nicht gleichmässig. Während der Anteil weiblicher Gründerinnen in den letzten Jahren gestiegen ist, sind Frauen in der Startup-Welt nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Das ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, sondern auch ein wirtschaftliches: Studien zeigen, dass diverse Teams bessere Ergebnisse erzielen und innovative Lösungen entwickeln.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie es um Female Entrepreneurship in Österreich steht, welche besonderen Herausforderungen Gründerinnen meistern müssen und welche Netzwerke und Programme Unterstützung bieten.
Die Zahlen -- Wo stehen wir?
Der Austrian Startup Monitor
Laut den Erhebungen der letzten Jahre liegt der Anteil von Frauen in Gründungsteams in Österreich bei rund 15 bis 20 Prozent. Das bedeutet, dass die grosse Mehrheit der Startups von reinen Männerteams gegründet wird.
Der europäische Vergleich
Im europäischen Vergleich liegt Österreich im Mittelfeld. Länder wie Schweden, die Niederlande oder das Vereinigte Königreich haben höhere Anteile weiblicher Gründungen, während andere Länder noch weiter zurückliegen.
Die Finanzierungslücke
Besonders deutlich ist die Ungleichheit bei der Finanzierung: Startups mit weiblichen Gründungsteams erhalten einen überproportional geringen Anteil am gesamten Venture-Capital-Volumen. Studien beziffern diesen Anteil in Europa auf unter 3 Prozent -- ein Missverhältnis, das sich nur langsam verbessert.
Warum die Zahlen so sind -- Ursachenanalyse
Strukturelle Faktoren
Rollenbilder und Sozialisation Trotz Fortschritten prägen traditionelle Rollenbilder immer noch die Berufswahl und Karrierewege. Unternehmertum wird kulturell stärker mit Männern assoziiert. Mädchen und junge Frauen haben weniger weibliche Gründervorbilder.
Bildung und MINT-Fächer Der Anteil von Frauen in technischen Studiengängen ist in Österreich zwar gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem der Männer. Da viele Startups technologiebasiert sind, wirkt sich das auf die Gründungszahlen aus.
Care-Arbeit und Vereinbarkeit Frauen übernehmen in Österreich nach wie vor den grösseren Anteil an unbezahlter Care-Arbeit. Die Gründung eines Startups erfordert enorme zeitliche Flexibilität -- ein Faktor, der Frauen häufiger betrifft.
Finanzierungsbarrieren
Investor Bias Studien zeigen, dass Investoren -- bewusst oder unbewusst -- männliche Gründer bevorzugen. Die gleiche Pitch-Präsentation wird unterschiedlich bewertet, je nachdem ob sie von einem Mann oder einer Frau gehalten wird.
Netzwerkeffekte Die Investorenlandschaft ist übeerwiegend männlich dominiert. Da Investitionsentscheidungen häufig über persönliche Netzwerke fallen, haben Frauen einen strukturellen Nachteil.
Risikowahrnehmung Frauen werden in Pitches häufiger nach Risiken gefragt, während Männern häufiger Fragen zum Wachstumspotenzial gestellt werden. Das führt zu unterschiedlichen Bewertungen der gleichen Idee.
Kulturelle Faktoren
Selbstwahrnehmung Studien zeigen, dass Frauen ihre eigenen Fähigkeiten häufiger unterschätzen als Männer. Das führt dazu, dass sie seltener den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, auch wenn sie die gleichen Qualifikationen mitbringen.
Risikoaversion Die österreichische Kultur ist generell eher risikoavers -- und bei Frauen ist dieser Effekt noch stärker ausgeprägt. Das hängt mit den höheren sozialen und finanziellen Risiken zusammen, die Frauen bei einer Gründung eingehen.
Was sich ändert -- Positive Entwicklungen
Wachsende Sichtbarkeit
Immer mehr erfolgreiche österreichische Gründerinnen werden sichtbar und dienen als Vorbilder. Von Tech-Gründerinnen über Social Entrepreneurs bis zu Impact-Investorinnen -- die Vielfalt der weiblichen Startup-Szene wächst.
Gezielte Förderprogramme
Öffentliche und private Akteure haben erkannt, dass es gezielte Massnahmen braucht, um den Anteil weiblicher Gründungen zu steigern. Die Förderlandschaft für Gründerinnen hat sich deutlich verbessert.
Neue Netzwerke und Communities
Spezifische Netzwerke für Gründerinnen sind entstanden und wachsen schnell. Sie bieten einen geschützten Raum für Austausch, Mentoring und gegenseitige Unterstützung.
Gesellschaftlicher Wandel
Das Bewusstsein für Geschlechtergleichstellung in der Wirtschaft ist gestiegen. Unternehmen, Investoren und Politik erkennen zunehmend, dass Diversität kein "Nice-to-have", sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist.
Netzwerke und Communities für Gründerinnen
Female Founders
Was: Female Founders ist eines der führenden europäischen Netzwerke für Gründerinnen, mit Sitz in Wien.
Angebote:
- Networking-Events und Community
- Der Female Founders Accelerator
- Mentoring-Programme
- Sichtbarkeit durch Events und Medien
Besonderheit: Female Founders hat sich zu einem internationalen Player entwickelt und verbindet österreichische Gründerinnen mit einem europäischen Netzwerk.
SHEconomy
Was: SHEconomy ist eine Plattform und Community, die Frauen in der Wirtschaft sichtbar macht und vernetzt.
Angebote:
- Online-Magazin mit Portraits und Fachartikeln
- Events und Konferenzen
- Netzwerk-Möglichkeiten
WoMentor
Was: WoMentor ist ein Mentoring-Programm, das Frauen in Führungspositionen und Gründerinnen mit erfahrenen Mentorinnen und Mentoren zusammenbringt.
Frau in der Wirtschaft (WKO)
Was: Die Sparte "Frau in der Wirtschaft" der Wirtschaftskammer bietet Unterstützung und Vernetzung für Unternehmerinnen.
Angebote:
- Beratung und Information
- Netzwerk-Events
- Politische Interessenvertretung
- Weiterbildungsangebote
Women in AI Austria
Was: Ein Netzwerk für Frauen, die im Bereich künstliche Intelligenz arbeiten oder gründen wollen.
She Plus
Was: Plattform für weibliches Unternehmertum in Österreich mit Fokus auf Vernetzung und Sichtbarkeit.
Förderprogramme und Unterstützung
aws She Invests
Die Austria Wirtschaftsservice bietet mit She Invests gezielte Unterstützung für Gründerinnen. Das Programm umfasst:
- Finanzielle Förderung
- Coaching und Mentoring
- Netzwerk-Zugang
- Sichtbarkeit
Female Founders Accelerator
Der Accelerator von Female Founders bietet:
- Intensives Coaching über mehrere Monate
- Zugang zu Investoren
- Workshops zu relevanten Gründungsthemen
- Ein starkes Alumnä-Netzwerk
WKO Gründerinnen-Service
Die Wirtschaftskammer bietet spezifische Beratung und Programme für Gründerinnen, darunter:
- Gründerinnen-Beratungstage
- Workshops und Webinare
- Netzwerk-Veranstaltungen
Landes-Förderungen
Einige Bundesländer bieten spezifische Förderungen für Gründerinnen:
- Steiermark: SFG-Programme mit Frauenbonus
- Wien: Spezifische Förderlinien der Wirtschaftsagentur Wien
- Burgenland: Gezielte Unterstützung durch Startup Burgenland
Praktische Tipps für Gründerinnen
1. Suche dir Vorbilder
Identifiziere erfolgreiche Gründerinnen in deiner Branche oder Region. Folge ihnen auf Social Media, besuche ihre Vorträge und traue dich, sie anzusprechen. Die meisten sind offener, als du denkst.
2. Baue dein Netzwerk strategisch auf
Nutze sowohl spezifische Gründerinnen-Netzwerke als auch gemischte Communities. Jedes Netzwerk bietet andere Perspektiven und Möglichkeiten.
3. Lass dich nicht entmutigen
Der Weg als Gründerin ist nicht immer einfach. Es wird Momente geben, in denen du an dir zweifelst oder auf Widerstand triffst. Das gehört dazu -- und es macht dich stärker.
4. Verhandle selbstbewusst
Ob im Pitch vor Investoren, in Gehaltsverhandlungen oder bei Kundengesprächen -- verhandle selbstbewusst und fordere, was dir zusteht. Übung hilft: Trainiere deine Verhandlungsfähigkeiten in Workshops oder mit einer Mentorin.
5. Vereinbarkeit aktiv gestalten
Wenn du Kinder oder andere Care-Verantwortung hast, plane die Vereinbarkeit von Anfang an mit ein. Das kann ein Co-Founder sein, der zeitliche Lücken füllt, flexible Arbeitsmodelle oder die bewusste Nutzung von Kinderbetreuungsangeboten.
6. Nutze Förderungen gezielt
Informiere dich über spezifische Förderungen für Gründerinnen. Diese Programme sind nicht nur finanziell wertvoll, sondern bieten auch Zugang zu Netzwerken und Mentoring.
7. Sei sichtbar
Poste auf LinkedIn, sprich auf Events, schreibe Gastbeiträge. Sichtbarkeit öffnet Türen -- zu Kunden, Investoren und Partnern.
8. Gründe nicht allein
Ein starkes Gründungsteam teilt die Last und bringt verschiedene Perspektiven ein. Suche Co-Founder, die deine Stärken ergänzen.
Was das Ökosystem tun kann
Für Investoren
- Bewusst auf Bias achten und Bewertungsprozesse standardisieren
- Gezielt in weiblich geführte Startups investieren
- Diversität in den eigenen Teams fördern
- Mentoring-Programme für Gründerinnen unterstützen
Für Corporates
- Diversität als Kriterium in Startup-Kooperationen einbeziehen
- Weibliche Role Models fördern und sichtbar machen
- Flexible Arbeitsmodelle anbieten, die Gründungen ermöglichen
Für die Politik
- Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit verbessern (Kinderbetreuung, Elternzeit)
- Gezielte Förderprogramme für Gründerinnen ausbauen
- MINT-Förderung für Mädchen und junge Frauen intensivieren
- Geschlechterdaten im Startup-Bereich systematisch erheben
Für Medien
- Gründerinnen sichtbar machen und als Expertinnen einladen
- Stereotype Darstellungen vermeiden
- Über die wirtschaftliche Bedeutung von Diversität berichten
Für die Community
- Inklusive Events gestalten (Zeiten, Orte, Kinderbetreuung)
- Bewusst Gründerinnen als Speakerinnen einladen
- Mentoring-Angebote schaffen
- Eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung fördern
Erfolgsgeschichten als Inspiration
Die österreichische Startup-Szene hat bereits zahlreiche erfolgreiche Gründerinnen hervorgebracht, die in verschiedenen Branchen neue Masstäbe setzen:
- Im FinTech-Bereich entwickeln Gründerinnen innovative Finanzlösungen
- Im HealthTech arbeiten Frauen an der Zukunft der Medizin und Gesundheitsversorgung
- Im Impact-Bereich treiben Gründerinnen soziale und ökologische Innovation voran
- Im EdTech entstehen neue Lernformate und Bildungslösungen
- Im FoodTech revolutionieren Frauen die Art, wie wir Lebensmittel produzieren und konsumieren
Diese Erfolgsgeschichten zeigen: Das Potenzial ist da -- es braucht nur die richtigen Rahmenbedingungen.
Die Rolle von Startup Burgenland
Startup Burgenland setzt sich aktiv für die Förderung von Gründerinnen ein:
- Individuelle Beratung -- speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Gründerinnen
- Netzwerk-Events -- mit bewusstem Fokus auf Diversität
- Fördermittelberatung -- Unterstützung bei der Suche nach passenden Förderprogrammen
- Community -- ein unterstützendes Umfeld für alle Gründerinnen und Gründer
Fazit
Female Entrepreneurship in Österreich hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht -- aber es gibt noch viel zu tun. Die strukturellen Barrieren sind real, aber sie sind nicht unüberwindbar. Mit den richtigen Netzwerken, gezielter Förderung und einer Kultur, die Diversität wertschätzt, können wir ein Ökosystem schaffen, in dem alle Gründerinnen und Gründer die gleichen Chancen haben.
Wenn du als Frau mit einer Gründungsidee spielst: Trau dich. Die Unterstützungsstrukturen waren noch nie so gut wie heute. Und jede Gründerin, die den Schritt wagt, macht es für die nächste ein Stück leichter.
Über Startup Burgenland
Startup Burgenland ist die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer im Burgenland. Wir unterstützen dich mit Beratung, Vernetzung und Zugang zu Förderprogrammen auf deinem Weg von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen. Egal ob du am Anfang stehst oder bereits gegründet hast -- wir sind für dich da.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Startup-Ökosystem Österreich", in der wir die verschiedenen Aspekte des österreichischen Gründerökosystems beleuchten.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.
Weiterführende Artikel
- Gründer-Netzwerke und Communities in Österreich -- So vernetzt du dich richtig
- Startup-Politik und Rahmenbedingungen in Österreich -- Was du wissen musst
- Startup-Events und Konferenzen in Österreich -- Dein Kalender für die Szene
- Internationalisierung vom Startup-Standort Österreich
- Startup-Hubs und Standorte in Österreich -- Wo sich Gründen besonders lohnt