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Online-Zahlungsmethoden und PSD2 -- Was Onlinehändler wissen müssen

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Online-Zahlungsmethoden und PSD2 -- Was Onlinehändler wissen müssen

Die Wahl der richtigen Zahlungsmethoden ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für deinen Onlineshop. Zu wenige Zahlungsoptionen führen zu Kaufabbrüchen, zu viele erhöhen die Komplexität und die Kosten. Und seit der Payment Services Directive 2 (PSD2) gibt es zusätzliche regulatorische Anforderungen, die du kennen musst.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, welche Zahlungsmethoden für österreichische Onlineshops relevant sind, was die PSD2 für dich bedeutet und wie du Zahlungen rechtssicher abwickelst. Dieser Beitrag ergänzt unsere rechtlichen Grundlagen für E-Commerce und die Preisauszeichnungsregeln.

Die wichtigsten Zahlungsmethoden im österreichischen E-Commerce

1. Kreditkarte (Visa, Mastercard)

Die Kreditkarte ist international die meistgenutzte Online-Zahlungsmethode. In Österreich nutzen ca. 25--30% der Online-Shopper die Kreditkarte.

Vorteile:

  • International einsetzbar
  • Sofortige Zahlungsgarantie
  • Hohe Akzeptanz bei Kunden

Nachteile:

  • Transaktionsgebühren (ca. 1,5--3% des Umsatzes)
  • Chargeback-Risiko (Kunde kann Zahlung bei der Bank zurückfordern)
  • PSD2-Anforderungen (Starke Kundenauthentifizierung)

Kosten: Ca. 1,5--3% pro Transaktion plus ggf. monatliche Grundgebühr

2. Klarna / Kauf auf Rechnung

Der Kauf auf Rechnung ist in Österreich und Deutschland besonders beliebt. Anbieter wie Klarna übernehmen dabei das Zahlungsausfallrisiko.

Vorteile:

  • Sehr hohe Conversion-Rate
  • Kein Risiko für dich (bei Klarna)
  • Beliebt bei österreichischen Kunden

Nachteile:

  • Hohe Gebühren (ca. 3--4% plus Fixbetrag)
  • Klarna behält sich Bonitätsprüfung vor
  • Nicht alle Kunden werden akzeptiert

3. PayPal

PayPal ist einer der bekanntesten Online-Zahlungsdienstleister weltweit und auch in Österreich weit verbreitet.

Vorteile:

  • Hohe Bekanntheit und Vertrauen
  • Käufer- und Verkäufer-Schutz
  • Einfache Integration

Nachteile:

  • Relativ hohe Gebühren (ca. 2,5--3,5% plus Fixbetrag)
  • PayPal kann Gelder einfrieren
  • Abhängigkeit von einem Drittanbieter

4. EPS-Überweisung (Electronic Payment Standard)

EPS ist das österreichische Online-Überweisungssystem. Es wird von den meisten österreichischen Banken unterstützt und ist speziell für den österreichischen Markt relevant.

Vorteile:

  • Sehr hohe Akzeptanz in Österreich
  • Direkte Banküberweisung -- kein Mittelsmann
  • Geringere Gebühren als Kreditkarte
  • Zahlungsgarantie für den Händler

Nachteile:

  • Nur für österreichische Bankkonten
  • Nicht international einsetzbar
  • Erfordert Online-Banking

Kosten: Ca. 0,20--0,30 EUR pro Transaktion

5. Sofortüberweisung (Klarna Sofort)

Ähnlich wie EPS, aber auch in anderen Ländern verfügbar (insbesondere Deutschland).

Vorteile:

  • Direkte Banküberweisung
  • International nutzbar (DACH-Raum)
  • Zahlungsgarantie

Nachteile:

  • Datenschutzbedenken (Zugriff auf Bankdaten)
  • Kunde muss Online-Banking-Zugangsdaten eingeben

6. Apple Pay und Google Pay

Mobile Zahlungsmethoden werden immer beliebter, vor allem bei jüngeren Zielgruppen.

Vorteile:

  • Schneller Checkout (ein Klick/Touch)
  • Hohe Sicherheit (biometrische Authentifizierung)
  • Steigende Nutzerzahlen

Nachteile:

  • Nicht alle Kunden haben Apple/Google Pay eingerichtet
  • Erfordert kompatiblen Zahlungsanbieter

7. Vorkasse / Banküberweisung

Die klassische Banküberweisung -- der Kunde überweist vor der Lieferung.

Vorteile:

  • Keine Transaktionsgebühren
  • Kein Zahlungsausfallrisiko (Ware wird erst nach Zahlungseingang versendet)

Nachteile:

  • Verzögerung (Lieferung erst nach Zahlungseingang)
  • Hohe Abbruchquote
  • Manueller Abgleich nötig

8. Nachnahme

Der Kunde zahlt bei Lieferung. In Österreich wenig verbreitet, aber manche Zielgruppen schätzen es.

Vorteile:

  • Vertrauen bei skeptischen Kunden
  • Keine Vorauszahlung nötig

Nachteile:

  • Hohe Kosten (Nachnahmegebühr der Post/des Paketdienstes)
  • Verweigerungsrisiko
  • Hoher Aufwand

PSD2 -- Was ist das und was bedeutet es für dich?

Was ist PSD2?

Die Payment Services Directive 2 (PSD2) ist eine EU-Richtlinie, die den Zahlungsverkehr in der EU reguliert. In Österreich wurde sie mit dem Zahlungsdienstegesetz 2018 (ZaDiG 2018) umgesetzt.

Die wichtigsten Auswirkungen für Onlinehändler

1. Starke Kundenauthentifizierung (SCA)

Die SCA ist die wichtigste Änderung durch die PSD2. Bei Online-Zahlungen muss der Kunde seine Identität mit mindestens zwei von drei Faktoren bestätigen:

  • Wissen: Etwas, das der Kunde weiss (Passwort, PIN)
  • Besitz: Etwas, das der Kunde hat (Smartphone, Karte)
  • Inhärenz: Etwas, das der Kunde ist (Fingerabdruck, Gesichtserkennung)

Beispiel: Bei einer Kreditkartenzahlung muss der Kunde neben den Kartendaten auch eine Bestätigung über seine Banking-App durchführen (3D Secure 2.0).

2. Ausnahmen von der SCA

Nicht jede Transaktion erfordert eine starke Authentifizierung. Es gibt Ausnahmen:

  • Kleinbetragszahlungen: Transaktionen unter 30 EUR (bis zu einem kumulierten Betrag von 100 EUR oder fünf aufeinanderfolgenden Transaktionen)
  • Vertrauenswürdige Empfänger: Vom Kunden als vertrauenswürdig eingestufte Händler ("Whitelisting")
  • Wiederkehrende Zahlungen: Abonnements mit gleichbleibendem Betrag (nach erstmaliger SCA)
  • Transaktionsrisikoanalyse (TRA): Wenn der Zahlungsdienstleister eine niedrige Betrugsrate nachweisen kann und die Transaktion unter bestimmten Betragsgrenzen liegt
  • B2B-Zahlungen: Zahlungen zwischen Unternehmen (unter bestimmten Voraussetzungen)

3. Auswirkungen auf die Conversion-Rate

Die SCA kann zu einer höheren Abbruchrate im Checkout führen, weil der zusätzliche Authentifizierungsschritt manche Kunden abschreckt. So minimierst du den Effekt:

  • Nutze 3D Secure 2.0: Die neuere Version ist benutzerfreundlicher als 3D Secure 1.0
  • Optimiere den Checkout: Mach den SCA-Schritt so einfach wie möglich
  • Nutze Ausnahmen: Lass deinen Payment Service Provider die SCA-Ausnahmen optimal nutzen
  • Biete alternative Zahlungsmethoden an: EPS oder PayPal haben eigene Authentifizierungsmechanismen

Surcharge-Verbot

Seit der PSD2 ist es verboten, für die Nutzung bestimmter Zahlungsmethoden Aufschläge (Surcharges) zu verlangen. Das gilt für:

  • Kreditkartenzahlungen (Visa, Mastercard)
  • Überweisungen
  • Lastschriften

Du darfst also nicht schreiben "Kreditkartenzahlung: 2% Aufschlag". Die Transaktionskosten musst du in deine Preise einkalkulieren.

Ausnahme: Für Zahlungsmethoden, die nicht unter das Surcharge-Verbot fallen (z.B. Nachnahme), darfst du weiterhin Gebühren verlangen -- diese müssen aber angemessen sein und den tatsächlichen Kosten entsprechen.

Payment Service Provider (PSP) -- die richtige Wahl

Als Onlinehändler arbeitest du in der Regel mit einem Payment Service Provider zusammen, der die technische Abwicklung der Zahlungen übernimmt. Hier die gängigsten Optionen für österreichische Shops:

Stripe

  • Sehr entwicklerfreundlich
  • Unterstützt alle gängigen Zahlungsmethoden
  • Transparente Preisgestaltung (1,5% + 0,25 EUR für EU-Karten)
  • PSD2/SCA-konform

Mollie

  • Einfache Integration
  • Beliebt im DACH-Raum
  • Unterstützt EPS
  • Keine monatlichen Fixkosten

Adyen

  • Für grössere Shops
  • Alle Zahlungsmethoden aus einer Hand
  • Sehr leistungsfähig
  • Höhere Einstiegshürde

Unzer (ehemals Heidelpay)

  • Starke Präsenz im DACH-Raum
  • Unterstützt alle österreich-spezifischen Zahlungsmethoden
  • Persönlicher Ansprechpartner

Shopify Payments

  • Wenn du Shopify nutzt -- die einfachste Lösung
  • Keine zusätzliche Kontöröffnung nötig
  • Limitierte Zahlungsmethoden in Österreich

Empfehlung für Startups

Für die meisten Startups im Burgenland empfehlen wir Stripe oder Mollie als Einstieg:

  • Keine oder geringe Fixkosten
  • Einfache Integration in gängige Shopsysteme
  • Unterstützung für EPS und andere österreich-relevante Zahlungsmethoden
  • Automatische PSD2-Compliance

Rechtliche Pflichten bei der Zahlungsabwicklung

Datenschutz

Bei der Verarbeitung von Zahlungsdaten musst du die DSGVO beachten:

  • Zahlungsdaten sind personenbezogene Daten
  • Du brauchst eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung (Vertragsdurchführung)
  • Die Daten müssen sicher übertragen werden (SSL/TLS)
  • In deiner Datenschutzerklärung musst du die Zahlungsdienstleister ausführen

PCI DSS Compliance

Wenn du Kreditkartendaten verarbeitest, musst du den Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS) einhalten. Die gute Nachricht: Wenn du einen Payment Service Provider nutzt (und die Kreditkartendaten nie selbst speicherst), reicht in der Regel der vereinfachte SAQ A (Self-Assessment Questionnaire).

Rechnungslegung

Für jede Zahlung musst du eine ordnungsgemässe Rechnung ausstellen. Bei Onlineshops geschieht das typischerweise automatisch. Die Rechnung muss enthalten:

  • Fortlaufende Rechnungsnummer
  • Datum
  • Name und Anschrift von Verkäufer und Käufer
  • UID-Nummer (bei B2B und Rechnungen über 400 EUR)
  • Menge und Bezeichnung der Ware
  • Nettobetrag, Steuersatz und Steuerbetrag
  • Bruttobetrag

Mehr zu steuerlichen Fragen findest du in unserem Beitrag zur Umsatzsteuer im E-Commerce.

Betrugsschutz und Risikomanagement

Häufige Betrugsarten

  • Kartenbetrug: Verwendung gestohlener Kreditkartendaten
  • Identitätsbetrug: Bestellung unter falschem Namen
  • Friendly Fraud: Kunde behauptet, Ware nicht erhalten zu haben
  • Chargeback-Betrug: Kunde fordert Zahlung zurück, obwohl Ware geliefert wurde

Schutzmassnahmen

  • 3D Secure 2.0: Reduziert Kartenbetrug erheblich
  • Adressverifizierung: Abgleich der Rechnungs- und Lieferadresse
  • Bonitätsprüfung: Bei Kauf auf Rechnung
  • Bestellhistorie: Auffällige Bestellmuster erkennen
  • Device Fingerprinting: Erkennung verdächtiger Geräte
  • Velocity Checks: Zu viele Bestellungen in kurzer Zeit erkennen

Chargeback-Management

Ein Chargeback (Rückbuchung) kann teuer werden -- nicht nur verlierst du den Umsatz, sondern zahlst auch eine Chargeback-Gebühr (ca. 20--50 EUR). So minimierst du Chargebacks:

  • Klare Produktbeschreibungen und Fotos
  • Sendungsverfolgung für alle Lieferungen
  • Schnelle Reaktion auf Reklamationen
  • Klare und zügige Widerrufsabwicklung -- siehe Beitrag zum Widerrufsrecht
  • Erkennbarer Verwendungszweck auf dem Kontoauszug

Zahlungsmethoden im internationalen Handel

Wenn du nicht nur in Österreich, sondern auch international verkaufst, solltest du länderspezifische Zahlungsmethoden anbieten:

LandBeliebte Zahlungsmethode
ÖsterreichEPS, Kreditkarte, Klarna
DeutschlandPayPal, Kauf auf Rechnung, Lastschrift
SchweizPostFinance, TWINT
NiederlandeiDEAL
BelgienBancontact
PolenBLIK, Przelewy24

Checkliste: Zahlungen im Onlineshop

  • Mindestens 3--4 Zahlungsmethoden angeboten
  • EPS für österreichische Kunden eingerichtet
  • PSD2/SCA-Compliance sichergestellt
  • 3D Secure 2.0 aktiviert
  • Kein Surcharge für Kreditkarten/Überweisungen
  • Zahlungsdienstleister in Datenschutzerklärung aufgeführt
  • PCI DSS Compliance (bei Kreditkartenzahlung)
  • Automatische Rechnungserstellung eingerichtet
  • Betrugsschutz-Massnahmen implementiert
  • Chargeback-Management eingerichtet
  • SSL/TLS-Verschlüsselung im gesamten Shop

Fazit

Die richtige Zahlungsinfrastruktur ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für deinen Onlineshop. Biete die Zahlungsmethoden an, die deine Zielgruppe erwartet -- für österreichische Kunden sind das insbesondere EPS, Kreditkarte und Kauf auf Rechnung. Achte auf PSD2-Compliance und einen sicheren Checkout-Prozess. Die Investition in einen guten Payment Service Provider zahlt sich durch höhere Conversion-Raten und weniger Betrug schnell aus.

Im nächsten Beitrag geht es um ein Thema, das viele Onlinehändler beschäftigt: Umsatzsteuer im E-Commerce -- OSS und IOSS.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "E-Commerce und Online-Recht" auf dem Startup Burgenland Blog. Alle Beiträge der Serie findest du in unserer Kategorie Gründung und Recht.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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