Podcast-Interviews als PR-Strategie -- So wirst du zum gefragten Gast
Podcasts haben in Österreich in den letzten Jahren einen enormen Boom erlebt. Und für Startups sind sie ein PR-Kanal, der oft übersehen wird -- zu Unrecht. Ein gutes Podcast-Interview gibt dir 30 bis 60 Minuten, um deine Geschichte zu erzählen, deine Expertise zu zeigen und eine tiefe Verbindung zu einer relevanten Zielgruppe aufzubauen. Kein Artikel, kein Social-Media-Post kann das in dieser Form leisten.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du Podcast-Interviews als strategisches PR-Werkzeug einsetzt -- von der Recherche über den Pitch bis zum perfekten Auftritt.
Warum Podcasts für Startup-PR so wertvoll sind
Bevor wir ins Praktische einsteigen, hier die Gründe, warum Podcasts ein Pflichtkanal für deine PR-Strategie sein sollten:
1. Tiefgang statt Soundbites
In einem Podcast hast du Zeit. Anders als bei einem 300-Wörter-Artikel oder einem 30-Sekunden-Radiobeitrag kannst du deine Geschichte ausführlich erzählen, Hintergründe erläutern und Fragen beantworten. Das schafft echtes Verständnis bei den Zuhörern.
2. Vertrauen durch Stimme
Wenn jemand 30 Minuten lang deine Stimme hört, entsteht eine persönliche Verbindung. Studien zeigen, dass Audio-Inhalte eine besonders starke emotionale Wirkung haben. Die Zuhörer fühlen sich, als würden sie ein persönliches Gespräch mitlesen -- das schafft Vertrauen auf einem Level, das Text nicht erreicht.
3. Evergreen-Content
Ein Podcast-Interview bleibt verfügbar -- Monate und Jahre nach der Veröffentlichung. Während ein Artikel in der Tageszeitung nach 24 Stunden vergessen ist, wird dein Podcast-Interview weiter gehört, geteilt und entdeckt.
4. Gezielte Zielgruppenansprache
Podcasts haben oft sehr spezifische Zielgruppen. Ein Agritech-Podcast erreicht genau die Menschen, die sich für Agrartech interessieren. Das bedeutet weniger Streuverlust als bei Massenmedien.
5. Kostenlos und zeiteffizient
Ein Podcast-Interview kostet dich nichts ausser deiner Zeit. Du brauchst kein Budget, kein Team, keine aufwendige Vorbereitung. Nur ein Mikrofon (oder gute Kopfhörer mit Mikro) und eine ruhige Umgebung.
Die österreichische Podcast-Landschaft
In Österreich gibt es mittlerweile hunderte Podcasts -- und die Szene wächst weiter. Für Startups besonders relevant:
Startup- und Business-Podcasts
- Brutkasten Podcast: Österreichs grösstes Startup-Medienhaus hat einen eigenen Podcast
- Trending Topics Podcast: Regelmässige Interviews mit Gründern
- No Limits Podcast: Fokus auf Unternehmertum und Innovation
- Female Founders Podcast: Für Gründerinnen und deren Geschichten
- Smart Casual: Business-Talks mit österreichischen Unternehmern
Branchenspezifische Podcasts
Je nach deiner Branche gibt es spezialisierte Podcasts:
- Technologie und IT
- Nachhaltigkeit und Green Economy
- Finanzen und Investment
- Gesundheit und Medizin
- Landwirtschaft und Lebensmittel
Regionale Podcasts
Auch regional gibt es Podcast-Angebote, die für burgenländische Startups interessant sein können. Regionale Podcasts haben oft eine kleinere, aber sehr loyale Hörerschaft -- perfekt für lokale Sichtbarkeit.
Deutschsprachige Podcasts aus Deutschland und der Schweiz
Beschränke dich nicht auf Österreich. Grosse deutschsprachige Podcasts bieten eine viel grössere Reichweite:
- OMR Podcast (Hamburg)
- Startupdetector Podcast
- Gründerszene Podcast
- t3n Podcast
Schritt 1: Die richtigen Podcasts finden
Nicht jeder Podcast passt zu dir. So findest du die richtigen:
Recherche-Methoden
Apple Podcasts und Spotify durchsuchen: Such nach Keywords deiner Branche, nach "Startup", "Gründen" oder nach spezifischen Themen. Höre in mehrere Episoden rein.
Podcast-Verzeichnisse nutzen: Plattformen wie Listen Notes oder Podchaser bieten Suchfunktionen nach Thema, Region und Reichweite.
Konkurrenz beobachten: In welchen Podcasts waren Gründer ähnlicher Startups zu Gast? Diese Podcasts sind auch für dich relevant.
LinkedIn durchsuchen: Viele Podcast-Hosts promoten ihre Episoden auf LinkedIn. Such nach relevanten Keywords und finde Podcasts, die du sonst nicht entdeckt hättest.
Bewertungskriterien
Bevor du einen Podcast kontaktierst, prüfe:
| Kriterium | Frage |
|---|---|
| Zielgruppe | Passt die Hörerschaft zu meiner Zielgruppe? |
| Reichweite | Wie viele Downloads/Hörer hat der Podcast? |
| Qualität | Ist die Produktion professionell? |
| Frequenz | Wie oft erscheinen neue Episoden? |
| Gäste | Welche Gäste waren bisher da? |
| Format | Passt das Format (Interview, Panel, Solo)? |
| Host | Ist der Host kompetent und angenehm? |
Deine Podcast-Wunschliste
Erstelle eine Liste von 20-30 Podcasts in drei Kategorien:
A-Liste (5-10): Deine absoluten Wunsch-Podcasts mit grosser Reichweite B-Liste (10-15): Solide Podcasts in deiner Nische C-Liste (5-10): Kleinere Podcasts für den Einstieg
Beginne mit der C-Liste. Dort bekommst du am einfachsten einen Slot und kannst üben, bevor du die grossen Podcasts angehst.
Schritt 2: Den perfekten Pitch schreiben
Die meisten Podcast-Hosts bekommen regelmässig Anfragen von potenziellen Gästen. Dein Pitch muss herausstechen.
Die E-Mail-Struktur
Betreff: Gast-Vorschlag: [Dein Name] -- [Dein Thema in 5 Worten]
Hallo [Name des Hosts],
ich hoere [Podcast-Name] seit [Zeitraum] und
fand besonders die Episode mit [Gast] zu
[Thema] grossartig. [Konkreter Bezug auf
einen Punkt aus der Episode.]
Ich bin [Name], Gruender/in von [Startup] --
wir [kurze Beschreibung in einem Satz].
Ich koennte mir gut vorstellen, bei euch ueber
[konkretes Thema] zu sprechen. Das passt gut
zu euren Zuhoerern, weil [Begruendung].
Drei moegliche Angles:
1. [Konkretes Thema/Geschichte]
2. [Konkretes Thema/Geschichte]
3. [Konkretes Thema/Geschichte]
Ein bisschen Kontext zu mir:
- [Relevanter Fakt oder Erfahrung]
- [Relevanter Fakt oder Erfahrung]
- [Link zu einem frueheren Podcast-Auftritt
oder Vortrag, falls vorhanden]
Ich freue mich auf eine Rueckmeldung!
Herzliche Gruesse,
[Name]
Tipps für den Pitch
- Höre vorher mindestens 3 Episoden -- und erwähne das im Pitch
- Biete konkrete Themen an -- nicht nur "ich könnte über mein Startup reden"
- Mach es dem Host einfach -- liefere alles, was er braucht
- Sei nicht zu verkäuflich -- es geht um Wissen und Geschichten, nicht um Werbung
- Kurz halten -- maximal 200 Wörter
Was du mitliefern solltest
- Kurze Bio (3-4 Sätze)
- Professionelles Porträtfoto
- 3-5 mögliche Gesprächsthemen mit kurzer Beschreibung
- Links zu früheren Auftritten oder relevanten Artikeln
- Deine Kontaktdaten und Verfügbarkeit
Schritt 3: Das Interview vorbereiten
Du hast eine Zusage -- jetzt wird vorbereitet.
Inhaltliche Vorbereitung
Kernbotschaften definieren: Was sind die 3-5 Hauptpunkte, die du rüberbrinn willst? Schreib sie auf eine Karteikarte und lege sie während des Interviews vor dich hin.
Geschichten vorbereiten: Podcasts leben von Geschichten, nicht von Fakten. Bereite 5-8 kurze Geschichten vor:
- Die Gründungsgeschichte
- Ein konkretes Kundenerlebnis
- Ein Moment des Scheiterns und Lernens
- Eine überraschende Erkenntnis aus deiner Branche
- Ein Blick hinter die Kulissen
Mehr zum Thema Storytelling findest du in unserem Beitrag zu Storytelling für Medien.
Häufige Fragen durchspielen:
- Wie bist du auf die Idee gekommen?
- Was unterscheidet euch von der Konkurrenz?
- Was war euer grösster Fehler?
- Wo seht ihr euch in fünf Jahren?
- Welchen Rat hast du für andere Gründer?
Technische Vorbereitung
Audio-Qualität ist entscheidend. Nichts ist schlimmer als ein Podcast-Interview mit schlechtem Sound.
- Kopfhörer mit Mikrofon: Mindestens AirPods oder ähnlich. Besser: Ein USB-Mikrofon (ab ca. 50 EUR)
- Ruhiger Raum: Keine Hintergrundgeräusche, kein Echo. Teppich und Vorhänge helfen.
- Stabile Internetverbindung: Bei Remote-Interviews über Zoom oder Riverside
- Backup: Handy als Hotspot bereithalten, falls das WLAN ausfällt
- Wasser bereitstellen: Dein Mund wird trocken werden
Test machen: Nimm dich selbst auf und höre es dir an. Klingt es gut? Passe die Umgebung an.
Schritt 4: Das Interview meistern
Jetzt wird es ernst. Hier sind die Dos and Don'ts für ein grossartiges Podcast-Interview:
Do's
- Sei natürlich und gesprächig: Ein Podcast ist ein Gespräch, kein Vortrag
- Erzähle Geschichten: Konkreten Beispiele statt abstrakter Theorien
- Sei ehrlich und verletzlich: Über Fehler und Herausforderungen zu sprechen macht dich menschlich
- Höre zu: Reagiere auf das, was der Host sagt, statt deine vorbereiteten Punkte abzuarbeiten
- Nimm dir Pausen: Es ist okay, kurz nachzudenken, bevor du antwortest
- Nenne Namen und Orte: "In unserem Büro in Eisenstadt" ist besser als "bei uns im Büro"
- Call-to-Action am Ende: Wenn der Host fragt "Wo findet man euch?" -- hab eine klare Antwort
Don'ts
- Nicht zu viel verkaufen: Zuhörer merken sofort, wenn jemand nur sein Produkt pushen will
- Kein Fachjargon: Erkläre alles so, dass ein branchenfremder Zuhörer es versteht
- Nicht unterbrechen: Lass den Host ausreden
- Keine Ein-Wort-Antworten: Podcasts brauchen ausführliche Antworten
- Nicht ablesen: Man hört es sofort, wenn jemand einen Text vorliest
- Nicht hetzen: Nimm dir Zeit für jede Antwort
Körpersprache (auch bei Audio!)
Auch wenn dich niemand sieht: Deine Körpersprache beeinflusst deine Stimme.
- Stehe oder sitze aufrecht: Das verbessert deine Stimme
- Lächle: Man hört ein Lächeln
- Gestikuliere ruhig: Das macht deine Sprache lebendiger
- Halte Blickkontakt mit dem Host (bei Video-Calls) oder schau geradeaus (bei Solo)
Schritt 5: Nach dem Interview
Das Interview ist aufgenommen -- aber deine Arbeit ist noch nicht vorbei.
Sofort nach dem Interview
- Bedanke dich: Eine kurze Dankes-E-Mail an den Host
- Liefere Material nach: Falls der Host etwas braucht (Bilder, Links, Korrekturen)
- Frag nach dem Veröffentlichungstermin: Damit du deine Promotion planen kannst
Bei Veröffentlichung
- Teile die Episode auf allen deinen Kanälen: LinkedIn, Twitter, Newsletter, Website
- Tagge den Host und den Podcast: Das verstärkt die Reichweite
- Schreibe einen eigenen Kommentar dazu: Nicht nur den Link posten, sondern einen eigenen Gedanken teilen
- Bitte dein Team und Netzwerk, die Episode zu teilen
Langfristig
- Bleibe mit dem Host in Kontakt: Gelegentlich einen relevanten Artikel oder eine Idee teilen
- Biete dich für Folgeepisoden an: Wenn ein halbes Jahr später ein passendes Thema aufkommt
- Nutze das Interview als Referenz: In künftigen Pitches an andere Podcasts
- Verwerte den Content: Zitate und Ausschnitte für Social Media, Blog, Newsletter
Einen eigenen Podcast starten?
Eine Alternative oder Ergänzung zu Gast-Auftritten: Dein eigener Podcast. Für Startups kann das sinnvoll sein, wenn:
- Du dich als Thought Leader positionieren willst
- Du regelmässig Content produzieren kannst (mindestens 2 Episoden pro Monat)
- Du Zugang zu interessanten Gesprächspartnern hast
- Du die Kapazität für Produktion und Promotion hast
Kosten für einen eigenen Podcast
| Posten | Einmalig | Monatlich |
|---|---|---|
| USB-Mikrofon (z.B. Rode PodMic) | 100-200 EUR | -- |
| Audio-Interface | 100-300 EUR | -- |
| Aufnahme-Software (z.B. Audacity) | kostenlos | -- |
| Hosting (z.B. Anchor, Podbean) | -- | 0-20 EUR |
| Intro/Outro Musik | 30-100 EUR | -- |
| Cover-Design | 50-200 EUR | -- |
| Gesamt | 280-800 EUR | 0-20 EUR |
Bevor du startest, überleg dir ehrlich, ob du die Ressourcen hast, um mindestens 20 Episoden zu produzieren. Ein Podcast, der nach 5 Folgen eingestellt wird, schadet deiner Reputation mehr, als gar keinen zu haben.
Podcast-PR messen
Wie misst du den Erfolg deiner Podcast-Strategie?
Direkte Metriken
- Downloads/Plays der Episode: Frag den Host nach den Zahlen
- Website-Traffic: Spike am Tag der Veröffentlichung
- Social-Media-Engagement: Likes, Shares, Kommentare zu deinen Posts
- Direkte Anfragen: Kunden oder Partner, die explizit den Podcast erwähnen
Indirekte Metriken
- Suchmaschinen-Sichtbarkeit: Podcast-Episoden ranken oft gut bei Google
- Backlinks: Shownotes verlinken auf deine Website
- Brand Awareness: Schwer zu messen, aber real
- Weitere Podcast-Einladungen: Der beste Indikator für Erfolg
Fazit: Podcasts sind ein unterschätzter PR-Kanal
Für Startups im Burgenland und ganz Österreich sind Podcast-Interviews eine der effektivsten und kostengünstigsten PR-Strategien. Du erreichst eine engagierte Zielgruppe, baust Vertrauen auf und positionierst dich als Experte in deinem Feld.
Fang klein an: Identifiziere fünf Podcasts, die zu dir passen, höre rein und pitche dich als Gast. Die Investition -- ein paar Stunden Zeit -- kann sich hundertfach auszahlen.
Im nächsten Beitrag zeigen wir dir, wie du Awards und Auszeichnungen strategisch für deine PR nutzt -- ein weiterer unterschätzter PR-Hebel für Startups.
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Dieser Beitrag ist Teil der Serie PR und Öffentlichkeitsarbeit im Startup Burgenland Blog. Die Serie bietet dir praxisnahe Tipps und Strategien, um dein Startup in den Medien sichtbar zu machen.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.