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Home-Office-Regelung in Österreich -- Was Startups beachten müssen

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Home-Office-Regelung in Österreich -- Was Startups beachten müssen

Home-Office ist für Startups längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein zentrales Werkzeug im War for Talent. Aber seit dem Home-Office-Maßnahmenpaket hat Österreich klare gesetzliche Regeln geschaffen. Und die musst du kennen.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du Home-Office in deinem Startup rechtssicher und steueroptimiert umsetzt.

Die gesetzliche Grundlage

Das Home-Office-Maßnahmenpaket trat 2021 in Kraft und wurde seitdem weiterentwickelt. Es umfasst Änderungen im:

  • AVRAG (Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz)
  • ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG)
  • ASVG (Sozialversicherungsrecht)
  • Einkommensteuergesetz (EStG)
  • Dienstnehmerhaftpflichtgesetz

Was ist Home-Office im gesetzlichen Sinn?

Home-Office liegt vor, wenn Arbeit regelmäßig in der Wohnung des Arbeitnehmers (oder einer vergleichbaren Wohnstätte wie der Wohnung eines nahen Angehörigen) unter Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie erbracht wird.

Was NICHT als Home-Office gilt

SituationGilt als Home-Office?
Arbeit in der eigenen WohnungJa
Arbeit in der Wohnung des PartnersJa
Arbeit im Coworking SpaceNein
Arbeit im KaffeehausNein
Arbeit im ZugNein
Arbeit beim KundenNein
Workation am StrandNein

Wichtig: Für Arbeit außerhalb der Wohnung (Remote Work, Workation) gelten andere Regeln. Das Home-Office-Gesetz ist spezifisch auf die Arbeit in der Wohnung ausgerichtet.

Die Home-Office-Vereinbarung

Pflicht zur schriftlichen Vereinbarung

Home-Office kann in Österreich nicht einseitig angeordnet werden -- weder vom Arbeitgeber noch vom Arbeitnehmer. Es braucht eine schriftliche Vereinbarung zwischen beiden Seiten.

Inhalt der Vereinbarung

Deine Home-Office-Vereinbarung sollte folgende Punkte regeln:

  1. Beginn und Dauer: Ab wann gilt Home-Office? Befristet oder unbefristet?
  2. Ausmaß: Wie viele Tage pro Woche? Feste Tage oder flexibel?
  3. Erreichbarkeit: Kernzeiten, in denen der Mitarbeiter erreichbar sein muss
  4. Arbeitsmittel: Wer stellt Laptop, Monitor, Headset etc.?
  5. Kostenersatz: Pauschale oder tatsächliche Kosten?
  6. Datenschutz: Wie werden Unternehmensdaten geschützt?
  7. Beendigung: Wie kann die Home-Office-Vereinbarung beendet werden?

Widerruf

Die Home-Office-Vereinbarung kann von beiden Seiten unter Einhaltung einer Frist von einem Monat zum Monatsletzten widerrufen werden. Eine kürzere oder längere Frist kann vereinbart werden.

Tipp: Vereinbare ein Widerrufsrecht mit mindestens einem Monat Frist. Das gibt dir Flexibilität, falls sich die Umstände ändern.

Arbeitsmittel und Kostenersatz

Bereitstellung der Arbeitsmittel

Der Arbeitgeber muss die erforderlichen digitalen Arbeitsmittel bereitstellen. Das umfasst typischerweise:

ArbeitsmittelPflicht des AG?Praxisempfehlung
Laptop / PCJaFirmenlaptop bereitstellen
BildschirmJa (wenn regelmäßig HO)27-Zoll-Monitor
Tastatur & MausJaErgonomisch
HeadsetJa (wenn Calls üblich)Noise-Cancelling
InternetanschlussNein (gehört zur Wohnung)Zuschuss möglich
SchreibtischNeinZuschuss möglich
BürostuhlNeinZuschuss empfohlen

Kostenersatz

Wenn der Mitarbeiter eigene Arbeitsmittel nutzt, steht ihm ein angemessener Kostenersatz zu. In der Praxis gibt es zwei Modelle:

Modell 1: Home-Office-Pauschale

Das Einkommensteuergesetz sieht eine steuerfreie Home-Office-Pauschale von bis zu 3 EUR pro Home-Office-Tag vor, maximal 300 EUR pro Jahr (= 100 Tage).

Tage Home-Office / WocheJährliche Pauschale (max.)
1 Tagca. 150 EUR
2 Tageca. 300 EUR
3+ Tage300 EUR (Deckel)

Modell 2: Tatsächliche Kosten

Du kannst auch die tatsächlichen Kosten ersetzen -- das ist aufwändiger, aber bei hohen Kosten (z.B. neuer Schreibtisch) sinnvoller.

Steuerliche Behandlung

PositionSteuerfrei?
Home-Office-Pauschale (bis 3 EUR/Tag)Ja (bis 300 EUR/Jahr)
Ergonomische Möbel (Schreibtisch, Stuhl)Als Werbungskosten absetzbar (bis 300 EUR/Jahr)
Digitale Arbeitsmittel (vom AG gestellt)Kein Sachbezug
Internet-ZuschussGrundsätzlich steuerpflichtig

Arbeitszeitregelung im Home-Office

Gleitzeitvereinbarung

Home-Office funktioniert am besten mit einer Gleitzeitvereinbarung. Diese ermöglicht flexible Arbeitszeiten innerhalb eines Rahmens.

Typische Regelung für Startups:

ParameterWert
Gleitzeitrahmen06:00-22:00 Uhr
Kernzeit09:00-15:00 Uhr (oder flexibel)
Normalarbeitszeit38,5 Stunden/Woche
Maximale Tagesarbeitszeit10 Stunden (bei Gleitzeit: 12 Stunden)
Durchrechnungszeitraum1 Monat oder 1 Quartal

Mehr zu flexiblen Arbeitszeitmodellen findest du in einem eigenen Beitrag.

Arbeitszeitaufzeichnung

Auch im Home-Office muss die Arbeitszeit aufgezeichnet werden. Das ist Pflicht nach dem Arbeitszeitgesetz. Nutze dafür ein digitales Tool -- Excel reicht theoretisch, aber ein HR-Tool ist professioneller.

Recht auf Nichterreichbarkeit

Während der Ruhezeiten (mindestens 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen) hat der Mitarbeiter das Recht, nicht erreichbar zu sein. Das gilt auch für Slack-Nachrichten und E-Mails.

Mein Tipp: Vereinbare klare "Kernzeiten" und "stille Zeiten". Das fördert die Produktivität und schützt vor Burnout.

Unfallversicherung im Home-Office

Gesetzliche Regelung

Seit dem Home-Office-Gesetz sind Arbeitsunfälle im Home-Office gleichgestellt mit Arbeitsunfällen im Büro. Der Versicherungsschutz umfasst:

  • Arbeit am Schreibtisch in der Wohnung
  • Wegunfälle -- z.B. der Weg zur Kinderbetreuung und zurück während der Home-Office-Arbeitszeit
  • Betriebliche Wege -- z.B. zum Drucker im Nachbarzimmer

Was NICHT versichert ist

  • Der Weg zur Küche, um sich einen Kaffee zu machen (privater Weg)
  • Unfälle während der Mittagspause im Garten
  • Unfälle durch private Tätigkeiten während der Arbeitszeit

Datenschutz und IT-Sicherheit

Pflichten des Arbeitgebers

Du musst sicherstellen, dass Unternehmensdaten auch im Home-Office geschützt sind. Dazu gehören:

  1. VPN-Verbindung: Verschlüsselte Verbindung zum Firmennetzwerk
  2. Endpoint Security: Antivirus, Firewall auf dem Firmenlaptop
  3. Passwortrichtlinien: Starke Passwörter, 2-Faktor-Authentifizierung
  4. Verschlüsselung: Festplattenverschlüsselung auf allen Geräten
  5. Screen-Lock: Automatische Bildschirmsperre
  6. Clean Desk: Keine vertraulichen Unterlagen offen liegen lassen

Pflichten des Arbeitnehmers

Der Mitarbeiter muss:

  • Den Arbeitsplatz vor unbefugtem Zugriff schützen
  • Keine Firmendaten auf private Geräte kopieren
  • Vertrauliche Telefonate nicht in der Öffentlichkeit führen
  • Bildschirmsperre bei Verlassen des Arbeitsplatzes aktivieren

Datenschutzvereinbarung

Ergänze deine Home-Office-Vereinbarung um eine Datenschutzklausel oder erstelle eine separate IT-Sicherheitsrichtlinie.

ArbeitnehmerInnenschutz im Home-Office

Evaluierung

Auch im Home-Office gilt das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz. Der Arbeitgeber muss die Arbeitsbedingungen evaluieren und für einen sicheren Arbeitsplatz sorgen.

Praktisch bedeutet das

  • Ergonomische Hinweise: Informiere deine Mitarbeiter über ergonomisches Arbeiten
  • Arbeitsplatzevaluierung: Grundsätzlich auch im Home-Office notwendig, aber in der Praxis mit Augenmaß
  • Pausen einhalten: Bildschirmarbeit erfordert regelmäßige Pausen
  • Psychische Belastung: Home-Office kann zu Isolation führen -- achte darauf

Home-Office-Modelle für Startups

Modell 1: Hybrid (2-3 Tage Büro, 2-3 Tage Home-Office)

VorteilNachteil
Beste BalanceBürokosten bleiben
Team-ZusammenhaltKoordinationsaufwand
FlexibilitätNicht für alle Rollen geeignet

Empfohlen für: Startups mit 5-20 Mitarbeitern, die Team-Kultur aufbauen wollen.

Modell 2: Remote-First (hauptsächlich Home-Office, gelegentliche Team-Tage)

VorteilNachteil
Geringe BürokostenWeniger spontaner Austausch
Talente überall rekrutierenOnboarding schwieriger
Hohe FlexibilitätKulturaufbau herausfordernd

Empfohlen für: Startups in der Frühphase, die Kosten sparen wollen und Talente im ganzen DACH-Raum suchen.

Modell 3: Office-First (hauptsächlich Büro, Home-Office nach Absprache)

VorteilNachteil
Starke Team-KulturWeniger attraktiv für manche Bewerber
Einfache KommunikationHöhere Bürokosten
Spontane ZusammenarbeitWeniger Flexibilität

Empfohlen für: Startups mit starkem Bedarf an physischer Zusammenarbeit (Hardware, Lab).

Modell 4: Flex-Office (kein fester Arbeitsplatz, Desk Sharing)

Wenn du Hybrid arbeitest, brauchst du nicht für jeden Mitarbeiter einen festen Platz. Mit Desk Sharing sparst du Bürofläche und Kosten.

Faustregel: Bei 2 Tagen Home-Office pro Woche brauchst du Arbeitsplätze für ca. 60-70% deiner Belegschaft.

Grenzüberschreitendes Home-Office

Mitarbeiter im Ausland

Wenn ein Mitarbeiter aus dem Ausland (z.B. Ungarn, Slowakei) im Home-Office arbeitet, wird es steuerlich und sozialversicherungsrechtlich komplex:

  • Sozialversicherung: Bei mehr als 25% der Arbeitszeit im Wohnstaat gilt das dortige SV-Recht
  • Steuern: Es können Betriebsstättenfragen entstehen
  • Arbeitsrecht: Grundsätzlich gilt das Recht des gewöhnlichen Arbeitsortes

Im Burgenland besonders relevant: Viele Mitarbeiter pendeln aus Ungarn oder der Slowakei. Wenn sie teilweise von zu Hause arbeiten, braucht es eine saubere Regelung.

Mein Tipp: Lass dich bei grenzüberschreitendem Home-Office immer steuerlich und sozialversicherungsrechtlich beraten. Die Fehler sind teuer.

Home-Office und Arbeitsvertrag

Integriere die Home-Office-Regelung in deinen Arbeitsvertrag oder als Zusatzvereinbarung. Hier eine Muster-Klausel:

"Der Arbeitnehmer ist berechtigt, seine Arbeitsleistung an [X] Tagen pro Woche in seiner Wohnung zu erbringen (Home-Office). Die Einzelheiten regelt die Home-Office-Vereinbarung vom [Datum]. Der Arbeitgeber stellt die erforderlichen digitalen Arbeitsmittel zur Verfügung. Der Arbeitnehmer erhält eine Home-Office-Pauschale von 3 EUR pro Home-Office-Tag."

Checkliste: Home-Office im Startup einführen

  • Home-Office-Policy definieren (Hybrid, Remote-First, etc.)
  • Schriftliche Home-Office-Vereinbarung erstellen
  • Arbeitsmittel beschaffen und bereitstellen
  • Kostenersatz festlegen (Pauschale oder tatsächliche Kosten)
  • IT-Sicherheitsrichtlinie erstellen
  • VPN und Endpoint Security einrichten
  • Gleitzeitvereinbarung abschließen
  • Arbeitszeiterfassung implementieren
  • Datenschutzvereinbarung ergänzen
  • Versicherungsschutz prüfen
  • Team-Kommunikationsregeln festlegen
  • Regelmäßige Team-Tage planen
  • Arbeitsvertrag / Dienstzettel anpassen

Fazit

Home-Office ist für Startups ein echter Wettbewerbsvorteil -- wenn du es richtig machst. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich sind klar und fair. Investiere die Zeit in eine saubere Vereinbarung und klare Spielregeln.

Und vergiss nicht: Home-Office ist mehr als ein rechtliches Thema. Es ist ein Kulturfrage. Wie du Vertrauen aufbaust, Kommunikation organisierst und Teamgefühl trotz Distanz schaffst, entscheidet über den Erfolg deines Home-Office-Modells.

Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Arbeitsrecht und HR in Österreich" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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