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Praktikanten und Werkstudenten -- kostengünstige Verstärkung für dein Startup

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Praktikanten und Werkstudenten -- kostengünstige Verstärkung für dein Startup

Dein Startup wächst, aber für eine Vollzeit-Einstellung reicht das Budget noch nicht? Oder du brauchst Unterstützung für ein begrenztes Projekt? Dann sind Praktikanten und Werkstudenten eine hervorragende Option.

In Österreich gibt es einige Besonderheiten, die du kennen solltest -- von der rechtlichen Einordnung über die Bezahlung bis hin zur Betreuung. Dieser Beitrag gibt dir alles an die Hand, was du brauchst.

Praktikant ist nicht gleich Praktikant

In Österreich unterscheidet man verschiedene Arten von Praktika -- und die Unterschiede sind rechtlich und finanziell relevant:

Pflichtpraktikum

  • Definition: Ein Praktikum, das im Lehrplan einer Ausbildung (FH, Uni, BHS) vorgeschrieben ist
  • Dauer: Meist 1 bis 6 Monate, je nach Studienordnung
  • Bezahlung: Keine gesetzliche Pflicht (aber empfohlen!)
  • Sozialversicherung: Nur Unfallversicherung, wenn unbezahlt; volle SV bei Entgelt
  • Arbeitsrecht: Kein Arbeitsverhältnis im klassischen Sinn (Ausbildungsverhältnis)

Freiwilliges Praktikum (Volontariat)

  • Definition: Ein Praktikum ohne Verbindung zu einer Ausbildung
  • Dauer: Flexibel vereinbar
  • Bezahlung: Wenn echte Arbeitsleistung erbracht wird, gelten KV-Mindestgehälter
  • Sozialversicherung: Volle SV-Pflicht bei Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze
  • Arbeitsrecht: Wird oft als echtes Arbeitsverhältnis gewertet -- Vorsicht!

Ferialarbeit (Ferialjob)

  • Definition: Arbeit während der Ferien, kein Ausbildungszweck
  • Dauer: Typischerweise 1 bis 2 Monate im Sommer
  • Bezahlung: Voller KV-Lohn
  • Sozialversicherung: Volle SV-Pflicht
  • Arbeitsrecht: Normales Arbeitsverhältnis

Übersicht

ArtBezahlungSV-PflichtArbeitsrechtAusbildungszweck
PflichtpraktikumFreiwilligTeilweiseEingeschränktJa
VolontariatKV-LohnJa (bei Entgelt)JaNein
FerialarbeitKV-LohnJaJaNein
Geringfügig beschäftigtBis EUR 518,44/MonatNur UVJaNein

Hinweis: Geringfügigkeitsgrenze kann sich jährlich ändern. Aktuellen Wert prüfen.

Was du Praktikanten zahlen solltest

Auch wenn du bei Pflichtpraktika nicht zahlen musst -- du solltest es tun. Hier ist warum:

  1. Motivation: Bezahlte Praktikanten sind motivierter und leisten mehr
  2. Talentgewinnung: Die besten Studenten gehen zu den Unternehmen, die fair bezahlen
  3. Employer Branding: Unbezahlte Praktika haben einen schlechten Ruf -- zu Recht
  4. Rechtssicherheit: Bei Bezahlung sind die Verhältnisse klarer

Empfohlene Vergütung

ArtEmpfehlung pro Monat (Vollzeit)
Pflichtpraktikum (FH/Uni)EUR 1.000 bis 1.500
Freiwilliges PraktikumEUR 1.500 bis 2.000 (KV beachten!)
FerialarbeitKV-Mindestgehalt (oft EUR 1.800+)
Werkstudent (20h/Woche)EUR 800 bis 1.200

Geringfügige Beschäftigung als Alternative

Für Werkstudenten bietet sich oft eine geringfügige Beschäftigung an:

  • Maximal EUR 518,44 pro Monat (Grenze 2024, steigt jährlich)
  • Keine Sozialversicherungsbeiträge für den Arbeitgeber (nur Unfallversicherung und Beitrag zur Mitarbeitervorsorgekasse)
  • Flexible Stundengestaltung -- ideal für Studierende
  • Arbeitgeber zahlt: ca. 1,53% MVK + EUR 10-15 UV-Beitrag pro Monat

Das macht die geringfügige Beschäftigung zur kosteneffizientesten Variante -- aber die Stundenzahl ist natürlich begrenzt.

Wo findest du Praktikanten und Werkstudenten?

Hochschulen in der Region

Das Burgenland und die umliegende Region bieten mehrere Hochschulen:

  • FH Burgenland (Eisenstadt, Pinkafeld) -- Wirtschaft, IT, Gesundheit, Energie
  • Universität Wien -- Zugang zu einem riesigen Talentpool
  • TU Wien -- für technische Praktikanten
  • WU Wien -- für BWL, Marketing, Finance
  • FH Wiener Neustadt -- auch in der Region
  • Universität Bratislava -- für internationale Talente (kurzer Weg vom Nordburgenland)

Plattformen und Kanäle

  • Career Center der Hochschulen -- poste deine Stelle direkt dort
  • iamstudent.at -- Österreichs größte Studenten-Plattform
  • LinkedIn -- auch Studierende sind dort aktiv
  • Schwarze Bretter -- digital und analog an den Hochschulen
  • Startup Burgenland Netzwerk -- wir verbinden dich gerne mit Talenten

Timing ist alles

ZeitraumGeeignet für
Februar-MärzSuche für Sommerpraktika (Juli-September)
Juni-JuliSuche für Wintersemester-Praktika (ab Oktober)
Oktober-NovemberSuche für Sommersemester-Praktika (ab März)
LaufendWerkstudenten (semesterbegleitend)

Beginne deine Suche mindestens zwei bis drei Monate vor dem gewünschten Starttermin.

Wie du das Maximum aus Praktikanten herausholst

Vorbereitung ist alles

Bevor der Praktikant startet, bereite dich vor:

  1. Klare Aufgaben definieren: Was soll der Praktikant in seiner Zeit schaffen?
  2. Mentor zuweisen: Wer ist die Hauptansprechperson?
  3. Arbeitsplatz einrichten: Laptop, Zugänge, E-Mail -- alles bereit am ersten Tag
  4. Einarbeitungsplan: Die ersten zwei Wochen strukturiert planen

Die richtige Aufgabenstellung

Praktikanten sind keine billigen Arbeitskräfte für Routineaufgaben. Gib ihnen Aufgaben, die:

  • Lerneffekt haben: Sie sollen etwas mitnehmen
  • Eigenverantwortung ermöglichen: Kein reines Zuarbeiten
  • Sichtbare Ergebnisse produzieren: Ein Projekt, auf das sie stolz sein können
  • Zum Studium passen: Wenn möglich, eine Verbindung zur Ausbildung

Beispiel-Projekte für Startup-Praktikanten

StudienrichtungProjekt-Ideen
BWL/MarketingSocial-Media-Strategie entwickeln, Marktanalyse durchführen
InformatikFeature entwickeln, Testing-Framework aufsetzen, Datenanalyse
DesignLanding Page gestalten, UI/UX-Audit, Brand Guidelines
KommunikationBlog-Serie schreiben, PR-Strategie, Newsletter aufsetzen
WirtschaftsinformatikCRM einrichten, Prozesse automatisieren, Dashboards bauen

Feedback und Betreuung

  • Wöchentliche Feedback-Gespräche: 30 Minuten reichen -- was läuft gut, was kann besser werden?
  • Zwischenbericht: Nach der Hälfte der Zeit ein formelles Feedback-Gespräch
  • Abschlussgespräch: Was hat der Praktikant gelernt? Was hat das Startup gewonnen?
  • Zeugnis: In Österreich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein Dienstzeugnis

Werkstudenten -- die langfristige Alternative

Werkstudenten sind Studierende, die semesterbegleitend arbeiten -- typischerweise 10 bis 20 Stunden pro Woche. Sie bieten einige Vorteile gegenüber Praktikanten:

Vorteile von Werkstudenten

  • Langfristigkeit: Ein Werkstudent bleibt oft 1 bis 2 Jahre
  • Wachsende Kompetenz: Sie lernen dein Unternehmen immer besser kennen
  • Pipeline für Festanstellung: Der beste Weg, zukünftige Mitarbeiter zu finden
  • Flexibilität: Stundenumfang kann an Bedarf angepasst werden

Modelle für Werkstudenten

ModellStunden/WocheKosten/Monat (ca.)Geeignet für
Geringfügig5-10hEUR 518Kleine, wiederkehrende Aufgaben
Teilzeit10-20hEUR 800-1.500Projektarbeit, Support
Vollzeit in Ferien38,5hEUR 1.800+Intensive Projektphasen

Rechtliche Besonderheiten bei Werkstudenten

  • Arbeitszeitgesetz gilt: Auch Werkstudenten dürfen nicht mehr als die gesetzlichen Höchstarbeitszeiten arbeiten
  • Urlaubsanspruch: Aliquot, basierend auf den gearbeiteten Stunden
  • Kündigungsfrist: Je nach Vertrag und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
  • Studiennachweis: Du brauchst keinen, aber es ist gut zu wissen, ob die Person tatsächlich studiert

Vom Praktikanten zum Mitarbeiter

Einer der größten Vorteile von Praktikanten und Werkstudenten: Du lernst sie kennen, bevor du sie fest einstellst. Das reduziert das Risiko einer Fehleinstellung enorm.

Der Übergang

  1. Interesse signalisieren: Wenn du zufrieden bist, sag es frühzeitig
  2. Flexible Modelle anbieten: Vielleicht ein Werkstudenten-Vertrag, bis das Studium abgeschlossen ist
  3. Gehalt anpassen: Ein Absolvent sollte mindestens das KV-Mindestgehalt bekommen
  4. Entwicklungsperspektive: Zeig auf, wie der Karrierepfad im Startup aussehen kann

Die Zahlen sprechen für sich

Startups, die aus dem eigenen Praktikanten-Pool einstellen, berichten von:

  • 60 Prozent geringerer Fluktuation im ersten Jahr
  • 50 Prozent kürzerer Einarbeitungszeit
  • Höherer Zufriedenheit auf beiden Seiten

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbrauchen

Wenn ein Praktikant acht Stunden am Tag Kaffee kocht und Kopien macht, ist das weder legal noch sinnvoll. Gib echte, sinnvolle Aufgaben.

Fehler 2: Keine Betreuung bieten

Ein Praktikant, der sich selbst überlassen wird, lernt nichts und leistet nichts. Investiere in die Betreuung -- es lohnt sich.

Fehler 3: Rechtliche Rahmenbedingungen ignorieren

Besonders bei freiwilligen Praktika und Ferialarbeit gelten strenge Regeln. Unwissenheit schützt nicht vor Strafen.

Fehler 4: Zu viele Praktikanten gleichzeitig

In einem kleinen Startup kann ein Praktikant das Team bereichern. Drei Praktikanten gleichzeitig überfordern die Betreuungskapazität.

Fehler 5: Keinen Onboarding-Prozess haben

Auch für Praktikanten gilt: Die erste Woche ist entscheidend. Ein strukturiertes Onboarding macht den Unterschied.

Checkliste: Praktikant einstellen

Vor dem Start:

  • Art des Praktikums festgelegt (Pflicht, freiwillig, Ferialarbeit)
  • Vertrag/Vereinbarung aufgesetzt
  • Vergütung geklärt (KV prüfen!)
  • Sozialversicherung geklärt und Anmeldung vorbereitet
  • Mentor im Team bestimmt
  • Arbeitsplatz und Zugänge vorbereitet
  • Einarbeitungsplan erstellt
  • Projekte und Aufgaben definiert

Während des Praktikums:

  • Wöchentliche Feedback-Gespräche
  • Regelmäßige Check-ins mit dem Mentor
  • Zwischenbericht nach der Hälfte der Zeit
  • Flexible Anpassung der Aufgaben bei Bedarf

Nach dem Praktikum:

  • Abschlussgespräch geführt
  • Dienstzeugnis ausgestellt
  • Feedback eingeholt (was kann das Startup besser machen?)
  • Entscheidung über Weiterbeschäftigung getroffen
  • LinkedIn-Verbindung hergestellt (Netzwerk pflegen!)

Fazit

Praktikanten und Werkstudenten sind für Startups eine großartige Möglichkeit, Talente kennenzulernen, Unterstützung zu bekommen und eine Pipeline für zukünftige Einstellungen aufzubauen. Aber es ist keine Einbahnstraße -- du musst auch etwas bieten: sinnvolle Aufgaben, faire Bezahlung und echte Betreuung.

Nutze die Nähe zu den Hochschulen im Burgenland und in Wien. Baue Beziehungen zu den Career Centern auf. Und behandle jeden Praktikanten so, als wäre er dein zukünftiger Star-Mitarbeiter -- denn genau das könnte er werden.

Im nächsten Beitrag geht es darum, wie du dein Startup als attraktiven Arbeitgeber positionierst: Employer Branding für Startups.

Fazit und Ausblick

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Integration von Praktikanten und Werkstudenten in dein Team und verbinden dich mit den Hochschulen der Region. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach dein Nachwuchsprogramm zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Co-Founder und Team-Aufbau" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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