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Growth Mindset für Gründer: Wie du mit der richtigen Denkweise dein Startup zum Erfolg führst

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Growth Mindset für Gründer: Wie du mit der richtigen Denkweise dein Startup zum Erfolg führst

Du hast eine geniale Geschäftsidee, einen soliden Businessplan und vielleicht sogar schon erste Kunden. Aber was unterscheidet Gründer, die langfristig erfolgreich sind, von jenen, die nach dem ersten Rückschlag aufgeben? Die Antwort liegt oft nicht in der Idee selbst -- sondern in der Denkweise dahinter.

Das sogenannte Growth Mindset -- also eine wachstumsorientierte Denkweise -- ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Gründerinnen und Gründer. Gerade hier im Burgenland, wo die Startup-Szene zwar kleiner, aber dafür umso persönlicher ist, kann die richtige Einstellung den entscheidenden Unterschied machen.

Was ist ein Growth Mindset -- und warum brauchen Gründer es?

Der Begriff stammt von der Stanford-Psychologin Carol Dweck. Sie unterscheidet zwischen zwei grundlegenden Denkweisen:

Fixed MindsetGrowth Mindset
Fähigkeiten sind angeboren und unveränderlichFähigkeiten können durch Anstrengung entwickelt werden
Fehler sind Beweise für UnfähigkeitFehler sind Lernchancen
Herausforderungen werden vermiedenHerausforderungen werden gesucht
Feedback wird als Kritik empfundenFeedback wird als Wachstumsimpuls genutzt
Erfolg anderer ist bedrohlichErfolg anderer ist inspirierend

Als Gründer wirst du täglich mit Situationen konfrontiert, die du noch nie erlebt hast. Du musst Dinge tun, die du nie gelernt hast -- von Buchhaltung über Vertrieb bis hin zu Personalführung. Mit einem Fixed Mindset würdest du bei jedem dieser Punkte denken: "Das kann ich nicht." Mit einem Growth Mindset sagst du: "Das kann ich noch nicht -- aber ich lerne es."

Die 5 Säulen des Growth Mindsets für Gründer

1. Herausforderungen aktiv suchen

Viele Gründer im Burgenland starten mit dem Vorteil, dass sie ihre Region und ihre Zielgruppe genau kennen. Aber genau das kann auch zur Komfortzone werden. Ein Growth Mindset bedeutet, bewusst über diese Komfortzone hinauszugehen.

Praktisches Beispiel: Du betreibst ein erfolgreiches Catering-Unternehmen in Eisenstadt und überlegst, ob du auch Events in Wien anbieten sollst. Statt "Das ist zu riskant" denkst du: "Was kann ich aus diesem Experiment lernen -- selbst wenn es nicht perfekt läuft?"

Übung für diese Woche:

  • Schreib drei Dinge auf, die du als Gründer vermeidest, weil sie dir unangenehm sind
  • Wähle eine davon aus und plane einen konkreten ersten Schritt
  • Setz dir ein Datum -- nicht "irgendwann", sondern diese Woche

2. Anstrengung als Teil des Weges akzeptieren

In der österreichischen Gründerszene hört man oft Geschichten von "Overnight Success" -- Startups, die scheinbar über Nacht erfolgreich wurden. Was man dabei übersieht: Hinter jedem dieser Erfolge stecken Monate oder Jahre harter Arbeit, Rückschläge und zähes Durchhalten.

Ein Growth Mindset heisst nicht, dass alles leicht sein muss. Es heisst, dass du die Anstrengung als notwendigen und wertvollen Teil deines Weges anerkennst.

"Ich habe nicht versagt. Ich habe 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." -- Thomas Edison

Konkrete Strategie: Führe ein "Effort Journal" -- ein Tagebuch, in dem du nicht deine Erfolge, sondern deine Anstrengungen festhaltst. Was hast du heute versucht? Was war schwierig? Was hast du dabei gelernt?

3. Feedback als Geschenk betrachten

Gerade in der burgenländischen Wirtschaft, wo persönliche Beziehungen eine grosse Rolle spielen, kann ehrliches Feedback selten sein. Dein Umfeld will dich vielleicht nicht verletzen -- aber genau dieses ehrliche Feedback brauchst du als Gründer.

So holst du dir konstruktives Feedback:

  1. Frag konkret: Statt "Wie findest du meine Idee?" frag "Was würde dich davon abhalten, dieses Produkt zu kaufen?"
  2. Frag die Richtigen: Nicht nur Familie und Freunde, sondern potenzielle Kunden, andere Gründer und Mentoren
  3. Frag regelmässig: Einmaliges Feedback reicht nicht -- mach es zur Gewohnheit
  4. Hör zu, ohne zu verteidigen: Das ist der schwerste Teil, aber der wichtigste

Mehr zum Thema Mentoring und wie du dir die richtigen Feedback-Geber suchst, findest du in unserem Beitrag Mentoring und Coaching für Gründer.

4. Vom Erfolg anderer lernen

In der kleinen burgenländischen Startup-Szene kennt man sich. Das kann ein Vorteil sein -- oder zur Neid-Falle werden. Wenn der Gründer aus dem Nachbarort gerade eine grosse Förderung bekommen hat oder in der Zeitung steht, ist die erste Reaktion oft: "Warum der und nicht ich?"

Ein Growth Mindset dreht diese Frage um: "Was kann ich von ihm oder ihr lernen? Was hat er oder sie anders gemacht?"

Praktischer Tipp: Erstelle eine "Inspirations-Liste" mit drei bis fünf Grüntern, die du bewunderst -- gerne aus dem Burgenland oder Österreich. Analysiere:

  • Welche Entscheidungen haben sie getroffen?
  • Welche Rückschläge haben sie gemeistert?
  • Was kannst du für dein eigenes Startup daraus mitnehmen?

5. Den Prozess über das Ergebnis stellen

Als Gründer bist du natürlich ergebnisorientiert -- du willst Umsatz, Kunden, Wachstum. Aber ein Growth Mindset bedeutet, den Fokus auf den Prozess zu legen, nicht nur auf das Ergebnis.

Ergebnis-FokusProzess-Fokus
"Ich muss diesen Monat 10.000 EUR Umsatz machen""Ich will jeden Tag 5 potenzielle Kunden ansprechen"
"Ich brauche 100 Newsletter-Abonnenten""Ich will jede Woche einen wertvollen Beitrag veröffentlichen"
"Ich muss die Förderung bekommen""Ich will den bestmöglichen Antrag schreiben und dabei lernen"

Der Vorteil: Wenn du dich auf den Prozess konzentrierst, hast du die Kontrolle. Ergebnisse hängen oft von äusseren Faktoren ab -- der Prozess liegt in deiner Hand.

Growth Mindset im Alltag: 7 Sätze, die du ab sofort ändern solltest

Deine Sprache formt dein Denken. Hier sind sieben typische Fixed-Mindset-Sätze und ihre Growth-Mindset-Alternativen:

Statt...Sag lieber...
"Das kann ich nicht""Das kann ich noch nicht"
"Ich bin kein Verkaufstyp""Ich lerne gerade, besser zu verkaufen"
"Das ist zu kompliziert""Das braucht mehr Zeit und Übung"
"Ich bin halt so""Ich arbeite daran, mich zu verbessern"
"Das hat keinen Sinn""Was kann ich aus dieser Situation lernen?"
"Der Markt ist schuld""Was kann ich anders machen?"
"Das funktioniert sowieso nicht im Burgenland""Wie kann ich es an die Gegebenheiten anpassen?"

Die Growth-Mindset-Morgenroutine für Gründer

Starte deinen Tag mit fünf Minuten Growth-Mindset-Training. Das ist keine Esoterik -- es ist eine bewusste Entscheidung, wie du deinen Tag angehen willst.

Schritt 1 -- Reflexion (1 Minute): Was war gestern meine grösste Herausforderung? Was habe ich daraus gelernt?

Schritt 2 -- Intention (1 Minute): Was ist heute die eine Sache, die mich aus meiner Komfortzone bringt?

Schritt 3 -- Dankbarkeit (1 Minute): Wofür bin ich als Gründer dankbar? (Ja, auch für Schwierigkeiten -- sie lassen dich wachsen.)

Schritt 4 -- Affirmation (1 Minute): "Ich bin fähig zu lernen und zu wachsen. Jede Herausforderung macht mich stärker."

Schritt 5 -- Planung (1 Minute): Welche eine Lernchance will ich heute nutzen?

Growth Mindset und die österreichische Gründerkultur

In Österreich -- und besonders im Burgenland -- gibt es kulturelle Besonderheiten, die ein Growth Mindset sowohl fördern als auch behindern können:

Förderlich:

  • Die starke Gemeinschaft und das persönliche Netzwerk im Burgenland
  • Zugang zu Förderprogrammen wie dem Gründungszuschuss
  • Die Nähe zu Wien als grossem Markt bei gleichzeitig niedrigeren Betriebskosten
  • Institutionen wie das Wirtschaftsservice Burgenland (WiBuG)

Hinderlich:

  • Die "Das haben wir immer schon so gemacht"-Mentalität in manchen Branchen
  • Angst vor dem Scheitern und dem damit verbundenen sozialen Stigma
  • Die Tendenz, Erfolg kleinzureden ("Na ja, der hat halt Glück gehabt")
  • Weniger Risikobereitschaft im Vergleich zu anderen Startup-Hubs

Wie du mit dem Thema Scheitern produktiv umgehen kannst, erfährst du in unserem Beitrag Scheitern als Chance -- Failure Culture.

Häufige Fallen -- und wie du sie vermeidest

Falle 1: Toxic Positivity

Growth Mindset heisst nicht, dass du alles positiv sehen musst. Es ist okay, frustriert zu sein. Es geht darum, nach der Frustration weiterzumachen und aus der Situation zu lernen.

Falle 2: Growth Mindset als Ausrede für fehlende Strategie

"Ich lerne ja dabei" ist kein Ersatz für einen soliden Businessplan. Ein Growth Mindset ergänzt strategisches Denken -- es ersetzt es nicht.

Falle 3: Vergleich mit anderen

Dein Growth ist individuell. Vergleich dich nicht mit dem Tech-Startup in Wien, das gerade 2 Millionen EUR eingesammelt hat. Vergleich dich mit dir selbst vor einem Monat.

Falle 4: Alles alleine machen wollen

Growth Mindset bedeutet auch zu erkennen, wann du Hilfe brauchst. Das ist keine Schwäche -- das ist Wachstum. Mehr dazu in Resilienz aufbauen -- Rückschläge meistern.

Dein 30-Tage Growth-Mindset-Challenge

Starte heute mit dieser Challenge und beobachte, wie sich dein Denken verändert:

Woche 1: Bewusstsein schaffen

  • Tag 1-7: Führe ein "Mindset-Tagebuch" -- notiere jeden Fixed-Mindset-Gedanken und formuliere ihn um

Woche 2: Feedback einholen

  • Tag 8-14: Bitte jeden Tag eine Person um ehrliches Feedback zu deinem Startup

Woche 3: Komfortzone erweitern

  • Tag 15-21: Tu jeden Tag eine Sache, die dich nervös macht (ein Kaltakquise-Anruf, ein LinkedIn-Post, ein Pitch)

Woche 4: Reflexion und Integration

  • Tag 22-30: Reflektiere jeden Abend: Was habe ich heute gelernt? Wo bin ich gewachsen?

Fazit: Growth Mindset ist eine Entscheidung

Ein Growth Mindset fällt dir nicht in den Schoss. Es ist eine tägliche Entscheidung -- eine bewusste Wahl, wie du mit Herausforderungen, Rückschlägen und Unsicherheit umgehst.

Als Gründer im Burgenland hast du einen besonderen Vorteil: Du bist Teil einer überschaubaren, aber engagierten Community. Nutze dieses Netzwerk, um zu wachsen -- gemeinsam mit anderen, die den gleichen Weg gehen.

Denk dran: Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, jeden Tag ein bisschen besser zu werden.

Dein nächster Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich dabei, nicht nur dein Business, sondern auch dein Gründer-Mindset zu stärken. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach dein Growth Mindset zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Gründer-Mindset und Mental Health" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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