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Mentoring und Coaching für Gründer: Warum du nicht alles alleine herausfinden musst

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Mentoring und Coaching für Gründer: Warum du nicht alles alleine herausfinden musst

Du stehst vor einer Entscheidung, die dein Startup grundlegend verändern könnte. Du hast die Fakten analysiert, Spreadsheets gebaut, Pro-und-Contra-Listen geschrieben. Aber du bist immer noch unsicher. Was jetzt?

In dieser Situation wünschen sich die meisten Gründer: jemanden, der das schon einmal durchgemacht hat. Jemanden, der sagt: "Ich habe vor fünf Jahren genau vor derselben Entscheidung gestanden -- und das habe ich gelernt."

Genau das ist ein Mentor. Und die Forschung zeigt: Gründer mit Mentoren sind erfolgreicher. Deutlich erfolgreicher.

Mentoring vs. Coaching: Was ist der Unterschied?

Bevor wir einsteigen, eine wichtige Unterscheidung, die oft vermischt wird:

AspektMentoringCoaching
BeziehungErfahrener Unternehmer teilt WissenProfessioneller Coach stellt Fragen
FokusErfahrung und Wissen weitergebenPotenzial und Lösungen entwickeln
RichtungMentor gibt Rat und OrientierungCoach hilft, eigene Antworten zu finden
DauerOft langfristig (Monate bis Jahre)Oft kurzfristig (Wochen bis Monate)
KostenMeist kostenlos (ehrenamtlich)In der Regel kostenpflichtig
ExpertiseBranchenspezifischProzessspezifisch
Typischer Satz"Als ich in deiner Situation war, habe ich...""Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?"

Beide haben ihren Platz. Ein Mentor gibt dir Orientierung in deiner Branche. Ein Coach hilft dir, dich persönlich weiterzüntwickeln. Die besten Gründer nutzen beides.

Warum Gründer einen Mentor brauchen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • Startups mit Mentoren haben eine um 70 Prozent höhere Überlebensrate
  • Gründer mit Mentoren wachsen 3,5x schneller als solche ohne
  • 92 Prozent der erfolgreichen Kleinunternehmer sagen, dass Mentoring direkt zu ihrem Erfolg beigetragen hat
  • Mentored Startups sammeln im Schnitt 7x mehr Kapital ein

Aber die Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. Hier ist, was ein guter Mentor wirklich tut:

1. Er spart dir Zeit und Geld

Jeder Fehler, den dein Mentor schon gemacht hat, musst du nicht wiederholen. Das allein kann dir Tausende Euro und Monate an Zeit sparen.

2. Er erweitert dein Netzwerk

Ein gut vernetzter Mentor öffnet Türen, die du alleine nie gefunden hättest. "Ich kenne da jemanden" kann der wertvollste Satz sein, den du als Gründer hörst.

3. Er gibt dir Perspektive

Als Gründer steckst du tief in deinem Business. Ein Mentor sieht das grosse Bild -- und stellt die Fragen, die du dir selbst nicht stellst.

4. Er hält dich accountable

Wenn du jemandem sagst "Nächste Woche habe ich das erledigt", ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass du es tatsächlich tust.

5. Er stärkt dein Selbstvertrauen

Gerade wenn das Impostor Syndrom zuschlägt (siehe Impostor Syndrom überwinden), kann ein Mentor der Realitäts-Check sein, den du brauchst.

Wie du den richtigen Mentor findest

Schritt 1: Definiere, was du brauchst

Bevor du einen Mentor suchst, kläre für dich:

Fachliche Bedürfnisse:

  • In welcher Branche bist du -- und brauchst du Branchenexpertise?
  • Welche spezifischen Fähigkeiten fehlen dir? (Vertrieb, Finanzen, Technik, Marketing)
  • Stehst du am Anfang oder bist du bereits gestartet?

Persönliche Bedürfnisse:

  • Brauchst du jemanden, der dich motiviert, oder jemanden, der dich herausfordert?
  • Bevorzugst du direktes Feedback oder einen diplomatischen Stil?
  • Suchst du regelmässige Treffen oder punktuelle Beratung?

Schritt 2: Wisse, wo du suchen musst

Im Burgenland und Österreich:

QuelleWas du findestKosten
Startup BurgenlandErfahrene Gründer-Mentoren in der RegionKostenlos
WKO Mentoring-ProgrammBranchenspezifische MentorenKostenlos
aws (Austria Wirtschaftsservice)Mentoring als Teil von FörderprogrammenKostenlos
Austrian StartupsNetzwerk junger UnternehmerMitgliedsbeitrag
LinkedInGezielte Suche nach erfahrenen UnternehmernKostenlos
Gründer-StammtischeInformelles Mentoring durch erfahrenere GründerKostenlos

Unkonventionelle Quellen:

  • Pensionierte Unternehmer: Im Burgenland gibt es viele erfahrene Unternehmer im Ruhestand, die gerne ihr Wissen weitergeben
  • Lieferanten und Geschäftspartner: Oft übersehen, aber sie kennen deine Branche bestens
  • Ehemalige Chefs: Wenn du ein gutes Verhältnis hattest, können sie wertvolle Mentoren sein
  • Online-Communities: Internationale Mentor-Plattformen wie SCORE, MentorCruise oder GrowthMentor

Schritt 3: Die erste Kontaktaufnahme

Der häufigste Fehler: "Willst du mein Mentor sein?" als erste Nachricht. Das ist zu viel, zu früh.

Besserer Ansatz:

  1. Zeige echtes Interesse: Folge der Person auf LinkedIn, kommentiere ihre Beiträge, zeige, dass du ihre Arbeit kennst
  2. Bitte um ein konkretes Gespräch: "Ich würde gerne 20 Minuten mit dir über [konkretes Thema] sprechen. Hättest du nächste Woche Zeit für einen Kaffee?"
  3. Biete Wert: "Ich habe gesehen, dass du [Thema] machst. Ich habe Erfahrung mit [relevantem Thema] und würde mich gerne austauschen."
  4. Lass die Beziehung organisch wachsen: Wenn das erste Gespräch gut läuft, frag nach einem zweiten. Wenn das auch gut läuft, sprich das Thema Mentoring an.

Die Nachricht, die funktioniert (Vorlage):

"Hallo [Name], ich bin [dein Name] und gründe gerade [dein Startup] im Burgenland. Ich habe deinen [Artikel/Vortrag/Post] über [Thema] gesehen und fand [konkretes Detail] besonders spannend. Ich stehe gerade vor der Herausforderung [konkretes Problem] und würde mich sehr über einen kurzen Austausch freuen. Hättest du in den nächsten Wochen 20 Minuten für ein Telefonat oder einen Kaffee?"

Schritt 4: Die Mentoring-Beziehung gestalten

Wenn du einen Mentor gefunden hast, strukturiere die Zusammenarbeit:

Frequenz: Alle 2-4 Wochen ein Treffen (60-90 Minuten)

Vorbereitung (deine Aufgabe):

  • Komm mit 2-3 konkreten Fragen oder Themen
  • Bereite einen kurzen Update vor (5 Minuten maximal)
  • Berichte, was du seit dem letzten Treffen umgesetzt hast

Während des Treffens:

  • Hör zu. Wirklich zuhören -- nicht nur warten, bis du reden kannst
  • Mach Notizen
  • Frag nach, wenn du etwas nicht verstehst
  • Sei ehrlich -- auch über Fehler und Schwächen

Nach dem Treffen:

  • Schreib eine kurze Zusammenfassung (für dich selbst)
  • Setze mindestens einen Ratschlag um
  • Berichte beim nächsten Treffen, was du umgesetzt hast

Coaching für Gründer: Wann und wie

Coaching ist anders als Mentoring -- und manchmal ist es genau das, was du brauchst.

Wann ein Coach sinnvoll ist

  • Du steckst fest und weisst nicht, warum
  • Du hast wiederkehrende Muster, die dich blockieren (Prokrastination, Perfektionismus, Konfliktvermeidung)
  • Du brauchst Unterstützung bei deiner persönlichen Entwicklung als Führungskraft
  • Du willst deine Kommunikation, dein Auftreten oder deine Verhandlungsfähigkeiten verbessern
  • Du erlebst eine Krise (Burnout-Gefahr, Beziehungsprobleme, Sinnkrise)

Coaching-Arten für Gründer

ArtFokusTypische KostenDauer
Business CoachingStrategie, Wachstum, Führung150-300 EUR/Stunde3-12 Monate
Executive CoachingPersönliche Führungskompetenz200-500 EUR/Stunde6-12 Monate
Life CoachingWork-Life-Balance, Werte, Ziele80-200 EUR/Stunde3-6 Monate
Mental Health CoachingStress, Angst, Resilienz80-150 EUR/StundeNach Bedarf
Gruppen-CoachingGemeinsames Lernen in einer Gruppe50-150 EUR/Sitzung3-6 Monate

Wichtig: In Österreich ist "Coach" keine geschützte Berufsbezeichnung. Achte auf:

  • Zertifizierungen (z.B. ICF -- International Coaching Federation)
  • Referenzen und Erfahrung mit Gründern
  • Ein Kennenlerngepräch (seriös Coaches bieten das kostenlos an)
  • Klare Vereinbarungen über Ziele, Dauer und Kosten

Coaching und Förderungen

Gute Nachricht für Gründer im Burgenland: Coaching-Kosten können teilweise gefördert werden:

  • WKO Unternehmensberatung: Geförderte Beratungsstunden für Gründer und KMU
  • aws Gründungs-Coaching: Im Rahmen bestimmter aws-Programme
  • AMS Unternehmergründungsprogramm: Coaching als Teil des Programms
  • Startup Burgenland: Beratung und Mentoring im Rahmen des Gründungszuschusses

Frag nach -- es lohnt sich fast immer, die Fördermöglichkeiten auszuschöpfen.

Die 5 häufigsten Fehler im Mentoring

Fehler 1: Den Mentor als Orakel sehen

Dein Mentor gibt dir Perspektive und Erfahrung -- aber die Entscheidung triffst immer du. Wenn du jeden Rat blind befolgst, verlierst du deine eigene Stimme als Gründer.

Fehler 2: Unvorbereitet zum Treffen kommen

Dein Mentor schenkt dir seine Zeit. Respektiere das, indem du vorbereitet kommst. Nichts ist frustrierender für einen Mentor als "Ich weiss nicht genau, was ich fragen soll."

Fehler 3: Nur in guten Zeiten berichten

Die wertvollsten Mentoring-Gespräche passieren in schwierigen Zeiten. Wenn du nur Erfolge teilst, verpasst du den grössten Wert des Mentorings.

Fehler 4: Feedback nicht umsetzen

Wenn dein Mentor dir dreimal denselben Rat gibt und du ihn dreimal ignorierst, wird die Beziehung nicht lange halten. Du musst nicht jeden Rat umsetzen -- aber erkläre, warum du dich anders entscheidest.

Fehler 5: Die Beziehung nicht pflegen

Mentoring ist eine Beziehung -- keine Transaktion. Zeige Dankbarkeit, gib Updates (auch ungefragt), und frag gelegentlich, ob du deinem Mentor auch irgendwie helfen kannst.

Peer-Mentoring: Gründer helfen Grüntern

Neben dem klassischen "erfahrener Mentor -- junger Gründer"-Modell gibt es eine weitere wertvolle Form: Peer-Mentoring.

Was ist Peer-Mentoring? Gründer in einer ähnlichen Phase unterstützen sich gegenseitig. Niemand ist "der Mentor" -- ihr seid gleichberechtigt.

Formen des Peer-Mentoring:

  1. Gründer-Buddy: Ein anderer Gründer, mit dem du dich wöchentlich austauschst (persönlich oder per Telefon, 30 Minuten reichen)

  2. Mastermind-Gruppe: 3-6 Gründer, die sich alle 2 Wochen treffen (siehe Netzwerken ohne Energie zu verlieren)

  3. Co-Working mit Austausch: Gemeinsam in einem Raum arbeiten und sich regelmässig austauschen

Im Burgenland: Die Gründer-Community im Burgenland ist ideal für Peer-Mentoring. Die Szene ist klein genug, um sich persönlich zu kennen, und gross genug, um verschiedene Branchen und Erfahrungen abzudecken.

Selbst-Coaching: Techniken, die du sofort nutzen kannst

Nicht immer hast du einen Mentor oder Coach zur Verfügung. Diese Selbst-Coaching-Techniken kannst du jederzeit anwenden:

Technik 1: Das Rad des Lebens

Bewerte die folgenden Lebensbereiche auf einer Skala von 1-10:

BereichDeine BewertungZiel
Business/Karriere______
Finanzen______
Gesundheit______
Beziehung/Familie______
Freunde/Soziales______
Persönliches Wachstum______
Spass/Erholung______
Sinn/Purpose______

Wo ist die grösste Lücke zwischen Ist und Ziel? Da solltest du ansetzen.

Technik 2: Die Wunderfrage

"Stell dir vor, du wachst morgen auf und ein Wunder ist geschehen. Alles ist so, wie du es dir wünschst. Was ist anders? Woran merkst du es?"

Diese Frage aus der lösungsorientierten Kurztherapie hilft dir, dein Ziel klar zu sehen -- und dann rückwärts zu planen.

Technik 3: Der Fünf-Jahres-Brief

Schreib einen Brief an dein heutiges Ich -- aus der Perspektive deines Ichs in fünf Jahren. Was würdest du dir raten? Worauf würdest du zurückblicken? Was wäre dir wichtig?

Technik 4: Das Wöchentliche Review

Jeden Freitagabend, 15 Minuten:

  1. Was waren meine drei grössten Erfolge diese Woche?
  2. Was war meine grösste Herausforderung -- und was habe ich daraus gelernt?
  3. Was würde ich nächste Woche anders machen?
  4. Wofür bin ich dankbar?
  5. Was ist meine Priorität für nächste Woche?

Die Investition in Mentoring und Coaching

Manche Gründer zögern, Geld für Coaching auszugeben. "Ich investiere lieber in mein Produkt." Verständlich -- aber kurzsichtig.

Die Rechnung:

Angenommen, ein Coach kostet dich 200 EUR pro Sitzung, zweimal im Monat. Das sind 400 EUR pro Monat oder 4.800 EUR pro Jahr.

Wenn dieser Coach dir hilft:

  • Einen Fehler zu vermeiden, der dich 5.000 EUR gekostet hätte: ROI in einer Sitzung
  • Deine Produktivität um 10 Prozent zu steigern: Hunderte Stunden Zeitersparnis pro Jahr
  • Eine wichtige Entscheidung besser zu treffen: Potenziell tausende EUR Wertschöpfung
  • Einen Burnout zu verhindern: Unbezahlbar

Das Thema, wie du deine Entscheidungen grundsätzlich besser treffen kannst, behandeln wir übrigens in Entscheidungen treffen unter Druck.

Fazit: Stärke zeigt sich darin, Hilfe anzunehmen

Die erfolgreichsten Gründer der Welt haben alle Mentoren und Coaches. Steve Jobs hatte Bill Campbell. Mark Zuckerberg hatte Steve Jobs. Bill Gates hatte Warren Buffett.

Du brauchst keinen Milliardär als Mentor. Du brauchst jemanden, der ein paar Schritte weiter ist als du -- und bereit ist, sein Wissen zu teilen.

Im Burgenland hast du den Vorteil, dass die Community überschaubar und persönlich ist. Nutze das. Frag nach Mentoring bei Startup Burgenland. Sprich erfahrene Unternehmer in deiner Region an. Tritt einer Mastermind-Gruppe bei.

Du musst nicht alles alleine herausfinden. Das ist keine Schwäche -- das ist klug.

Dein nächster Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich mit einem persönlichen Mentoring-Programm und Zugang zu erfahrenen Unternehmern in der Region. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach professionelle Begleitung zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Gründer-Mindset und Mental Health" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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