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Personal Branding für Gründer -- Dein Gesicht als Marke

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Personal Branding für Gründer -- Dein Gesicht als Marke

Dein Startup hat eine Markenpositionierung, eine Brand Story und ein Corporate Design. Aber weisst du, was oft stärker wirkt als all das zusammen? Du selbst.

Gerade in der Frühphase bist du als Gründerin oder Gründer das Gesicht deines Startups. Kunden vertrauen dir, bevor sie deiner Marke vertrauen. Investoren investieren in dich, bevor sie in dein Produkt investieren. Und Mitarbeiter kommen wegen dir, bevor sie wegen des Gehalts bleiben.

Personal Branding ist kein Ego-Projekt. Es ist ein strategisches Werkzeug für den Erfolg deines Startups.

Was ist Personal Branding?

Personal Branding bedeutet, bewusst zu gestalten, wie andere dich wahrnehmen -- als Expertin, als Gründer, als Mensch. Es ist die Schnittstelle zwischen:

  • Wer du wirklich bist (Werte, Stärken, Persönlichkeit)
  • Was du professionell machst (Expertise, Erfahrung, Rolle)
  • Wie du wahrgenommen werden willst (Positionierung, Kommunikation)

Personal Branding vs. Startup Branding

DimensionPersonal BrandStartup Brand
BezugspunktDu als PersonDein Unternehmen
LebensdauerBegleitet dich ein Leben langKann sich verändern oder enden
VertrauenSchneller aufgebautBraucht länger
ReichweitePersönliches NetzwerkMarkt und Zielgruppe
FlexibilitätSehr flexibelAn Marke gebunden
PlattformLinkedIn, Events, MedienWebsite, Social Media, Werbung

Das Beste: Beide verstärken sich gegenseitig. Eine starke Personal Brand macht dein Startup glaubwürdiger. Und ein erfolgreiches Startup stärkt deine Personal Brand.

Die drei Säulen deiner Personal Brand

Säule 1: Expertise

Worin bist du wirklich gut? Was weisst du besser als die meisten anderen? Deine Expertise ist das Fundament deiner Personal Brand.

So findest du deine Expertise-Nische:

  • In welchem Bereich fragst du als Erstes um Rat?
  • Zu welchem Thema könntest du spontan einen 30-minütigen Vortrag halten?
  • Welche Probleme löst du regelmässig für andere?

Beispiele für Expertise-Nischen:

  • "Ich bin Experte für Digitalisierung im burgenländischen Weinbau"
  • "Ich kenne mich mit österreichischem Förderrecht für Startups aus wie kaum jemand"
  • "Ich weiss, wie man mit 0 EUR Werbebudget die ersten 100 Kunden gewinnt"

Je enger die Nische, desto stärker die Positionierung -- genau wie bei der Markenpositionierung.

Säule 2: Authentizität

Personal Branding funktioniert nur, wenn es echt ist. Du kannst dich nicht als jemand inszenieren, der du nicht bist -- zumindest nicht langfristig.

Authentizität bedeutet:

  • Über Erfolge UND Misserfolge sprechen
  • Meinungen vertreten, auch wenn sie unbequem sind
  • Verletzlichkeit zeigen, ohne unprofessionell zu wirken
  • Konsistent sein -- online und offline

Authentizität bedeutet NICHT:

  • Alles preisgeben
  • Immer nett sein
  • Keine Strategie haben
  • Ungepflegt oder chaotisch wirken

Säule 3: Sichtbarkeit

Die beste Expertise nützt nichts, wenn sie niemand kennt. Du musst sichtbar werden -- regelmässig und auf den richtigen Kanälen.

LinkedIn -- Die wichtigste Plattform für Gründer in Österreich

Für B2B-Startups und Gründer in Österreich ist LinkedIn der mit Abstand wichtigste Kanal. Hier ist deine LinkedIn-Strategie:

Profil optimieren

Profilfoto:

  • Professionell, aber nicht steif
  • Freundlicher Gesichtsausdruck
  • Passt zu deiner Marke (kein Partyfoto, kein übertriebenes Business-Portrait)
  • Kosten: 100-300 EUR bei einem lokalen Fotografen oder Teil deines Corporate-Design-Shootings

Headline (die wichtigsten 220 Zeichen):

Nicht: "CEO bei [Startup-Name]" Sondern: "Helfe burgenländischen Weinbauern, ihren Direktvertrieb zu digitalisieren | Gründer von WeinDigital | Startup Burgenland"

Die Headline sollte enthalten:

  • Was du tust (nicht nur deinen Titel)
  • Für wen du es tust
  • Einen Bezug zu deinem Startup

Info-Bereich:

  • Erste zwei Zeilen sind entscheidend (werden ohne Klick angezeigt)
  • Erzähl deine persönliche Gründer-Story
  • Nenne konkrete Ergebnisse und Zahlen
  • Schliesse mit einem Call-to-Action ab
  • Nutze "du" statt "Sie" (im Startup-Umfeld)

Content-Strategie für LinkedIn

Posting-Frequenz:

  • Minimum: 2x pro Woche
  • Ideal: 3-4x pro Woche
  • Maximum: 1x pro Tag (mehr wird als Spam wahrgenommen)

Content-Formate im Wechsel:

FormatBeschreibungWann nutzen
ErfahrungsberichtPersönliche Learnings aus dem Gründeralltag1-2x pro Woche
FachbeitragExpertise-Content zu deinem Thema1x pro Woche
Behind the ScenesEinblicke in dein Startup1x pro Woche
Meinung/KontroverseKlare Position zu einem Branchenthema1-2x pro Monat
MeilensteinErfolge und Learnings teilenBei Anlass
Carousel/DokumentVisuell aufbereitetes Wissen1-2x pro Monat
VideoPersönliche Ansprache oder Demo1-2x pro Monat

Content-Ideen für jede Woche:

  • Montag: Was hast du letzte Woche gelernt?
  • Mittwoch: Ein Fach-Tipp aus deinem Expertisegebiet
  • Freitag: Ein persönlicher Einblick oder eine Reflexion

Engagement-Strategie

Posten allein reicht nicht. Du musst auch mit anderen interagieren:

  • Kommentiere täglich 5-10 relevante Beiträge
  • Schreib substantielle Kommentare (nicht nur "Toller Beitrag!")
  • Reagiere auf jeden Kommentar unter deinen eigenen Posts
  • Vernetze dich aktiv mit 5-10 relevanten Personen pro Woche
  • Schreib persönliche Kontaktanfragen (kein Copy-Paste!)

Offline-Sichtbarkeit -- Gerade im Burgenland entscheidend

Im Burgenland sind persönliche Beziehungen und Netzwerke besonders wichtig. Nutze diese Gelegenheiten:

Netzwerk-Events und Stammtische

  • Startup Burgenland Events: Die beste Anlaufstelle für Gründer im Burgenland
  • WKO-Veranstaltungen: Branchentreffen, Workshops, Vorträge
  • Gründerzentrums-Events: In Eisenstadt und anderen Standorten
  • Branchenspezifische Events: VieVinum, Weinmessen, Tech-Meetups

Speaking Opportunities

Vorträge und Panelauftritte sind Gold für deine Personal Brand:

  • Start klein: Lokale Meetups, WKO-Workshops, Hochschul-Vorträge
  • Wachse: Konferenzen, Branchenveranstaltungen, Startup-Events
  • Ziel: Keynotes, grössere Bühnen, Medienauftritte

Tipp: Biete aktiv Vorträge an. Die meisten Veranstalter suchen Redner. Ein 20-minütiger Vortrag über dein Spezialthema ist mehr wert als zehn LinkedIn-Posts.

Medienarbeit

  • Biete dich als Experte für lokale Medien an (BVZ, Burgenländische Volkszeitung, ORF Burgenland)
  • Schreibe Gastbeiträge für Fachmedien
  • Baue Beziehungen zu Journalisten auf (persönlich, nicht per Massen-E-Mail)
  • Erstelle eine kurze Experten-Bio mit Foto, die Journalisten verwenden können

Personal Branding für verschiedene Gründertypen

Der technische Gründer

Herausforderung: Oft introvertiert, lieber im Code als auf der Bühne. Strategie: Schreibe über technische Themen. Teile Open-Source-Projekte. Führe Fachgespräche. Du musst nicht laut sein -- du musst nützlich sein.

Die Vertriebs-Gründerin

Herausforderung: Oft schon sichtbar, aber ohne klare Positionierung. Strategie: Fokussiere dich auf eine Expertise-Nische statt auf alles. Teile Verkaufserfolge und -Learnings. Baue eine Community auf.

Das Gründerteam

Herausforderung: Wer spricht für das Startup? Strategie: Teilt die Bühnen auf. Eine Person für Fachthemen, eine für die Gründungs-Story, eine für Branchenthemen. Aber: Klare Absprache, wer was kommuniziert.

Personal Branding -- Die Zeiteinteilung

Die grösste Hürde beim Personal Branding ist die Zeit. Hier ist ein realistischer Wochenplan:

AktivitätZeitaufwandWann
LinkedIn-Post schreiben3x 20 Min.Mo, Mi, Fr morgens
Kommentare schreiben5x 10 Min.Täglich in der Kaffeepause
Kontaktanfragen verschicken1x 15 Min.Freitagnachmittag
Content-Ideen sammeln1x 15 Min.Sonntagabend
Netzwerk-Event besuchen1x 2-3 Std.1-2x pro Monat abends
Gesamtca. 4 Stunden pro Woche

Vier Stunden pro Woche. Das ist weniger als eine Netflix-Serie. Und der ROI ist unvergleichlich höher.

Dont's beim Personal Branding

Dont 1: Nur über dein Produkt posten

LinkedIn ist keine Werbeplattform. Die 80/20-Regel: 80 % Mehrwert, 20 % Eigenwerbung.

Dont 2: Fake-Perfection

"Wieder ein Deal geclosed, wieder ein Investor überzeugt, wieder einen Award gewonnen..." -- Wenn dein Feed nur aus Erfolgen besteht, wirkt das unauthentisch. Teile auch Herausforderungen und Learnings.

Dont 3: Inkonsistenz

Zwei Wochen intensiv posten, dann zwei Monate Stille -- das bringt nichts. Lieber weniger, aber regelmässig.

Dont 4: Die Company Page vernachlässigen

Deine Personal Brand ersetzt nicht die Unternehmenskommunikation. Beide müssen parallel laufen und sich ergänzen.

Dont 5: Kontroverse um der Kontroverse willen

Meinungen haben ist gut. Aber provozieren, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen, schadet langfristig mehr als es nützt. Bleib bei Themen, von denen du wirklich etwas verstehst.

Deine Personal Brand messen

Quantitative Kennzahlen

KennzahlToolZielwert nach 6 Monaten
LinkedIn-FollowerLinkedIn Analytics+500 neue Follower
Post-ImpressionsLinkedIn Analytics1.000+ pro Post
Engagement-RateLinkedIn Analytics3-5 %
ProfilbesucheLinkedIn Analytics100+ pro Woche
Kontaktanfragen (eingehend)LinkedIn5+ pro Woche

Qualitative Kennzahlen

  • Wirst du als Speaker angefragt?
  • Melden sich potenzielle Kunden über LinkedIn?
  • Erkennen dich Leute auf Events ("Ach, du bist der von LinkedIn!")?
  • Wirst du von Medien als Experte kontaktiert?
  • Kommen Bewerbungen über dein persönliches Netzwerk?

Personal Branding und Markenwerte

Deine persönlichen Werte sollten mit den Markenwerten deines Startups übereinstimmen. Wenn dein Startup für Innovation steht, du aber auf Events nur über Tradition redest, entsteht ein Widerspruch.

Nimm dir Zeit, deine persönlichen Werte und die deines Startups abzugleichen. Die Schnittmenge ist der Kern deiner Personal Brand.

Dein nächster Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich beim Aufbau deiner Personal Brand als Gründer. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach deine persönliche Sichtbarkeit zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Branding und Positionierung" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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