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Notarkosten, Gerichtsgebühren und versteckte Kosten bei der Gründung

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Gründung klingt günstig -- bis du die volle Rechnung siehst

Frag zehn Gründer, was ihre Gründung gekostet hat, und du bekommst zehn verschiedene Antworten. Nicht weil sie lügen, sondern weil die meisten die Hälfte vergessen. Die Notarkosten kennt jeder. Die Firmenbuch-Eintragung steht auf jeder Checkliste. Aber was ist mit der SVS, dem Steuerberater, der Domain, dem Geschäftskonto, den Softwarelizenzen und dem halben Jahr ohne Einkommen?

Bei Startup Burgenland sprechen wir mit über 300 Gründern, die sich bei uns bewerben. Und eine der häufigsten Überraschungen: "Ich wusste nicht, dass das alles kommt." Nicht weil die Informationen nicht verfügbar wären, sondern weil niemand sie zusammenrechnet.

Dieser Post macht das für dich. Hier ist die ehrliche, vollständige Kostenaufstellung einer Gründung in Österreich -- sortiert nach Rechtsform, inklusive der versteckten Posten und mit konkreten Spartipps. Wichtiger Hinweis: Gebühren und Beiträge können sich ändern. Für aktuelle Zahlen konsultiere bitte deinen Steuerberater oder das WKO Gründerservice.

Die offensichtlichen Kosten: Was auf jeder Liste steht

Einzelunternehmen (EPU)

Das Einzelunternehmen ist die günstigste Gründungsform. Hier die typischen Kosten:

PositionKosten
Gewerbeanmeldung (Landesverwaltungsabgabe)EUR 30-50
Firmenbuch-Eintragung (freiwillig, falls gewünscht)EUR 30-50
Einmalige GründungskostenEUR 30-100

Mit dem NeuFöG (Neugründungsförderungsgesetz) entfallen viele dieser Gebühren sogar komplett. Voraussetzung: Du holst dir das NeuFöG-Formular vor der Gewerbeanmeldung beim WKO Gründerservice.

GmbH

Die GmbH ist die beliebteste Rechtsform für Startups, die skalieren wollen. Aber sie ist nicht billig:

PositionKosten
Notariatsakt (Gesellschaftsvertrag)EUR 1.500-3.000
Firmenbuch-Eintragung (Gerichtsgebühr)EUR 300-400
Musterzeichnung (notarielle Beglaubigung)EUR 50-100
Steuerberater (Gründungsberatung)EUR 500-1.500
Geschäftskonto-EröffnungEUR 0-50
Stammkapital (Mindesteinzahlung)EUR 5.000 (mit Gründungsprivilegierung EUR 2.500)
Einmalige Gründungskosten (ohne Stammkapital)EUR 2.350-5.050
Einmalige Gründungskosten (mit Stammkapital)EUR 4.850-10.050

FlexCo

Die FlexCo (seit 2024) bietet ähnliche Kosten wie die GmbH, mit einem Vorteil: Die vereinfachte Gründung über die elektronische Plattform des Bundes kann die Notarkosten deutlich reduzieren:

PositionKosten
Notariatsakt oder elektronische GründungEUR 800-2.500
Firmenbuch-EintragungEUR 300-400
SteuerberaterEUR 500-1.500
Stammkapital (Mindesteinzahlung)EUR 5.000 (mit Gründungsprivilegierung EUR 2.500)
Einmalige Gründungskosten (ohne Stammkapital)EUR 1.600-4.400

Mehr zum Vergleich der Rechtsformen findest du in Rechtsformvergleich: GmbH vs. EU vs. FlexCo vs. OG.

Die laufenden Kosten: Was dich jeden Monat erwartet

SVS (Sozialversicherung der Selbständigen)

Die SVS ist für die meisten Gründer der größte laufende Kostenpunkt -- und der am meisten unterschätzte. Mit der Gewerbeanmeldung bist du pflichtversichert, auch wenn du noch keinen Euro verdienst.

In den ersten beiden Kalenderjahren (Gründerprivileg):

  • Reduzierte Mindestbeitragsgrundlage
  • Ca. EUR 130-150 pro Monat für Kranken- und Pensionsversicherung
  • Unfallversicherung: ca. EUR 10 pro Monat

Ab dem dritten Jahr:

  • Beiträge richten sich nach deinem tatsächlichen Gewinn
  • Ca. 26% deines Gewinns (Kranken-, Pensions-, Unfallversicherung, Selbständigenvorsorge)
  • Mindestbeitragsgrundlage: ca. EUR 500-600 pro Monat (auch wenn du weniger verdienst)

Achtung -- die SVS-Nachzahlung: Die SVS berechnet die Beiträge zunächst auf Basis der Mindestbeitragsgrundlage. Sobald dein tatsächlicher Gewinn feststeht (nach dem Steuerbescheid, oft ein bis zwei Jahre später), erfolgt eine Nachbemessung. Wenn dein Gewinn höher war als die Mindestbeitragsgrundlage, kommt eine Nachzahlung -- die kann schmerzhaft sein, wenn du nicht vorgesorgt hast.

Unser Tipp: Leg von Anfang an 30% deines Gewinns für Steuern und SVS-Nachzahlungen zur Seite. Lieber zu viel als zu wenig.

Steuerberater

Theoretisch kannst du deine Buchhaltung selbst machen. Praktisch empfehlen wir fast jedem Gründer, einen Steuerberater zu engagieren -- zumindest für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und die Steuererklärung.

Typische Kosten:

LeistungKosten pro Monat
Einfache E/A-Rechnung (EPU, wenige Belege)EUR 100-200
Laufende Buchhaltung (GmbH, doppelte Buchführung)EUR 300-600
Jahresabschluss (GmbH)EUR 1.500-3.000 (einmal jährlich)
SteuererklärungenEUR 300-800 (einmal jährlich)

Spartipp: Manche Steuerberater bieten Gründer-Pakete an. Frag gezielt danach. Und: Je ordentlicher du deine Belege führst, desto weniger kostet der Steuerberater. Ein Belegmanagement-Tool (z.B. eine einfache Buchhaltungssoftware) spart dir monatlich EUR 50-100 an Steuerberatungskosten.

WKO-Mitgliedsbeiträge

Mit der Gewerbeanmeldung bist du automatisch WKO-Mitglied:

  • Grundumlage: EUR 50-200 pro Jahr (je nach Fachgruppe)
  • Kammerumlage: Entfällt für EPUs ohne Mitarbeiter, relevant ab dem ersten Dienstnehmerverhältnis

Geschäftskonto

Die meisten Banken verlangen für ein Geschäftskonto:

  • Kontoführung: EUR 10-30 pro Monat
  • Zahlungsverkehr: Je nach Bank und Modell

Spartipp: Manche Neobanken bieten günstigere Geschäftskonten. Aber Achtung: Für die Stammkapitaleinzahlung bei einer GmbH brauchst du eine Bank, die eine Einzahlungsbestätigung ausstellt -- das können nicht alle.

Die versteckten Kosten: Was niemand auf der Checkliste hat

Domain und Online-Präsenz

  • Domain-Registrierung: EUR 10-30 pro Jahr (für eine .at-Domain)
  • Website-Hosting: EUR 5-30 pro Monat
  • SSL-Zertifikat: Oft im Hosting inklusive
  • E-Mail-Service: EUR 5-15 pro Monat (z.B. Google Workspace oder Microsoft 365)

Software und Tools

Startups brauchen Software. Auch wenn du kein Tech-Startup bist:

  • Buchhaltungssoftware: EUR 10-40 pro Monat
  • Projektmanagement: EUR 0-20 pro Monat (viele bieten Gratis-Pläne)
  • CRM: EUR 0-50 pro Monat
  • Office-Software: EUR 10-20 pro Monat
  • Design-Tools: EUR 0-30 pro Monat

In Summe: EUR 30-160 pro Monat für Basis-Software. Das klingt wenig, aber über ein Jahr sind das EUR 360-1.920.

Versicherungen

  • Berufshaftpflichtversicherung: EUR 20-100 pro Monat (je nach Branche -- für Berater, IT-Dienstleister oder Baugewerbe sehr unterschiedlich)
  • Rechtsschutzversicherung: EUR 20-50 pro Monat
  • Betriebshaftpflicht: EUR 10-30 pro Monat

Nicht alle Versicherungen sind am ersten Tag nötig. Aber eine Berufshaftpflicht solltest du von Anfang an haben, wenn du Beratungs- oder IT-Dienstleistungen anbietest.

Rechtsanwalt

Auch wenn du keinen dauerhaften Anwalt brauchst -- bestimmte Situationen erfordern juristischen Rat:

  • AGB und Datenschutzerklärung: EUR 500-2.000 (einmalig)
  • Markenrecht: EUR 300-800 (Markenanmeldung beim Österreichischen Patentamt)
  • Arbeitsverträge: EUR 300-800 pro Vertrag
  • Gesellschaftervereinbarung: EUR 1.000-3.000

Der unsichtbare Kostenpunkt: Deine Zeit

Als Gründer verbringst du in den ersten Monaten erstaunlich viel Zeit mit Bürokratie:

  • Behördengänge (Gewerbeanmeldung, Finanzamt, SVS)
  • Steuerberater-Gespräche
  • Banktermine
  • Vertragsgestaltung

Ich schätze aus meiner eigenen Erfahrung und aus dem Coaching: In den ersten drei Monaten gehen 20-30% deiner Arbeitszeit in Administration und Bürokratie. Das ist Zeit, die du nicht für Kunden, Produkt oder Marketing nutzen kannst.

Die Gesamtrechnung: Was du realistisch brauchst

Szenario A: Lean-Gründung als Einzelunternehmer

Du startest nebenberuflich, minimal, mit wenig Kosten:

PositionKosten (Jahr 1)
GewerbeanmeldungEUR 0-50
SVS-Mindestbeiträge (12 Monate)EUR 1.560-1.800
Steuerberater (minimal)EUR 1.200-2.400
Software und ToolsEUR 360-960
Domain und E-MailEUR 120-200
WKO-GrundumlageEUR 50-200
Gesamt Jahr 1EUR 3.290-5.610

Szenario B: GmbH-Gründung mit Gründungsprivilegierung

Du gründest eine GmbH, nutzt die Gründungsprivilegierung:

PositionKosten (Jahr 1)
GmbH-Gründung (Notar, Firmenbuch, Steuerberater)EUR 2.350-5.050
Stammkapital (gebundenes Kapital)EUR 2.500
SVS-Mindestbeiträge (12 Monate)EUR 1.560-1.800
Steuerberater (laufend)EUR 3.600-7.200
JahresabschlussEUR 1.500-3.000
Software und ToolsEUR 600-1.500
Domain und E-MailEUR 120-200
WKO-GrundumlageEUR 50-200
Rechtsanwalt (AGB, Datenschutz)EUR 500-2.000
Gesamt Jahr 1 (ohne Stammkapital)EUR 10.280-20.950

Szenario C: GmbH mit Investment-Vorbereitung

Du gründest eine GmbH, planst eine Investmentrunde in zwölf bis 18 Monaten:

Zusätzlich zu Szenario B kommen:

PositionKosten
Gesellschaftervereinbarung (Anwalt)EUR 2.000-4.000
MarkenanmeldungEUR 300-800
Pitch Deck DesignEUR 500-2.000
Due-Diligence-VorbereitungEUR 1.000-3.000
Zusätzliche KostenEUR 3.800-9.800

Wie sparst du bei der Gründung?

1. NeuFöG nutzen

Das Neugründungsförderungsgesetz spart dir bei einer GmbH-Gründung EUR 200-500 an Gebühren. Bei einem EPU entfällt die Gewerbeanmeldegebühr. Dazu kommen die Lohnnebenkosten-Befreiung für die ersten zwölf Monate und reduzierte SVS-Beiträge. Hol dir das Formular beim WKO Gründerservice -- vor der Gewerbeanmeldung.

2. Gründungsprivilegierung für die GmbH

Seit 2014 kannst du eine GmbH mit nur EUR 2.500 Kapitaleinzahlung gründen (statt EUR 5.000). Die Gründungsprivilegierung muss im Gesellschaftsvertrag verankert werden und gilt für zehn Jahre. In dieser Zeit beträgt die Mindestkörperschaftsteuer EUR 500 pro Jahr (statt EUR 1.750 ohne Privilegierung).

3. FlexCo statt GmbH

Wenn die FlexCo für dein Vorhaben geeignet ist, sparst du durch die elektronische Gründung bei den Notarkosten. Der Unterschied kann EUR 500-1.500 ausmachen.

4. Steuerberater gezielt einsetzen

Mach so viel Vorarbeit wie möglich selbst: Belege ordentlich sortieren, Rechnungen digital erfassen, Überblick über Einnahmen und Ausgaben halten. Je weniger Arbeit der Steuerberater mit der Grundlagenarbeit hat, desto weniger zahlt er.

5. Startup Burgenland Gründungszuschuss

Unser Gründungszuschuss von EUR 10.000 ist nicht rückzahlbar und erfordert keine Eigenkapitalabgabe. Voraussetzungen: innovatives Geschäftsmodell, engagiertes Gründerteam, Teilnahme am 1:1 Coaching. Mit diesen EUR 10.000 deckst du einen Großteil deiner Gründungskosten im ersten Jahr.

6. Erst validieren, dann gründen

Der teuerste Fehler: Eine GmbH gründen, bevor du weißt, ob dein Geschäftsmodell funktioniert. Starte als Einzelunternehmer (EUR 50) oder sogar ohne Rechtsform (als Neuer Selbständiger, kostenlos). Validiere dein Modell. Und gründe die GmbH erst, wenn du sie brauchst.

Wir sehen bei Startup Burgenland regelmäßig Gründer, die EUR 5.000 in eine GmbH gesteckt haben, bevor sie einen einzigen Kunden hatten. Sechs Monate später stellen sie fest, dass die Idee nicht funktioniert -- und die EUR 5.000 sind weg. Das muss nicht sein.

Die Frage, die sich niemand traut zu stellen: Wie viel Puffer brauche ich?

Die Gründungskosten sind das eine. Aber was ist mit deinen Lebenshaltungskosten, während du noch keinen Umsatz machst?

Unsere Faustregel: Rechne mit sechs bis zwölf Monaten ohne Einkommen. Multipliziere deine monatlichen Lebenshaltungskosten mit diesem Zeitraum. Addiere die Gründungskosten. Das ist dein realistischer Finanzbedarf.

Beispiel:

  • Lebenshaltungskosten: EUR 2.500/Monat
  • Puffer für neun Monate: EUR 22.500
  • Gründungskosten (GmbH, Lean): EUR 5.000
  • Laufende Geschäftskosten (neun Monate): EUR 4.500
  • Gesamtbedarf: ca. EUR 32.000

Das ist kein kleiner Betrag. Aber es ist realistisch. Und Realismus ist besser als Überraschungen.

Was du konkret sparen kannst -- und was nicht

Spar nicht bei:

  • Steuerberater: Ein guter Steuerberater spart dir mehr, als er kostet
  • Gesellschaftsvertrag (Anwalt): Ein schlechter Vertrag kostet dich beim ersten Konflikt ein Vielfaches
  • SVS: Pflicht -- du kannst die Beiträge nicht vermeiden

Spar ruhig bei:

  • Logo und Branding: In der Frühphase reicht ein einfaches Logo
  • Website: Eine einfache Landing Page reicht zum Start
  • Büro: Arbeite von zu Hause oder nutze Coworking-Spaces (in Eisenstadt, Güssing oder Pinkafeld gibt es mittlerweile gute Optionen im Burgenland)
  • Visitenkarten: Braucht heute kaum noch jemand
  • Notarkosten: Vergleiche Angebote -- die Preise variieren

Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Mach jetzt deine persönliche Kostenaufstellung. Nimm die Tabellen aus diesem Post als Vorlage und trag deine konkreten Zahlen ein. Rechne ehrlich -- mit Lebenshaltungskosten, Puffer und allen versteckten Posten.

Wenn die Summe dich erschreckt: Das ist normal. Und es gibt Lösungen -- Förderungen, nebenberuflicher Start, Lean-Gründung als EPU. Wenn du die komplette Kosten-Nutzen-Rechnung sehen willst, lies Die ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung einer Gründung in Österreich.

Und wenn du einen Partner suchst, der dich durch den Gründungsprozess begleitet: Schreib uns bei Startup Burgenland. Wir helfen dir, die Kosten im Griff zu halten und die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu machen.


Startup Burgenland macht Gründung leistbar: EUR 10.000 Gründungszuschuss (nicht rückzahlbar, keine Eigenkapitalabgabe), 1:1 Coaching und ein Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten. Flexibler Einstieg jederzeit. Schreib uns ein formloses E-Mail.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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