Gründung klingt günstig -- bis du die volle Rechnung siehst
Frag zehn Gründer, was ihre Gründung gekostet hat, und du bekommst zehn verschiedene Antworten. Nicht weil sie lügen, sondern weil die meisten die Hälfte vergessen. Die Notarkosten kennt jeder. Die Firmenbuch-Eintragung steht auf jeder Checkliste. Aber was ist mit der SVS, dem Steuerberater, der Domain, dem Geschäftskonto, den Softwarelizenzen und dem halben Jahr ohne Einkommen?
Bei Startup Burgenland sprechen wir mit über 300 Gründern, die sich bei uns bewerben. Und eine der häufigsten Überraschungen: "Ich wusste nicht, dass das alles kommt." Nicht weil die Informationen nicht verfügbar wären, sondern weil niemand sie zusammenrechnet.
Dieser Post macht das für dich. Hier ist die ehrliche, vollständige Kostenaufstellung einer Gründung in Österreich -- sortiert nach Rechtsform, inklusive der versteckten Posten und mit konkreten Spartipps. Wichtiger Hinweis: Gebühren und Beiträge können sich ändern. Für aktuelle Zahlen konsultiere bitte deinen Steuerberater oder das WKO Gründerservice.
Die offensichtlichen Kosten: Was auf jeder Liste steht
Einzelunternehmen (EPU)
Das Einzelunternehmen ist die günstigste Gründungsform. Hier die typischen Kosten:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung (Landesverwaltungsabgabe) | EUR 30-50 |
| Firmenbuch-Eintragung (freiwillig, falls gewünscht) | EUR 30-50 |
| Einmalige Gründungskosten | EUR 30-100 |
Mit dem NeuFöG (Neugründungsförderungsgesetz) entfallen viele dieser Gebühren sogar komplett. Voraussetzung: Du holst dir das NeuFöG-Formular vor der Gewerbeanmeldung beim WKO Gründerservice.
GmbH
Die GmbH ist die beliebteste Rechtsform für Startups, die skalieren wollen. Aber sie ist nicht billig:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Notariatsakt (Gesellschaftsvertrag) | EUR 1.500-3.000 |
| Firmenbuch-Eintragung (Gerichtsgebühr) | EUR 300-400 |
| Musterzeichnung (notarielle Beglaubigung) | EUR 50-100 |
| Steuerberater (Gründungsberatung) | EUR 500-1.500 |
| Geschäftskonto-Eröffnung | EUR 0-50 |
| Stammkapital (Mindesteinzahlung) | EUR 5.000 (mit Gründungsprivilegierung EUR 2.500) |
| Einmalige Gründungskosten (ohne Stammkapital) | EUR 2.350-5.050 |
| Einmalige Gründungskosten (mit Stammkapital) | EUR 4.850-10.050 |
FlexCo
Die FlexCo (seit 2024) bietet ähnliche Kosten wie die GmbH, mit einem Vorteil: Die vereinfachte Gründung über die elektronische Plattform des Bundes kann die Notarkosten deutlich reduzieren:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Notariatsakt oder elektronische Gründung | EUR 800-2.500 |
| Firmenbuch-Eintragung | EUR 300-400 |
| Steuerberater | EUR 500-1.500 |
| Stammkapital (Mindesteinzahlung) | EUR 5.000 (mit Gründungsprivilegierung EUR 2.500) |
| Einmalige Gründungskosten (ohne Stammkapital) | EUR 1.600-4.400 |
Mehr zum Vergleich der Rechtsformen findest du in Rechtsformvergleich: GmbH vs. EU vs. FlexCo vs. OG.
Die laufenden Kosten: Was dich jeden Monat erwartet
SVS (Sozialversicherung der Selbständigen)
Die SVS ist für die meisten Gründer der größte laufende Kostenpunkt -- und der am meisten unterschätzte. Mit der Gewerbeanmeldung bist du pflichtversichert, auch wenn du noch keinen Euro verdienst.
In den ersten beiden Kalenderjahren (Gründerprivileg):
- Reduzierte Mindestbeitragsgrundlage
- Ca. EUR 130-150 pro Monat für Kranken- und Pensionsversicherung
- Unfallversicherung: ca. EUR 10 pro Monat
Ab dem dritten Jahr:
- Beiträge richten sich nach deinem tatsächlichen Gewinn
- Ca. 26% deines Gewinns (Kranken-, Pensions-, Unfallversicherung, Selbständigenvorsorge)
- Mindestbeitragsgrundlage: ca. EUR 500-600 pro Monat (auch wenn du weniger verdienst)
Achtung -- die SVS-Nachzahlung: Die SVS berechnet die Beiträge zunächst auf Basis der Mindestbeitragsgrundlage. Sobald dein tatsächlicher Gewinn feststeht (nach dem Steuerbescheid, oft ein bis zwei Jahre später), erfolgt eine Nachbemessung. Wenn dein Gewinn höher war als die Mindestbeitragsgrundlage, kommt eine Nachzahlung -- die kann schmerzhaft sein, wenn du nicht vorgesorgt hast.
Unser Tipp: Leg von Anfang an 30% deines Gewinns für Steuern und SVS-Nachzahlungen zur Seite. Lieber zu viel als zu wenig.
Steuerberater
Theoretisch kannst du deine Buchhaltung selbst machen. Praktisch empfehlen wir fast jedem Gründer, einen Steuerberater zu engagieren -- zumindest für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und die Steuererklärung.
Typische Kosten:
| Leistung | Kosten pro Monat |
|---|---|
| Einfache E/A-Rechnung (EPU, wenige Belege) | EUR 100-200 |
| Laufende Buchhaltung (GmbH, doppelte Buchführung) | EUR 300-600 |
| Jahresabschluss (GmbH) | EUR 1.500-3.000 (einmal jährlich) |
| Steuererklärungen | EUR 300-800 (einmal jährlich) |
Spartipp: Manche Steuerberater bieten Gründer-Pakete an. Frag gezielt danach. Und: Je ordentlicher du deine Belege führst, desto weniger kostet der Steuerberater. Ein Belegmanagement-Tool (z.B. eine einfache Buchhaltungssoftware) spart dir monatlich EUR 50-100 an Steuerberatungskosten.
WKO-Mitgliedsbeiträge
Mit der Gewerbeanmeldung bist du automatisch WKO-Mitglied:
- Grundumlage: EUR 50-200 pro Jahr (je nach Fachgruppe)
- Kammerumlage: Entfällt für EPUs ohne Mitarbeiter, relevant ab dem ersten Dienstnehmerverhältnis
Geschäftskonto
Die meisten Banken verlangen für ein Geschäftskonto:
- Kontoführung: EUR 10-30 pro Monat
- Zahlungsverkehr: Je nach Bank und Modell
Spartipp: Manche Neobanken bieten günstigere Geschäftskonten. Aber Achtung: Für die Stammkapitaleinzahlung bei einer GmbH brauchst du eine Bank, die eine Einzahlungsbestätigung ausstellt -- das können nicht alle.
Die versteckten Kosten: Was niemand auf der Checkliste hat
Domain und Online-Präsenz
- Domain-Registrierung: EUR 10-30 pro Jahr (für eine .at-Domain)
- Website-Hosting: EUR 5-30 pro Monat
- SSL-Zertifikat: Oft im Hosting inklusive
- E-Mail-Service: EUR 5-15 pro Monat (z.B. Google Workspace oder Microsoft 365)
Software und Tools
Startups brauchen Software. Auch wenn du kein Tech-Startup bist:
- Buchhaltungssoftware: EUR 10-40 pro Monat
- Projektmanagement: EUR 0-20 pro Monat (viele bieten Gratis-Pläne)
- CRM: EUR 0-50 pro Monat
- Office-Software: EUR 10-20 pro Monat
- Design-Tools: EUR 0-30 pro Monat
In Summe: EUR 30-160 pro Monat für Basis-Software. Das klingt wenig, aber über ein Jahr sind das EUR 360-1.920.
Versicherungen
- Berufshaftpflichtversicherung: EUR 20-100 pro Monat (je nach Branche -- für Berater, IT-Dienstleister oder Baugewerbe sehr unterschiedlich)
- Rechtsschutzversicherung: EUR 20-50 pro Monat
- Betriebshaftpflicht: EUR 10-30 pro Monat
Nicht alle Versicherungen sind am ersten Tag nötig. Aber eine Berufshaftpflicht solltest du von Anfang an haben, wenn du Beratungs- oder IT-Dienstleistungen anbietest.
Rechtsanwalt
Auch wenn du keinen dauerhaften Anwalt brauchst -- bestimmte Situationen erfordern juristischen Rat:
- AGB und Datenschutzerklärung: EUR 500-2.000 (einmalig)
- Markenrecht: EUR 300-800 (Markenanmeldung beim Österreichischen Patentamt)
- Arbeitsverträge: EUR 300-800 pro Vertrag
- Gesellschaftervereinbarung: EUR 1.000-3.000
Der unsichtbare Kostenpunkt: Deine Zeit
Als Gründer verbringst du in den ersten Monaten erstaunlich viel Zeit mit Bürokratie:
- Behördengänge (Gewerbeanmeldung, Finanzamt, SVS)
- Steuerberater-Gespräche
- Banktermine
- Vertragsgestaltung
Ich schätze aus meiner eigenen Erfahrung und aus dem Coaching: In den ersten drei Monaten gehen 20-30% deiner Arbeitszeit in Administration und Bürokratie. Das ist Zeit, die du nicht für Kunden, Produkt oder Marketing nutzen kannst.
Die Gesamtrechnung: Was du realistisch brauchst
Szenario A: Lean-Gründung als Einzelunternehmer
Du startest nebenberuflich, minimal, mit wenig Kosten:
| Position | Kosten (Jahr 1) |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | EUR 0-50 |
| SVS-Mindestbeiträge (12 Monate) | EUR 1.560-1.800 |
| Steuerberater (minimal) | EUR 1.200-2.400 |
| Software und Tools | EUR 360-960 |
| Domain und E-Mail | EUR 120-200 |
| WKO-Grundumlage | EUR 50-200 |
| Gesamt Jahr 1 | EUR 3.290-5.610 |
Szenario B: GmbH-Gründung mit Gründungsprivilegierung
Du gründest eine GmbH, nutzt die Gründungsprivilegierung:
| Position | Kosten (Jahr 1) |
|---|---|
| GmbH-Gründung (Notar, Firmenbuch, Steuerberater) | EUR 2.350-5.050 |
| Stammkapital (gebundenes Kapital) | EUR 2.500 |
| SVS-Mindestbeiträge (12 Monate) | EUR 1.560-1.800 |
| Steuerberater (laufend) | EUR 3.600-7.200 |
| Jahresabschluss | EUR 1.500-3.000 |
| Software und Tools | EUR 600-1.500 |
| Domain und E-Mail | EUR 120-200 |
| WKO-Grundumlage | EUR 50-200 |
| Rechtsanwalt (AGB, Datenschutz) | EUR 500-2.000 |
| Gesamt Jahr 1 (ohne Stammkapital) | EUR 10.280-20.950 |
Szenario C: GmbH mit Investment-Vorbereitung
Du gründest eine GmbH, planst eine Investmentrunde in zwölf bis 18 Monaten:
Zusätzlich zu Szenario B kommen:
| Position | Kosten |
|---|---|
| Gesellschaftervereinbarung (Anwalt) | EUR 2.000-4.000 |
| Markenanmeldung | EUR 300-800 |
| Pitch Deck Design | EUR 500-2.000 |
| Due-Diligence-Vorbereitung | EUR 1.000-3.000 |
| Zusätzliche Kosten | EUR 3.800-9.800 |
Wie sparst du bei der Gründung?
1. NeuFöG nutzen
Das Neugründungsförderungsgesetz spart dir bei einer GmbH-Gründung EUR 200-500 an Gebühren. Bei einem EPU entfällt die Gewerbeanmeldegebühr. Dazu kommen die Lohnnebenkosten-Befreiung für die ersten zwölf Monate und reduzierte SVS-Beiträge. Hol dir das Formular beim WKO Gründerservice -- vor der Gewerbeanmeldung.
2. Gründungsprivilegierung für die GmbH
Seit 2014 kannst du eine GmbH mit nur EUR 2.500 Kapitaleinzahlung gründen (statt EUR 5.000). Die Gründungsprivilegierung muss im Gesellschaftsvertrag verankert werden und gilt für zehn Jahre. In dieser Zeit beträgt die Mindestkörperschaftsteuer EUR 500 pro Jahr (statt EUR 1.750 ohne Privilegierung).
3. FlexCo statt GmbH
Wenn die FlexCo für dein Vorhaben geeignet ist, sparst du durch die elektronische Gründung bei den Notarkosten. Der Unterschied kann EUR 500-1.500 ausmachen.
4. Steuerberater gezielt einsetzen
Mach so viel Vorarbeit wie möglich selbst: Belege ordentlich sortieren, Rechnungen digital erfassen, Überblick über Einnahmen und Ausgaben halten. Je weniger Arbeit der Steuerberater mit der Grundlagenarbeit hat, desto weniger zahlt er.
5. Startup Burgenland Gründungszuschuss
Unser Gründungszuschuss von EUR 10.000 ist nicht rückzahlbar und erfordert keine Eigenkapitalabgabe. Voraussetzungen: innovatives Geschäftsmodell, engagiertes Gründerteam, Teilnahme am 1:1 Coaching. Mit diesen EUR 10.000 deckst du einen Großteil deiner Gründungskosten im ersten Jahr.
6. Erst validieren, dann gründen
Der teuerste Fehler: Eine GmbH gründen, bevor du weißt, ob dein Geschäftsmodell funktioniert. Starte als Einzelunternehmer (EUR 50) oder sogar ohne Rechtsform (als Neuer Selbständiger, kostenlos). Validiere dein Modell. Und gründe die GmbH erst, wenn du sie brauchst.
Wir sehen bei Startup Burgenland regelmäßig Gründer, die EUR 5.000 in eine GmbH gesteckt haben, bevor sie einen einzigen Kunden hatten. Sechs Monate später stellen sie fest, dass die Idee nicht funktioniert -- und die EUR 5.000 sind weg. Das muss nicht sein.
Die Frage, die sich niemand traut zu stellen: Wie viel Puffer brauche ich?
Die Gründungskosten sind das eine. Aber was ist mit deinen Lebenshaltungskosten, während du noch keinen Umsatz machst?
Unsere Faustregel: Rechne mit sechs bis zwölf Monaten ohne Einkommen. Multipliziere deine monatlichen Lebenshaltungskosten mit diesem Zeitraum. Addiere die Gründungskosten. Das ist dein realistischer Finanzbedarf.
Beispiel:
- Lebenshaltungskosten: EUR 2.500/Monat
- Puffer für neun Monate: EUR 22.500
- Gründungskosten (GmbH, Lean): EUR 5.000
- Laufende Geschäftskosten (neun Monate): EUR 4.500
- Gesamtbedarf: ca. EUR 32.000
Das ist kein kleiner Betrag. Aber es ist realistisch. Und Realismus ist besser als Überraschungen.
Was du konkret sparen kannst -- und was nicht
Spar nicht bei:
- Steuerberater: Ein guter Steuerberater spart dir mehr, als er kostet
- Gesellschaftsvertrag (Anwalt): Ein schlechter Vertrag kostet dich beim ersten Konflikt ein Vielfaches
- SVS: Pflicht -- du kannst die Beiträge nicht vermeiden
Spar ruhig bei:
- Logo und Branding: In der Frühphase reicht ein einfaches Logo
- Website: Eine einfache Landing Page reicht zum Start
- Büro: Arbeite von zu Hause oder nutze Coworking-Spaces (in Eisenstadt, Güssing oder Pinkafeld gibt es mittlerweile gute Optionen im Burgenland)
- Visitenkarten: Braucht heute kaum noch jemand
- Notarkosten: Vergleiche Angebote -- die Preise variieren
Zusammenfassung und Handlungsempfehlung
Mach jetzt deine persönliche Kostenaufstellung. Nimm die Tabellen aus diesem Post als Vorlage und trag deine konkreten Zahlen ein. Rechne ehrlich -- mit Lebenshaltungskosten, Puffer und allen versteckten Posten.
Wenn die Summe dich erschreckt: Das ist normal. Und es gibt Lösungen -- Förderungen, nebenberuflicher Start, Lean-Gründung als EPU. Wenn du die komplette Kosten-Nutzen-Rechnung sehen willst, lies Die ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung einer Gründung in Österreich.
Und wenn du einen Partner suchst, der dich durch den Gründungsprozess begleitet: Schreib uns bei Startup Burgenland. Wir helfen dir, die Kosten im Griff zu halten und die richtigen Schritte in der richtigen Reihenfolge zu machen.
Startup Burgenland macht Gründung leistbar: EUR 10.000 Gründungszuschuss (nicht rückzahlbar, keine Eigenkapitalabgabe), 1:1 Coaching und ein Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten. Flexibler Einstieg jederzeit. Schreib uns ein formloses E-Mail.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.