Warum gibt es Startup Burgenland überhaupt?
Wenn du heute im Burgenland gründest, hast du Zugang zu einem Incubator/Accelerator, bedarfsorientiertem Coaching, einem Netzwerk aus zahlreichen Alumni-Startups, Zugang zu Haftungen, Eigenkapitalinvestments und Folgefinanzierungen sowie Unterstützung bei öffentlichen Förderungen über FFG und AWS. Das war nicht immer so.
Vor wenigen Jahren war die Startup-Landschaft im Burgenland überschaubar. Rund 35 Startups wurden innerhalb von 10 Jahren in der gesamten Region gegründet, bevor die Initiative ins Leben gerufen wurde. Keine dedizierte Anlaufstelle, kein strukturiertes Programm, das Gründerinnen und Gründer hätte auffangen können. Wer im Burgenland gründen wollte, orientierte sich nach Wien oder Graz -- oder versuchte es auf eigene Faust.
Heute sind es über 88 Startups in der Region. Eine Verdreifachung. Und mittendrin: Startup Burgenland, seit 2022 offiziell als AplusB Center anerkannt -- eine national anerkannte Innovationsplattform.
Aber wie ist das passiert?
Wie hat alles angefangen?
Die Geschichte beginnt bei Michael Sedlak, Head of Innovation Management und Leiter von Startup Burgenland bei der Wirtschaftsagentur Burgenland. Michael hatte eine klare Beobachtung: Das Burgenland hatte innovatives Potenzial, aber keine Infrastruktur, um daraus Startups zu machen. Universitäten, Fachhochschulen und etablierte Unternehmen in der Region waren da -- aber die Brücke zu Gründerinnen und Gründern fehlte.
Michäls Vision war eine Startup-Initiative, die genau diese Lücke schließt. Nicht ein weiteres Förderprogramm mit Papierkram und langen Wartezeiten, sondern ein echtes Accelerator-Modell: praxisnah, intensiv, mit direktem Coaching.
Um das umzusetzen, holte er Martin Trink und mich (Felix Lenhard) an Bord. Martin und ich kannten uns vom 360 Innovation Lab, wo Martin den Accelerator geleitet hatte und ich als Managing Director tätig war. Wir hatten dort Erfahrung gesammelt, wie man Startup-Programme auf industriellem Niveau aufbaut -- von der Bewerbung über die Validierung bis zum Markteintritt.
Anfangs hieß das Ganze noch SUDHUB. Seit 2021 wurde nach dem erfolgreichen Abschluss der Prototypen-Phase als SÜDHUB das Konzept auf das ganze Burgenland ausgerollt und in Startup Burgenland umgetauft.
Dass aus einer Idee eine nachhaltige Initiative werden konnte, war nicht selbstverständlich. Ausschlaggebend für den Erfolg war die Unterstützung der Geschäftsführung der Wirtschaftsagentur Burgenland: Zunächst war es Harald Zagiczek, der als Geschäftsführer die Weichen für den Aufbau von Startup Burgenland gestellt und das Programm von Anfang an mitgetragen hat. Später übernahm Michael Gerbavsits die Geschäftsführung und setzte diesen Kurs konsequent fort. Beide haben den Rahmen geschaffen, in dem wir als Team arbeiten und wachsen konnten. Ebenso entscheidend ist die andauernde Unterstützung von Wirtschaftslandesrat Leonhard Schneemann, der die Bedeutung von Startups für die regionale Wirtschaft erkennt und das Programm politisch stärkt. Ohne diesen Rückhalt auf allen Ebenen wäre Startup Burgenland in dieser Form nicht möglich gewesen.
Was haben wir aufgebaut?
Unser Ansatz war von Anfang an: weniger Theorie, mehr Umsetzung. Wir wollten kein Programm, in dem Gründer monatelang Business-Pläne schreiben. Wir wollten eines, in dem sie ihr Produkt testen, mit echten Kunden sprechen und innerhalb von Monaten wissen, ob ihre Idee trägt.
In den ersten Jahren haben wir ein klassisches Incubator-Programm (für Startups von der Idee bis zum Markteintritt) und ein Accelerator-Programm (für Startups vom Markteintritt bis zum Scale-up) betrieben -- mit festen Batches, Bewerbungsrunden und strukturierten Laufzeiten. Das hat gut funktioniert, aber wir haben gelernt: Jedes Startup ist anders. Unterschiedliche Phasen, unterschiedliche Herausforderungen, unterschiedliches Tempo.
Deshalb haben wir 2026 beide Programme in ein 100% individuelles made-to-measure 1:1 Coaching umgewandelt. Keine Batches mehr, kein fixer Zeitrahmen, kein One-size-fits-all-Programm. Stattdessen: ein persönlicher Fahrplan, der sich nach deinen Bedürfnissen richtet.
Heute besteht Startup Burgenland aus zwei Säulen:
- 1:1 Coaching für neue Startups: Individuelle Begleitung von der Idee bis zum Scale-up. Strategie- und Business-Model-Coaching, Pitch-Training und Investoren-Vorbereitung, Zugang zu Netzwerk und Pilotkunden, Vermittlung von Spezialisten (Recht, HR, PR, Vertrieb) und eine aktive Alumni-Community. Dazu kommt finanzielle Unterstützung: EUR 10.000 nicht-rückzahlbarer Gründungszuschuss, bis zu EUR 400.000 Eigenkapitalinvestment, Bankgarantien bis EUR 800.000 und Folgefinanzierung über Athena VC.
- ReStartUp für Betriebsnachfolge: Weil nicht jedes gute Unternehmen neu gegründet werden muss. Professionelle Bewertung, Finanzierungsunterstützung und Begleitung durch den gesamten Übergabeprozess.
Der Einstieg ist einfach: Ein formloses E-Mail genügt. Wir führen dann ein ~20-minütiges Erstgespräch mit ehrlichem Feedback und entwickeln gemeinsam einen individuellen Fahrplan.
Ergänzt wird das Team durch Raphäla Graf, die unser Marketing verantwortet und dafür sorgt, dass die richtigen Leute von unserem Angebot erfahren.
Was ist dabei herausgekommen?
Zahlen sagen mehr als Versprechungen. Hier ist, was wir nach fünf Jahren vorweisen können:
- 40+ Startups direkt durch unser Programm begleitet
- EUR 10,7 Mio. Gesamtkapitalisierung unserer Portfolio-Startups
- EUR 3,8 Mio. davon aus öffentlicher Förderung (FFG und AWS)
- EUR 5,5 Mio. Umsatz, den unsere Startups generiert haben
- 129 Arbeitsplätze geschaffen
- 48% der teilnehmenden Startups haben sich im Burgenland angesiedelt
- 95% unserer Alumni empfehlen das Programm weiter
Die regionale Startup-Dichte hat sich verdreifacht: von rund 35 auf über 88 Startups. Das ist nicht allein unser Verdienst -- aber wir haben einen messbaren Beitrag geleistet.
Warum erzählen wir dir das?
Nicht, um uns selbst zu feiern. Sondern weil diese Geschichte drei Dinge zeigt, die für deine Gründung relevant sind:
1. Du brauchst kein Silicon Valley
Das Burgenland ist nicht Berlin, nicht Wien, nicht San Francisco. Und genau das war nie ein Nachteil. Niedrigere Kosten, kürzere Wege, persönlichere Netzwerke -- das sind Vorteile, die Gründer in Ballungsräumen oft vermissen. Ob du aus Eisenstadt, Oberwart oder Güssing kommst: Du kannst von hier aus gründen.
2. Infrastruktur existiert -- nutze sie
Viele Gründer wissen nicht, welche Unterstützung es in Österreich gibt. FFG-Förderungen, AWS-Programme, WKO-Gründerservice, Inkubatoren wie unserer -- das Ökosystem ist da. Aber du musst es aktiv nutzen. Wir sehen regelmäßig Startups, die Förderungen auf dem Tisch liegen lassen, weil sie nicht wissen, dass es sie gibt.
3. Du musst es nicht alleine machen
Das ist vielleicht die wichtigste Lektion. Unsere erfolgreichsten Startups sind nicht die mit der brillantesten Idee. Es sind die, die sich früh Feedback holen, sich coachen lassen und ein Netzwerk aufbauen. Alleine gründen klingt romantisch -- aber ein gutes Umfeld beschleunigt alles.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du über eine Gründung nachdenkst oder schon mittendrin bist, hier sind drei konkrete nächste Schritte:
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Informiere dich über Startup Burgenland. Unser 1:1 Coaching-Programm hat keinen fixen Starttermin -- du kannst dich jederzeit per E-Mail melden und wir schauen gemeinsam, ob und wie wir dich unterstützen können.
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Check die Förderlandschaft. Die FFG und das AWS bieten Programme speziell für Startups. Das Gründerservice der WKO ist eine gute erste Anlaufstelle.
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Lies weiter. Im nächsten Post teilen wir, was wir aus 40+ Startups gelernt haben -- die Muster, die über Erfolg und Scheitern entscheiden. Außerdem findest du in unserem Post zu den fünf größten Denkfehlern vor der Gründung typische Fallen, die du vermeiden kannst.
Weiterführende Artikel
- Was wir von jedem Startup gelernt haben, das wir begleitet haben
- Die unerzählten Geschichten: Was hinter den Erfolgs-Headlines steckt
- Fünf österreichische Startups, die es geschafft haben -- und was du von ihnen lernen kannst
- Der österreichische Kontext: Was Gründen hier besonders macht
Startup Burgenland ist ein Programm der Wirtschaftsagentur Burgenland. Wir begleiten Gründerinnen und Gründer mit 100% individuellem 1:1 Coaching -- von der Idee bis zum Scale-up. Ursprünglich als Incubator (Idee bis Markteintritt) und Accelerator (Markteintritt bis Scale-up) gestartet, bieten wir seit 2026 maßgeschneiderte Begleitung ohne fixen Zeitrahmen.
Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.