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Term Sheet Cheat Sheet

Die 12 wichtigsten Klauseln für österreichische Gründer:innen – erklärt und bewertet

Toolbox / Phase 3: Scale-Up / Term Sheet Cheat Sheet
SB

Term Sheet Cheat Sheet Österreich

Die 12 wichtigsten Klauseln für Gründer:innen
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Wichtigkeit:
Kritisch
Wichtig
Nice-to-have
1 Pre-Money / Post-Money Bewertung Valuation

Bestimmt, wie viel dein Startup vor (Pre) und nach (Post) dem Investment wert ist – und damit deinen Verwässerungsanteil.

Post-Money = Pre-Money + Investment
Verwässerung = Investment / Post-Money

Beispiel: EUR 800K Pre-Money + EUR 200K Investment = EUR 1M Post-Money. Investor erhält 20 %.

AT typisch: Pre-Seed EUR 500K–1,5M, Seed EUR 1,5–5M
Achte darauf, ob ESOP/VSOP-Pool in die Pre-Money-Bewertung eingerechnet wird – das verwässert dich zusätzlich!
2 Investment & Kapitalerhöhung Capital Increase

Bei GmbH/FlexCo erfolgt ein Equity-Investment über eine Stammkapitalerhöhung. Der Nominalbetrag geht ins Stammkapital, der Rest in die Kapitalrücklage (Agio).

Neuer Anteil = Nominalbetrag / neues Stammkapital
Agio = Investment - Nominalbetrag

FlexCo-Vorteil: Stückanteile ab EUR 1 (statt EUR 70 bei GmbH). Einfachere Anteilsstruktur & weniger Notarkosten.

AT typisch: GmbH Stammkapital EUR 35.000, FlexCo ab EUR 10.000
Der Notarakt bei Stammkapitalerhöhungen kann EUR 2.000–5.000 kosten. Plane das Budget ein!
3 Liquidation Preference Liq. Pref.

Bestimmt, wer bei einem Exit (Verkauf, Liquidation) zuerst sein Geld zurückbekommt – und wie viel.

1x Non-Participating: Investor bekommt 1x Investment zurück ODER seinen Pro-Rata-Anteil (was höher ist). Gründerfreundlich.

1x Participating: Investor bekommt 1x zurück UND seinen Pro-Rata-Anteil. Teuer für Gründer.

Exit EUR 3M, Invest EUR 500K (20%):
Non-Part: max(500K, 600K) = 600K
Part: 500K + 500K = 1M (!)
Verhandle IMMER 1x Non-Participating. Alles darüber ist ein großes Warnsignal.
4 Anti-Dilution Verwässerungsschutz

Schützt den Investor, wenn eine Folgerunde zu einer niedrigeren Bewertung stattfindet (Down Round).

Full Ratchet: Investor wird so gestellt, als hätte er zum niedrigeren Preis investiert. Extrem gründerfeindlich.

Weighted Average: Passt den Preis gewichtet an – berücksichtigt, wie viel Kapital zur niedrigeren Bewertung aufgenommen wird. Fairer Standard.

AT typisch: Broad-Based Weighted Average ist Marktstandard
Full Ratchet NIEMALS akzeptieren. Bei Down Rounds kannst du sonst massiv verwässert werden.
5 Vesting & Cliff Vesting Schedule

Regelt, dass Gründeranteile über Zeit erdient werden. Schützt das Team, wenn ein Mitgründer früh aussteigt.

Standard: 4 Jahre Vesting, 1 Jahr Cliff. Nach dem Cliff: monatliches Vesting (1/48 pro Monat).

Good Leaver: Gründer behält geveste Anteile (z.B. Kündigung durch Firma, Krankheit).

Bad Leaver: Gründer verliert alle/die meisten Anteile (z.B. Betrug, Vertragsbruch).

AT typisch: 4J/1J Cliff, Reverse Vesting für Gründer
Kläre Good/Bad Leaver Definitionen GENAU. Das ist oft der härteste Verhandlungspunkt.
6 Drag-Along & Tag-Along Mitverkaufsrechte

Regelungen für den Verkauf von Anteilen – schützen sowohl Investoren als auch Gründer.

Drag-Along: Mehrheitsgesellschafter können Minderheiten zum Mitverkauf zwingen. Wichtig für Exit-Fähigkeit.

Tag-Along: Minderheiten dürfen bei einem Verkauf zu gleichen Konditionen mitverkaufen. Schützt Gründer.

AT typisch: Drag ab 75% Zustimmung, Tag-Along für alle Gesellschafter
Achte auf Mindestbewertung beim Drag-Along: Du willst nicht unter Wert zum Verkauf gezwungen werden.

SB

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Die 12 wichtigsten Klauseln für Gründer:innen
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Wichtigkeit:
Kritisch
Wichtig
Nice-to-have
7 Board / Beirat Board Composition

Legt fest, wer im Beirat (Advisory Board) sitzt und welche Entscheidungen einer Zustimmung bedürfen.

Sitz-Verteilung: Typisch 2 Gründer + 1 Investor + 1 Unabhängiger bei Seed-Runden. Bei Series A oft paritätisch.

Vetorechte: Investoren verlangen oft Veto bei: Kapitalerhöhung, Verkauf, Aufnahme von Schulden >X, neue Gesellschafter, Satzungsänderung.

AT typisch: GmbH hat keinen Pflicht-Aufsichtsrat. Beirat ist freiwillig & vertraglich geregelt.
Behalte die Mehrheit im Beirat. Ein unabhängiger Sitz kann bei Konflikten entscheiden.
8 Informationsrechte Information Rights

Definiert, welche Berichte und Daten Investoren regelmäßig erhalten. Standard in jedem Term Sheet.

Quartalsberichte: P&L, Cashflow, KPIs, Runway, Team-Update. Innerhalb von 30 Tagen nach Quartalsende.

Jahresabschluss: Geprüfter Jahresabschluss innerhalb von 6 Monaten (GmbH-Pflicht ab bestimmter Größe).

Ad-hoc: Wesentliche Ereignisse sofort melden (z.B. Rechtsstreit, Key-Man-Verlust, Liquiditätsengpass).

AT typisch: Monatliches Investor-Update per E-Mail ist Best Practice
Baue von Anfang an ein monatliches Reporting auf – das schafft Vertrauen und spart dir Arbeit bei Folgerunden.
9 Pro-Rata-Rechte Pre-emption Rights

Gibt bestehenden Investoren das Recht, bei Folgerunden ihren Anteil zu halten, indem sie proportional nachkaufen.

Beispiel: Investor hält 20 %. Bei Series A (EUR 2M) darf er bis zu EUR 400K investieren, um bei 20 % zu bleiben.

Pay-to-Play: Manche Term Sheets koppeln Pro-Rata an die Pflicht mitzuinvestieren – wer nicht mitgeht, verliert Vorzugsrechte.

AT typisch: Pro-Rata ist Standard. Pay-to-Play selten bei Seed.
Pro-Rata ist fair und üblich. Problematisch wird es erst, wenn ALLE Altinvestoren mitgehen wollen und kein Platz für neue bleibt.
10 Gesellschaftervertrag (SHA) Shareholders' Agreement

Der Gesellschaftervertrag ist das bindende Dokument, das NACH dem Term Sheet verhandelt wird. Er enthält alle Details.

Key Clauses AT:

– Geschäftsführer-Bestellung & Abberufung
– Zustimmungspflichtige Geschäfte
– Wettbewerbsverbot (typisch 12–24 Monate)
– Aufgriffsrecht bei Anteilsverkauf
– Gewinnverwendung & Entnahmen
– Deadlock-Klausel (Russian Roulette, Shotgun)

AT typisch: Notariatspflicht bei GmbH-Anteilsübertragung!
Der SHA ist wichtiger als das Term Sheet. Investiere in einen guten Startup-Anwalt für die Verhandlung.
11 Lock-up Period Haltefrist

Zeitraum, in dem Gründer ihre Anteile nicht verkaufen dürfen. Signalisiert Commitment gegenüber Investoren.

Standard: 12–24 Monate nach Closing. Danach oft eingeschränkt durch Vorkaufsrechte (Right of First Refusal).

Ausnahmen: Teilverkäufe für persönliche Liquidität (Secondary) werden in späteren Runden manchmal ermöglicht.

AT typisch: 12–24 Monate Lock-up, oft an Vesting gekoppelt
Lock-up ist üblich und fair. Bei langer Lock-up (>24M) verhandle Ausnahmen für Härtefälle.
12 Exklusivität & NDA No-Shop / Confidentiality

Regelt den Prozess zwischen Term-Sheet-Unterschrift und Closing (Due Diligence Phase).

No-Shop-Klausel: Du darfst für 30–60 Tage nicht mit anderen Investoren über eine Finanzierung verhandeln.

Vertraulichkeit: Beide Seiten dürfen Term-Sheet-Details nicht offenlegen. Investoren reden trotzdem untereinander – sei dir dessen bewusst.

Exklusivität ist NICHT bindend: Das Term Sheet selbst ist in AT meist unverbindlich (außer No-Shop und NDA).

AT typisch: 30–45 Tage No-Shop, 2 Jahre NDA
Halte die No-Shop-Phase kurz (max. 45 Tage). Zu lang = du verlierst Verhandlungsmacht.

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Im 1:1-Coaching gehen wir gemeinsam durch dein Term Sheet und helfen dir, die Klauseln zu verstehen und zu verhandeln – bevor du unterschreibst.

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