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Financial Model

Anleitung & Strukturdokumentation – Dein Guide zum professionellen Finanzmodell

Toolbox / Phase 2: Markteintritt / Financial Model

1. Einleitung

Warum jedes Startup ein Finanzmodell braucht

Ein Finanzmodell ist weit mehr als eine Pflichtübung für Investor:innen-Gespräche. Es ist dein wichtigstes Steuerungsinstrument. Es beantwortet drei zentrale Fragen: Wie viel Geld brauche ich?, Wann wird mein Startup profitabel? und Welche Hebel beeinflussen mein Ergebnis am stärksten?

Ob du eine Förderung bei der aws oder FFG beantragst, mit Business Angels in Wien sprichst oder bei einem VC in Graz pitchst – ein durchdachtes Finanzmodell zeigt, dass du dein Geschäft verstehst und strategisch denkst.

Wichtig Niemand erwartet, dass deine Prognosen exakt eintreffen. Was Investor:innen sehen wollen: dass du die richtigen Fragen stellst, deine Annahmen kennst und weißt, welche Stellschrauben dein Business treiben.

Wer dieses Template nutzen sollte

  • Pre-Seed & Seed Startups, die sich auf Investor:innen-Gespräche oder Förderanträge vorbereiten
  • Gründer:innen im Accelerator, die ihre Unit Economics verstehen wollen
  • Bestehende Startups, die ihr erstes Finanzmodell von einem einfachen Budgetplan auf ein professionelles Modell upgraden wollen

Was du brauchst, bevor du startest

1
Klares Pricing

Du solltest zumindest eine erste Preisvorstellung haben. Auch wenn sich der Preis noch ändert – ohne Pricing-Annahme kein Revenue Model.

2
Marktdaten & Benchmarks

Wie groß ist dein adressierbarer Markt (TAM/SAM/SOM)? Wie sehen typische Conversion Rates in deiner Branche aus? Wie hoch ist der durchschnittliche Churn?

3
Teamplanung (grob)

Welche Rollen brauchst du wann? Personalkosten sind in der Regel der größte Kostenblock – hier genau zu sein, macht den Unterschied.

4
Geschäftsmodell-Typ

SaaS, Marketplace oder B2B Services? Dieses Template deckt alle drei Varianten ab. Wähle die, die deinem Modell am nächsten kommt.

2. Übersicht der Tab-Struktur

Das Financial Model besteht aus 6 Tabs, die aufeinander aufbauen. Die Tabs 2, 3 und 6 werden manuell befüllt – Tab 1, 4 und 5 berechnen sich automatisch daraus.

Tab 1
Dashboard
Alles auf einen Blick
Tab 2
Revenue Model
Umsatzplanung
Tab 3
Kosten
Alle Ausgaben
Tab 4
P&L
Gewinn & Verlust
Tab 5
Cash Flow
Geldfluss & Runway
Tab 6
Annahmen
Alle Parameter
Tipp Beginne mit Tab 6 (Annahmen), dann Tab 2 (Revenue), dann Tab 3 (Kosten). Die restlichen Tabs berechnen sich automatisch.

3. Tab-für-Tab Dokumentation

Zweck

Das Dashboard ist dein Cockpit. Es fasst die wichtigsten Kennzahlen aus allen anderen Tabs zusammen und gibt dir (und deinen Investor:innen) sofort einen Überblick über die finanzielle Lage deines Startups.

Aufbau

4 KPI-Karten im oberen Bereich:

KPI Quelle Beschreibung
MRR / Monatsumsatz Tab 2 Monthly Recurring Revenue bzw. monatlicher Umsatz
Burn Rate Tab 5 Durchschnittlicher monatlicher Netto-Geldabfluss
Runway Tab 5 Verbleibende Monate bis das Geld aufgebraucht ist
Headcount Tab 3 Aktuelle Teamgröße (inkl. Gründer:innen)

3 Charts darunter:

  • Revenue-Entwicklung: Monatlicher Umsatz über den gesamten Planungszeitraum (Balkendiagramm)
  • Cash-Verlauf: Kontostand über Zeit, inkl. Funding-Injektionen (Liniendiagramm)
  • Kosten-Aufschlüsselung: Anteil der Kostenkategorien am Gesamtbudget (Kreisdiagramm)
Hinweis Dieses Tab zieht alle Daten automatisch aus den anderen Tabs. Du musst hier nichts manuell eintragen. Wenn die Werte nicht stimmen, prüfe die Quelltabs.

Zweck

Hier modellierst du deine Umsatzentwicklung über 60 Monate (5 Jahre). Die Spalten laufen von Monat 1 bis Monat 60, gruppiert nach Jahren. Wähle die Variante, die deinem Geschäftsmodell am nächsten kommt.

Spaltenstruktur

// Zeitachse Spalten: M1 | M2 | M3 | ... | M12 | Jahr 1 Summe | M13 | ... | M60 | Jahr 5 Summe | Gesamt

SaaS-Variante: Recurring Revenue

Das klassische SaaS-Modell basiert auf monatlichen Abonnements in verschiedenen Preisstufen. Der Schlüssel liegt im Zusammenspiel von Neukundengewinnung, Churn (Abwanderung) und Upgrades.

Pricing Tiers (Zeilen):

// Preisstufen definieren Basis-Plan: €29/Monat // Einzelnutzer:innen, eingeschränkter Funktionsumfang Pro-Plan: €79/Monat // Teams, voller Funktionsumfang Enterprise: €249/Monat // Großkunden, individuelle Features, SLA

Kundenentwicklung pro Tier:

// Formeln für jeden Monat Neue Kund:innen (pro Monat): abhängig von Marketing-Spend & Conversion Churn (pro Monat): Bestandskund:innen × Churn Rate Upgrades (pro Monat): Bestandskund:innen × Upgrade Rate Aktive Kund:innen (Basis) = Vormonat_Basis + Neue_Basis − Churn_Basis − Upgrades_zu_Pro Aktive Kund:innen (Pro) = Vormonat_Pro + Neue_Pro + Upgrades_von_Basis − Churn_Pro − Upgrades_zu_Enterprise Aktive Kund:innen (Ent.) = Vormonat_Ent + Neue_Ent + Upgrades_von_Pro − Churn_Ent

MRR-Berechnung:

MRR = (Kund:innen_Basis × €29) + (Kund:innen_Pro × €79) + (Kund:innen_Enterprise × €249) ARR = MRR × 12 // Zusätzliche SaaS-Metriken Net Revenue Retention = (MRR_Beginn + Expansion − Churn − Downgrades) / MRR_Beginn × 100 ARPU = MRR / Gesamtanzahl_aktive_Kund:innen LTV = ARPU / Churn_Rate
Benchmark Gute SaaS-Startups erreichen nach 18 Monaten eine Net Revenue Retention von über 100 %, d. h. der Bestand wächst auch ohne Neukund:innen. Churn unter 5 % monatlich ist für Early-Stage-SaaS ein solider Wert.

Marketplace-Variante: Transaktionsbasiert

Bei Marktplätzen generierst du Umsatz durch eine Provision (Take Rate) auf jede Transaktion. Die Herausforderung liegt im Chicken-and-Egg-Problem: Du brauchst sowohl Käufer:innen als auch Verkäufer:innen.

Buyer-Seite:

Aktive Käufer:innen: Wachstumsannahme pro Monat (aus Tab 6) Transaktionen/Käufer:in/Monat: 1,5 // Abhängig von Kategorie Durchschnittl. Warenkorb: €85 // Durchschnittlicher Bestellwert

Seller-Seite:

Aktive Verkäufer:innen: Wachstumsannahme pro Monat (aus Tab 6) Listings/Verkäufer:in: 12 // Durchschnittliche Anzahl aktiver Angebote

Revenue-Berechnung:

GMV = Aktive Käufer:innen × Transaktionen/Monat × Durchschnittl. Warenkorb // Beispiel: 200 Käufer:innen × 1,5 Transaktionen × €85 = €25.500 GMV Take Rate: 15% // Provision auf den Warenkorbwert Net Revenue = GMV × Take Rate // €25.500 × 15% = €3.825 Net Revenue // Zusätzliche Marketplace-Metriken Liquidity = Transaktionen / Listings // Wie aktiv ist der Marktplatz? Buyer:Seller Ratio = Aktive Käufer:innen / Aktive Verkäufer:innen Repeat Rate = Wiederkehrende Käufer:innen / Gesamt Käufer:innen × 100
Benchmark Take Rates variieren stark nach Branche: 5–10 % bei Commodities, 15–25 % bei spezialisierten Nischen, bis zu 30 % bei Services-Marktplätzen. In Österreich solltest du auch an die USt-Pflicht für Marktplatzbetreiber denken.

B2B-Services-Variante: Projekt- & Stundenbasiert

Bei B2B Services hängt dein Revenue direkt an der Teamkapazität. Der Schlüssel ist die Utilization Rate – also wie viel Prozent der verfügbaren Zeit tatsächlich abgerechnet werden kann.

Projektbasiertes Modell:

Aktive Projekte: 3 // Parallel laufende Projekte Durchschnittl. Projektvolumen: €25.000 // Gesamtwert pro Projekt Projektdauer: 4 Monate Monatl. Revenue (Projekt) = Aktive Projekte × (Projektvolumen / Projektdauer) // 3 × (€25.000 / 4) = €18.750/Monat

Stundenbasiertes Modell:

Abrechenbare MA: 3 // Nicht alle MA sind abrechenbar Stundensatz: €120 // Durchschnittlicher externer Stundensatz Utilization Rate: 75% // Anteil abrechenbarer Stunden Arbeitstage/Monat: 20 Stunden/Tag: 8 Monatl. Revenue (Stunden) = MA × Stundensatz × Utilization × 160h // 3 × €120 × 0,75 × 160 = €43.200/Monat // Zusätzliche B2B-Metriken Revenue per Employee = Monatl. Revenue / Gesamte MA Effective Rate = Monatl. Revenue / (Abrechenbare MA × 160h) Pipeline Coverage = Pipeline-Wert / Quartalsziel // Sollte mind. 3x sein
Benchmark Top-Beratungen erreichen Utilization Rates von 80–85 %. Für Startups im Aufbau sind 60–70 % realistisch. Plane konservativ: Akquise, Interna und Krankenstände fressen mehr Zeit, als man denkt.

Zweck

Hier erfasst du alle laufenden Kosten deines Startups, Monat für Monat. Personalkosten machen bei den meisten Startups 60–80 % der Gesamtkosten aus – sei hier besonders genau.

Kategorie 1: Personal

// Österreichische Lohnnebenkosten: ~30% auf das Bruttogehalt // DG-Beiträge (SV, DB, DZ, KommSt, MVK) ≅ 30,08–31,58 % Gründer:innen-Gehalt: Bruttogehalt × Anzahl × 1,30 // Beispiel: €3.000 × 2 × 1,30 = €7.800/Monat Entwickler:innen: Bruttogehalt × Anzahl × 1,30 // Beispiel: €4.000 × 2 × 1,30 = €10.400/Monat Sales & Marketing: Bruttogehalt × Anzahl × 1,30 // Beispiel: €3.200 × 1 × 1,30 = €4.160/Monat Operations / Admin: Bruttogehalt × Anzahl × 1,30 // Beispiel: €2.800 × 1 × 1,30 = €3.640/Monat Formel Brutto-Personalkosten: Personalkosten_gesamt = Σ (Gehalt_Rolle × Anzahl_Rolle × 1,30) // ACHTUNG: Geschäftsführer:innen einer GmbH, die >25% halten, // sind GSVG-versichert (SVS), nicht ASVG. SVS-Beiträge für GF: ca. €800–1.200/Monat // je nach Gewinn
Österreich-Hinweis Vergiss nicht: In Österreich kommen zum Bruttogehalt noch 13. und 14. Monatsgehalt (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) dazu. Das sind ~17 % on top, die im Faktor 1,30 noch NICHT inkludiert sind. Plane für Jahresbetrachtungen: Jahreskosten = Monatsgehalt × 14 × 1,30.

Kategorie 2: Office & Infrastruktur

Miete / Coworking: €500–2.000/Monat // Coworking ab ~€200/Platz, eigenes Büro mehr Internet / Telefon: €80–150/Monat Hardware / Equipment: €200–500/Monat // Abgeschrieben über 3 Jahre (AfA)

Kategorie 3: Marketing & Sales

Online Marketing: €500–5.000/Monat // Google Ads, Meta, LinkedIn Content / SEO: €300–1.500/Monat // Agentur oder Freelancer Events / Messen: €200–1.000/Monat // Durchschnitt, saisonal schwankend PR: €0–2.000/Monat // Oft erst ab Seed relevant

Kategorie 4: Tools & Software

Cloud / Hosting: €100–2.000/Monat // AWS, Azure, GCP – skaliert mit Nutzung SaaS-Tools: €200–800/Monat // Slack, Notion, HubSpot, etc. Entwickler-Tools: €50–300/Monat // GitHub, Figma, Sentry, etc.

Kategorie 5: Recht & Steuern

Steuerberater:in: €300–800/Monat // Laufende Buchhaltung + Jahresabschluss Rechtsanwalt / -anwältin: €200–500/Monat // AGB, Verträge, IP-Schutz Wirtschaftsprüfer:in: €3.000–8.000/Jahr // Ab gewisser Größe Pflicht

Kategorie 6: Sonstiges

Reisekosten: €200–800/Monat // Kundenbesuche, Events, Pitches Versicherungen: €100–300/Monat // Betriebshaftpflicht, D&O, Cyber Unvorhergesehenes (Buffer): Σ aller Kosten × 10% // IMMER einplanen. Es kommt IMMER etwas Unerwartetes.

Zweck

Die P&L zeigt, ob dein Startup profitabel arbeitet – und wo die Margen liegen. Sie zieht Daten aus Tab 2 (Revenue) und Tab 3 (Kosten) und berechnet die Ergebniskette automatisch.

Aufbau der GuV

+ Revenue // Aus Tab 2 – Netto-Umsatz − COGS (Cost of Goods Sold) // SaaS: Hosting, Support-Personal, Onboarding-Kosten // Marketplace: Payment Processing (~2,5%), Versand-Subventionen // B2B: Direkte Projektkosten, Freelancer, Material = GROSS PROFIT (Rohertrag) Gross Margin = Gross Profit / Revenue × 100 − Personalkosten // Aus Tab 3 – alle Gehälter + Lohnnebenkosten − Marketing & Sales // Aus Tab 3 − Office & Infrastruktur // Aus Tab 3 − Tools & Software // Aus Tab 3 − Recht & Steuern // Aus Tab 3 – laufende Beratungskosten − Sonstige Kosten // Aus Tab 3 – inkl. Buffer = EBITDA // Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation & Amortization EBITDA-Marge = EBITDA / Revenue × 100 − Abschreibungen (AfA) // Hardware: 3 Jahre linear, Software-Lizenzen: 3–5 Jahre // Beispiel: Laptop €1.800 → €50/Monat AfA = EBIT // Earnings Before Interest & Taxes (operatives Ergebnis) − Zinsen // Darlehen, Wandeldarlehen (Zinssatz lt. Vertrag) = EBT (Ergebnis vor Steuern) − KöSt (Körperschaftsteuer) // 23% auf positives EBT (seit 2024) // ACHTUNG: Mindest-KöSt auch bei Verlust! // GmbH: €500/Quartal = €2.000/Jahr // FlexCo: €125/Quartal = €500/Jahr (ab 2024) // AG: €875/Quartal = €3.500/Jahr = NETTO-ERGEBNIS // Jahresüberschuss (positiv) oder Jahresfehlbetrag (negativ)

Typische Gross Margins nach Geschäftsmodell

Modell Typische Gross Margin Anmerkung
SaaS 70–85 % Hosting-Kosten sind niedrig, Skalierung günstig
Marketplace 60–80 % Abhängig von Take Rate und Fulfillment-Beteiligung
B2B Services 40–60 % Personalintensiv, limitierte Skalierung
Österreich-Hinweis: Mindest-KöSt Auch wenn dein Startup Verluste schreibt: Die Mindest-Körperschaftsteuer fällt trotzdem an. Bei einer GmbH sind das €500 pro Quartal, ab dem ersten vollen Geschäftsjahr. Bei der neuen FlexCo (seit 2024) nur €125 pro Quartal. Diesen Betrag musst du im Cash Flow einplanen.

Zweck

Die P&L zeigt, ob du profitabel bist. Der Cash Flow zeigt, ob du überlebst. Viele profitable Startups gehen pleite, weil ihnen das Geld ausgeht (Stichwort: Zahlungsziele, Vorfinanzierung). Dieses Tab ist dein Frühwarnsystem.

Cash In (Geldzuflüsse)

+ Revenue (zahlungswirksam) // ACHTUNG: Nicht der gebuchte Umsatz, sondern was tatsächlich eingeht // Bei B2B typisch: 30–60 Tage Zahlungsziel // Bei SaaS: sofort (Kreditkarte) oder monatlich (Rechnung) + Eigenkapital-Einlagen // Stammkapital bei Gründung: GmbH €35.000 (halb einzuzahlen), // FlexCo ab €10.000 (halb einzuzahlen) + Investoren-Funding (Equity) // Business Angels, VC-Runden – als einmaliger Zufluss modellieren + Wandeldarlehen / Darlehen // Zeitpunkt und Höhe lt. Vertrag + Förderungen // aws Preseed: bis €200.000 // aws Seed: bis €800.000 // FFG Basisprogramm: bis €500.000 (50% Förderquote) // ACHTUNG: Förderungen kommen oft 3–6 Monate verzögert! = TOTAL CASH IN

Cash Out (Geldabflüsse)

− Personalkosten // Inkl. Lohnnebenkosten, 13./14. Gehalt − Betriebskosten // Miete, Internet, Tools – wie in Tab 3 − Marketing-Ausgaben // Sofort zahlungswirksam − Investitionen (CapEx) // Hardware, Einrichtung – voller Betrag bei Kauf − Steuerzahlungen // KöSt-Vorauszahlungen: quartalsweise // USt-Voranmeldung: monatlich oder quartalsweise // USt-Zahllast = Eingenommene USt − Vorsteuer − Darlehensrückzahlungen // Lt. Tilgungsplan = TOTAL CASH OUT

Kernkennzahlen

NET CASH FLOW = Total Cash In − Total Cash Out CASH BALANCE = Vormonat_Cash_Balance + Net_Cash_Flow_aktueller_Monat RUNWAY = Cash Balance / durchschnittl. monatl. Net Cash Out // Ergebnis in Monaten // Unter 6 Monate = ALARM // 6–12 Monate = Fundraising starten // 12–18 Monate = Komfortzone // 18+ Monate = Stark BURN RATE = Durchschnittl. monatl. Net Cash Out (letzte 3 Monate) // Auch Gross Burn (nur Ausgaben) vs. Net Burn (abzgl. Einnahmen) unterscheiden
Kritisch: USt-Voranmeldung nicht vergessen Viele Gründer:innen vergessen die USt-Zahllast im Cash Flow. Wenn du €100.000 Umsatz machst, sammelst du €20.000 USt ein – die gehören nicht dir. Die USt-Voranmeldung ist bei Umsatz über €100.000/Jahr monatlich fällig, darunter quartalsweise. Das kann ein ordentliches Loch ins Cash reißen, wenn nicht eingeplant.

Zweck

Hier dokumentierst du alle Annahmen, die in dein Modell fließen. Das ist der wichtigste Tab für Investor:innen-Gespräche: Sie wollen verstehen, warum du bestimmte Zahlen annimmst, und schnell Szenarien durchspielen.

Wachstums-Annahmen

Kundengewinn pro Monat: Monat 1–6: 5 Neukund:innen/Monat // Manueller Vertrieb Monat 7–12: 12 Neukund:innen/Monat // Erste Inbound-Effekte Jahr 2: 25 Neukund:innen/Monat // Marketing skaliert Jahr 3: 50 Neukund:innen/Monat // Produkt-markt-fit erreicht Jahr 4–5: 80 Neukund:innen/Monat // Organisches Wachstum + Partnerships Churn Rate: 5% monatlich (Monat 1–12), 3% (ab Jahr 2) Revenue Growth MoM: 15–20% (Monat 1–12), 8–12% (Jahr 2), 5–8% (Jahr 3–5) Conversion Rate: Trial → Paid: 8–12%

Pricing-Annahmen

ARPU: €55/Monat // Gewichteter Durchschnitt über alle Tiers Preissteigerung: 5% pro Jahr // Ab Jahr 2 Discount-Quote: 15% der Kund:innen bekommen jährliche Abrechnung (−20%)

Kosten-Annahmen

Gehaltssteigerung: 3–5% pro Jahr // AT-Inflation + Markt Hiring Plan: Jahr 1: +2 MA (1× Dev, 1× Sales) Jahr 2: +4 MA (2× Dev, 1× Marketing, 1× Customer Success) Jahr 3: +5 MA (2× Dev, 1× Sales, 1× Ops, 1× Finance) Jahr 4: +6 MA Jahr 5: +4 MA Marketing-Budget: 15–25% des Revenue // Höher in der Frühphase

Steuer-Annahmen (Österreich)

KöSt: 23% // Körperschaftsteuer auf Gewinne (seit 2024) Lohnnebenkosten: ~30% // DG-Anteil SV + DB + DZ + KommSt + MVK USt: 20% // Vorsteuerabzug berücksichtigen Mindest-KöSt: GmbH: €500/Quartal = €2.000/Jahr FlexCo: €125/Quartal = €500/Jahr AG: €875/Quartal = €3.500/Jahr // Ab dem 1. vollen Geschäftsjahr fällig Forschungsprämie: 14% auf F&E-Aufwendungen // Gutschrift auf dem Abgabenkonto – bares Geld zurück // Gilt für: Personalkosten F&E, externe F&E-Aufträge (bis 1 Mio.) // FFG-Bestätigung empfohlen Kleinunternehmerregelung: bis €55.000 Jahresumsatz USt-befreit // Nur für Einzelunternehmen relevant, nicht für GmbH/FlexCo
Pro-Tipp Baue ein „Sensitivity Panel“ in diesen Tab ein: Was passiert, wenn der Churn um 2 Prozentpunkte steigt? Was, wenn du 3 Monate später launchst? Investor:innen lieben Gründer:innen, die ihre Downside-Szenarien kennen.

4. Beispielwerte für jede Variante

Hier findest du konkrete Beispielzahlen für ein fiktives österreichisches Startup in jeder Geschäftsmodell-Variante. Die Werte sind bewusst konservativ angesetzt und dienen als Orientierung.

„DataClean“ – B2B-SaaS für automatisierte Datenbereinigung

Standort: Eisenstadt, 2 Gründer:innen, GmbH, Pre-Seed-Phase

KennzahlJahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 5
Kund:innen (Ende)381855201.680
MRR (Ende)€2.660€13.875€43.160€152.880
ARR (Ende)€31.920€166.500€517.920€1.834.560
Personalkosten/Monat€7.800€18.200€35.100€72.800
Gesamtkosten/Monat€12.500€28.400€52.000€98.000
Break-evenMonat 26 (Anfang Jahr 3)
Churn5 %3,5 %2,5 %2 %
Gross Margin78 %80 %82 %84 %
Funding benötigt€250.000 Pre-Seed (Monat 1), €800.000 Seed (Monat 14)
// Pricing-Annahmen Basis: €29/Monat → 60% der Kund:innen Pro: €79/Monat → 30% der Kund:innen Enterprise: €249/Monat → 10% der Kund:innen ARPU: €70/Monat // gewichteter Durchschnitt // Team-Entwicklung Jahr 1: 2 Gründer:innen (Tech + Business) Jahr 2: +1 Dev, +1 Sales = 4 Personen Jahr 3: +2 Dev, +1 Customer Success, +1 Marketing = 8 Personen Jahr 5: 16 Personen

„RegioMarkt“ – Marktplatz für regionale Produzent:innen

Standort: Oberwart, 2 Gründer:innen, FlexCo, Seed-Phase

KennzahlJahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 5
Aktive Käufer:innen (Ende)4201.8005.20018.000
Aktive Verkäufer:innen (Ende)45120280650
Monatl. GMV (Ende)€53.550€229.500€663.000€2.295.000
Take Rate12 %14 %15 %15 %
Net Revenue/Monat (Ende)€6.426€32.130€99.450€344.250
Break-evenMonat 22 (Mitte Jahr 2)
Funding benötigt€150.000 Pre-Seed (Monat 1), €500.000 Seed (Monat 10)
// Marketplace-Annahmen Transaktionen/Käufer:in/Monat: 1,5 Durchschnittl. Warenkorb: €85 Repeat Rate nach 6 Monaten: 40% Buyer:Seller Ratio: ~10:1 // Gesund für Nischen-Marktplatz // Kostenstruktur Payment Processing: 2,5% des GMV // Stripe/Mollie Logistik-Zuschuss: 3% des GMV // Anreiz für Verkäufer:innen Personalkosten: €7.800/Monat (Jahr 1) → €65.000/Monat (Jahr 5)

„GreenAudit“ – ESG-Beratung für KMU

Standort: Graz, 2 Gründer:innen, GmbH, bootstrapped

KennzahlJahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 5
Abrechenbare MA24714
Utilization Rate60 %70 %75 %78 %
Stundensatz (Durchschn.)€110€120€130€145
Revenue/Monat (Ende)€21.120€53.760€109.200€251.328
Revenue/Jahr€178.000€520.000€1.180.000€2.850.000
Gross Margin48 %52 %55 %58 %
Break-evenMonat 8 (Ende Jahr 1)
Funding benötigt€50.000 eigene Einlage – bootstrapped
// B2B-Services-Annahmen Projektbasiert: 70% des Revenue (Paketpreise) Stundenbasiert: 30% des Revenue (laufende Beratung) Durchschn. Projekt: €18.000 über 3 Monate Akquise-Zyklus: 6–8 Wochen Pipeline-Coverage: 3,5× // Team-Entwicklung Jahr 1: 2 Gründer:innen (abrechenbar) + 1 Werkstudent:in Jahr 2: +2 Berater:innen = 5 Personen Jahr 3: +3 Berater:innen, +1 Ops = 9 Personen Jahr 5: 18 Personen (14 abrechenbar, 4 Overhead)

5. Häufige Fehler beim Financial Modelling

Diese Fehler sehen wir bei StartUp Burgenland immer wieder. Vermeide sie, und dein Modell wird deutlich überzeugender.

1
Hockey-Stick ohne Begründung

„Ab Monat 12 geht es steil nach oben“ – aber warum? Jeder Wachstumssprung braucht einen konkreten Treiber: mehr Marketing-Budget, ein neues Produkt-Feature, ein Partnership. Unbegründete Sprünge zerstören deine Glaubwürdigkeit.

2
Lohnnebenkosten vergessen (AT-Klassiker)

Ein:e Entwickler:in mit €4.000 brutto kostet dich nicht €4.000, sondern ca. €5.200 pro Monat (×1,30). Dazu kommen 13. und 14. Gehalt. Auf Jahressicht: €4.000 × 14 × 1,30 = €72.800 – nicht €48.000.

3
Mindest-KöSt nicht eingeplant

Deine GmbH zahlt €2.000 KöSt pro Jahr – auch wenn du €200.000 Verlust machst. Bei der FlexCo sind es €500/Jahr. Das klingt nach wenig, kann aber im Cash Flow überraschen, wenn man es nicht einplant.

4
USt-Voranmeldung ignoriert

Du sammelst 20 % USt von deinen Kund:innen ein – das ist durchlaufender Posten, kein Umsatz. Die Zahllast (Eingenommene USt minus Vorsteuer) muss regelmäßig ans Finanzamt abgeführt werden. Plane das in den Cash Flow ein.

5
Revenue-Modell top-down statt bottom-up

„Der Markt ist €5 Mrd. groß, wir holen uns 1 %“ ist keine Prognose. Modelliere bottom-up: Wie viele Leads generierst du, wie hoch ist die Conversion, wie viel zahlt ein:e Kund:in? Das ist glaubwürdig.

6
Churn wird ignoriert oder unterschätzt

Ohne Churn im Modell wachsen deine Kund:innenzahlen nur nach oben. Das ist unrealistisch. Selbst bei exzellenten Produkten verlierst du monatlich 2–5 % deiner Kund:innen. Modelliere den Churn von Tag 1.

7
Förderungen als sicheren Revenue verbuchen

aws- und FFG-Förderungen sind keine garantierten Einnahmen. Plane sie im optimistischen Szenario ein, aber dein Base Case sollte auch ohne Förderung funktionieren. Außerdem kommen Fördergelder oft 3–6 Monate nach Zusage.

8
Kein Buffer für Unvorhergesehenes

Server-Ausfälle, Rechtsstreitigkeiten, ein:e Schlüsselmitarbeiter:in kündigt – es kommt immer etwas. Plane mindestens 10 % Buffer auf deine Gesamtkosten ein. Das ist kein Pessimismus, sondern Realismus.

9
Cash Flow und P&L verwechseln

Die P&L zeigt Erträge und Aufwände – der Cash Flow zeigt, wann Geld tatsächlich fließt. Du kannst auf dem Papier profitabel sein und trotzdem kein Geld am Konto haben (z. B. weil Kund:innen 60 Tage später zahlen). Beide Perspektiven brauchen ein eigenes Tab.

10
Annahmen nicht dokumentiert

Wenn du in 6 Monaten auf dein Modell schaust und nicht weißt, warum du 15 % Churn angenommen hast, ist das Modell wertlos. Jede Annahme gehört in Tab 6 – mit Begründung und Quelle (z. B. „Branchenbenchmark“, „eigener Test“, „Gespräch mit 10 Kund:innen“).

6. Checkliste vor dem Investor:innen-Gespräch

Gehe diese 10 Punkte durch, bevor du dein Finanzmodell präsentierst. Hake ab, was passt – und arbeite nach, was fehlt.

  • Annahmen sind dokumentiert und begründet
    Jede Wachstums-, Pricing- und Kostenannahme steht in Tab 6 mit einer nachvollziehbaren Begründung (Benchmark, Marktdaten, eigener Test).
  • Bottom-up Revenue-Modell
    Dein Umsatz ergibt sich aus konkreten Treibern (Kund:innen × Preis × Conversion), nicht aus einer Top-down-Marktannahme.
  • Alle österreichischen Steuern berücksichtigt
    KöSt (23 %), Mindest-KöSt, Lohnnebenkosten (~30 %), USt-Voranmeldung, SVS-Beiträge für Geschäftsführer:innen. Alles drin?
  • Cash Flow spiegelt die Realität wider
    Zahlungsziele sind berücksichtigt, Förderungen kommen zeitverzögert, 13./14. Gehalt sind eingeplant, USt-Zahllast ist drin.
  • Runway ist berechnet und markiert
    Du weißt, wann dir das Geld ausgeht (ohne neues Funding). Dieser Zeitpunkt ist im Dashboard klar erkennbar.
  • Hiring Plan ist realistisch und getimt
    Jede neue Stelle hat einen Startmonat. Personalkosten steigen nicht sprunghaft ohne Erklärung. Die Hiring-Timeline passt zur Funding-Timeline.
  • Unit Economics sind sauber
    Du kennst deine CAC (Customer Acquisition Cost), LTV (Lifetime Value) und die LTV:CAC-Ratio. Ziel: mindestens 3:1.
  • Szenarien sind vorbereitet
    Du kannst mindestens ein Bear Case (pessimistisch) und ein Bull Case (optimistisch) neben dem Base Case zeigen. Idealerweise schaltbar über Tab 6.
  • Das Modell ist konsistent
    Alle Tabs ziehen aus denselben Annahmen. Es gibt keine Widersprüche zwischen P&L, Cash Flow und Dashboard. Revenue in Tab 2 = Revenue in Tab 4.
  • Du kannst jede Zahl erklären
    Der ultimative Test: Investor:in zeigt auf eine beliebige Zelle und fragt „Woher kommt diese Zahl?“ Wenn du nicht sofort antworten kannst, musst du das Modell besser verstehen.

7. Ressourcen & nächste Schritte

Weitere StartUp Burgenland Templates

Template Beschreibung
Runway & Burn Rate Calculator Interaktiver Rechner für deine Liquiditätsplanung – wie lange reicht dein Geld?
Startup Kosten-Rechner Alle Gründungskosten in Österreich auf einen Blick – von Notar bis SVS.
Förderungen Cheat Sheet Überblick über aws, FFG und weitere Förderprogramme für österreichische Startups.
Legal Cheat Sheet GmbH, FlexCo, Einzelunternehmen – welche Rechtsform passt zu dir?
Lean Canvas & Business Model Canvas Strategische Planungstools für dein Geschäftsmodell.
Metrics Cheat Sheet Die wichtigsten Startup-Kennzahlen – von MRR bis Net Promoter Score.

Empfohlene nächste Schritte

1
Tab 6 ausfüllen

Starte mit deinen Annahmen. Recherchiere Benchmarks für deine Branche und halte alles schriftlich fest.

2
Revenue-Modell bauen (Tab 2)

Wähle deine Variante (SaaS, Marketplace, B2B) und modelliere die Umsatzentwicklung bottom-up.

3
Kosten eintragen (Tab 3)

Personalkosten zuerst, dann alle anderen Kategorien. Vergiss den 10 %-Buffer nicht.

4
Dashboard prüfen (Tab 1)

Stimmen die automatisch berechneten KPIs? Ergibt der Runway Sinn? Ist der Break-even-Zeitpunkt realistisch?

5
Coaching-Session buchen

Lass dein Modell von unseren Coaches challengen – bevor es Investor:innen tun.

Brauchst du Hilfe mit deinem Finanzmodell?

Im 1:1-Coaching unterstützen wir dich beim Aufbau, der Validierung und der Präsentation deines Financial Models – individuell und ohne Batch.

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