Cap Table Template
GmbH & FlexCo – Gesellschafterverzeichnis, ESOP/VSOP, Verwässerung & Szenario-Rechner
1. Einleitung: Was ist ein Cap Table und warum brauchst du einen?
Ein Cap Table (Capitalization Table) ist die vollständige Übersicht, wem welcher Anteil an deinem Startup gehört – und wie sich diese Anteile über die Zeit verändern. Er ist das zentrale Dokument für jede Finanzierungsrunde, jeden ESOP-Plan und jede Exit-Verhandlung.
Warum ist der Cap Table so wichtig?
- Transparenz: Alle Gesellschafter:innen sehen, wem wie viel gehört.
- Investor:innen-Readiness: Kein professioneller Investor investiert ohne aktuellen Cap Table.
- Verwässerungsplanung: Du siehst frühzeitig, wie künftige Runden deine Anteile verändern.
- Rechtssicherheit: Basis für Gesellschafterverträge, Notartermine und Firmenbuch.
- Team-Motivation: ESOP/VSOP-Pläne dokumentieren, was Mitarbeiter:innen erwartet.
Unterschied zu US-Cap-Tables
In der US-Literatur dreht sich alles um Shares, Stock Options und Authorized Shares. In Österreich funktioniert das Gesellschaftsrecht anders:
- Stammeinlagen statt Shares – gemessen in Euro-Beträgen
- Geschäftsanteile statt Stock – in % oder €-Nennbeträgen
- Firmenbucheintragung statt Share Register – öffentlich einsehbar
- Notariatsakt für Anteilsabtretungen bei GmbH (FlexCo erleichtert das)
Wann brauchst du einen Cap Table?
- Ab 2+ Gesellschafter:innen – auch bei 50/50-Aufteilung.
- Spätestens beim ersten Investment – Investor:innen wollen den Cap Table sehen, bevor sie ein Term Sheet schicken.
- Beim ersten Mitarbeiter:innen-Beteiligungsprogramm – ESOP oder VSOP müssen im Cap Table abgebildet sein.
- Idealerweise: ab Gründung. Je früher du anfängst, desto weniger Chaos später.
2. Grundbegriffe im österreichischen Kontext
GmbH vs. FlexCo: Stammkapital im Vergleich
- Stammkapital mindestens € 35.000
- Davon mindestens € 17.500 bar einzuzahlen bei Gründung
- Anteilsabtretung erfordert Notariatsakt
- Klassische Rechtsform, bewährt und weit verbreitet
- Stammkapital mindestens € 10.000
- Davon mindestens € 5.000 bar einzuzahlen bei Gründung
- Anteilsabtretung in Schriftform (kein Notariatsakt nötig)
- Unternehmenswert-Anteile (UW-Anteile) für Mitarbeiterbeteiligung (ESOP) direkt im Gesetz vorgesehen
- Flexiblere Stimmrechtsgestaltung möglich
3. Cap Table Struktur – 5 Tabs für Google Sheets
Baue deinen Cap Table in Google Sheets mit diesen 5 Tabs auf. Jeder Tab erfüllt eine eigene Funktion – zusammen bilden sie die vollständige Eigentümerstruktur ab.
Tab 1: Gesellschafterverzeichnis
Die Basis deines Cap Tables. Hier dokumentierst du alle Gesellschafter:innen mit ihren Stammeinlagen, Einzahlungsstatus und Stimmrechten.
| # | Gesellschafter:in | Stammeinlage (€) | Anteil (%) | Einzahlung (€) | Ausstehend (€) | Stimmrechte (%) | Eintritt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Anna Gründer | 7.000 | 70,0 % | 3.500 | 3.500 | 70,0 % | 01.01.2025 |
| 2 | Ben Mitgründer | 3.000 | 30,0 % | 1.500 | 1.500 | 30,0 % | 01.01.2025 |
| GESAMT | 10.000 | 100,0 % | 5.000 | 5.000 | 100,0 % |
=Stammeinlage/SUMME(Stammeinlagen) für den Anteil und =Stammeinlage-Einzahlung für den ausstehenden Betrag. So bleibt alles automatisch aktuell.
Tab 2: ESOP / VSOP Pool
Mitarbeiterbeteiligung ist entscheidend, um gute Leute zu gewinnen und zu halten. GmbH und FlexCo bieten dafür unterschiedliche Instrumente.
- Kein echtes Stammkapital – aber wirtschaftliche Beteiligung am Unternehmenswert
- Gesetzlich vorgesehen in der FlexCo (FlexKapGesG)
- Bis zu 24,99 % des Unternehmenswertes können als UW-Anteile ausgegeben werden
- Kein Stimmrecht – aber Anspruch auf anteiligen Gewinn und Exit-Erlös
- Vesting Schedule: Typisch 4 Jahre Gesamtlaufzeit mit 1 Jahr Cliff (25 % vesten nach 12 Monaten, danach monatlich)
- Good Leaver / Bad Leaver: Klauseln regeln, was bei Ausscheiden passiert. Good Leaver behält gevestete Anteile, Bad Leaver verliert alles oder teilweise.
- Schuldrechtliche Vereinbarung – kein echtes Eigenkapital, keine Firmenbuchänderung
- Mitarbeiter:in erhält vertraglichen Anspruch auf eine Zahlung, die sich am Unternehmenswert orientiert
- Auszahlung bei Exit/Liquidation – oder bei vertraglich definiertem Trigger-Event
- Steuerliche Behandlung: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Lohnsteuer, SV-Beiträge). Achtung: Steuervorteil der FlexCo-UW-Anteile beachten!
- Vesting und Good/Bad Leaver analog zu FlexCo möglich
Tabellen-Struktur für Google Sheets
| # | Mitarbeiter:in | Rolle | UW/VSOP (%) | Vesting Start | Cliff Ende | Voll gevestet | Gevestet (%) | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Clara Tech | CTO | 5,0 % | 01.04.2025 | 01.04.2026 | 01.04.2029 | 0,0 % | Cliff läuft |
| 2 | David Ops | Head of Ops | 2,5 % | 01.07.2025 | 01.07.2026 | 01.07.2029 | 0,0 % | Cliff läuft |
| 3 | – | Reserviert | 2,5 % | – | – | – | – | Pool |
| ESOP Pool Gesamt | 10,0 % | |||||||
=WENN(HEUTE()<Cliff; 0; MIN(1; (HEUTE()-VestingStart) / (VollGevestet-VestingStart)) * Gesamt%)
Tab 3: Finanzierungsrunden
Dokumentiere jede Finanzierungsrunde übersichtlich. Dieser Tab ist die historische Aufzeichnung aller Kapitalzuführungen.
| Runde | Datum | Investor:in | Investment (€) | Pre-Money (€) | Post-Money (€) | Neue Anteile (%) | Preis / % |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gründung | 01.01.2025 | Gründer:innen | 10.000 | – | – | 100,0 % | – |
| Pre-Seed | 01.06.2025 | Business Angel | 100.000 | 400.000 | 500.000 | 20,0 % | 5.000 €/% |
| Seed | 01.03.2026 | VC Fonds | 500.000 | 2.000.000 | 2.500.000 | 20,0 % | 25.000 €/% |
Post-Money = Pre-Money + Investment
Neue Anteile (%) = Investment / Post-Money × 100
Preis pro % = Investment / Neue Anteile (%)
Tab 4: Verwässerungsberechnung
Der wichtigste Tab für Gründer:innen: Hier siehst du, wie sich dein Anteil durch Finanzierungsrunden und ESOP-Pools verändert.
- Anna 70,0 % (€ 7.000)
- Ben 30,0 % (€ 3.000)
Post-Money = € 1.000.000 → Investor erhält 20 %
- Anna 70 % × 80 % = 56,0 %
- Ben 30 % × 80 % = 24,0 %
- Investor 20,0 %
Alle bestehenden Anteile werden um 10 % verwässert
- Anna 56 % × 90 % = 50,4 %
- Ben 24 % × 90 % = 21,6 %
- Investor 20 % × 90 % = 18,0 %
- ESOP Pool 10,0 %
Formeln für die Verwässerung
Verwässerung = Neue Anteile / Post-Money Stammkapital
Neuer Anteil = Alter Anteil × (1 − Verwässerung)
Post-Money = Pre-Money + Investment
Preis pro Prozent = Investment / Neue Anteile (%)
Tab 5: Wandeldarlehen-Konvertierung
Ein Wandeldarlehen (Convertible Loan) ist in Österreich das beliebteste Frühphasen-Finanzierungsinstrument. Du bekommst Geld als Darlehen, das später in Anteile umgewandelt wird – typischerweise bei der nächsten Finanzierungsrunde.
Typische Konditionen in Österreich
| Parameter | Typischer Wert | Erklärung |
|---|---|---|
| Darlehenssumme | € 25.000–200.000 | Hängt von Phase und Bedarf ab |
| Zinssatz | 2–5 % p.a. | Wird zum Darlehen addiert, erhöht Konvertierungsbetrag |
| Laufzeit | 12–24 Monate | Muss bis Ablauf konvertiert oder zurückgezahlt werden |
| Discount | 10–25 % | Rabatt auf die Bewertung der nächsten Runde als Belohnung für frühes Risiko |
| Valuation Cap | Optional | Maximale Bewertung, zu der konvertiert wird – schützt den Investor bei starkem Wachstum |
Konvertierungsformel
Konvertierungsbetrag = Darlehen × (1 + Zinssatz × Laufzeit / 12)
Konvertierungspreis = Min(Cap, Bewertung × (1 − Discount))
Neue Anteile (%) = Konvertierungsbetrag / Post-Money Bewertung × 100
Beispielrechnung
- Darlehen: € 100.000, Zinssatz: 4 % p.a., Laufzeit: 18 Monate
- Konvertierungsbetrag: € 100.000 × (1 + 0,04 × 18/12) = € 106.000
- Nächste Runde: Pre-Money € 2.000.000, Discount: 20 %
- Konvertierungspreis: € 2.000.000 × (1 − 0,20) = € 1.600.000 effektive Bewertung
- Post-Money (inkl. Runde + Konvertierung): abhängig von Rundendetails
4. Szenario-Rechner – Verwässerung berechnen
Gib deine Gesellschafter:innen und eine Finanzierungsrunde ein, um zu sehen, wie sich die Anteile verändern. Alle Berechnungen passieren lokal – keine Daten werden gesendet.
| Gesellschafter:in | Anteil vorher | Anteil nachher | Verwässerung | Visualisierung |
|---|
5. Häufige Fehler beim Cap Table
6. Checkliste: Cap Table Management (10 Punkte)
- Cap Table ab Gründung führen – auch bei nur zwei Gesellschafter:innen. Google Sheets reicht für den Start völlig aus.
- Gesellschafterverzeichnis und Firmenbuch aktuell halten – bei jeder Änderung im Gesellschafterkreis die Eintragung beim Firmenbuchgericht veranlassen.
- Vesting für alle Gründer:innen vereinbaren – 4 Jahre mit 1 Jahr Cliff als Standard. Im Gesellschaftsvertrag fixieren.
- ESOP-Pool frühzeitig reservieren – idealerweise bei Gründung oder spätestens vor der ersten Investor:innen-Runde. 10–15 % ist ein typischer Wert.
- Jede Finanzierungsrunde dokumentieren – Investment, Pre-Money, Post-Money, neue Anteile. In Tab 3 eintragen.
- Wandeldarlehen laufend tracken – alle offenen Convertibles mit Konditionen, Laufzeit und potenziellem Konvertierungsbetrag in Tab 5 führen.
- Verwässerungsszenarien simulieren – vor jeder Runde berechnen, wie die Anteile aussehen werden. Nutze den Szenario-Rechner oben.
- Good Leaver / Bad Leaver definieren – im ESOP-Vertrag und im Gesellschaftsvertrag. Was passiert bei Kündigung, Krankheit, Streit?
- Cap Table bei jeder Runde mit Investor:innen und Anwältin abstimmen – alle müssen dasselbe Bild haben. Unstimmigkeiten früh klären.
- Steuerliche Auswirkungen prüfen – Anteilsabtretungen können in Österreich steuerpflichtig sein (KESt auf Substanzgewinn). Steuerberater:in frühzeitig einbinden.
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