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Universitäten und Spin-offs -- Wie Forschung zu Startups wird

Felix Lenhard 12 min
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Universitäten und Spin-offs -- Wie Forschung zu Startups wird

Österreichs Universitäten und Forschungseinrichtungen sind eine der wichtigsten Quellen für innovative Startups. Von bahnbrechenden Technologien in der Medizin über neue Materialien bis hin zu künstlicher Intelligenz -- viele der spannendsten Gründungen haben ihren Ursprung in der akademischen Forschung. Doch der Weg von der Forschung zum Startup ist nicht immer einfach. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie universitäre Spin-offs in Österreich funktionieren und wie du den Technologietransfer für dich nutzen kannst.

Was ist ein Spin-off?

Ein Spin-off ist ein Unternehmen, das aus einer bestehenden Organisation -- in diesem Fall einer Universität oder Forschungseinrichtung -- hervorgeht. Typischerweise basiert ein Spin-off auf Forschungsergebnissen, Technologien oder Know-how, das im akademischen Umfeld entwickelt wurde.

Abgrenzung zu anderen Gründungsformen

  • Spin-off: Gründung basiert auf Forschungsergebnissen der Universität, oft mit IP-Transfer
  • Startup aus der Universität: Gründung durch Studierende oder Absolventen, die universitäres Wissen nutzen, aber nicht zwingend IP der Uni verwenden
  • Ausgliederung: Organisatorische Trennung eines Bereichs, ohne dass ein komplett neues Geschäftsmodell entsteht

Die österreichische Universitätslandschaft

Österreich verfügt über eine vielfältige Hochschullandschaft mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Technische Universitäten

TU Wien Die TU Wien ist eine der ältesten technischen Universitäten Europas und ein wichtiger Treiber für technologiebasierte Spin-offs. Schwerpunkte liegen in:

  • Informatik und künstlicher Intelligenz
  • Materialwissenschaften
  • Bautechnik und Architektur
  • Elektrotechnik und Maschinenbau

Die TU Wien betreibt das i2c (Innovation Incubation Center), das Forschende beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt.

TU Graz Die TU Graz hat eine besondere Stärke im Bereich Automotive, Maschinenbau und Prozesstechnik. Der Science Park Graz ist direkt an die TU angebunden und hat zahlreiche erfolgreiche Spin-offs hervorgebracht.

Montanuniversität Leoben Mit ihrem Fokus auf Rohstoffe, Materialien und Metallurgie besetzt die Montanuniversität eine einzigartige Nische und hat beeindruckende Spin-offs im Bereich Hightech-Materialien hervorgebracht.

Volluniversitäten

Universität Wien Als grösste Universität Österreichs deckt die Uni Wien ein breites Spektrum ab. Spin-offs entstehen besonders in den Bereichen Life Sciences, Pharmazie und Informatik. Das Research Service Center unterstützt den Technologietransfer.

Karl-Franzens-Universität Graz Die zweitgrösste Universität hat Stärken in den Naturwissenschaften, Life Sciences und Geisteswissenschaften. Die Gründungsgarage bringt Studierende verschiedener Disziplinen zusammen, um Geschäftsideen zu entwickeln.

Universität Innsbruck Die Innsbrucker Uni zeichnet sich durch Stärken in Physik, Informatik und Alpintechnologie aus. Quantencomputing ist ein besonderes Aushängeschild.

Medizinische Universitäten

Die Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck sind eine wichtige Quelle für MedTech- und BioTech-Spin-offs. Die Nähe zur klinischen Forschung ermöglicht es, Innovationen direkt am Patientennutzen zu entwickeln.

Fachhochschulen

Österreichs Fachhochschulen sind praxisorientierter als die Universitäten und fördern Gründungen oft mit einem stärker anwendungsbezogenen Fokus. Besonders aktiv sind:

  • FH Technikum Wien
  • FH Oberösterreich
  • FH Joanneum
  • FH Burgenland
  • FH Salzburg
  • MCI Management Center Innsbruck

Forschungseinrichtungen

Neben den Universitäten gibt es Forschungseinrichtungen mit eigenem Spin-off-Potenzial:

  • IST Austria -- Grundlagenforschung auf Weltklasseniveau mit wachsendem Fokus auf Technologietransfer
  • AIT Austrian Institute of Technology -- Angewandte Forschung mit starkem Industriebezug
  • Joanneum Research -- Steirisches Forschungszentrum mit Fokus auf angewandte Technologien
  • Austrian Academy of Sciences (ÖAW) -- Grundlagenforschung in verschiedenen Disziplinen

Der Weg vom Labor zum Startup

Phase 1: Forschung und Entdeckung

Alles beginnt mit einer Forschungserkenntnis, die wirtschaftliches Potenzial hat. Das kann ein neues Verfahren, ein neuartiges Material, eine Software oder ein medizinisches Produkt sein.

Wichtig: Nicht jede gute Forschung ergibt ein gutes Startup. Die Forschung muss ein reales Problem lösen, für das es einen zahlungsbereiten Markt gibt.

Phase 2: IP-Klärung und Schutz

Bevor du mit einer Technologie aus der Universität gründest, muss die Frage der geistigen Eigentumsrechte (IP) geklärt werden:

  • Wem gehört das IP? In Österreich gilt das Dienstnehmererfindungsgesetz -- Erfindungen, die im Rahmen eines Dienstverhältnisses entstehen, gehören grundsätzlich dem Arbeitgeber (der Universität)
  • Lizenzierung vs. IP-Übertragung -- Du kannst das IP von der Universität lizenzieren oder kaufen
  • Patentanmeldung -- In vielen Fällen ist es sinnvoll, vor der Gründung Patente anzumelden

Tipp: Kläre die IP-Frage früh und transparent. Jede österreichische Universität hat eine Technologietransferstelle, die dir dabei hilft.

Phase 3: Validierung und Pre-Seed

Bevor du ein Unternehmen gründest, solltest du die Geschäftsidee validieren:

  • Gibt es einen Markt für die Technologie?
  • Wer sind die potenziellen Kunden?
  • Was ist der unfaire Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen?
  • Welche regulatorischen Hürden gibt es?

In dieser Phase können Pre-Seed-Programme wie das aws Preseed oder universitäre Inkubatoren entscheidend helfen.

Phase 4: Gründung

Wenn die Validierung positiv ausfällt, folgt die eigentliche Gründung:

  • Wahl der Rechtsform (GmbH ist für Spin-offs meist die beste Wahl)
  • Gesellschaftervertrag mit Regelungen zu IP, Beteiligungen und Vesting
  • Abschluss des Lizenzvertrags mit der Universität
  • Aufbau des Gründungsteams

Phase 5: Wachstum

Nach der Gründung beginnt die eigentliche Arbeit -- Produktentwicklung, Kundenakquise und Skalierung. In dieser Phase brauchst du typischerweise:

  • Weitere Finanzierung (Seed, Series A)
  • Zugang zu Labors oder Produktionsstätten
  • Regulatorische Zulassungen (besonders in MedTech und Pharma)
  • Personalaufbau

Unterstützungsprogramme für Spin-offs

Universitäre Inkubatoren

Die meisten österreichischen Universitäten betreiben eigene Inkubatoren oder sind eng mit externen Inkubatoren verbunden:

  • i2c (TU Wien) -- Beratung, Workspace und Netzwerk für TU-Gründungen
  • Science Park Graz -- Inkubator für Spin-offs aus TU Graz und Uni Graz
  • InnCubator (Uni Innsbruck) -- Unterstützung für universitäre Gründungen
  • INiTS (Uni Wien / TU Wien / BOKU) -- Inkubator für wissensbasierte Gründungen

Öffentliche Förderprogramme

Mehrere Förderprogramme richten sich spezifisch an Spin-offs:

aws Preseed

  • Förderung bis zu 200.000 EUR
  • Für die Phase vor der Gründung
  • Validierung von Technologie und Geschäftsmodell

FFG Spin-off Fellowships

  • Förderung für Forschende, die ein Spin-off gründen wollen
  • Finanzierung von Personal und Sachkosten
  • Begleitendes Coaching und Mentoring

WWTF (Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds)

  • Förderung für Wiener Forschungseinrichtungen
  • Spezielle Programme für den Technologietransfer

AplusB (Academia plus Business)

  • Bundesweites Programm zur Förderung akademischer Spin-offs
  • Inkubation und Coaching
  • Netzwerk-Zugang

Private Initiativen

Auch private Akteure unterstützen Spin-offs:

  • IST Cube -- VC-Fonds, der in frühe Spin-offs aus dem IST Austria investiert
  • Speedinvest -- Venture Capital mit Erfahrung in Deep-Tech-Investments
  • Pioneer Fellows -- Stipendienprogramm für technologiebasierte Gründungen

Erfolgsbeispiele österreichischer Spin-offs

Beispiel 1: Quantum Computing

Aus der Quantenforschung an der Universität Innsbruck sind mehrere Spin-offs hervorgegangen, die im Bereich Quantencomputing und Quantensensorik tätig sind. Diese Unternehmen profitieren von der weltweit führenden Forschung in diesem Bereich.

Beispiel 2: Life Sciences in Wien

Die Wiener Life-Sciences-Szene hat zahlreiche Spin-offs hervorgebracht, die an neuen Therapien und Diagnostika arbeiten. Der Vienna BioCenter ist ein Cluster, der Forschung und Unternehmertum verbindet.

Beispiel 3: Materialwissenschaften in Leoben

Die Montanuniversität hat Spin-offs hervorgebracht, die innovative Materialien und Verfahren für Industrie und Technologie entwickeln.

Herausforderungen bei Spin-offs

IP-Verhandlungen

Die Verhandlung über Lizenzbedingungen und Beteiligungen kann langwierig und komplex sein. Universitäten haben berechtigte Interessen, aber manchmal sind die Konditionen für Startups nicht attraktiv genug.

Tipp: Lass dich von erfahrenen Gründern und Anwälten beraten, bevor du Vereinbarungen unterzeichnest.

Kulturunterschied

Die akademische Kultur unterscheidet sich stark von der Startup-Welt. Während in der Forschung Perfektion und Publikation zählen, geht es im Startup um Geschwindigkeit und Marktvalidierung.

Tipp: Baue ein Team, das beide Welten versteht -- mit akademischer Tiefe und unternehmerischem Antrieb.

Langfristige Finanzierung

Deep-Tech-Spin-offs brauchen oft länger bis zur Marktreife als Software-Startups. Das erfordert geduldiges Kapital und längere Finanzierungspläne.

Regulatorische Hürden

Besonders in MedTech, Pharma und Food sind die regulatorischen Anforderungen hoch. Die Zulassung kann Jahre dauern und erhebliche Kosten verursachen.

Tipps für angehende Spin-off-Gründer

1. Starte früh mit der IP-Klärung

Kläre die Eigentumsrechte an deiner Technologie, bevor du Zeit und Geld in eine Gründung investierst.

2. Baue ein interdisziplinäres Team

Ein erfolgreiches Spin-off braucht nicht nur technische Expertise, sondern auch betriebswirtschaftliches Know-how, Marketing und Vertrieb.

3. Validiere den Markt

Technologische Exzellenz allein reicht nicht. Sprich früh mit potenziellen Kunden und prüfe, ob es einen echten Bedarf gibt.

4. Nutze die Unterstützungsstrukturen

Österreich bietet zahlreiche Programme für Spin-offs. Nutze sie -- von der Preseed-Förderung bis zum Inkubator.

5. Bleibe in der Nähe der Universität

Auch nach der Gründung kann die Nähe zur Universität wertvoll sein -- für Zugang zu Labors, Talenten und Forschungsergebnissen.

6. Suche erfahrene Mentoren

Finde Mentoren, die selbst Spin-offs gegründet haben oder in diesem Bereich investieren. Ihre Erfahrung ist unbezahlbar.

Fazit

Österreichs Universitäten und Forschungseinrichtungen sind ein unterschätzter Motor für Innovation und Unternehmertum. Die Rahmenbedingungen für Spin-offs haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert -- mit neuen Förderprogrammen, professionelleren Technologietransferstellen und einer wachsenden Akzeptanz von Unternehmertum in der akademischen Welt.

Wenn du eine Technologie oder ein Know-how aus der Forschung hast, das echte Probleme löst, dann stehen die Chancen gut, dass du daraus ein erfolgreiches Startup machen kannst. Die Unterstützungsstrukturen sind da -- nutze sie.


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Startup Burgenland ist die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer im Burgenland. Wir unterstützen dich mit Beratung, Vernetzung und Zugang zu Förderprogrammen auf deinem Weg von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen. Egal ob du am Anfang stehst oder bereits gegründet hast -- wir sind für dich da.

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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Startup-Ökosystem Österreich", in der wir die verschiedenen Aspekte des österreichischen Gründerökosystems beleuchten.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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