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CleanTech Förderungen und Klimafonds -- Alle Finanzierungsquellen für dein grünes Startup

Felix Lenhard 14 min
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CleanTech Förderungen und Klimafonds -- Alle Finanzierungsquellen für dein grünes Startup

Als CleanTech-Gründer in Österreich hast du Zugang zu einem der umfangreichsten Fördersysteme in Europa. Doch die Vielzahl an Programmen, Töpfen und Institutionen kann schnell überwätigend wirken. In diesem Beitrag verschaffen wir dir den kompletten Überblick -- und zeigen dir, wie du die richtigen Förderungen für jede Phase deines Startups findest.

Die österreichische Förderlandschaft im Überblick

Warum Österreich besonders fördert

Österreich gibt jährlich mehrere Milliarden EUR für Klima- und Umweltschutz aus. Die Gründe:

  • Klimaneutralität 2040: Ambitionierte Ziele erfordern massive Investitionen
  • EU Green Deal: Europäische Vorgaben müssen umgesetzt werden
  • Standortwettbewerb: Österreich will als GreenTech-Hub positioniert sein
  • Volkswirtschaftlicher Nutzen: Jeder EUR Förderung generiert ein Vielfaches an privaten Investitionen

Die wichtigsten Förderinstitutionen

InstitutionSchwerpunktTypische Förderhöhe
Klima- und EnergiefondsKlimaschutz-Innovation50.000 bis 5 Mio. EUR
awsWirtschaftsförderung25.000 bis 3 Mio. EUR
FFGForschung und Entwicklung50.000 bis 5 Mio. EUR
ÖMAGErneuerbare EnergienVariable Einspeisetarife
KPCUmweltförderung10.000 bis 10 Mio. EUR
EU (EIC, Horizon)Innovation und Forschung500.000 bis 17,5 Mio. EUR

Der Klima- und Energiefonds im Detail

Was ist der Klima- und Energiefonds?

Der Klima- und Energiefonds (KLIEN) ist Österreichs zentrale Institution für die Förderung von Klimaschutz-Innovationen. Mit einem jährlichen Budget von über 200 Millionen EUR gehört er zu den wichtigsten Fördergebern für CleanTech-Startups.

Relevante Programme für Startups

1. Austrian Climate Research Programme (ACRP)

  • Was: Förderung von Klimaforschungsprojekten
  • Für wen: Forschungseinrichtungen in Kooperation mit Startups
  • Förderhöhe: Bis zu 400.000 EUR pro Projekt
  • Förderquote: Bis zu 100 Prozent für Grundlagenforschung
  • Tipp: Suche dir einen Forschungspartner (z.B. AIT oder TU Wien) und beantrage gemeinsam

2. Energieforschungsprogramm

  • Was: Förderung von angewandter Energieforschung
  • Für wen: Unternehmen und Forschungseinrichtungen
  • Förderhöhe: 200.000 bis 3 Millionen EUR
  • Förderquote: 35 bis 85 Prozent je nach Forschungsnähe
  • Schwerpunkte: Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Speichertechnologien, Smart Grids

3. Vorzeigeregion Energie

  • Was: Grossdimensionierte Demonstrations- und Modellprojekte
  • Für wen: Konsortien aus Unternehmen, Forschung und öffentlicher Hand
  • Förderhöhe: Bis zu 5 Millionen EUR pro Projekt
  • Besonderheit: Langfristige Programme über mehrere Jahre

4. Photovoltaik und Speicher

  • Was: Investitionsförderung für PV-Anlagen und Batteriespeicher
  • Für wen: Unternehmen und Private
  • Förderhöhe: Pauschalbeträge je nach Anlagengrösse
  • Relevanz für Startups: Kann Kunden den Einstieg erleichtern und dein Geschäftsmodell unterstützen

Antragsprozess beim Klima- und Energiefonds

Der Antragsprozess folgt einem typischen Ablauf:

  1. Call-Veröffentlichung: Prüfe regelmässig die Website des KLIEN auf neue Ausschreibungen
  2. Projektskizze: Reiche zunächst eine kurze Projektskizze ein (2 bis 5 Seiten)
  3. Vollantrag: Bei positivem Feedback erstellst du den detaillierten Antrag
  4. Begutachtung: Externe Gutachter bewerten deinen Antrag
  5. Förderentscheidung: Der Klima- und Energiefonds entscheidet über die Förderung
  6. Vertrag und Auszahlung: Nach Vertragsabschluss beginnt die Förderperiode

Zeitrahmen: Plane 4 bis 8 Monate vom Call bis zur Förderzusage ein.

aws -- Austria Wirtschaftsservice

Relevante Programme für CleanTech-Startups

aws Preseed

  • Was: Frühphasenfinanzierung für technologieorientierte Startups
  • Förderhöhe: Bis zu 200.000 EUR als nicht rückzahlbarer Zuschuss
  • Förderquote: Bis zu 70 Prozent der förderbaren Kosten
  • Laufzeit: Maximal 18 Monate
  • Besonders geeignet für: Machbarkeitsstudien, Prototypenentwicklung, Markttests

aws Seedfinancing

  • Was: Startfinanzierung für innovative Startups
  • Förderhöhe: Bis zu 800.000 EUR als bedingt rückzahlbarer Zuschuss
  • Förderquote: Bis zu 70 Prozent
  • Laufzeit: Bis zu 3 Jahre
  • Rückzahlung: Nur bei wirtschaftlichem Erfolg, einkommensabhängig

aws Gründerfonds

  • Was: Venture-Capital-Beteiligung durch den öffentlichen Fonds
  • Investitionshöhe: 100.000 bis 3 Millionen EUR
  • Besonderheit: Equity-Investment, nicht Förderung
  • Vorteil: Langfristiger Partner mit Branchenexpertise

aws Innovationsschutz

  • Was: Förderung von Patentanmeldungen und IP-Schutz
  • Förderhöhe: Bis zu 15.000 EUR
  • Relevanz: Gerade für Hardware-intensive CleanTech-Startups wichtig

aws Garantien

  • Was: Übernahme von Bankgarantien für Startups
  • Garantievolumen: Bis zu 2,5 Millionen EUR
  • Vorteil: Erleichtert den Zugang zu Bankkrediten erheblich

Antragstipps für aws-Förderungen

  • Online-Antrag: Alle aws-Förderungen werden über das Online-Portal beantragt
  • Businessplan: Ein solider Businessplan ist Pflicht -- achte auf realistische Finanzplanung
  • Innovationsgehalt: Die aws bewertet den Innovationsgrad deiner Lösung -- stelle diesen klar heraus
  • Team: Zeige, dass dein Team die notwendigen Kompetenzen mitbringt
  • Marktpotenzial: Belege das Marktpotenzial mit konkreten Zahlen und Analysen

FFG -- Forschungsförderungsgesellschaft

Basisprogramm

Das FFG-Basisprogramm ist die flexibelste F&E-Förderung in Österreich:

  • Förderhöhe: Bis zu 5 Millionen EUR pro Projekt
  • Förderquote: 35 bis 85 Prozent (abhängig von Unternehmensgrösse und Forschungsart)
  • Einreichung: Laufend möglich -- kein Call-System
  • Laufzeit: 1 bis 3 Jahre
  • Besonderheit: Kombination aus Zuschuss und zinsgüstigem Darlehen

Kooperative Forschung

  • Was: Förderung von Kooperationsprojekten zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen
  • Förderhöhe: Abhängig vom Programm
  • Vorteil: Höhe Förderquoten durch Kooperationszuschlag
  • Tipp: Suche dir Kooperationspartner über die FFG-Partnervermittlung

BRIDGE

  • Was: Brückenprogramm zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung
  • Förderhöhe: Bis zu 500.000 EUR
  • Besonders geeignet für: Startups mit wissenschaftlichem Hintergrund, die Forschungsergebnisse in Produkte überführen wollen

Innovationsscheck

  • Was: Niederschwelliger Einstieg in die Forschungsförderung
  • Förderhöhe: 5.000 oder 10.000 EUR
  • Besonderheit: Einfaches Antragsverfahren, schnelle Bewilligung
  • Verwendung: Beauftragung von Forschungseinrichtungen für Machbarkeitsstudien

Kommunalkredit Public Consulting (KPC)

Umweltförderung im Inland (UFI)

Die UFI ist eines der ältesten und erfolgreichsten Umweltförderprogramme Österreichs:

  • Förderbereiche: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Mobilität, Kreislaufwirtschaft
  • Förderhöhe: Variable Zuschüssse je nach Massnahme
  • Antragstellung: Laufend möglich
  • Besonderheit: Fördert Investitionen in Umweltschutzmassnahmen

Klimaschutzinitiative (KLI.EN)

  • Was: Förderung von kommunalen Klimaschutzprojekten
  • Relevanz für Startups: Gemeinden und Städte als Kunden -- du kannst als Technologiepartner auftreten

EU-Förderungen für CleanTech

EIC Accelerator

Der European Innovation Council (EIC) Accelerator ist die Königsklasse der EU-Startup-Förderung:

  • Förderhöhe: Bis zu 2,5 Millionen EUR Zuschuss plus bis zu 15 Millionen EUR Equity
  • Zielgruppe: Hochinnovative Startups und KMU mit Skalierungspotenzial
  • Erfolgsquote: Niedrig (ca. 5 Prozent) -- aber der Aufwand lohnt sich
  • Bewerbungsprozess: Kurzantrag, Vollantrag, Interview in Brüssel

Horizon Europe

Das EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation:

  • Budget: Über 95 Milliarden EUR für 2021 bis 2027
  • Cluster 5: Klima, Energie und Mobilität -- der relevanteste Cluster für CleanTech
  • Förderhöhe: 500.000 bis mehrere Millionen EUR
  • Besonderheit: In der Regel Konsortial­projekte mit Partnern aus mehreren EU-Ländern

LIFE-Programm

Das EU-Förderprogramm speziell für Umwelt- und Klimaschutz:

  • Förderhöhe: 500.000 bis 5 Millionen EUR
  • Förderquote: 60 bis 75 Prozent
  • Schwerpunkte: Naturschutz, Kreislaufwirtschaft, Klimamitigation und -adaption
  • Vorteil: Weniger Wettbewerb als bei Horizon Europe

Innovation Fund

Der EU Innovation Fund fördert innovative CO2-arme Technologien:

  • Förderhöhe: Bis zu 7,5 Millionen EUR (Small Scale) oder mehr (Large Scale)
  • Finanzierung: Aus den Einnahmen des EU-Emissionshandels
  • Besonderheit: Fokus auf Demonstrationsprojekte

Regionale Förderungen

Burgenland

  • Wirtschaftsförderung Burgenland: Investitionsförderungen für Betriebsansiedlungen
  • Landwirtschaftliche Förderungen: Für AgriTech- und Biomasse-Projekte
  • Tourismusförderung: Für GreenTech im Tourismus-Kontext

Weitere Bundesländer

  • Steiermark: SFG Förderungen, Green Tech Valley Cluster
  • Oberösterreich: Biz-Up Förderungen, Cleantech-Schwerpunkt
  • Wien: Wirtschaftsagentur Wien, spezifische GreenTech-Calls
  • Niederösterreich: Accent Inkubator, EcoPlus Förderungen

Förderstrategie für dein CleanTech-Startup

Die richtige Förderung für jede Phase

Ideenphase (TRL 1-3)

  • aws Preseed für die Machbarkeitsstudie
  • FFG Innovationsscheck für erste Forschungsarbeiten
  • Inkubatorprogramme für Mentoring und Workspace

Entwicklungsphase (TRL 4-6)

  • FFG Basisprogramm für die Produktentwicklung
  • KLIEN Energieforschungsprogramm für Energie-Innovationen
  • aws Seedfinancing für die Teamfinanzierung

Demonstrationsphase (TRL 7-8)

  • KLIEN Vorzeigeregion für Pilotprojekte
  • KPC Umweltförderung für Demonstrationsanlagen
  • EU Innovation Fund für grössere Projekte

Markteintritsphase (TRL 9)

  • EIC Accelerator für die Skalierung
  • aws Garantien für Bankfinanzierungen
  • Regionale Investitionsförderungen

Förderungen kombinieren

Ein kluger Fördermix kann den Eigenkapitalbedarf dramatisch reduzieren. Beachte dabei:

  • Kumulations­regeln: Nicht alle Förderungen lassen sich kombinieren
  • Beihilfenrecht: EU-Beihilfenvorschriften begrenzen die Gesamtförderquote
  • Abstimmung: Informiere alle Fördergeber über weitere Förderanträge
  • Dokumentation: Führe penibel Buch über alle Fördergelder und deren Verwendung

Zeitplanung

Erstelle einen Förder-Fahrplan:

  1. Quartal 1: Recherche und Identifikation passender Programme
  2. Quartal 2: Vorbereitung der Anträge (Businessplan, F&E-Plan)
  3. Quartal 3: Einreichung und Follow-up
  4. Quartal 4: Verhandlung und Vertragsabschluss

Wichtig: Plane immer einen Plan B ein. Förderanträge können abgelehnt werden -- dein Startup darf nicht ausschliesslich von Fördergeldern abhängen.

Praktische Tipps für erfolgreiche Förderanträge

1. Früh anfangen

Beginne mindestens 6 Monate vor dem geplanten Projektstart mit der Antragsvorbereitung. Gute Anträge brauchen Zeit.

2. Den Gutachter im Kopf haben

Dein Antrag wird von externen Gutachtern bewertet. Schreibe klar, strukturiert und jargonfrei. Erkläre technische Konzepte verständlich.

3. Zahlen und Fakten liefern

Belege alle Aussagen mit konkreten Zahlen:

  • Marktgrösse und Wachstumsraten
  • Wettbewerbsanalyse mit konkreten Vergleichen
  • Finanzplanung mit realistischen Annahmen
  • CO2-Einsparungspotenzial quantifizieren

4. Das Team hervorheben

Fördergeber investieren in Menschen. Zeige:

  • Relevante Erfahrung und Expertise
  • Komplementäre Fähigkeiten im Team
  • Bereitschaft, Lücken durch Recruiting oder Partner zu schliessen

5. Risiken adressieren

Identifiziere Risiken proaktiv und zeige Lösungsstrategien:

  • Technische Risiken und Alternativansätze
  • Marktrisiken und Pivot-Möglichkeiten
  • Finanzierungsrisiken und Rückfallszenarien

6. Professionelle Hilfe nutzen

Förderberater können den Unterschied machen:

  • Sie kennen die Bewertungskriterien im Detail
  • Sie helfen bei der Antragstellung und Budgetplanung
  • Sie vermitteln Kontakte zu den Förderstellen
  • Kosten: Typisch 3 bis 10 Prozent der Fördersumme (erfolgsabhängig)

Häufige Fehler bei Förderanträgen

Fehler 1: Förderung als Geschäftsmodell

Förderungen sind Starthilfe, kein dauerhaftes Geschäftsmodell. Zeige im Antrag, wie dein Startup auch ohne Förderung überlebensfähig wird.

Fehler 2: Unrealistische Finanzplanung

Zu optimistische Umsatzprognosen oder zu niedrige Kosten­schätzungen führen zur Ablehnung. Sei realistisch und transparent.

Fehler 3: Fehlende Additionalität

Du musst nachweisen, dass das Projekt ohne Förderung nicht oder nicht in diesem Umfang durchgeführt werden könnte.

Fehler 4: Mangelnde Dokumentation

Halte alle Belege, Zeitaufzeichnungen und Projektfortschritte sorgfältig fest. Fördergeber prüfen -- und bei Mängeln drohen Rückforderungen.

Fehler 5: Zu spät beginnen

Viele Förderungen erfordern, dass das Projekt noch nicht begonnen hat. Reiche den Antrag vor Projektstart ein.

Fazit

Die österreichische Förderlandschaft bietet CleanTech-Startups hervorragende Möglichkeiten. Vom Klima- und Energiefonds über aws und FFG bis zu EU-Programmen -- für jede Phase und jeden Bedarf gibt es passende Instrumente.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer strategischen Herangehensweise: Identifiziere die richtigen Programme, plane deine Anträge sorgfältig und kombiniere verschiedene Förderquellen intelligent. Und vergiss nie: Förderungen sind ein Beschleuniger, aber dein Geschäftsmodell muss auch ohne sie funktionieren.

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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "GreenTech und CleanTech" auf dem Startup Burgenland Blog. Im nächsten Beitrag zeigen wir dir, wie du Energieeffizienz-Lösungen entwickelst und am Markt positionierst.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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