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Export-Förderungen für Startups nutzen

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Export-Förderungen für Startups nutzen -- so finanzierst du deine Internationalisierung

Die Internationalisierung deines Startups kostet Geld -- das haben wir in den bisherigen Artikeln dieser Serie deutlich gemacht. Aber hier kommt die gute Nachricht: Österreich bietet ein umfangreiches Netz an Förderungen, die speziell darauf ausgerichtet sind, heimische Unternehmen beim Gang ins Ausland zu unterstützen.

In diesem Artikel zeige ich dir die wichtigsten Förderprogramme, erkläre dir den Antragsprozess und gebe dir Tipps, wie du die Chance auf eine Förderung maximierst.

Warum Österreich seine Startups fördert

Österreich ist eine kleine, offene Volkswirtschaft. Exporte machen einen erheblichen Teil des BIP aus -- rund 55%. Die Regierung hat ein starkes Interesse daran, dass österreichische Unternehmen international wettbewerbsfähig sind. Deshalb gibt es zahlreiche Programme, die den Export und die Internationalisierung fördern.

Für Startups sind diese Förderungen besonders wertvoll, weil sie oft die finanzielle Lücke schliessen, die zwischen einem erfolgreichen Heimatmarkt und dem Sprung ins Ausland klafft.

Die wichtigsten Förderstellen für Export und Internationalisierung

1. Wirtschaftskammer Österreich (WKO) / AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA

Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO ist die erste Anlaufstelle für exportorientierte Unternehmen:

Internationalisierungsoffensive (go-international)

  • Was: Breites Förderprogramm für die Internationalisierung
  • Förderhöhe: Bis zu 50% der förderbaren Kosten
  • Förderbar: Marktrecherchen, Messeteilnahmen, Beratungsleistungen, Marketing-Massnahmen im Ausland
  • Besonders relevant für: Erste Schritte im Ausland, Marktrecherche, Messebesuche

Exportservice

  • Was: Individuelle Beratung und Unterstützung beim Markteintritt
  • Leistungen: Marktanalysen, Geschäftspartnersuche, Rechtsberatung, Zollberatung
  • Kosten: Teilweise kostenlos, teilweise günstige Pauschalen
  • Besonders relevant für: Märkte, in denen du noch keine Erfahrung hast

Aussenwirtschaftscenter

  • Was: Österreichische Handelsvertretungen in über 100 Ländern
  • Leistungen: Lokale Kontakte, Marktinformationen, Veranstaltungen, Büroinfrastruktur
  • Besonders relevant für: Wenn du einen Fuss in einen neuen Markt setzen willst

2. Austria Wirtschaftsservice (aws)

Die aws ist die Förderbank des Bundes und bietet verschiedene Programme:

aws Internationalisierung

  • Was: Zuschuss für Internationalisierungsprojekte
  • Förderhöhe: Bis zu 50% der förderbaren Kosten, maximal 200.000 EUR
  • Förderbar: Machbarkeitsstudien, Markterschliessung, Vertriebsaufbau, Marketing-Massnahmen
  • Laufzeit: Projekte bis zu 24 Monate
  • Besonders relevant für: Grössere Internationalisierungsprojekte mit klarem Plan

aws Garantie

  • Was: Garantien für Exportgeschäfte
  • Leistungen: Absicherung von Exportrisiken, Finanzierungsgarantien
  • Besonders relevant für: Startups, die grössere Aufträge im Ausland abwickeln

3. Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)

Die FFG fördert primär Forschung und Innovation, hat aber auch internationalisierungsrelevante Programme:

Beyond Europe

  • Was: Förderung von F&E-Kooperationen mit aussereuropäischen Ländern
  • Förderhöhe: Bis zu 80% der förderbaren Kosten
  • Besonders relevant für: Tech-Startups mit internationalen F&E-Partnerschaften

EUREKA/Eurostars

  • Was: Europäische Förderung für KMU-getriebene F&E-Projekte
  • Förderhöhe: Bis zu 50% der förderbaren Kosten
  • Besonders relevant für: Startups, die mit europäischen Partnern zusammenarbeiten

4. Wirtschaftsagentur Burgenland

Für burgenländische Startups gibt es zusätzliche Förderungen auf Landesebene:

Internationalisierungsförderung Burgenland

  • Was: Zuschuss für Internationalisierungsmassnahmen
  • Förderhöhe: Bis zu 50% der förderbaren Kosten
  • Förderbar: Messebesuche, Marktstudien, Marketing-Materialien, Übersetzungen
  • Besonders relevant für: Ergänzend zu Bundesförderungen -- oft kumulierbar

5. EU-Förderprogramme

Auch auf EU-Ebene gibt es relevante Programme:

EIC Accelerator

  • Was: Förderung für innovative KMUs mit Skalierungspotenzial
  • Förderhöhe: Bis zu 2,5 Millionen EUR Zuschuss + bis zu 15 Millionen EUR Eigenkapital
  • Besonders relevant für: Hoch innovative Startups mit europäischem Skalierungspotenzial

Erasmus for Young Entrepreneurs

  • Was: Austauschprogramm für Jungunternehmer
  • Leistungen: 1-6 Monate Aufenthalt bei einem erfahrenen Unternehmer im Ausland
  • Kosten: Finanzielle Unterstützung für Reise und Lebenshaltung
  • Besonders relevant für: Gründer, die einen Zielmarkt aus erster Hand kennenlernen wollen

Die häufigsten förderbaren Kosten

Wenn du eine Förderung beantragst, ist es wichtig zu wissen, welche Kosten förderbar sind. Hier die typischen Kategorien:

Marketing und Vertrieb im Ausland

Messen und Events

  • Standgebühr und Standausstattung
  • Reise- und Übernachtungskosten
  • Marketingmaterial für den Messeauftritt
  • Vor- und Nachbereitung

Beratung und Analyse

  • Marktanalysen und Machbarkeitsstudien
  • Rechtsberatung im Ausland
  • Steuerberatung für den Auslandsmarkt
  • Interkulturelle Beratung

Personal

  • Personalkosten für Internationalisierungsprojekte (anteilig)
  • Kosten für lokale Berater oder temporäre Mitarbeiter im Ausland
  • Reisekosten für Markterkundung

Der Antragsprozess: Schritt für Schritt

Schritt 1: Förderprogramm identifizieren

Nicht jedes Förderprogramm passt zu deinem Vorhaben. Prüfe:

  • Bist du antragsberechtigt (Unternehmensgrösse, Branche, Standort)?
  • Passt dein Vorhaben zu den Förderzielen?
  • Ist das Programm aktuell offen für Einreichungen?
  • Wie hoch ist die Förderung im Vergleich zu deinem Bedarf?

Tipp: Nutze die kostenlose Erstberatung der WKO oder der aws. Die Berater kennen alle Programme und können dir die passenden empfehlen.

Schritt 2: Projektplan erstellen

Ein solider Projektplan ist die Basis jedes Förderantrags:

  • Ziele: Was willst du mit der Internationalisierung erreichen? Sei konkret und messbar.
  • Massnahmen: Welche konkreten Schritte planst du?
  • Zeitplan: Wann soll was passieren? Erstelle einen realistischen Zeitplan.
  • Budget: Welche Kosten fallen an? Kalkuliere realistisch und vollständig.
  • Team: Wer setzt das Projekt um?
  • Risiken: Welche Risiken siehst du und wie gehst du damit um?

Schritt 3: Antrag einreichen

Die meisten Förderungen werden online beantragt. Achte auf:

  • Vollständigkeit: Alle geforderten Unterlagen beifügen (Businessplan, Finanzplanung, Handelsregisterauszug, etc.)
  • Fristen: Einreichfristen strikt einhalten -- verspätete Anträge werden nicht berücksichtigt
  • Formale Anforderungen: Formulare vollständig ausfüllen, Budgetpläne korrekt formatieren
  • Klarheit: Schreibe klar und verständlich -- die Gutachter sind keine Experten in deiner Branche

Schritt 4: Begutachtung abwarten

Die Begutachtung dauert je nach Programm 4-12 Wochen. In manchen Fällen wirst du zu einem Gespräch eingeladen, in dem du dein Vorhaben vorstellen musst.

Schritt 5: Projekt umsetzen und dokumentieren

Wenn du die Förderung bekommst:

  • Starte nicht vor der Genehmigung: Kosten, die vor dem Förderzeitraum anfallen, sind in der Regel nicht förderbar!
  • Dokumentiere alles: Rechnungen, Verträge, Nachweise -- sammle alles sorgfältig.
  • Halte den Zeitplan ein: Änderungen müssen vorab mit der Förderstelle abgestimmt werden.
  • Berichte rechtzeitig: Zwischen- und Endberichte fristgerecht einreichen.

Schritt 6: Abrechnung einreichen

Nach Projektabschluss reichst du eine detaillierte Abrechnung ein:

  • Alle Rechnungen und Zahlungsnachweise
  • Nachweis der erbrachten Leistungen
  • Endbericht mit Darstellung der Ergebnisse

Tipps für einen erfolgreichen Förderantrag

1. Früh anfangen

Förderanträge brauchen Zeit. Plane mindestens 4-6 Wochen für die Erstellung eines soliden Antrags ein.

2. Die richtigen Worte wählen

Förderanträge haben eine eigene Sprache. Verwende Begriffe wie "Innovation", "Wettbewerbsfähigkeit", "Arbeitsplätze", "Nachhaltigkeit" -- aber nur, wenn sie ehrlich auf dein Vorhaben zutreffen.

3. Zahlen und Fakten liefern

Fördergeber lieben Zahlen. Zeige:

  • Marktpotenzial des Zielmarktes (in EUR)
  • Erwarteten Umsatz (realistisch, nicht optimistisch)
  • Geplante Arbeitsplätze
  • ROI der Internationalisierung

4. Förderungen kombinieren

Viele Förderungen sind kumulierbar -- du kannst also mehrere Förderungen für ein Vorhaben nutzen. Aber Achtung: Die Gesamtförderung darf in der Regel 75% der förderbaren Kosten nicht übersteigen.

Typische Kombination:

  • aws Internationalisierung (Bundesförderung) + Landesförderung Burgenland + go-international (WKO)

5. Professionelle Hilfe holen

Es gibt spezialisierte Förderberater, die dich beim Antrag unterstützen. Die Investition (ca. 2.000 -- 5.000 EUR) lohnt sich oft, weil:

  • Die Erfolgsquote deutlich steigt
  • Du keine formalen Fehler machst
  • Du die richtige Förderung auswähst
  • Du Zeit sparst

6. Nach Ablehnung nicht aufgeben

Wenn dein Antrag abgelehnt wird:

  • Frage nach den Gründen für die Ablehnung.
  • Überarbeite deinen Antrag basierend auf dem Feedback.
  • Prüfe, ob ein anderes Förderprogramm besser passt.
  • Reiche bei der nächsten Runde erneut ein.

Kosten-Nutzen-Rechnung: Lohnt sich der Aufwand?

Hier ein realistisches Beispiel:

Geplantes Internationalisierungsprojekt (Deutschland):

  • Website-Lokalisierung: 8.000 EUR
  • Content-Marketing (6 Monate): 12.000 EUR
  • Google Ads (6 Monate): 9.000 EUR
  • SEO-Optimierung: 4.000 EUR
  • Messebesuch (dmexco): 5.000 EUR
  • Beratung und Marktanalyse: 3.000 EUR
  • Reisekosten: 2.000 EUR
  • Gesamtkosten: 43.000 EUR

Förderung (aws Internationalisierung, 50%):

  • Förderung: 21.500 EUR

Eigenanteil: 21.500 EUR

Aufwand für den Förderantrag:

  • Eigene Arbeitszeit: ca. 30 Stunden
  • Förderberater: 3.000 EUR
  • Gesamter Aufwand: ca. 3.000 EUR + Arbeitszeit

Ergebnis: Du sparst 18.500 EUR netto (21.500 EUR Förderung minus 3.000 EUR Beraterkosten). Das ist fast die Hälfte deines Gesamtbudgets.

Häufige Fehler bei Förderanträgen

1. Zu spät anfangen

Viele Gründer denken erst an Förderungen, wenn sie bereits Kosten haben. Aber: Kosten, die vor der Förderzusage entstehen, sind meistens nicht förderbar. Plane die Förderung von Anfang an ein.

2. Unrealistische Pläne

Fördergeber erkennen unrealistische Umsatzprognosen und übertriebene Marktpotenziale sofort. Bleibe realistisch -- das erhöhst deine Glaubwürdigkeit und damit deine Chancen.

3. Schlechte Dokumentation

Wer Belege nicht sorgfältig sammelt und ordnet, hat später Probleme bei der Abrechnung. Im schlimmsten Fall musst du Fördergelder zurückzahlen.

4. Falsches Programm gewählt

Nicht jede Förderung passt zu jedem Vorhaben. Nimm dir die Zeit, das richtige Programm zu finden -- oder lass dich beraten.

Fazit: Förderungen sind kein Geschenk, sondern ein Investment

Österreich bietet ein hervorragendes Fördersystem für die Internationalisierung. Nutze es -- aber betrachte Förderungen nicht als Geschenk, sondern als Investment in deine internationale Zukunft. Sie machen es dir leichter, den Sprung ins Ausland zu wagen, reduzieren dein finanzielles Risiko und ermöglichen Massnahmen, die du dir ohne Förderung vielleicht nicht leisten könntest.

Starte jetzt: Informiere dich über die passenden Programme, bereite einen soliden Antrag vor und nutze die finanzielle Unterstützung, um deine internationale Marketing-Strategie umzusetzen.


Über Startup Burgenland

Startup Burgenland ist die zentrale Anlaufstelle für Gründer und Gründerinnen im Burgenland. Wir unterstützen dich mit Beratung, Vernetzung und Förderprogrammen auf deinem Weg zum erfolgreichen Unternehmen. Egal, ob du gerade erst gründest oder bereits international expandierst -- wir sind für dich da.

Du willst Förderungen für deine Internationalisierung nutzen? Kontaktiere uns -- wir helfen dir, die passenden Programme zu finden und den Antrag vorzubereiten.

Dieser Artikel ist Teil der Serie Internationales Marketing, in der wir österreichische Startups auf ihrem Weg in internationale Märkte begleiten.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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