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Data Room für Folgefinanzierung

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Data Room für Folgefinanzierung

Wenn potenzielle Investoren "Können wir in den Data Room schauen?" fragen, solltest du nicht ins Schwitzen kommen. Ein gut vorbereiteter Data Room ist wie ein aufgeräumtes Büro -- er zeigt Professionalität und spart allen Beteiligten Zeit.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du einen Data Room aufbaust, der deine Follow-on-Finanzierung beschleunigt und gleichzeitig als laufende Wissensdatenbank für dein Startup dient.

Was ist ein Data Room?

Ein Data Room (oder Virtual Data Room, VDR) ist eine strukturierte, sichere Ablage aller relevanten Unternehmensdokumente. Er dient zwei Zwecken:

  1. Due Diligence: Investoren prüfen dein Unternehmen vor einer Investition
  2. Laufendes Reporting: Deine Investoren haben jederzeit Zugang zu wichtigen Dokumenten

Physisch vs. virtuell

Früher waren Data Rooms tatsächlich physische Räume mit Aktenordnern. Heute ist alles digital -- und das ist gut so, besonders wenn deine Investoren in Wien sitzen und du in Eisenstadt oder Oberwart arbeitest.

Warum du deinen Data Room JETZT aufbauen solltest

Die meisten Gründer bauen ihren Data Room erst, wenn eine Finanzierungsrunde ansteht. Das ist ein Fehler, denn:

  • Unter Zeitdruck: Du hast dann keine Zeit, alles sauber aufzubereiten
  • Fehlende Dokumente: Du merkst erst jetzt, dass wichtige Unterlagen fehlen
  • Unprofessioneller Eindruck: Ein chaotischer Data Room signalisiert ein chaotisches Unternehmen
  • Verzögerung: Die Due Diligence dauert länger als nötig

Der bessere Ansatz: Baue den Data Room von Anfang an auf und halte ihn laufend aktuell. Dann bist du jederzeit bereit -- ob für eine geplante Runde oder eine überraschende Anfrage.

Die optimale Struktur deines Data Rooms

Ordnerstruktur

Hier ist die Struktur, die sich bei österreichischen Startups bewährt hat:

01_UNTERNEHMEN
  01.1_Gruendungsdokumente
  01.2_Gesellschaftsvertrag
  01.3_Handelsregisterauszuege
  01.4_Organigramm
  01.5_Unternehmensstruktur

02_FINANZEN
  02.1_Jahresabschluesse
  02.2_Monatsabschluesse
  02.3_Budget_und_Forecast
  02.4_Cap_Table
  02.5_Financial_Model
  02.6_Bankkontoauszuege

03_RECHT
  03.1_Gesellschafterbeschluesse
  03.2_Bestehende_Investorenvertraege
  03.3_IP_und_Patente
  03.4_Allgemeine_Vertraege
  03.5_Compliance_und_Lizenzen

04_TEAM
  04.1_Gruenderprofile
  04.2_Arbeitsvertraege_Key_Employees
  04.3_ESOP_Beteiligungsprogramm
  04.4_Organigramm_und_Headcount
  04.5_Berater_und_Freelancer

05_PRODUKT
  05.1_Produktbeschreibung
  05.2_Technische_Architektur
  05.3_Roadmap
  05.4_IP_Portfolio
  05.5_Technische_Due_Diligence

06_MARKT_UND_KUNDEN
  06.1_Marktanalyse
  06.2_Kundenliste
  06.3_Kundenvertraege_Key_Accounts
  06.4_Pipeline
  06.5_Case_Studies

07_REPORTING
  07.1_Monatliche_Updates
  07.2_Board_Protokolle
  07.3_KPI_Dashboard
  07.4_Investor_Praesentationen

08_FUNDRAISING
  08.1_Pitch_Deck
  08.2_Term_Sheet
  08.3_Bewertungsgrundlage
  08.4_Use_of_Funds

Was in jeden Ordner gehört

01 -- Unternehmen

DokumentBeschreibungFormat
Gesellschaftsvertrag (aktuell)Inkl. aller ÄnderungenPDF
FirmenbuchauszugAktuell (nicht älter als 3 Monate)PDF
GewerbescheinFalls relevantPDF
UnternehmenspräsentationOne-Pager mit ÜberblickPDF
OrganigrammAktuelle StrukturPDF/PNG

In Österreich bekommst du den Firmenbuchauszug online über das Justizministerium oder Firmenbuch.at. Halte ihn aktuell.

02 -- Finanzen

DokumentBeschreibungHäufigkeit
JahresabschlüsseLetzte 2-3 JahreJährlich
Monatliche P&LDetaillierte Gewinn- und VerlustrechnungMonatlich
Cash-Flow-StatementMittelherkunfts- und -verwendungsrechnungMonatlich
Budget vs. ActualPlanvergleichMonatlich
Financial Model3-5 Jahres-ProjektionQuartalsweise aktualisieren
Cap TableVollständige AnteilsverteilungBei jeder Änderung

Tipp für österreichische Startups: Wenn du BMD oder andere österreichische Buchhaltungssoftware nutzt, exportiere die Berichte in ein standardisiertes Format. Viele Investoren (besonders internationale) sind mit IFRS vertrauter als mit österreichischem UGB.

03 -- Recht

Hier sind die Dokumente, die Investoren besonders genau prüfen:

  • Gesellschaftervereinbarung: Inkl. aller Side Letters und Zusatzvereinbarungen
  • Bestehende Investorenverträge: SHA, Investment Agreement, etc.
  • IP-Zuordnung: Nachweis, dass das geistige Eigentum dem Unternehmen gehört (nicht den Gründern privat)
  • Arbeitsverträge: Besonders für Key Employees -- mit IP-Klauseln
  • Kundenverträge: AGB und wichtige Einzelverträge
  • Datenschutz: DSGVO-Dokumentation (in Österreich besonders relevant)

04 -- Team

  • Gründer-CVs: Ausführlich, mit Track Record und Referenzen
  • Key-Employee-Profile: Für Führungskräfte und Schlüsselentwickler
  • ESOP-Programm: Falls vorhanden -- Struktur, Zuteilungen, Vesting-Schedule
  • Berater: Liste der Berater mit Verträgen und Vergütung

05 -- Produkt

  • Produktbeschreibung: Was tut das Produkt, für wen, warum ist es besser?
  • Technische Architektur: High-Level-Übersicht (kein Quellcode!)
  • Demo-Video: 3-5 Minuten Produktdemo
  • Roadmap: Was ist geplant für die nächsten 12-18 Monate?
  • IP-Portfolio: Patente, Marken, Domains

06 -- Markt und Kunden

  • Marktanalyse: TAM, SAM, SOM -- mit seriöser Quellenangabe
  • Wettbewerbsanalyse: Ehrliche Einschätzung der Wettbewerbslandschaft
  • Kundenliste: Anonymisiert oder mit Zustimmung
  • Referenzkunden: 2-3 Kunden, die bereit sind, mit Investoren zu sprechen
  • Churn-Analyse: Warum Kunden gehen und was du dagegen tust

07 -- Reporting

Hier kommt alles zusammen, was du in dieser Serie gelernt hast:

Tools für deinen Data Room

Einfache Lösungen (Pre-Seed/Seed)

ToolVorteileNachteileKosten
Google DriveKostenlos, einfachBegrenzte KontrolleGratis
NotionStrukturiert, durchsuchbarKein dediziertes VDR-ToolAb EUR 8/Mo
DropboxVertraut, zuverlässigWenig TrackingAb EUR 12/Mo

Professionelle Lösungen (Seed/Series A)

ToolVorteileNachteileKosten
DocSendTracking, WasserzeichenBegrenzte StrukturAb EUR 10/Mo
Dealroom.netSpeziell für VDRsKann teuer werdenAb EUR 100/Mo
CartaCap Table + Data RoomUS-fokussiertAb EUR 50/Mo
AnsaradaEnterprise-GradeOverkill für FrühphaseAb EUR 200/Mo

Empfehlung für österreichische Startups

Frühphase (Pre-Seed/Seed):

  • Google Drive mit klarer Ordnerstruktur
  • DocSend für das Pitch Deck (mit Tracking)
  • Google Sheets für den Cap Table

Wachstumsphase (Series A+):

  • Carta für Cap Table und grundlegende Dokumente
  • Notion oder Conflünce für die interne Wissensdatenbank
  • DocSend oder Ansarada für den formellen Data Room

Sicherheit und Zugangsrechte

Zugangskontrolle

Nicht jeder sollte alles sehen. Definiere Zugangsstufen:

StufeWerZugang zu
Stufe 1: GrundinfoAlle potenziellen InvestorenPitch Deck, One-Pager, Öffentliche Infos
Stufe 2: ErweitertInvestoren nach NDAFinanzen, KPIs, Kundeninfos
Stufe 3: VollzugangInvestoren in Due DiligenceAlle Dokumente
Stufe 4: InternGründer/ManagementVertrauliche interne Dokumente

NDA (Vertraulichkeitsvereinbarung)

In Österreich ist es üblich, vor dem Zugang zum Data Room ein NDA zu unterzeichnen. Beachte:

  • Viele VCs unterschreiben grundsätzlich keine NDAs (da sie viele ähnliche Unternehmen sehen)
  • Für Angels und Corporate Investoren ist ein NDA angemessen
  • Halte das NDA einfach und standardisiert
  • Lass es von deinem Anwalt vorbereiten

Datenschutz (DSGVO)

Als österreichisches Unternehmen musst du die DSGVO einhalten:

  • Personenbezogene Daten in Kundenverträgen schwärzen
  • Mitarbeiter-Informationen nur mit Zustimmung teilen
  • Dokumentiere, wer wann auf welche Daten zugegriffen hat
  • Lösche Zugänge nach Abschluss der Due Diligence

Den Data Room für die Due Diligence optimieren

Vor der Due Diligence

  • Alle Dokumente aktualisieren (nichts älter als 3 Monate)
  • Lücken identifizieren und schliessen
  • Formatierung vereinheitlichen (PDF für finale Dokumente)
  • Benennung standardisieren (Datum_Kategorie_Beschreibung.pdf)
  • Inhaltsverzeichnis erstellen
  • Zugriffsrechte konfigurieren

Während der Due Diligence

  • Q&A-Prozess: Richte einen strukturierten Prozess für Fragen ein
  • Schnelle Antworten: Reagiere innerhalb von 24-48 Stunden
  • Dokumentation: Halte alle Fragen und Antworten fest
  • Updates: Informiere alle Parteien über neue Dokumente

Nach der Due Diligence

  • Feedback einholen: Was hat gut funktioniert, was nicht?
  • Data Room aufrämen und archivieren
  • Zugriffsrechte aktualisieren
  • Learnings für die nächste Runde dokumentieren

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Unvollständiger Data Room

Problem: Fehlende Dokumente verzögern die Due Diligence. Lösung: Nutze die Checkliste oben und prüfe regelmässig auf Vollständigkeit.

Fehler 2: Veraltete Informationen

Problem: Jahresabschluss von vor 2 Jahren, veralteter Cap Table. Lösung: Aktualisiere den Data Room mindestens quartalsweise.

Fehler 3: Chaotische Struktur

Problem: Dokumente liegen kreuz und quer, keine einheitliche Benennung. Lösung: Verwende die vorgeschlagene Ordnerstruktur und eine konsistente Namenskonvention.

Fehler 4: Zu viel oder zu wenig

Problem: Entweder fehlen wichtige Dokumente oder es gibt Hunderte irrelevante Dateien. Lösung: Fokussiere dich auf das Wesentliche. Weniger ist mehr, aber nichts Wichtiges darf fehlen.

Fehler 5: Keine Versionskontrolle

Problem: Mehrere Versionen desselben Dokuments führen zu Verwirrung. Lösung: Immer nur die aktuelle Version im Data Room. Alte Versionen in einem Archiv-Ordner.

Fehler 6: IP nicht sauber zugeordnet

Problem: Unklar, ob das geistige Eigentum dem Unternehmen gehört. Lösung: Stelle sicher, dass alle Gründer und Mitarbeiter IP-Zuordnungsvereinbarungen unterschrieben haben. In Österreich ist das besonders wichtig bei vorheriger universitärer Forschung.

Besonderheiten für österreichische Startups

Rechtsform-spezifische Dokumente

GmbH (häufigste Rechtsform):

  • Gesellschaftsvertrag (notariell beurkundet)
  • Firmenbuchauszug
  • Gesellschafterbeschlüsse
  • Abtretungsverträge bei Anteilsübertragungen

FlexCo (seit 2024 in Österreich):

  • Gründungserklärung
  • Unternehmenswertanteile dokumentieren
  • Sonderregelungen für Mitarbeiterbeteiligung

Steuerliche Dokumente

  • Körperschaftssteuer-Bescheide
  • Umsatzsteuer-Erklärungen
  • Forschungsprämie (falls beantragt)
  • Bestätigungen über Förderungen (AWS, FFG, etc.)

Förderdokumentation

Österreichische Investoren fragen oft nach Förderungen. Dokumentiere:

  • Bewilligte Förderungen (AWS, FFG, Landesförderungen)
  • Laufende Anträge
  • Förderberichte und Abrechnungen
  • Auflagen und Bedingungen

Dein 4-Wochen-Plan zum Data Room

Woche 1: Struktur und Inventur

  • Ordnerstruktur anlegen
  • Vorhandene Dokumente sammeln und sortieren
  • Lücken identifizieren

Woche 2: Dokumente beschaffen

  • Fehlende Dokumente bei Anwalt, Steuerberater, Notar anfordern
  • Firmenbuchauszug aktualisieren
  • Finanzberichte aufbereiten

Woche 3: Aufbereitung

  • Dokumente formatieren und benennen
  • Inhaltsverzeichnis erstellen
  • Zugriffsrechte konfigurieren

Woche 4: Review und Finalisierung

  • Internen Review durchführen
  • Feedback von Mentor oder Berater einholen
  • Data Room für den ersten Zugriff öffnen

Fazit

Ein professioneller Data Room ist kein Nice-to-have -- er ist ein Muss für jedes Startup, das eine Folgefinanzierung anstrebt. Er beschleunigt die Due Diligence, demonstriert Professionalität und gibt dir selbst einen besseren Überblick über dein Unternehmen.

Baue den Data Room früh auf und halte ihn laufend aktuell. Wenn die nächste Finanzierungsrunde ansteht, wirst du froh sein, dass die Arbeit bereits getan ist.

Im nächsten Beitrag unserer Serie behandeln wir ein Thema, das hoffentlich selten vorkommt, aber umso wichtiger ist, wenn es soweit ist: die Krisenkommunikation mit Investoren.


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Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Investor Relations und Reporting" im Startup Burgenland Blog. Lies auch die anderen Beiträge dieser Serie, um deine Investorenkommunikation auf ein professionelles Niveau zu heben.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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