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Design-Tools für Startups im Vergleich -- Figma, Penpot, Canva und Co.

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Design-Tools für Startups im Vergleich -- Figma, Penpot, Canva und Co.

Die Auswahl an Design-Tools ist überwätigend. Figma, Sketch, Adobe XD (eingestellt), Penpot, Canva, Framer -- welches Tool ist das richtige für dein Startup? Und brauchst du überhaupt ein teures Abo?

In diesem Beitrag vergleiche ich die wichtigsten Design-Tools für österreichische Startups -- ehrlich, praxisnah und mit klaren Empfehlungen.

Die Tool-Landschaft 2027

Bevor wir in den Vergleich einsteigen: Die Design-Tool-Landschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Adobe XD wurde eingestellt, Figma hat seine Preise angepasst, und Open-Source-Alternativen wie Penpot werden immer besser.

Die wichtigsten Kategorien:

KategorieZweckTools
UI/UX-DesignWireframes, Mockups, PrototypenFigma, Penpot, Sketch
PrototypingInteraktive PrototypenFigma, Framer, ProtoPie
GrafikdesignSocial Media, MarketingCanva, Adobe Express
IllustrationIcons, GrafikenIllustrator, Inkscape
BildbearbeitungFotos, AssetsPhotoshop, GIMP, Photopea
Design HandoffDesigner-Entwickler-ÜbergabeFigma, Zeplin

Der grosse Vergleich: UI/UX-Design-Tools

Figma

Der Platzhirsch -- und das aus gutem Grund.

AspektDetails
KostenKostenlos (Starter: 3 Projekte), Professional: 15 USD/Monat
PlattformBrowser + Desktop (Mac, Windows)
KollaborationEchtzeit-Zusammenarbeit, Kommentare
PrototypingIntegriert, sehr leistungsfähig
LernkurveMittel (1-2 Wochen Basics)
CommunityRiesig, tausende Plugins und Templates

Vorteile:

  • Browser-basiert -- keine Installation nötig
  • Echtzeit-Kollaboration (wie Google Docs für Design)
  • Umfangreiche Prototyping-Features
  • Riesige Community mit kostenlosen Ressourcen
  • Variables und Auto Layout für Design Systems
  • Dev Mode für Designer-Entwickler-Zusammenarbeit

Nachteile:

  • Gehört zu Adobe (Datenschutz-Bedenken)
  • Professional-Plan wird schnell teuer bei grösseren Teams
  • Offline nur eingeschränkt nutzbar
  • Kann bei sehr grossen Dateien langsam werden

Mein Urteil: Für die meisten Startups die beste Wahl. Die kostenlose Version reicht für den Anfang, und die Community bietet unendlich viele Ressourcen.

Penpot

Die Open-Source-Alternative.

AspektDetails
KostenKomplett kostenlos (Open Source)
PlattformBrowser (self-hosted oder Cloud)
KollaborationEchtzeit-Zusammenarbeit
PrototypingBasis-Funktionen
LernkurveMittel
CommunityWachsend, aber kleiner als Figma

Vorteile:

  • 100% kostenlos, keine Einschränkungen
  • Open Source -- du kannst es selbst hosten (DSGVO!)
  • Keine Vendor-Lock-in
  • SVG-basiert (offenes Format)
  • Aktive Entwicklung, regelmässige Updates

Nachteile:

  • Weniger Features als Figma (besonders Prototyping)
  • Kleinere Community, weniger Plugins
  • Performance nicht ganz auf Figma-Niveau
  • Weniger Tutorials und Lernmaterial verfügbar

Mein Urteil: Perfekt für Startups, die Wert auf Datenschutz legen oder kein Budget für Design-Tools haben. Die Lücke zu Figma wird kleiner.

Sketch

Der Veteran -- aber nur für Mac.

AspektDetails
Kosten10 USD/Monat oder 120 USD/Jahr (nur Mac)
PlattformmacOS + Browser (nur zum Anschauen)
KollaborationEingeschränkt (Workspace-Feature)
PrototypingBasis-Funktionen
LernkurveNiedrig-Mittel
CommunityGross, aber schrumpfend

Vorteile:

  • Native Mac-App -- sehr performant
  • Einfach zu lernen
  • Gute Plugin-Auswahl
  • Einmalkauf möglich (ältere Versionen)

Nachteile:

  • Nur Mac -- Team-Mitglieder mit Windows/Linux sind ausgeschlossen
  • Kollaboration deutlich schwächer als Figma
  • Verliert Marktanteile -- Zukunft unsicher
  • Browser-Version nur zum Anschauen

Mein Urteil: Wenn dein gesamtes Team Mac nutzt und du Sketch bereits kennst, ist es okay. Für neue Startups würde ich Figma oder Penpot empfehlen.

Prototyping-Tools

Framer

AspektDetails
KostenKostenlos (1 Projekt), ab 15 EUR/Monat
StärkeExtrem realistische Prototypen, Website-Builder
BesonderheitCode-Komponenten (React) möglich
Ideal fürLanding Pages, Marketing-Seiten

Framer hat sich vom reinen Prototyping-Tool zum Website-Builder entwickelt. Für Startups, die schnell eine professionelle Landing Page brauchen, ist Framer eine gute Wahl -- ohne Entwickler.

ProtoPie

AspektDetails
KostenAb 13 USD/Monat
StärkeKomplexe Interaktionen ohne Code
BesonderheitSensor-basierte Prototypen (Gyro, Sound)
Ideal fürMobile Apps mit komplexen Gestensteuerungen

Marvel App

AspektDetails
KostenKostenlos (1 Projekt), ab 12 USD/Monat
StärkeEinfachheit, Paper-Prototyping
BesonderheitFotos von Paper-Wireframes verlinken
Ideal fürAbsolute Anfänger, schnelle Tests

Grafikdesign-Tools

Canva

AspektDetails
KostenKostenlos (Basis), Pro: 12 EUR/Monat
StärkeSocial Media, Präsentationen, Marketing
LernkurveSehr niedrig
TemplatesTausende, sofort nutzbar

Wann Canva nutzen:

  • Social-Media-Posts für Instagram, LinkedIn, Facebook
  • Pitch-Deck-Präsentationen
  • Flyer und Visitenkarten
  • Blog-Header-Bilder
  • Einfache Infografiken

Wann NICHT Canva nutzen:

  • UI/UX-Design (dafür ist es nicht gemacht)
  • Professionelles Branding (zu template-lastig)
  • Komplexe Illustrationen

Tipp für österreichische Startups: Canva Pro für Teams (ab 24 EUR/Monat für 2 Personen) lohnt sich, wenn du regelmässig Social-Media-Content produzierst. Die Brand-Kit-Funktion spart enorm viel Zeit.

Adobe Express (ehemals Spark)

AspektDetails
KostenKostenlos (Basis), Premium: 10 EUR/Monat
StärkeSocial Media, Quick Designs
IntegrationAdobe-Ökosystem
Alternative zuCanva

Entwickler-nahe Design-Tools

Storybook

Für Startups, die ein Design System im Code pflegen:

  • Kosten: Open Source
  • Zweck: UI-Komponenten isoliert entwickeln und dokumentieren
  • Ideal für: React, Vü, Angular Projekte
  • Zusammenspiel: Ergänzt Figma perfekt -- Design System im Code (siehe Post 280)

Tailwind CSS + shadcn/ui

Nicht wirklich ein "Design-Tool", aber für viele Startups die praktikabelste Lösung:

  • Kosten: Open Source
  • Zweck: Utility-first CSS + fertige Komponenten
  • Ideal für: Startups, deren Gründer selbst entwickeln
  • Vorteil: Design direkt im Code, kein Handoff nötig

Kostenlose Ressourcen für Startups

Icon-Sets

NameAnzahl IconsStilKosten
Lucide1.400+Line/SolidKostenlos
Phosphor7.000+6 StileKostenlos
Heroicons300+Outline/SolidKostenlos
Tabler Icons5.000+LineKostenlos
Feather Icons280+LineKostenlos

Stockfotos

NameKostenQualitätLizenz
UnsplashKostenlosSehr gutFrei verwendbar
PexelsKostenlosGutFrei verwendbar
PixabayKostenlosGutFrei verwendbar
StockSnapKostenlosGutCC0

Tipp: Für authentische Bilder aus Österreich lohnt sich ein eigenes Fotoshooting. 500-1.000 EUR für einen halben Tag mit einem lokalen Fotografen -- und du hast einzigartige Bilder, die kein Mitbewerber hat.

Figma-Community-Ressourcen

  • Wireframe Kits: Kostenlose Wireframe-Bibliotheken
  • UI Kits: Material Design, iOS, Bootstrap
  • Illustrations: unDraw, Humaaans, Open Peeps
  • Design System Templates: Starte nicht bei Null

Schriften

  • Google Fonts: Tausende kostenlose Schriften, CDN-gehostet
  • Fontsource: Self-hosted Google Fonts (DSGVO-konform!)
  • Font Squirrel: Handverlesene kostenlose Schriften

Die richtige Tool-Kombination für dein Startup

Bootstrapped Startup (0 EUR Budget)

ZweckTool
UI/UX-DesignFigma (Free) oder Penpot
PrototypingFigma (Free)
GrafikdesignCanva (Free)
IconsLucide oder Phosphor
FotosUnsplash
FontsGoogle Fonts (via Fontsource)
BildbearbeitungPhotopea (Free, online)

Gesamtkosten: 0 EUR

Funded Startup (kleines Budget)

ZweckToolKosten
UI/UX-DesignFigma Professional15 USD/Monat
PrototypingFigmainkl.
GrafikdesignCanva Pro12 EUR/Monat
IconsPhosphor0 EUR
FotosUnsplash + eigene Fotos500 EUR (einmalig)
FontsFontsource0 EUR
User TestingMaze0 EUR (Free)

Gesamtkosten: ca. 30 EUR/Monat + 500 EUR einmalig

Wachsendes Startup (3-5 Personen Design/Dev Team)

ZweckToolKosten
UI/UX-DesignFigma Organization45 USD/Monat/Editor
PrototypingFigma + ProtoPie13 USD/Monat
Design SystemFigma + Storybook0 EUR (Open Source)
GrafikdesignCanva Teams24 EUR/Monat
User TestingMaze Pro99 USD/Monat
HandoffFigma Dev Modeinkl.

Gesamtkosten: ca. 250-400 EUR/Monat

Tool-Auswahl: Worauf es wirklich ankommt

1. Team-Kompatibilität

Das beste Tool nützt nichts, wenn die Hälfte des Teams es nicht nutzen kann. Prüfe:

  • Welche Betriebssysteme nutzt dein Team?
  • Brauchen auch Nicht-Designer Zugang (z.B. Entwickler, Produktmanager)?
  • Wie arbeitet dein Team zusammen (gleicher Ort, remote, hybrid)?

2. Lernkurve

Als Startup hast du keine Wochen für Tool-Einarbeitung. Wähle ein Tool, das dein Team schnell produktiv macht. Figma und Canva haben hier die Nase vorn.

3. Datenschutz und DSGVO

In Österreich und der EU ist Datenschutz keine Option. Überlege:

  • Wo werden deine Daten gespeichert?
  • Gibt es einen EU-Serverstandort?
  • Kannst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) abschliessen?

Penpot (self-hosted) ist hier am stärksten. Figma bietet einen AVV an und hat EU-Serveroptionen.

4. Integrations-Möglichkeiten

Dein Design-Tool sollte mit deinem Workflow harmonieren:

  • Jira/Linear-Integration für Tickets
  • Slack-Integration für Benachrichtigungen
  • Git-Integration für Design-Versionierung
  • Handoff-Features für Entwickler (mehr in Post 285)

5. Zukunftssicherheit

  • Wird das Tool aktiv weiterentwickelt?
  • Wie gross ist die Community?
  • Gibt es Export-Möglichkeiten (kein Lock-in)?

Von Tools zu Ergebnissen

Ein Tool ist nur ein Werkzeug. Was zählt, ist das Ergebnis. Die besten Designs der Welt wurden auf Papier skizziert, bevor sie in irgendeinem Tool gelandet sind.

Mein Rat: Wähle ein Tool, das zu deinem Team passt, und werde darin richtig gut -- statt zwischen fünf Tools hin und her zu springen.

Und wenn du die Grundlagen von UX-Design (Post 276), User Research (Post 277), Wireframing (Post 278) und UI-Design (Post 279) beherrschst, wird jedes Tool zum richtigen Tool.

Dein nächster Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Auswahl und Einrichtung der richtigen Design-Tools für dein Startup. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach dein Design-Tooling zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "UX, UI und Design" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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