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Naming und Namensfindung für Startups -- Den perfekten Namen finden

Felix Lenhard 11 min Lesezeit
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Naming und Namensfindung für Startups -- Den perfekten Namen finden

Dein Startup braucht einen Namen. Klingt einfach, oder? Aber wer schon mal stundenlang vor einem leeren Blatt gesessen hat und versucht hat, den "perfekten" Namen zu finden, weiss: Es ist eine der schwierigsten Aufgaben in der Gründungsphase.

Dabei ist der Name mehr als nur ein Wort. Er ist der erste Kontaktpunkt mit deiner Marke, der Anker für deine gesamte Markenpositionierung und das Fundament für dein Corporate Design.

In diesem Beitrag zeige ich dir einen strukturierten Prozess, mit dem du einen starken Startup-Namen findest -- inklusive rechtlicher Hinweise für Österreich.

Warum der Name so wichtig ist

Dein Name wird tausendfach ausgesprochen, geschrieben und gesucht. Er erscheint auf:

  • Deiner Website und in sozialen Medien
  • Visitenkarten und Geschäftspapieren
  • Rechnungen und Verträgen
  • Im Firmenbuch und bei der Gewerbeanmeldung
  • In der Kommunikation mit Förderstellen

Ein schlechter Name kostet dich jeden Tag Erklärungsaufwand. Ein guter Name arbeitet für dich -- rund um die Uhr.

Die sieben Namenskategorien

Bevor du loslegst, solltest du wissen, welche Arten von Namen es gibt:

KategorieBeschreibungBeispielVorteilNachteil
BeschreibendSagt direkt, was du machstBuchhalterOnlineSofort verständlichSchwer schützbar, generisch
AkronymAbkürzung aus AnfangsbuchstabenBMW, SAPKurz und prägnantBraucht Erklärung
Gründer-NameName des GründersManner, SwarovskiPersönlich, vertrauensbildendSchwer übertragbar
FantasieErfundenes WortSpotify, GoogleEinzigartig, schützbarBraucht Marketing-Investment
MetapherBildhaftes WortAmazon, AppleEinprägsam, emotionalKann missverstanden werden
ZusammensetzungZwei Wörter kombiniertFacebook, YouTubeVerständlich und kreativKann sperrig werden
Geo-BezugRegionale ReferenzBurgenland BikesRegionale IdentifikationBegrenzt bei Expansion

Der Naming-Prozess in sechs Schritten

Schritt 1: Naming-Brief erstellen

Bevor du Namen sammelst, musst du definieren, was der Name leisten soll. Beantworte diese Fragen:

Strategische Fragen:

  • Was ist deine Unique Value Proposition?
  • Wer ist deine Zielgruppe?
  • In welcher Branche bist du aktiv?
  • Soll der Name regional oder international funktionieren?
  • In welchen Sprachen muss der Name funktionieren?

Praktische Fragen:

  • Soll der Name aussprechbar sein auf Deutsch? Auf Englisch?
  • Wie lang darf der Name maximal sein?
  • Gibt es Wörter, die du vermeiden willst?
  • Muss eine passende .at- oder .com-Domain verfügbar sein?

Schritt 2: Brainstorming-Techniken anwenden

Jetzt wird kreativ gearbeitet. Nutze verschiedene Techniken:

Technik 1: Wortfeld-Mapping Schreibe dein Kernthema in die Mitte und sammel verwandte Begriffe in alle Richtungen:

  • Synonyme
  • Assoziationen
  • Emotionen
  • Materialien
  • Tätigkeiten
  • Ergebnisse

Technik 2: Sprachspiel

  • Alliterationen: "Best Burgenland Brews"
  • Wortspiele: "WeinWissen" statt "Wine Knowledge"
  • Lautmalerei: Wörter, die so klingen, wie sie sich anfühlen
  • Zusammensetzungen: Zwei unerwartete Wörter kombinieren

Technik 3: Fremdsprachen-Inspiration Suche in anderen Sprachen nach schönen Wörtern:

  • Lateinisch für zeitlose Eleganz
  • Italienisch für Genuss und Lebensfreude (passt gut zum Burgenland)
  • Englisch für internationale Ambitionen
  • Dialekt für Authentizität und Regionalität

Technik 4: KI-gestützt Nutze KI-Tools als Sparringspartner. Gib deine Naming-Brief-Infos ein und lass dir Vorschläge generieren. Aber nimm nie den ersten Vorschlag -- nutze sie als Inspiration.

Schritt 3: Longlist erstellen

Sammle 50 bis 100 mögliche Namen. Ja, so viele. Quantität fördert Qualität. Bewerte noch nicht -- sammle nur.

Tipps für die Longlist:

  • Schreib jeden Namen auf, der dir einfällt -- auch die "schlechten"
  • Lass andere mitmachen (Team, Freunde, Familie)
  • Arbeite in mehreren Sitzungen -- Kreativität kommt in Wellen
  • Schau dir die Namen von erfolgreichen Startups an (nicht zum Kopieren, sondern zur Inspiration)

Schritt 4: Shortlist nach Kriterien filtern

Jetzt wird ausgesiebt. Prüfe jeden Namen gegen diese Kriterien:

KriteriumBewertung (1-5)Anmerkung
AussprechbarkeitFunktioniert der Name am Telefon?
SchreibbarkeitKann man ihn nach einmal Hören richtig schreiben?
MerkbarkeitBleibt er im Kopf?
BedeutungVermittelt er die richtige Assoziation?
KlanggKlingt er gut, wenn man ihn laut ausspricht?
LängeMaximal drei Silben sind ideal
Domain-Verfügbarkeit.at und .com prüfen
Social-Media-VerfügbarkeitGleicher Handle überall möglich?
Emotionale WirkungLöst er positive Gefühle aus?
ZukunftssicherheitFunktioniert er auch, wenn du wäachst?

Dein Ziel: Eine Shortlist von fünf bis zehn Namen.

Schritt 5: Rechtliche Prüfung

Dieser Schritt ist in Österreich besonders wichtig und wird von vielen Startups vernachlässigt.

Firmenbuch-Prüfung:

  • Prüfe im österreichischen Firmenbuch (firmenbuch.at), ob der Name schon vergeben ist
  • Auch ähnliche Namen können problematisch sein

Markenregister:

  • Österreichisches Patentamt (patentamt.at) -- österreichische Marken
  • EUIPO (euipo.europa.eu) -- europäische Marken
  • WIPO (wipo.int) -- internationale Marken

Domain-Prüfung:

  • .at-Domain bei nic.at prüfen
  • .com-Domain prüfen
  • Alternative Endungen (.io, .co, .app) als Backup

Social-Media-Handles:

  • Instagram, LinkedIn, Facebook, TikTok, X
  • Tools wie namecheckr.com helfen bei der Überprüfung

Kosten für Markenschutz in Österreich:

  • Österreichische Marke: ab ca. 280 EUR (online) für eine Klasse
  • EU-Marke: ab ca. 850 EUR für eine Klasse
  • Anwaltskosten für die Recherche: 500 bis 1.500 EUR

Mein Rat: Investiere früh in eine professionelle Markenrecherche. Ein späterer Namenswechsel kostet ein Vielfaches.

Schritt 6: Testen und entscheiden

Bevor du dich endgültig festlegst, teste deine Favoriten:

Der Telefon-Test: Ruf fünf Leute an und sag: "Mein Unternehmen heisst [Name]." Frag sie danach, wie sie den Namen schreiben würden.

Der Erinnerungs-Test: Sag jemandem den Namen. Frag 24 Stunden später, ob er sich erinnert.

Der Assoziations-Test: Frag zehn Leute: "Woran denkst du bei dem Wort [Name]?" Die Antworten müssen zu deiner Positionierung passen.

Der Kontext-Test: Stell dir vor, wie der Name klingt in:

  • "Guten Tag, hier ist [Name]."
  • "Ich arbeite bei [Name]."
  • "Hast du schon von [Name] gehört? Die machen [Beschreibung]."
  • "Auf der Rechnung steht [Name] GmbH."

Der Bauchgefühl-Test: Am Ende muss es sich richtig anfühlen. Wenn du den Namen stolz aussprichst, ist das ein gutes Zeichen.

Naming-Fehler, die ich bei österreichischen Startups sehe

Fehler 1: Zu lang und kompliziert

"Innovative Digital Solutions Burgenland" -- das merkt sich niemand und es passt auf keine Visitenkarte. Halte den Namen kurz. Zwei Silben sind ideal, drei sind okay, vier sind die Obergrenze.

Vor ein paar Jahren hatte jedes Startup ein ".io" oder ein "ify" im Namen. Heute sehen diese Namen datiert aus. Wähle zeitlos.

Fehler 3: Umlaute und Sonderzeichen

"Schönbrunn Grün" funktioniert international nicht. Wenn du auch nur die geringste Ambition hast, ausserhalb des DACH-Raums zu agieren, verzichte auf ä, ö, ü und ss im Namen.

Fehler 4: Negative Bedeutungen in anderen Sprachen

Prüfe deinen Namen zumindest auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und in den Sprachen deiner Nachbarländer (Ungarisch, Slowakisch, Kroatisch -- besonders relevant im Burgenland). Peinliche Doppelbedeutungen könnten deiner Marke schaden.

Fehler 5: Den Gründernamen nutzen, wenn er schwer aussprechbar ist

Gründernamen können wunderbar funktionieren -- wenn sie merkbar und aussprechbar sind. Aber wenn internationale Kunden deinen Nachnamen nicht aussprechen können, überleg dir eine Alternative.

Sonderthema: Naming für verschiedene Startup-Typen

Tech-Startups

  • Kurze, prägnante Namen funktionieren am besten
  • Fantasienamen sind in der Tech-Branche akzeptiert und sogar erwartet
  • Prüfe die Domain-Verfügbarkeit besonders gründlich
  • Budget: 0 EUR (selbst machen) bis 5.000 EUR (Naming-Agentur)

Gastronomie und Lebensmittel

  • Regionale Bezüge kommen gut an ("Neusiedler...", "Pannonisch...")
  • Authentizität ist wichtiger als Cleverness
  • Der Name sollte zum Produkt passen (kein Tech-Name für eine Bäckerei)
  • Dialektwörter können charmant sein, wenn die Zielgruppe regional ist

Beratung und Dienstleistung

  • Gründernamen funktionieren besonders gut (Vertrauensaufbau)
  • Kombinationen aus Name + Tätigkeit ("Lenhard Consulting") sind klar
  • Fantasienamen müssen mit mehr Marketing-Invest erklärt werden

E-Commerce

  • Der Name muss als Domain funktionieren -- das ist hier Pflicht
  • Kurz und tippfreundlich (keine Verwechslungsgefahr bei der URL)
  • Beschreibende Elemente helfen bei SEO

Die Namensfindung im Team

Wenn du im Team gründest, wird die Namensfindung zur Gruppenübung. Und das kann chaotisch werden. Hier ein strukturierter Ablauf:

Workshop-Ablauf (ca. 3 Stunden)

PhaseDauerAktivität
1. Briefing30 MinNaming-Brief gemeinsam durchgehen
2. Einzelarbeit30 MinJeder sammelt 20 Namen für sich
3. Präsentation30 MinAlle Namen vorstellen (ohne Bewertung!)
4. Cluster20 MinÄhnliche Namen gruppieren
5. Bewertung30 MinJeder vergibt Punkte (z.B. je 5 Klebepunkte)
6. Diskussion30 MinTop 5 besprechen
7. Shortlist10 Min3-5 Favoriten festlegen

Wichtige Regel: Trennt Kreativphase und Bewertungsphase strikt. Nichts tötet Kreativität schneller als zu frühe Kritik.

Nach dem Naming -- Die nächsten Schritte

Wenn du deinen Namen gefunden hast, geht es weiter mit:

  1. Domain sichern -- Sofort, nicht erst morgen. Domains kosten ab ca. 15 EUR pro Jahr.
  2. Social-Media-Handles sichern -- Auf allen relevanten Plattformen.
  3. Marke anmelden -- Beim österreichischen Patentamt oder als EU-Marke.
  4. Corporate Design entwickeln -- Logo, Farben, Schriften passend zum Namen. Mehr dazu im nächsten Beitrag: Corporate Design entwickeln.
  5. Brand Story formulieren -- Die Geschichte hinter dem Namen. Details findest du bei Brand Story erzählen.

Checkliste: Ist dein Name bereit?

  • Kurz und prägnant (maximal drei Silben)
  • Leicht auszusprechen
  • Leicht zu schreiben
  • Einprägsam
  • Passend zur Positionierung
  • Keine negativen Assoziationen
  • .at-Domain verfügbar
  • Haupt-Social-Media-Handles verfügbar
  • Im Firmenbuch nicht vergeben
  • Keine Markenrechtskonflikte
  • Funktioniert international (falls relevant)
  • Besteht den Telefon-Test
  • Besteht den Bauchgefühl-Test

Dein nächster Schritt

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Namensfindung und den ersten Schritten zum Markenschutz. Hol dir jetzt den Gründungszuschuss und mach deinen Startup-Namen zum Wettbewerbsvorteil.


Dieser Beitrag ist Teil der Serie "Branding und Positionierung" auf Startup Burgenland. Alle Beiträge findest du in unserem Blog.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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