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Markenrecherche vor der Gründung: Namensprobleme vermeiden

Felix Lenhard 10 min Lesezeit
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Der Name steht fest -- aber gehört er dir?

Du hast Wochen damit verbracht, den perfekten Namen für dein Startup zu finden. Er klingt gut, die Domain ist frei, das Logo ist designt. Und dann kommt eine Abmahnung. Der Name ist bereits als Marke geschützt -- von einer Firma, von der du noch nie gehört hast. Das passiert häufiger als du denkst.

Bei Startup Burgenland erleben wir das regelmäßig: Gründerinnen und Gründer investieren tausende Euro in Branding, Website und Marketingmaterial -- nur um dann festzustellen, dass der Name kollidiert. Eine gründliche Markenrecherche vor der Gründung hätte das verhindert. Und das Beste: Die Basisrecherche kostet dich keinen Cent.

In diesem Beitrag zeige ich dir die wichtigsten Datenbanken, Recherchestrategien und Bewertungskriterien. Damit du sicher sein kannst, dass dein Startup-Name wirklich dir gehört -- bevor du den ersten Euro in dein Branding investierst.

Warum Markenrecherche Pflicht ist

In Österreich gilt das Registrierungsprinzip: Wer eine Marke zuerst anmeldet, hat das Recht. Selbst wenn du den Namen seit Jahren benutzt -- wenn jemand anderes ihn vorher registriert hat, ziehst du den Kürzeren.

Die Konsequenzen einer Namenskollision können gravierend sein:

  • Abmahnung mit Unterlassungserklärung -- du musst den Namen sofort aufgeben
  • Schadenersatzforderungen -- der Markeninhaber kann Entschädigung verlangen
  • Rebranding-Kosten -- neue Website, neue Visitenkarten, neues Marketing
  • Verlorenes SEO-Ranking -- dein mühsam aufgebautes Google-Ranking ist weg
  • Kundenverwirrung -- deine Stammkunden finden dich nicht mehr

Die Kosten eines erzwungenen Rebrandings liegen schnell bei EUR 10.000 bis EUR 50.000 -- ganz zu schweigen vom Zeitverlust und Imageschaden. Eine Stunde Recherche kann dir das alles ersparen.

Das Tückische: Du kannst auch dann in Schwierigkeiten geraten, wenn du deinen Namen nie als Marke anmelden wolltest. Allein die geschäftliche Nutzung eines Namens, der einer eingetragenen Marke ähnelt, kann eine Markenrechtsverletzung darstellen.

Die wichtigsten Datenbanken für deine Recherche

1. Österreichische Markendatenbank des Patentamts

Das Österreichische Patentamt bietet eine kostenlose Online-Datenbank unter see-ip.patentamt.at. Hier findest du alle in Österreich eingetragenen und angemeldeten Marken.

So recherchierst du richtig:

  • Gib deinen Wunschnamen als Suchbegriff ein
  • Suche auch nach phonetisch ähnlichen Varianten (z.B. "Foto" und "Photo")
  • Filtere nach den relevanten Nizza-Klassen (siehe Markenanmeldung)
  • Prüfe den Status: Ist die Marke noch aktiv, in Prüfung oder bereits gelöscht?
  • Schau dir auch abgelaufene Marken an -- sie könnten wieder angemeldet werden

Die Datenbank ist kostenlos und ohne Registrierung zugänglich. Sie deckt allerdings nur österreichische Marken ab -- für EU-weite Suchen brauchst du TMview.

2. TMview -- Die EU-weite Suche

TMview ist die wichtigste Datenbank für eine europaweite Markenrecherche. Sie wird vom EUIPO betrieben und enthält über 70 Millionen Marken aus allen EU-Mitgliedstaaten plus vielen weiteren Ländern.

MerkmalDetail
URLtmview.org
KostenKostenlos
Umfang70+ Millionen Marken
LänderAlle EU-Staaten + internationale Marken
SuchoptionenWort, Bild, phonetisch, Fuzzy-Suche
BesonderheitVergleich über mehrere Ämter gleichzeitig

TMview bietet eine besonders nützliche Funktion: die phonetische Suche. Sie findet auch Namen, die anders geschrieben werden, aber ähnlich klingen. Das ist entscheidend, denn Verwechslungsgefahr wird nicht nur anhand der Schreibweise, sondern auch anhand des Klangs beurteilt.

3. EUIPO eSearch plus

Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum bietet mit eSearch plus eine spezialisierte Suche für EU-Marken (Unionsmarken) und Gemeinschaftsgeschmacksmuster. Nutze eSearch zusätzlich zu TMview, denn manchmal liefern die Suchmaschinen unterschiedliche Ergebnisse.

4. WIPO Global Brand Database

Für internationale Marken, die über das Madrider Abkommen registriert wurden, nutzt du die WIPO-Datenbank. Besonders relevant, wenn dein Startup international expandieren will oder einen englischen Namen hat.

5. Firmenbuch

Nicht vergessen: Auch eingetragene Firmennamen können ältere Rechte begründen. Prüfe das Firmenbuch über das Justizportal (firmenbuch.at). Ein identischer oder verwechslungsfähig ähnlicher Firmenname kann dich genauso in Schwierigkeiten bringen wie eine eingetragene Marke.

Das Firmenbuch zeigt dir:

  • Alle eingetragenen Unternehmen in Österreich
  • Firmenwortlaut und Rechtsform
  • Sitz des Unternehmens
  • Status (aktiv, gelöscht, in Liquidation)

6. Domain-Check und Social Media

Zusätzlich zur rechtlichen Recherche solltest du prüfen:

  • .at-Domain und .com-Domain -- sind sie verfügbar?
  • Social-Media-Handles -- @deinname auf Instagram, LinkedIn, X, TikTok
  • Google-Suche -- wer taucht unter dem Namen auf? Gibt es andere Unternehmen?
  • App-Store-Suche -- gibt es bereits Apps mit diesem Namen?

Mehr zu Domain-Fragen findest du in meinem Beitrag zu Domain-Recht.

Verwechslungsgefahr richtig einschätzen

Es reicht nicht, nur nach identischen Treffern zu suchen. Das Markenrecht schützt auch gegen verwechslungsfähig ähnliche Zeichen. Die Beurteilung der Verwechslungsgefahr erfolgt nach mehreren Kriterien.

Klangliche Ähnlichkeit

Wie klingt der Name, wenn man ihn ausspricht? "PhotoPro" und "FotoPro" klingen praktisch identisch -- das ist ein Problem. Auch "Sunbright" und "Sunbrite" sind zu nah beieinander.

Schriftbildliche Ähnlichkeit

Wie sehen die Namen nebeneinander aus? "Datacraft" und "Datacroft" unterscheiden sich nur in einem Buchstaben -- optisch zu ähnlich. Achte auch auf Groß-/Kleinschreibung und Trennungen: "SmartFlow" und "Smart Flow" sind visuell fast identisch.

Begriffliche Ähnlichkeit

Haben die Zeichen die gleiche Bedeutung? "Sonnenklar" und "Crystalclear" könnten problematisch sein, wenn sie im gleichen Bereich verwendet werden. Auch Übersetzungen in andere Sprachen können relevant sein.

Branchennähe

Verwechslungsgefahr wird immer im Kontext der konkreten Waren und Dienstleistungen beurteilt. "Apollo" als Optiker und "Apollo" als Raketenhersteller -- das geht. "Apollo" als Optiker und "Apollo" als Brillenmarke -- das geht definitiv nicht.

Prüfmatrix für die Gesamtbewertung

FaktorGeringes RisikoMittleres RisikoHohes Risiko
NamensähnlichkeitKomplett verschiedenTeilweise ähnlichSehr ähnlich/identisch
BranchenähnlichkeitKomplett andere BrancheVerwandte BrancheGleiche Branche
BekanntheitsgradUnbekannte MarkeRegionale MarkeBekannte Marke
GesamtrisikoGrün -- weitermachenGelb -- Anwalt fragenRot -- anderen Namen wählen

Bei einem gelben Ergebnis solltest du unbedingt einen Markenrechtsanwalt konsultieren. Die Kosten für eine Ersteinschätzung liegen bei EUR 100--300 -- deutlich günstiger als ein späteres Problem.

Professionelle Recherche vs. Eigenrecherche

Die oben genannten Schritte kannst du selbst durchführen -- und solltest du auch. Aber eine Eigenrecherche hat Grenzen:

AspektEigenrechercheProfessionelle Recherche
KostenEUR 0EUR 300--800
Dauer2--4 Stunden3--5 Werktage
DatenbankenÖffentlich zugänglicheProfessionelle + öffentliche
ÄhnlichkeitsanalyseGrundlegendUmfassend mit Algorithmen
Phonetische SucheBegrenztProfessionelle Tools
Rechtliche EinschätzungNeinJa, durch Markenanwalt
EmpfehlungImmer als erster SchrittWenn Eigenrecherche unklar

Meine Empfehlung: Starte immer mit der Eigenrecherche. Wenn diese keine klaren Treffer ergibt, du aber unsicher bist, investiere in eine professionelle Recherche. EUR 300--800 sind deutlich günstiger als ein Rebranding für EUR 10.000 oder mehr.

Patentanwälte und spezialisierte Recherchedienstleister bieten umfassende Ähnlichkeitsrecherchen an. Das Österreichische Patentamt selbst bietet einen kostenpflichtigen Rechercheservice an -- die assistierte Recherche ab EUR 150 ist ein guter Mittelweg zwischen Eigenrecherche und teurem Anwalt.

Was tun, wenn der Name schon vergeben ist?

Dein Wunschname ist als Marke eingetragen. Was nun? Hier sind deine Optionen -- von einfach bis aufwändig.

Option 1: Prüfen, ob die Marke noch aktiv genutzt wird

Eine Marke, die fünf Jahre lang nicht ernsthaft benutzt wurde, kann auf Antrag wegen Verfalls gelöscht werden (§ 33a MSchG). Prüfe, ob der Markeninhaber den Namen tatsächlich noch aktiv verwendet -- auf seiner Website, in Produktlisten, in Werbematerialien. Wenn die Marke brach liegt, hast du eine echte Chance.

Option 2: Andere Nizza-Klassen prüfen

Wenn die bestehende Marke in völlig anderen Klassen eingetragen ist als deine geplante Verwendung, kann eine Koexistenz möglich sein. Beispiel: Die Marke ist für Bekleidung (Klasse 25) eingetragen, du willst Software (Klasse 9) anbieten. Hier ist aber anwaltliche Beratung dringend empfohlen -- die Abgrenzung ist nicht immer so klar, wie sie scheint.

Option 3: Abwandlung des Namens

Manchmal reicht eine kreative Abwandlung: Ein Zusatz, eine andere Schreibweise oder ein Fantasiewort als Ergänzung können ausreichend Abstand schaffen. Aus "FlowApp" wird "FlowStack" oder "NextFlow". Achte aber darauf, dass die Abwandlung wirklich ausreichend Abstand schafft -- ein Buchstabe Unterschied reicht in der Regel nicht.

Option 4: Köxistenzvereinbarung

Du kannst den bestehenden Markeninhaber kontaktieren und eine Köxistenzvereinbarung aushandeln. Beide Parteien nutzen ähnliche Namen, aber in klar abgegrenzten Bereichen oder Regionen. Das funktioniert erstaunlich oft -- viele Markeninhaber sind pragmatisch und offen für solche Lösungen.

Option 5: Neuen Namen wählen

Manchmal ist ein sauberer Neustart die beste Lösung. Je früher du die Kollision entdeckst, desto günstiger ist der Namenswechsel. Deshalb gilt: Recherche vor dem ersten Euro Investition ins Branding. Nicht danach.

Spezialfall: Englische und internationale Namen

Viele österreichische Startups wählen englische Namen, um von Anfang an international zu wirken. Das hat Vor- und Nachteile aus Markensicht.

Vorteile:

  • Größerer Pool an verfügbaren Namen (weniger Kollisionen im deutschsprachigen Raum)
  • Einfacher zu schützen in mehreren Ländern
  • Internationale Skalierung ohne Namenswechsel

Risiken:

  • Du musst in mehr Ländern recherchieren -- ein englischer Name kollidiert eher mit Marken in den USA, UK, Australien etc.
  • In manchen Nizza-Klassen sind englische Beschreibungen ebenso wenig eintragbar wie deutsche ("Smart Home App" ist genauso beschreibend wie "Intelligente Haus-App")
  • Phonetische Ähnlichkeiten können über Sprachgrenzen hinweg relevant sein

Empfehlung: Wenn du einen englischen Namen wählst, recherchiere nicht nur in Österreich und der EU, sondern auch in den USA (USPTO-Datenbank TESS) und UK (IPO-Datenbank). Besonders wenn du langfristig in diese Märkte expandieren willst.

Timing: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Recherche?

Die Markenrecherche sollte dein allererster Schritt sein -- noch vor dem Logo-Design, der Domain-Registrierung und definitiv vor dem Druck von Visitenkarten oder der Erstellung einer Website.

ZeitpunktWas tunKosten
Namensfindung (3--5 Favoriten)Schnellrecherche aller FavoritenEUR 0 / 1 Stunde
Name steht festGründliche EigenrechercheEUR 0 / 3--4 Stunden
Vor Logo-BriefingProfessionelle Recherche (bei Unsicherheit)EUR 300--800
Vor FirmenbucheintragFirmenbuch-RechercheEUR 0 / 30 Minuten
Vor Website-LaunchMarkenanmeldung einreichenEUR 280

Viele Gründerinnen und Gründer machen den Fehler, zuerst das Logo designen zu lassen (EUR 500--2.000) und dann die Markenrecherche zu machen. Wenn der Name kollidiert, sind die Logo-Kosten verloren. Drehe die Reihenfolge um.

Recherche-Checkliste für Gründerinnen und Gründer

Hier deine Schritt-für-Schritt-Checkliste -- arbeite sie systematisch ab:

  1. Österreichische Markendatenbank durchsuchen (identisch + ähnlich)
  2. TMview EU-weit durchsuchen (Wort + phonetisch)
  3. EUIPO eSearch für EU-Marken prüfen
  4. WIPO-Datenbank für internationale Marken durchsuchen
  5. Firmenbuch auf ähnliche Firmennamen durchsuchen
  6. Domain-Verfügbarkeit prüfen (.at und .com)
  7. Social-Media-Handles prüfen
  8. Google-Suche nach dem Namen durchführen
  9. App-Store-Suche durchführen
  10. Nizza-Klassen-Überlappung analysieren
  11. Verwechslungsgefahr anhand der Prüfmatrix bewerten
  12. Bei Unsicherheit: Professionelle Recherche beauftragen

Plane für die gesamte Recherche etwa einen halben Tag ein. Das ist gut investierte Zeit -- und die beste Versicherung gegen teure Überraschungen.

Dokumentation der Recherche: Warum sie wichtig ist

Dokumentiere deine Recherche sorgfältig -- nicht nur für dich selbst, sondern auch als Nachweis für den Fall, dass später ein Konflikt entsteht. Wenn du nachweisen kannst, dass du eine gründliche Recherche durchgeführt hast, bevor du den Namen verwendet hast, stärkt das deine Position.

Was du dokumentieren solltest:

  • Datum der Recherche (Screenshots mit Zeitstempel)
  • Verwendete Datenbanken und Suchbegriffe
  • Ergebnisse -- auch Negativergebnisse ("Keine Treffer für XYZ in Klasse 42")
  • Bewertung der Ergebnisse -- warum hast du entschieden, dass kein Konflikt besteht?
  • Professionelle Rechercheergebnisse -- wenn du eine bezahlte Recherche in Auftrag gegeben hast

Bewahre diese Dokumentation zusammen mit deiner Markenanmeldung auf. Im Streitfall kann der Nachweis einer sorgfältigen Recherche auch haftungsmildernd wirken.

Der nächste Schritt

Mach die Markenrecherche zu deinem allerersten Schritt -- noch bevor du das Logo designen lässt oder die Domain kaufst. Nutze die kostenlosen Datenbanken und arbeite dich durch die Checkliste. Wenn alles frei ist, lies weiter bei Marke schützen in Österreich und melde deinen Namen an.

Und wenn du auch an Domain-Probleme denkst: Mein Beitrag zu Domain-Recht hilft dir bei Namensfragen rund um deine Web-Adresse. Für die Gesamtstrategie zum Schutz deines geistigen Eigentums empfehle ich den Beitrag zur IP-Strategie.

Und ein letzter Tipp: Wenn du mehrere Namenskandidaten hast, recherchiere alle parallel. Es ist einfacher, drei Namen gleichzeitig zu prüfen und den besten auszuwählen, als alles auf einen Namen zu setzen und bei einer Kollision wieder von vorne anfangen zu müssen.

Denke daran: Die Markenrecherche ist keine einmalige Aufgabe. Wenn du deinen Namen änderst, neue Produkte launchst oder in neue Märkte expandierst, solltest du die Recherche wiederholen. Der Aufwand ist gering, der Schutz vor teuren Überraschungen unbezahlbar.

Zum Schluss noch ein häufig übersehener Punkt: Recherchiere nicht nur den Firmennamen, sondern auch Produktnamen, Feature-Namen und Kampagnennamen. Jeder Name, den du öffentlich verwendest, kann mit einer bestehenden Marke kollidieren. Bei einem einzelnen Produkt ist das ärgerlich, aber verkraftbar. Bei deinem Firmennamen ist es existenzbedrohend.

Bei Startup Burgenland unterstützen wir dich bei der Namensfindung und vermitteln dich an erfahrene Markenrechts-Experten aus unserem Netzwerk. Einfach melden.


Startup Burgenland macht Gründung leistbar: EUR 10.000 Gründungszuschuss (nicht rückzahlbar, keine Eigenkapitalabgabe), 1:1 Coaching und ein Netzwerk aus Steuerberatern, Notaren und Rechtsanwälten. Flexibler Einstieg jederzeit. Schreib uns ein formloses E-Mail.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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