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Einzelunternehmen anmelden: Schritt für Schritt

Felix Lenhard 9 min Lesezeit
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Der schnellste Weg in die Selbstständigkeit

Das Einzelunternehmen ist die einfachste und günstigste Rechtsform in Österreich. Kein Notar, kein Stammkapital, keine Firmenbuch-Pflicht unter bestimmten Umsatzgrenzen. Du kannst buchstäblich morgen starten.

Genau deshalb ist das Einzelunternehmen -- oder e.U., wenn du es ins Firmenbuch einträgst -- die beliebteste Rechtsform für den Einstieg. Über 60% aller Unternehmen in Österreich sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU). Und viele der Startups, die wir bei Startup Burgenland begleiten, haben als Einzelunternehmen begonnen, bevor sie später in eine GmbH oder FlexCo umgewandelt haben.

Dieser Post zeigt dir Schritt für Schritt, wie du dein Einzelunternehmen in Österreich anmeldest. Konkret, praktisch und ohne Behördenjargon.

Hinweis: Die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich. Dieser Post gibt dir eine fundierte Orientierung, ersetzt aber keine individuelle Beratung durch einen Steuerberater oder das WKO-Gründerservice. Für deine konkrete Situation solltest du immer professionellen Rat einholen.

Was ist ein Einzelunternehmen genau?

Ein Einzelunternehmen gehört einer einzigen Person -- dir. Du bist Eigentümer, Geschäftsführer und Arbeitnehmer in einer Person. Du triffst alle Entscheidungen allein und trägst das gesamte Risiko.

Der wichtigste Punkt: Als Einzelunternehmer haftest du unbeschränkt mit deinem gesamten Privatvermögen. Wenn dein Unternehmen Schulden hat, greift der Gläubiger auf dein privates Bankkonto, dein Auto, deine Ersparnisse zu. Das ist der größte Unterschied zur GmbH -- und der Grund, warum du die Haftungsfrage ernst nehmen solltest.

Für viele Geschäftsmodelle -- Beratung, Dienstleistung, Freelancing, kleine Handelsunternehmen -- ist das Risiko überschaubar. Aber wenn du Produkte mit Haftungsrisiko entwickelst oder große Aufträge annimmst, solltest du über eine Kapitalgesellschaft nachdenken.

Welches Gewerbe brauchst du?

Bevor du dich anmeldest, musst du klären, welche Art von Gewerbe du ausübst. In Österreich gibt es zwei Hauptkategorien:

Freie Gewerbe

Für freie Gewerbe brauchst du keinen Befähigungsnachweis. Du meldest das Gewerbe einfach an, und du darfst sofort loslegen. Die meisten Dienstleistungen fallen hierunter: IT-Dienstleistungen, Marketingberatung, Online-Handel, Grafikdesign und vieles mehr.

Die Liste der freien Gewerbe findest du auf der Website der WKO. Es sind über 80 Tätigkeiten -- die Chance ist groß, dass dein Vorhaben darunter fällt.

Reglementierte Gewerbe

Für reglementierte Gewerbe brauchst du einen Befähigungsnachweis -- eine bestimmte Ausbildung, Praxiserfahrung oder Prüfung. Beispiele: Unternehmensberatung (einschließlich IT), Elektrotechnik, Gastgewerbe, Immobilienmakler, Baugewerbe.

Wenn du den Befähigungsnachweis nicht selbst mitbringst, kannst du einen gewerberechtlichen Geschäftsführer bestellen -- eine Person, die die Qualifikation hat und in deinem Unternehmen halbtags beschäftigt ist.

Neue Selbstständige -- kein Gewerbe nötig

Bestimmte Tätigkeiten fallen nicht unter die Gewerbeordnung und brauchen keinen Gewerbeschein. Das betrifft vor allem:

  • Künstlerische Tätigkeiten
  • Wissenschaftliche Tätigkeiten
  • Schriftstellerische Tätigkeiten
  • Vortragende und Lehrende
  • Bestimmte Gesundheitsberufe

Als "Neue Selbstständige" meldest du dich direkt bei der SVS an, ohne Gewerbeschein und ohne WKO-Mitgliedschaft.

Wie meldest du dein Einzelunternehmen an?

Schritt 1: Gewerbeanmeldung

Die Gewerbeanmeldung erfolgt bei der Bezirkshauptmannschaft (BH) deines Bezirks oder beim Magistrat in Statutarstädten (Wien, Eisenstadt, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt).

Du kannst die Anmeldung auch online über das Unternehmensserviceportal (USP) erledigen -- bequem von zu Hause aus.

Was du brauchst:

  • Gültiger Lichtbildausweis
  • Strafregisterbescheinigung (nicht älter als 3 Monate) -- für die meisten Gewerbe automatisch abgefragt
  • Befähigungsnachweis (nur bei reglementierten Gewerben)
  • Angabe des genauen Gewerbe-Wortlauts

Kosten: EUR 30-50 (Bundesverwaltungsabgabe)

Dauer: Bei freien Gewerben ist die Anmeldung sofort wirksam. Du darfst ab dem Tag der Anmeldung tätig werden.

Schritt 2: WKO-Mitgliedschaft

Mit der Gewerbeanmeldung bist du automatisch Mitglied der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Das ist keine freiwillige Entscheidung -- es ist Pflicht.

Die WKO-Mitgliedschaft bringt dir:

  • Kostenlose Gründerberatung
  • Zugang zu Brancheninformationen
  • Rechtsberatung und Interessenvertretung
  • Veranstaltungen und Netzwerk

Die Grundumlage liegt je nach Fachgruppe und Bundesland bei EUR 50-200 pro Jahr. Dazu kommt die Kammerumlage, die sich nach deinem Umsatz richtet.

Schritt 3: SVS-Anmeldung

Als Gewerbetreibender bist du automatisch bei der SVS (Sozialversicherung der Selbständigen) pflichtversichert. Die SVS wird über die Gewerbeanmeldung informiert und meldet sich bei dir.

SVS-Beiträge im Überblick:

  • Krankenversicherung: 6,80% des Gewinns
  • Pensionsversicherung: 18,50% des Gewinns
  • Unfallversicherung: Pauschale ca. EUR 10/Monat
  • Selbständigenvorsorge: 1,53% des Gewinns

Gründerprivileg: In den ersten zwei Kalenderjahren deiner Selbstständigkeit sind die Kranken- und Pensionsversicherungsbeiträge reduziert. Die Mindestbeiträge liegen bei ca. EUR 130 pro Monat -- das ist dein fixer Kostenpunkt, auch wenn du noch keinen Umsatz machst.

Achtung Nachzahlung: Die SVS rechnet zunächst mit Mindestbeiträgen. Wenn dein tatsächlicher Gewinn höher ist, kommt im Folgejahr eine Nachzahlung. Plane dafür Rücklagen ein -- das überrascht viele Gründer unangenehm.

Schritt 4: Finanzamt-Anmeldung

Innerhalb eines Monats nach Aufnahme deiner Tätigkeit musst du dich beim zuständigen Finanzamt anmelden. Du erhältst den Fragebogen "Verf 24" -- den "Fragebogen anlässlich der Eröffnung eines Betriebes".

Was das Finanzamt wissen will:

  • Art der Tätigkeit
  • Voraussichtlicher Jahresumsatz
  • Voraussichtlicher Gewinn
  • Ob du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst

Auf Basis deiner Angaben setzt das Finanzamt die Einkommensteuer-Vorauszahlungen fest. Im ersten Jahr sind diese oft gering oder null -- aber unterschätze nicht die Nachzahlung, wenn dein Gewinn höher ausfällt.

Schritt 5: Geschäftskonto eröffnen

Rechtlich musst du als Einzelunternehmer kein eigenes Geschäftskonto haben. Aber mach es trotzdem. Die Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen ist Gold wert:

  • Saubere Buchführung
  • Weniger Stress bei der Steuererklärung
  • Professionelles Auftreten gegenüber Kunden
  • Klarer Überblick über deine Geschäftszahlen

Die meisten österreichischen Banken bieten Geschäftskonten ab EUR 10-30 pro Monat an. Manche Neobanken sind sogar kostenlos.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung ist einer der größten Vorteile für Gründer in der Anfangsphase. Wenn dein Jahresumsatz unter EUR 55.000 liegt, bist du von der Umsatzsteuer befreit.

Was das bedeutet:

  • Du stellst Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus
  • Du musst keine USt-Voranmeldungen abgeben
  • Dein administrativer Aufwand sinkt massiv

Der Haken: Du kannst auch keine Vorsteuer abziehen. Wenn du hohe Investitionen planst (Maschinen, Fahrzeuge, teure Software), kann es günstiger sein, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten und regulär umsatzsteuerpflichtig zu werden.

Unsere Empfehlung: Sprich mit deinem Steuerberater. In den meisten Fällen ist die Kleinunternehmerregelung im ersten Jahr der richtige Weg. Aber es gibt Ausnahmen.

Brauchst du eine Firmenbuch-Eintragung?

Als Einzelunternehmer bist du nicht automatisch firmenbuchpflichtig. Du musst dich ins Firmenbuch eintragen lassen, wenn dein Umsatz EUR 700.000 übersteigt oder du freiwillig einträgst.

Vorteile der freiwilligen Eintragung:

  • Du darfst den Zusatz "e.U." (eingetragenes Unternehmen) führen
  • Stärkerer Firmenname-Schutz
  • Professionelleres Auftreten

Nachteile:

  • Pflicht zur doppelten Buchführung und Bilanzierung (statt Einnahmen-Ausgaben-Rechnung)
  • Höhere Steuerberaterkosten
  • Offenlegungspflichten

Für die meisten Gründer im ersten Jahr ist die freiwillige Eintragung unnötig. Bleib bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und spare dir die Komplexität.

Welche Buchhaltung brauchst du?

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (E/A-Rechnung)

Als nicht firmenbuchpflichtiger Einzelunternehmer führst du eine einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Das bedeutet: Du erfasst alle Einnahmen und alle Ausgaben -- fertig.

Das kannst du im ersten Jahr sogar mit einer strukturierten Excel-Tabelle machen. Besser ist eine einfache Buchhaltungssoftware (ProSaldo, FreeFinance, BMD). Und am besten lässt du es von einem Steuerberater machen oder zumindest prüfen.

Kosten für Steuerberater (Einzelunternehmer): EUR 100-300 pro Monat -- je nach Beleganzahl und Komplexität.

Doppelte Buchführung

Ab einem Jahresumsatz von EUR 700.000 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren oder bei freiwilliger Firmenbuch-Eintragung musst du eine doppelte Buchführung und Bilanz erstellen. Das ist deutlich aufwändiger und erfordert in der Regel einen Steuerberater.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Anmeldung?

Fehler 1: Falsches Gewerbe anmelden

Das exakte Gewerbe-Wort bestimmt, was du tun darfst. "IT-Dienstleistung" ist nicht dasselbe wie "Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation". Wenn du das falsche Gewerbe anmeldest, riskierst du eine Gewerbeübertretung. Lass dich vom WKO-Gründerservice beraten -- kostenlos und unkompliziert.

Fehler 2: SVS-Nachzahlung vergessen

Viele Gründer sind überrascht, wenn im zweiten oder dritten Jahr eine saftige SVS-Nachzahlung kommt. Die SVS rechnet anfangs mit Mindestbeiträgen. Wenn dein Gewinn steigt, steigen die Beiträge -- und die Differenz wird nacherhoben. Leg von jedem Gewinn 25-30% für Steuern und Sozialversicherung zur Seite.

Fehler 3: Keine Trennung privat/geschäftlich

Ohne eigenes Geschäftskonto wird die Buchhaltung zum Albtraum. Jede Privatausgabe muss von den Betriebsausgaben getrennt werden. Das kostet deinen Steuerberater Zeit -- und dich Geld.

Fehler 4: Zu spät an die Steuern denken

Einkommensteuer, Umsatzsteuer, SVS-Beiträge -- das kann im ersten profitablen Jahr schnell 40-50% deines Gewinns ausmachen. Wenn du das nicht einplanst, hast du am Ende des Jahres ein Problem.

Wann solltest du über einen Wechsel der Rechtsform nachdenken?

Das Einzelunternehmen ist perfekt für den Start. Aber irgendwann kann der Zeitpunkt kommen, an dem eine andere Rechtsform besser passt:

  • Haftungsrisiko steigt: Wenn du größere Aufträge annimmst oder Produkte mit Haftungsrisiko entwickelst
  • Investoren kommen ins Spiel: Investoren beteiligen sich nicht an Einzelunternehmen
  • Co-Founder kommt dazu: Zu zweit brauchst du eine Gesellschaft
  • Steueroptimierung: Ab einem bestimmten Gewinn kann die GmbH steuerlich günstiger sein (Faustregel: ab ca. EUR 60.000-80.000 Gewinn lohnt sich die Prüfung)

Mehr dazu findest du in unserem Rechtsformvergleich: GmbH vs. e.U. vs. FlexCo vs. OG.

Zusammenfassung und Handlungsempfehlung

Wenn du als Einzelunternehmer starten willst, ist dein erster Schritt klar: Geh zum WKO-Gründerservice. In jedem Bundesland -- ob in Eisenstadt, Wien, Graz oder Innsbruck -- gibt es kostenlose Erstberatung. Dort klärst du das richtige Gewerbe, bekommst Infos zu Förderungen und startest den Anmeldeprozess.

Und dann meldest du dich bei uns. Im 1:1 Coaching bei Startup Burgenland begleiten wir dich nicht nur bei der Anmeldung, sondern beim gesamten Weg von der Idee zum funktionierenden Geschäft.

Die grundlegenden Kosten einer Gründung in Österreich findest du in Die ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung. Und wenn du überlegst, ob ein Side Business der klügere Einstieg ist, lies Side Business statt Vollzeit-Gründung.


Startup Burgenland unterstützt Gründerinnen und Gründer ab dem ersten Tag -- mit 1:1 Coaching, einem EUR 10.000 Gründungszuschuss ohne Eigenkapitalabgabe und einem Netzwerk aus Expertinnen und Experten. Ein formloses E-Mail genügt für ein unverbindliches Erstgespräch.

Über den Autor: Felix Lenhard ist Program Director und Startup Coach bei Startup Burgenland. Zuvor Managing Director beim 360 Innovation Lab, Innovation Manager bei RHI Magnesita und Serial Entrepreneur mit internationalen Exits. Über 15 Jahre Erfahrung in Innovation und Unternehmensaufbau.

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